Sam Darwish, sein Bruder Mohamad und ihr Freund William Saad gründeten IHS Towers 2001 in Lagos, als die nigerianische Regierung den Telekommunikationssektor privatisierte. Darwish war zuvor als junger Ingenieur nach Nigeria gekommen, um für einen libanesischen Mobilfunkanbieter Türme zu bauen. Als dem Unternehmen die Lizenz entzogen wurde, entschied er sich zu bleiben und baute stattdessen seine eigene Infrastrukturgesellschaft auf. Die Idee: Masten bauen und an mehrere Netzbetreiber gleichzeitig vermieten, statt für jeden Kunden eigene Türme zu errichten.
In den Anfangsjahren konzentrierte sich IHS ausschließlich auf Nigeria. Den entscheidenden strategischen Wandel vollzog das Unternehmen 2009 mit der Einführung von Colocation-Diensten: Mehrere Netzbetreiber teilen sich fortan denselben Mast. Dieses Modell zog langfristige Verträge und planbare Einnahmen nach sich. Ab 2014 übernahm IHS die Turmportfolios von MTN in der Elfenbeinküste, Kamerun, Sambia und Ruanda. Mit dem Kauf von Gesellschaften in Brasilien und Kolumbien expandierte das Unternehmen erstmals über Afrika hinaus.
Zum Zeitpunkt des Börsengangs 2021 war IHS mit mehr als 30.000 Türmen der größte unabhängige Turmbetreiber in Afrika und einer der größten weltweit. Der Hauptsitz liegt in London, die operative Zentrale in Lagos. Wichtigste Einzelaktionäre waren damals die französische Investmentgesellschaft Wendel sowie MTN Group, Africas größter Mobilfunkkonzern.
Sam Darwish leitet IHS Towers seit der Gründung 2001 als Chairman und CEO. Er studierte Computerkommunikation an der Amerikanischen Universität Beirut und begann seine Karriere im Libanon, bevor er in Nigeria seinen Durchbruch fand. Mitgründer William Saad, ebenfalls Absolvent der Amerikanischen Universität Beirut, fungiert als Chief Operating Officer und verantwortet das operative Geschäft. Mohamad Darwish, der dritte Mitgründer, leitete Nigeria als das mit Abstand größte Einzelsegment des Unternehmens. Das Gründerteam steht damit weiterhin an der Spitze des Unternehmens.
Seit April 2022 ist Steve Howden Executive Vice President und Group CFO. Howden stieß 2013 zu IHS und war zunächst als Leiter für Fusionen und Übernahmen tätig, bevor er 2019 zum stellvertretenden CFO aufstieg. Vor seiner Zeit bei IHS arbeitete er im M&A-Bereich von Ernst & Young in London. Er ist Chartered Accountant und hat einen Bachelor in Betriebswirtschaft der Universität Bath.
IHS operiert im Markt für unabhängige Telekommunikationsinfrastruktur, dem sogenannten Towerco-Segment. Das Geschäftsmodell beruht darauf, dass Mobilfunknetzbetreiber ihre Masten an spezialisierte Betreiber verkaufen oder an diese outsourcen, um Kapital freizusetzen und Betriebskosten zu senken. In Afrika treibt die weiterhin niedrige Mobilfunkdurchdringung in ländlichen Gebieten sowie der Aufbau von 4G- und 5G-Netzen die Nachfrage nach neuer Infrastruktur an. Hinzu kommen staatliche Mandate in mehreren Ländern, die Netzbetreiber zur Flächenversorgung verpflichten.
Die drei dominierenden internationalen Towercos in Afrika sind IHS Towers, Helios Towers und American Tower Corporation. IHS ist mit rund 37.000 Türmen der größte der drei, konzentriert sich aber stärker auf wenige Kernmärkte als die Konkurrenten. Helios Towers operiert in einer größeren Zahl von Ländern, hat aber einen kleineren Gesamtbestand. American Tower ist global deutlich breiter aufgestellt und bringt entsprechende Skaleneffekte mit. Im Unterschied zu westlichen Märkten sind die Margen in Schwellenländern durch Währungsrisiken und hohe Energiekosten belastet, da viele Standorte auf Dieselgeneratoren angewiesen sind.
Der Gesamtmarkt für Telekommunikationsinfrastruktur in Afrika wird auf einen Wert von rund 4 Milliarden Dollar geschätzt und dürfte durch den Rollout fortgeschrittener Mobilfunktechnologien weiter wachsen. Für Towercos bedeutet 5G in der Regel mehr Antennen je Standort und damit höhere Mieteinnahmen pro Turm, auch ohne neue Kunden gewinnen zu müssen.
Das Kerngeschäft von IHS Towers ist die Vermietung von Platz auf Mobilfunkmasten an Netzbetreiber wie MTN, Airtel, Orange und Vivo. Zahlt ein Netzbetreiber für einen Mast, spricht man von einer Tenancy. Teilen sich mehrere Betreiber denselben Turm, steigt die sogenannte Tenancy Ratio und damit die Profitabilität des Standorts, ohne dass nennenswerte Zusatzkosten entstehen. Das macht das Modell bei wachsender Auslastung sehr margenintensiv.
Ergänzend zu den klassischen Turmvermietungen bietet IHS Inhouse-Lösungen für Gebäude (Distributed Antenna Systems), Glasfaser-Konnektivität und in einigen Märkten ländliche Telefonie an. Im brasilianischen Markt hielt IHS bis 2025 eine Mehrheitsbeteiligung an einem Glasfasernetz, das an den Mobilfunkbetreiber TIM angebunden war. Den Löwenanteil des Umsatzes erwirtschaftet jedoch die klassische Turm-Colocation: Nigeria allein macht rund 60 Prozent der Gesamterlöse aus.
Ein strukturelles Merkmal des Geschäftsmodells sind langfristige Mietverträge mit automatischen Preisanpassungsklauseln, häufig an den US-Dollar oder lokale Inflationsindizes gekoppelt. Das sorgt für hohe Einnahmesicherheit, schützt aber nicht vollständig vor Währungsabwertungen, da Einnahmen in lokaler Währung anfallen, während Schulden und Betriebskosten teils in Dollar denominiert sind.