GlobalFoundries IPO: Der Chip-Gigant hinter deinem Smartphone geht an die Börse

GlobalFoundries IPO: Der Chip-Gigant hinter deinem Smartphone geht an die Börse
Ticker: GFS🌐Gründung: 2009Technologie💾

Overview

Der Chipmangel von 2021 hat eines klargemacht: Ohne Halbleiter läuft in der modernen Welt gar nichts. Und genau hier kommt GlobalFoundries ins Spiel. Das Unternehmen gehört zu den wenigen Foundries weltweit, die Chips nicht für sich selbst, sondern im Auftrag anderer fertigen. Kunden wie Qualcomm, AMD, Samsung und NXP verlassen sich auf GFs Produktionskapazitäten. Jetzt will das Unternehmen an die Nasdaq, Ticker GFS.

GF wurde 2009 gegründet, als eine Tochtergesellschaft von Mubadala, dem Staatsfonds Abu Dhabis, die Chipfertigung von AMD übernahm. Seitdem hat sich das Unternehmen durch Zukäufe massiv vergrößert: 2010 kam Chartered Semiconductor aus Singapur hinzu, 2015 der Microelectronics-Bereich von IBM. Heute hat GF fünf Werke auf drei Kontinenten, über 10.000 Patente und einen Auftragsbestand von mehr als 19,5 Milliarden US-Dollar an langfristigen Kundenverträgen.

Der Zeitpunkt des IPOs ist kein Zufall. Der globale Chipmangel, steigende Nachfrage durch 5G, Elektroautos und IoT sowie politischer Druck auf westliche Regierungen, die Chip-Abhängigkeit von Asien zu reduzieren, geben GF gerade massiv Rückenwind. Das Unternehmen ist gut positioniert, um davon zu profitieren. Und mit dem frischen Kapital aus dem Börsengang sollen neue Kapazitäten aufgebaut werden.

Management zum Zeitpunkt des IPOs

Das Unternehmen wird von einem erfahrenen Team geführt. CEO ist Thomas Caulfield, der seit Jahren in der Halbleiterbranche tätig ist und GF durch die strategische Neuausrichtung ab 2018 gelenkt hat. Unter seiner Führung hat GF den Fokus weg von reiner Rechenleistung hin zu sogenannten "Feature-Rich"-Chips verschoben, also Chips mit integrierten Funktionen wie RF, Niedrigenergie und embedded Memory.

Großaktionär bleibt nach dem IPO Mubadala, der Staatsfonds der Vereinigten Arabischen Emirate. Er wird weiterhin die Mehrheit der Aktien und damit der Stimmrechte halten. Das macht GF zu einem sogenannten "Controlled Company", was Anleger berücksichtigen sollten. Entscheidungen werden also weiterhin maßgeblich durch Mubadala geprägt. Gleichzeitig ist das ein Stabilitätsfaktor: Mubadala verfolgt langfristige Interessen und ist kein kurzfristiger Finanzinvestor.

Branche

Halbleiter sind das Öl des 21. Jahrhunderts. Diesen Vergleich hört man oft, und er stimmt mehr denn je. Der globale Markt für Halbleiter lag 2021 bei rund 500 Milliarden US-Dollar und soll laut Prognosen bis Ende des Jahrzehnts auf über 1 Billion Dollar anwachsen. Treiber sind 5G, künstliche Intelligenz, Cloud-Computing, das Internet der Dinge und Elektrofahrzeuge.

GF operiert im sogenannten Foundry-Markt, also der Auftragsfertigung. Dieser Markt hatte laut Gartner 2020 ein Volumen von 74 Milliarden Dollar, wovon GFs adressierbarer Marktanteil bei rund 54 Milliarden lag. Die Konkurrenz ist klein, aber mächtig: TSMC, Samsung, UMC und SMIC sind die anderen großen Spieler. Entscheidender Unterschied zu GF: Alle anderen haben ihren Schwerpunkt in Taiwan oder China. Rund 77 Prozent des weltweiten Foundry-Umsatzes kamen 2020 aus diesen beiden Ländern. Das ist politisch zunehmend ein Problem.

Die USA und Europa investieren deshalb massiv in heimische Chip-Kapazitäten. Der CHIPS Act der USA sieht über 52 Milliarden Dollar für die Halbleiterindustrie vor. GF hat bereits Werke in Malta (New York) und Dresden und profitiert direkt von dieser Förderpolitik. Das regulatorische Umfeld ist damit für einmal klar positiv.

Produkte

GF ist kein Produktunternehmen im klassischen Sinne. Das Geschäft sind Fertigungsdienstleistungen für andere Chipdesigner. Aber was GF dabei anbietet, ist weit mehr als "Chips auf Bestellung":

  • RF SOI (Radio Frequency Silicon-on-Insulator): Branchenführende Technologie für WLAN und Mobilfunk. Fast jedes Smartphone weltweit hat einen GF-Chip verbaut. Besonders relevant für 5G.
  • FinFET (12-16nm): Hochleistungsplattform für KI, Automotive und Mobile-Prozessoren. Gut für Systems-on-a-Chip in anspruchsvollen Anwendungen.
  • Feature-Rich CMOS: Vielseitige Plattform für gemischte Anwendungen wie Displaytreiber, Mikrocontroller und Energiemanagement.
  • FDX (Fully-Depleted SOI): Proprietäre GF-Technologie, besonders geeignet für IoT, 5G-Anwendungen und Automotive-Radar. Kombiniert digitale und analoge Signalverarbeitung effizient auf einem Chip.
  • SiGe (Silicon Germanium): Für Hochfrequenzanwendungen wie optische Netzwerke, Satellitenkomm­unikation und Infrastruktur. Wettbewerbsfähig mit teureren Verbindungshalbleitern.
  • SiPh (Silicon Photonics): Zukunftstechnologie für Datenzentren, die Licht statt Elektronen zur Datenübertragung nutzt. Ermöglicht dramatisch höhere Durchsatzraten bei niedrigerem Energieverbrauch.

Kunden sind unter anderem Qualcomm, MediaTek, NXP, Qorvo, Cirrus Logic, AMD, Skyworks, Murata, Samsung und Broadcom. Rund 61 Prozent der Wafer-Lieferungen 2020 entfielen auf sogenannte "Single-Sourced"-Produkte, also Chips, die nur GF fertigen kann ohne dass der Kunde seine Designs komplett neu entwickeln müsste. Das ist ein starkes Argument für eine hohe Kundenbindung.

Outlook

GF hat von 2018 bis 2020 über eine Milliarde Dollar an Kosten eingespart und sich strategisch neu aufgestellt. Die Verluste sind noch erheblich, aber die Richtung stimmt: Im ersten Halbjahr 2021 erzielte GF erstmals einen positiven Bruttogewinn von 330 Millionen Dollar, verglichen mit einem Verlust von 361 Millionen im gleichen Vorjahreszeitraum. Die Adjusted EBITDA-Marge verbessert sich kontinuierlich.

Das Wachstumspotenzial kommt aus mehreren Quellen: Die langfristigen Kundenverträge mit über 19,5 Milliarden Dollar an zugesagten Umsätzen sorgen für Planungssicherheit. Staatliche Fördergelder in den USA und Europa werden GF helfen, die Kapazitäten in Regionen auszubauen, die für westliche Unternehmen und Regierungen strategisch wichtig sind. Und die Megatrends IoT, 5G und Automotive treiben die Nachfrage nach genau den Chip-Typen, auf die GF spezialisiert ist.

Das Unternehmen ist aber noch weit von nachhaltiger Profitabilität entfernt. Die Nettoverluste lagen in den Jahren 2018 bis 2020 jeweils im Milliardenbereich. Ob und wann GF die Gewinnschwelle auf Netto-Ebene erreicht, hängt stark davon ab, wie schnell neue Kapazitäten ausgelastet werden können. Das Geschäftsmodell ist kapitalintensiv, und Chipfabriken kosten Milliarden.

Details zum IPO

GlobalFoundries plant die Erstnotiz an der Nasdaq unter dem Ticker-Symbol GFS. Das Emissionsvolumen wurde im F-1 auf 1 Milliarde US-Dollar geschätzt, der genaue Preis je Aktie wurde zum Zeitpunkt der Einreichung noch nicht festgelegt. Als Konsortialführer wurden Morgan Stanley, BofA Securities und J.P. Morgan mandatiert, ergänzt durch Citigroup und Credit Suisse sowie mehrere kleinere Banken.

Nach dem IPO bleibt Mubadala mit dem Großteil der Stimmrechte der Haupteigentümer. Die Struktur ist klassisch für staatliche oder gründergetriebene Unternehmen: Anleger bekommen eine Beteiligung am Wachstum, aber wenig Mitspracherecht bei strategischen Entscheidungen. Teile der angebotenen Aktien stammen auch von Mubadala direkt, GF erhält also nicht den gesamten Emissionserlös.

Bewertungskriterien

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Einzige skalierte Foundry außerhalb von China und Taiwan mit globalem Produktionsnetzwerk (USA, Deutschland, Singapur)

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Langfristige Kundenverträge mit über 19,5 Milliarden Dollar zugesagtem Umsatz und starker Kundenbindung durch Single-Sourced-Technologien

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Direkte Profiteuse staatlicher Chip-Förderung in USA und Europa durch bestehende Werke in strategisch wichtigen Regionen

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Starke Verbesserung der operativen Kennzahlen mit erstmals positivem Bruttoergebnis im ersten Halbjahr 2021

Hohe historische Verluste von über 1 Milliarde Dollar jährlich, kein konkreter Zeitplan zur Netto-Profitabilität

Kontrollierte Gesellschaft: Mubadala behält Stimmrechtsmehrheit, Minderheitsaktionäre haben wenig Einfluss

Kapitalintensives Geschäftsmodell erfordert kontinuierlich hohe Investitionen in Fertigungsanlagen

Technologisch auf "Feature-Rich"-Chips spezialisiert, kein Zugang zu modernsten Sub-7nm-Prozessen für Hochleistungsprozessoren