GitLab IPO: Die DevOps-Plattform, die Entwickler endlich aus dem Tool-Chaos befreit

GitLab IPO: Die DevOps-Plattform, die Entwickler endlich aus dem Tool-Chaos befreit
Ticker: GTLB🌐Gründung: 2014Technologie💾

Overview

Wer schon mal in einem größeren Tech-Team gearbeitet hat, kennt das Problem: Ein Tool zum Planen, ein anderes zum Coden, wieder eines für Testing, Deployment, Security. Überall Schnittstellen, die irgendwie zusammengebaut wurden. GitLab hat dafür eine Antwort: eine einzige Plattform, die den gesamten DevOps-Lebenszyklus von der ersten Idee bis zum fertigen Deployment abdeckt.

Das Unternehmen wurde im September 2014 in Delaware gegründet und hat seinen Ursprung in einem Open-Source-Projekt, das schnell eine riesige Community anzog. Heute reicht der Einsatz von Startups bis hin zu Großkonzernen, die ihre Entwicklungsprozesse modernisieren wollen. Der Börsengang erfolgt im Oktober 2021 am Nasdaq Global Market unter dem Ticker GTLB.

Was den Zeitpunkt erklärt: Digitale Transformation ist kein Nice-to-have mehr. Unternehmen aller Branchen stehen unter Druck, schneller Software zu liefern. Der klassische Ansatz, bei dem jedes Team sein eigenes Tool kauft und alles per Hand integriert wird, scheitert an Komplexität und Kosten. GitLab setzt genau hier an und profitiert von einem Marktumfeld, das den Wandel zu integrierten Plattformen beschleunigt.

Management zum Zeitpunkt des IPOs

An der Spitze steht Mitgründer und CEO Sytse Sijbrandij, der GitLab seit der Gründung führt. Er ist auch Chairman of the Board und einer der prägenden Köpfe hinter der radikalen Remote-First-Kultur des Unternehmens. GitLab veröffentlicht sein gesamtes internes Betriebshandbuch öffentlich, ein Ansatz, der in der Tech-Welt einzigartig ist und Sijbrandijs Überzeugung von Transparenz als Wettbewerbsvorteil widerspiegelt.

Die Aktienstruktur nach dem IPO ist zweigeteilt: Class-A-Aktien erhalten eine Stimme pro Aktie, Class-B-Aktien zehn Stimmen pro Aktie. Class-B-Aktien werden nach zehn Jahren, beim Tod oder der Handlungsunfähigkeit von Sijbrandij oder bei einem Unterschreiten der 5%-Schwelle automatisch in Class-A-Aktien umgewandelt. Direktoren, leitende Angestellte und Großaktionäre halten nach dem IPO einen erheblichen Teil der Stimmrechte, was neue Aktionäre mit wenig direktem Einfluss auf strategische Entscheidungen zurücklässt.

Branche

Der Markt für DevOps-Software ist groß und wächst schnell. GitLab schätzt sein adressierbares Marktvolumen auf rund 40 Milliarden US-Dollar. Laut Gartner umfasst der globale Markt für Infrastructure Software bis Ende 2024 rund 458 Milliarden Dollar, von dem GitLab rund 55 Milliarden als erreichbar einschätzt.

Die Konkurrenz kommt aus verschiedenen Richtungen: GitHub (Microsoft) ist der direkteste Wettbewerber im Bereich Code-Management und CI/CD. Atlassian adressiert mit Jira und Bitbucket ähnliche Teams. Dazu kommen spezialisierte Point-Solutions für einzelne Phasen des Entwicklungsprozesses. GitLabs Argument gegen alle: Sie lösen das Problem nicht, sie verschieben es nur. Wer auf einzelne Best-in-Class-Tools setzt, baut sich früher oder später einen schwer wartbaren Integrationsapparat zusammen.

Rückenwind kommt von mehreren Seiten: steigende Compliance-Anforderungen an Softwareentwicklung, der Trend zu Cloud-nativer Entwicklung und Microservices, und der wachsende Druck auf Sicherheit in der Supply Chain. All das erhöht die Nachfrage nach integrierten Lösungen, die Entwicklung, Betrieb und Sicherheit unter einem Dach zusammenführen.

Produkte

GitLab bietet eine vollständige DevOps-Plattform mit zehn integrierten Modulen:

  • Manage: Analyse des Entwicklungsflusses über den gesamten DevOps-Zyklus, Value-Stream-Analytics
  • Plan: Kollaborative Projektplanung mit Issues, Epics, Roadmaps und Agile-Boards
  • Create: Code-Management mit verteilter Versionskontrolle, Code-Reviews und Merge-Requests
  • Verify: Kontinuierliche Integration (CI) mit automatischen Tests, Build-Pipelines und Qualitätssicherung
  • Package: Verwaltung von Abhängigkeiten, Container-Registry und Build-Artefakten
  • Secure: Sicherheitstests direkt im Entwicklungsprozess, darunter SAST, DAST, Container Scanning und Dependency Scanning
  • Release: Automatisierung von Releases und Deployments mit Continuous Delivery
  • Configure: Infrastruktur-Konfiguration und -Management für Deployment-Umgebungen
  • Monitor: Fehlertracking, Performance-Monitoring und Alerting für produktive Systeme
  • Protect: Cloud-native Sicherheitsfunktionen inklusive Policy-Management und Container-Sicherheit

Kunden können zwischen einer selbst gehosteten Version (Self-Managed) und einer SaaS-Version wählen. Beide bieten einen kostenlosen Einstieg sowie zwei kostenpflichtige Abo-Tiers. Strategische Partnerschaften mit Google Cloud und AWS ermöglichen den Vertrieb über deren Marktplätze.

Outlook

Die Zahlen zeigen klares Momentum. Im Geschäftsjahr 2021 (endete Januar 2021) hat GitLab 152 Millionen Dollar Umsatz erzielt, 87% mehr als im Vorjahr. Der Run-Rate-Umsatz lag zum zweiten Quartal 2022 (Juli 2021) bei 233 Millionen Dollar, ein Wachstum von 69% gegenüber dem Vorjahr.

Besonders beeindruckend ist die Dollar-Based Net Retention Rate von 152%: Bestehende Kunden geben im Schnitt 52% mehr aus als im Vorjahr. Das zeigt, wie tief die Plattform in die Arbeit der Teams eindringt und wie organisch die Ausweitung des Nutzungsumfangs passiert. Die Zahl der Kunden mit über 100.000 Dollar ARR ist von 173 (Januar 2020) auf 383 (Juli 2021) gestiegen.

Das Risikobild ist bei allem Wachstum klar: GitLab ist nicht profitabel. Der Nettoverlust lag im Geschäftsjahr 2021 bei 192 Millionen Dollar, für die ersten sechs Monate des Folgejahres bei 69 Millionen Dollar. Das Unternehmen investiert massiv in Vertrieb, Marketing und Forschung, ein klassisches Wachstumsmuster in der SaaS-Welt, aber der Weg zur Profitabilität ist noch nicht klar definiert. Gleichzeitig ist der Wettbewerb durch GitHub (Microsoft) und andere gut finanzierte Konkurrenten erheblich.

Details zum IPO

GitLab hat für die Erstnotiz am Nasdaq Global Market den Ticker GTLB gewählt. Emissionspreis und genaue Aktienanzahl wurden im ursprünglichen S-1 noch nicht festgelegt, der Börsengang soll im Oktober 2021 erfolgen. Es werden sowohl neue Aktien von GitLab als auch bestehende Aktien eines Verkäufergesellschafters angeboten. GitLab erhält keine Erlöse aus dem Verkauf der Aktien des Gesellschafters.

Als Konsortialführer wurden Goldman Sachs, J.P. Morgan und BofA Securities mandatiert, ergänzt durch UBS Investment Bank, RBC Capital Markets, Truist Securities und weitere Banken. Die Erlöse aus dem GitLab-Anteil sollen primär für allgemeine Unternehmenszwecke und mögliche Akquisitionen eingesetzt werden.

Die Dual-Class-Aktienstruktur mit 10-fachen Stimmrechten für Class-B-Aktien sichert dem Gründer Sijbrandij und den frühen Investoren die Kontrolle über das Unternehmen. GitLab gilt als Emerging Growth Company und macht von einigen erleichterten Offenlegungsvorschriften Gebrauch.

Bewertungskriterien

+

Dollar-Based Net Retention Rate von 152% zeigt, dass bestehende Kunden massiv mehr ausgeben als im Vorjahr, ein Zeichen für echten Product-Market-Fit

+

Einzige vollständige, cloud-native DevOps-Plattform als Single Application mit einer einheitlichen Datenbasis, kein zusammengestückter Tool-Mix

+

Open-Core-Modell mit über 2.600 Community-Contributoren erzeugt kontinuierliche Produktverbesserungen ohne proportionale R&D-Kosten

+

Umsatzwachstum von 87% (FY21) und 69% (H1 FY22) bei einer Bruttomarge von rund 88% zeigt ein skalierbares Geschäftsmodell

Erhebliche Verluste: 192 Millionen Dollar Nettoverlust im Geschäftsjahr 2021, kein klares Datum für Profitabilität in Sicht

GitHub (Microsoft) ist ein finanzstarker Wettbewerber mit riesiger Entwicklercommunity und tiefer Integration ins Microsoft-Ökosystem

Dual-Class-Aktienstruktur mit 10-fachen Stimmrechten für Class-B-Aktionäre lässt neuen Anlegern kaum Einfluss auf Unternehmensentscheidungen

Umsatz hängt stark von Subscription-Verlängerungen und Expansionen ab, eine Verlangsamung des Wachstums würde die Bewertung stark unter Druck setzen