IHS Holding IPO: Der größte unabhängige Mobilfunkmastbetreiber der Welt geht an die Börse

IHS Holding IPO: Der größte unabhängige Mobilfunkmastbetreiber der Welt geht an die Börse
Ticker: IHS🌐Gründung: 2001Industrie🏭

Overview

IHS Holding, besser bekannt als IHS Towers, ist kein klassisches Tech-Unternehmen und auch kein Mobilfunkanbieter. Das Unternehmen baut und betreibt die Masten, auf denen Mobilfunkantennen sitzen. Ein Geschäftsmodell, das kaum jemand kennt, aber ohne das Smartphones sinnlos wären. Und IHS Towers ist in diesem Segment eine echte Macht: Mit 30.207 Sendemasten in neun Ländern und 45.487 Mietern auf diesen Masten ist das Unternehmen der größte unabhängige Mastbetreiber in den Schwellenmärkten weltweit.

Gegründet wurde IHS Holding 2001 in Nigeria. Damals bauten die Gründer schlicht Sendemasten für Mobilfunkbetreiber. Heute ist daraus ein Konzern geworden, der kritische Infrastruktur für Hunderte Millionen Menschen bereitstellt. Das Unternehmen versorgt laut eigenen Angaben 596 Millionen Menschen mit Mobilfunkabdeckung in Ländern wie Nigeria, Kamerun, Sambia, Ruanda, Kuwait, Brasilien, Peru und Kolumbien.

Der IPO erfolgt zum richtigen Zeitpunkt: IHS Towers hat sich im ersten Halbjahr 2021 erstmals profitabel gezeigt, mit einem Gewinn von 77 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen will frisches Kapital, um das Wachstum in bestehenden Märkten zu beschleunigen und selektiv neue Märkte zu erschließen. Die Erstnotiz soll an der New York Stock Exchange unter dem Ticker-Symbol IHS stattfinden.

Management zum Zeitpunkt des IPOs

IHS Holding wird von seinen Gründern geführt, die weiterhin die operativen und strategischen Geschicke des Unternehmens leiten. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass hier Leute am Werk sind, die langfristig denken und nicht nur auf den Exit hin gearbeitet haben. Konkrete Namen der Gründer werden im F-1 nicht prominent im Prospekt-Summary genannt, das Management ist aber tief in das Tagesgeschäft eingebunden.

Das Unternehmen hat über die Jahre ein erfahrenes Führungsteam aufgebaut, das sowohl Schwellenmärkte als auch Infrastruktur, Telekommunikation, Finanzen und M&A abdeckt. Besonders relevant: IHS Towers hat in jedem seiner Afrika-Märkte lokale Management-Teams, die die Beziehungen zu Regulatoren und Kunden vor Ort pflegen. Das ist in Märkten wie Nigeria oder Kamerun kein Nice-to-have, sondern überlebenswichtig.

Nach dem IPO gibt es keine Dual-Class-Struktur mit erhöhten Stimmrechten für Gründer, wie das bei vielen Tech-IPOs der Fall ist. Alle ausgegebenen Aktien sind gewöhnliche Stammaktien mit gleichen Stimmrechten.

Branche

Der globale Markt für Mobilfunkinfrastruktur in Schwellenmärkten ist strukturell einer der interessantesten Wachstumsmärkte überhaupt. In den neun Märkten von IHS Towers gab es Ende 2020 insgesamt 604 Millionen SIM-Karten. Bis 2025 soll diese Zahl auf 684 Millionen steigen. Gleichzeitig liegt die 4G-Durchdringung in den afrikanischen Märkten noch bei durchschnittlich unter 10 Prozent. Der Weg von 2G und 3G zu 4G und irgendwann 5G erfordert massive Investitionen in neue Infrastruktur und mehr Kapazität auf bestehenden Masten.

Besonders interessant ist das Verhältnis von Nutzern pro Sendemast: In Westafrika sitzen stellenweise doppelt so viele Mobilfunkkunden auf einem Mast wie in den USA. Das ist für die Netzqualität schlecht, für IHS Towers aber ein starkes Argument warum neue Masten gebaut werden müssen.

Wettbewerber von IHS Towers sind global betrachtet American Tower Corporation (ATC) mit über 212.000 Masten und Cellnex mit fast 86.000. SBA Communications kommt auf knapp 34.000. IHS Towers liegt mit 30.207 Masten auf Rang vier, ist aber der einzige Anbieter, der sich ausschließlich auf Schwellenmärkte konzentriert. In seinen Kernmärkten gibt es teils gar keine ernstzunehmende Konkurrenz.

Regulatorisch profitiert IHS Towers von einem Trend in vielen Ländern, der Mobilfunkinfrastruktur als kritische Infrastruktur einstuft und aktiv fördert. Die Verlagerung von Masten aus dem Besitz der Netzbetreiber zu unabhängigen Betreibern wird in vielen Märkten durch günstige Regulierung unterstützt.

Produkte

IHS Towers ist kein klassisches Produktunternehmen, sondern verkauft Platz und Kapazität. Das Angebot umfasst:

  • Colocation: Mobilfunkbetreiber mieten Platz auf bestehenden Masten neben anderen Mietern. Das ist das Kerngeschäft und am profitabelsten, da kaum zusätzliche Kosten entstehen.
  • Lease Amendments: Bestehende Mieter installieren zusätzliche Ausrüstung oder upgraden auf neue Technologie. Auch das generiert wiederkehrende Einnahmen mit wenig Zusatzaufwand.
  • New Sites: Bau neuer Masten nach Kundenvorgaben. IHS Towers hat seit der Gründung über 6.900 neue Masten selbst errichtet.
  • In-Building Solutions und DAS: Antennenanlagen in Gebäuden wie Einkaufszentren, Stadien und Flughäfen.
  • Managed Services: In ausgewählten Fällen übernimmt IHS Towers auch den Betrieb von Masten, die Netzbetreibern gehören.
  • Glasfaser: Neu im Portfolio. Im Mai 2021 wurden Vereinbarungen mit TIM Brasil über den Aufbau eines Glasfasernetzes in Brasilien unterzeichnet.

Wichtigste Kunden sind die führenden Mobilfunkbetreiber in jedem Markt: MTN Gruppe (mehrere Länder), Orange (Côte d'Ivoire, Kamerun), Airtel, Zain Kuwait sowie Telecom Italia / TIM Brasil und Telefónica in Lateinamerika. Die Verträge laufen in der Regel 5 bis 15 Jahre, mit automatischen inflationsgebundenen Erhöhungen.

Als of Juni 2021 hatte IHS Towers Contracted Tenant Lease Revenue von 9,8 Milliarden US-Dollar mit einer durchschnittlichen verbleibenden Vertragslaufzeit von 7,4 Jahren. Das ist eine außergewöhnlich hohe Planungssicherheit.

Outlook

IHS Towers steht vor einer Phase, in der sich die Investitionen der vergangenen Jahre auszahlen sollen. Das Kerngeschäft in Afrika läuft stabil und profitabel. Die Expansion nach Lateinamerika ist noch jung, bietet aber enormes Potenzial: Die neu erworbenen Märkte in Brasilien, Peru und Kolumbien haben zusammen 64.000 Masten, von denen IHS Towers aktuell nur einen kleinen Teil betreibt. Hier liegt massives Wachstumspotenzial.

Die Profitabilität ist im ersten Halbjahr 2021 erstmals erreicht worden. Das Adjusted EBITDA lag bei 490 Millionen US-Dollar, die EBITDA-Marge bei 64,2 Prozent. Das zeigt, wie skalierbar das Modell ist: Wenn ein neuer Mieter auf einen bestehenden Mast kommt, steigen Umsatz und Gewinn, die Kosten kaum.

Kurzfristig der wichtigste Wachstumstreiber ist der Übergang von 2G und 3G zu 4G in Afrika. IHS Towers schätzt, dass allein in seinen afrikanischen Märkten bis 2025 über 22.000 neue Masten und 30.000 neue Antennenstandorte benötigt werden. Das ist ein stabiler Auftragspool.

Risiken gibt es aber. Nigeria macht einen Großteil des Umsatzes aus und der nigerianische Naira ist eine volatile Währung. Währungsrisiken sind bei IHS Towers systemisch, da alle Einnahmen in Lokalwährungen anfallen, aber Schulden und Reporting in US-Dollar. Das Unternehmen hat Verträge teilweise in US-Dollar oder Euro verankert, aber vollständig absichern lässt sich das nicht.

Details zum IPO

IHS Holding plant die Erstnotiz an der NYSE unter dem Ticker-Symbol IHS. Emissionspreis und genaues Volumen wurden im F-1 noch nicht festgelegt. Als Joint Global Coordinators wurden Goldman Sachs, J.P. Morgan und Citigroup mandatiert. Als Joint Book-Running Managers fungieren RBC Capital Markets, Barclays und Absa Bank Limited.

Das Unternehmen wird nach dem IPO als Foreign Private Issuer eingestuft, da es in den Cayman Islands registriert ist. Das bedeutet weniger Berichtspflichten als bei US-amerikanischen Unternehmen, unter anderem keine quartalsweisen 10-Q-Berichte. Stattdessen gelten die Regeln für ausländische Emittenten.

Bestehende Investoren, die im Rahmen des IPOs Anteile verkaufen, umfassen unter anderen GIC (Singapurs Staatsfonds), Goldman Sachs, IFC (International Finance Corporation), Wendel und die MTN Group.

Bewertungskriterien

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Marktführer in sechs von neun Märkten, einziger unabhängiger Mastbetreiber von Bedeutung in fünf davon

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Contracted Tenant Lease Revenue von 9,8 Milliarden US-Dollar mit 7,4 Jahren durchschnittlicher Restlaufzeit

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EBITDA-Marge von 64 Prozent im ersten Halbjahr 2021 belegt exzellente Skalierbarkeit des Geschäftsmodells

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Struktureller Tailwind durch 4G-Ausbau in Afrika und Lateinamerika erfordert tausende neue Masten bis 2025

Nigeria macht den Großteil des Umsatzes aus, was hohe Abhängigkeit von einer einzigen Volkswirtschaft und Währung bedeutet

Hohe Nettoverschuldung von 2,6 Milliarden US-Dollar, historisch wiederholt Verluste auf Konzernebene durch Finanzierungskosten

Fremdwährungsrisiken in fast allen Märkten strukturell schwer zu neutralisieren

Lateinamerika-Expansion noch jung und ohne Marktführungsposition in Brasilien, Peru und Kolumbien