monday.com IPO: Das Betriebssystem für die Arbeitswelt geht an die Börse

monday.com ist eine cloud-basierte No-Code-Plattform aus Israel, die Unternehmen dabei hilft, eigene Software-Anwendungen und Arbeitsmanagement-Tools zu bauen. Das Unternehmen nennt seine Plattform Work OS und bedient rund 128.000 Kunden in mehr als 190 Laendern. Mit einem annualisierten Umsatzwachstum von 85% und einer Net Dollar Retention Rate von 121% gehoert monday.com zu den am schnellsten wachsenden SaaS-Unternehmen weltweit.
Overview
monday.com geht im Mai 2021 an den Nasdaq und bringt dabei ein Produkt mit, das schwer in eine Schublade passt. Es ist kein klassisches Projektmanagement-Tool. Keine CRM-Software. Kein HR-System. Es ist ein bisschen von allem, und genau das ist der Punkt.
Das Unternehmen nennt sein Produkt Work OS, ein Betriebssystem für die Arbeitswelt. Die Idee: Anstatt dass Unternehmen ihre Arbeitsprozesse an starre Software anpassen müssen, bauen sie sich mit monday.com ihre eigenen Tools. No-Code, flexibel, für jeden nutzbar. Gegründet 2012 in Tel Aviv unter dem Namen DaPulse Labs, umbenannt 2017 in monday.com, hat das Unternehmen seitdem eine der steilsten Wachstumskurven im SaaS-Bereich hingelegt.
Der Börsengang unter dem Ticker MNDY kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Remote Work und digitale Transformation nicht mehr Trend sondern Standard sind. Die COVID-Pandemie hat den Bedarf an flexibler, kollaborativer Software massiv beschleunigt. monday.com profitiert davon direkt, und will das frische Kapital aus dem IPO nutzen, um dieses Wachstum zu finanzieren.
Management zum Zeitpunkt des IPOs
An der Spitze von monday.com stehen die Co-Gründer und Co-CEOs Roy Mann und Eran Zinman. Beide leiten das Unternehmen gemeinsam und haben monday.com von einer kleinen Startup-Idee zu einer globalen SaaS-Plattform aufgebaut. Sie haben einen Gründerbrief ins F-1 gepackt, der eher nach Startup-Philosophie klingt als nach Bankprospekt: Transparenz, Vertrauen, schnelle Entscheidungen, keine Bürokratie.
Die Stimmrechtsstruktur nach dem Börsengang ist ungewöhnlich: Es gibt keine klassische Dual-Class-Struktur mit vielfachen Stimmrechten. Stattdessen hält Roy Mann eine einzige Founder Share, die ihm bestimmte Vetorechte bei wesentlichen Transaktionen gibt, etwa bei Fusionen oder Übernahmen, die dazu führen würden, dass jemand mehr als 25% der Anteile hält. Diese Founder Share hat keine wirtschaftlichen Rechte und ist nicht handelbar. Sie erlöscht automatisch, wenn Mann nicht mehr CEO ist oder seinen Anteil am Unternehmen unter bestimmte Schwellen fallen lässt.
Branche
Der Markt für Work Management Software war laut IDC im Jahr 2020 rund 56 Milliarden US-Dollar groß und soll bis 2024 auf knapp 88 Milliarden Dollar wachsen, ein jährliches Wachstum von 12 Prozent. Das ist der Markt, in dem monday.com mitspielen will.
Der Wettbewerb ist real. Asana, Notion, Atlassian, Smartsheet, Airtable und Microsoft mit seinem Power Platform-Angebot sind alle in ähnlichen Bereichen aktiv. Aber monday.com positioniert sich als einziger Anbieter, der eine echte No-Code-Plattform mit unbegrenzter Flexibilität liefert, anstatt vorgefertigte Lösungen für spezifische Anwendungsfälle. Kein starres CRM, kein starres PM-Tool, sondern eine Plattform, auf der Kunden beides und noch viel mehr selbst bauen können.
Rückenwind kommt von mehreren Seiten. Die Digitalisierung von Arbeitsprozessen läuft auf Hochtouren. Remote Work ist zur Normalität geworden. Und Unternehmen suchen nach Lösungen, die Abteilungs-Silos aufbrechen, anstatt neue zu bauen. Auf der anderen Seite: Der Markt ist fragmentiert, der Wettbewerb intensiv, und der Wechsel zu einer neuen Plattform kostet Unternehmen immer Zeit und Geld.
Produkte
monday.com baut sein Work OS aus modularen Bausteinen, die ohne Programmierkenntnisse kombiniert werden können:
- •Boards: Die Grundeinheit der Plattform. Kunden nutzen Boards, um Informationen und Prozesse zu organisieren, von einfachen Aufgabenlisten bis hin zu komplexen Projekt-Dashboards.
- •Spalten und Views: Jedes Board kann mit verschiedenen Spaltentypen (Text, Datum, Zahlen, Standort, Formeln) und Ansichten (Kalender, Timeline, Kanban, Karte) angepasst werden.
- •Automations: Wiederkehrende manuelle Aufgaben werden automatisiert. Im Zeitraum bis März 2021 wurden über 800 Millionen manuelle Aktionen auf der Plattform automatisiert.
- •Integrations: Verbindungen zu hunderten externen Tools wie Slack, Google Drive, Salesforce oder GitHub. 84% der Enterprise-Kunden nutzen Integrationen aktiv.
- •Dashboards: Übersichtsseiten, die Daten aus mehreren Boards zusammenführen, für Führungskräfte und Teams gleichermassen.
- •Apps Marketplace: Externe Entwickler können eigene Apps und Bausteine für die Plattform bauen und veröffentlichen.
- •Product Solutions: Vorgefertigte Lösungen für spezifische Branchen und Anwendungsfälle wie Marketing, CRM oder Softwareentwicklung, die auf den Bausteinen des Work OS aufbauen.
Zu den Kunden gehören Universal Music Group, HubSpot, Hulu, die NHL, Peloton und Canva. Kein einzelner Kunde macht mehr als 1% des Umsatzes aus.
Outlook
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Der Umsatz ist von 11 Millionen Dollar in 2017 auf 161 Millionen Dollar in 2020 gewachsen, ein durchschnittliches Wachstum von über 100% pro Jahr. Im ersten Quartal 2021 lag das Wachstum bei 85% im Jahresvergleich. Die Net Dollar Retention Rate für Kunden mit mehr als 10 Nutzern betrug 121% in Q1 2021, das bedeutet, bestehende Kunden geben im Schnitt 21% mehr aus als im Vorjahr.
Die Enterprise-Kunden sind der wichtigste Wachstumstreiber. Die Zahl der Kunden mit mehr als 50.000 Dollar ARR stieg von 76 Ende 2019 auf 335 im März 2021, ein Wachstum von fast 350% in 15 Monaten. Das zeigt, dass monday.com erfolgreich von kleinen Teams zu größeren Unternehmensdeployments wachst.
Profitabel ist das Unternehmen allerdings noch nicht. Der Nettoverlust lag 2020 bei 152 Millionen Dollar, im ersten Quartal 2021 bei weiteren 39 Millionen Dollar. Das meiste davon geht in Sales und Marketing, klassisch für ein wachstumsgetriebenes SaaS-Unternehmen. Der Weg zur Profitabilität bleibt offen, ist aber kein unmittelbares Ziel.
Risiko gibt es trotzdem: Das Unternehmen erwirtschaftet noch immer alle Einnahmen aus einem einzigen Produkt. Eine Plattformstrategie, die auf Flexibilitäet setzt, muss gleichzeitig einfach genug bleiben, um neue Nutzer ohne Reibung zu gewinnen. Und der Wettbewerb schläft nicht.
Details zum IPO
monday.com hat seinen F-1 am 17. Mai 2021 bei der SEC eingereicht. Das genaue Emissionsvolumen und der Emissionspreis wurden im ursprünglichen F-1 noch nicht festgelegt. Die Konsortialführer des Börsengangs sind Goldman Sachs und J.P. Morgan, unterstützt durch Allen & Company und Jefferies.
Die Erstnotiz soll an der Nasdaq Global Select Market unter dem Ticker-Symbol MNDY erfolgen. Das Unternehmen beabsichtigt, den Erlös aus dem IPO hauptsächlich für allgemeine Unternehmenszwecke zu verwenden, einschließlich Wachstumsinvestitionen in Marketing, Technologie und internationale Expansion. Außerdem plant monday.com, 1% der Emissionseinnahmen an die monday Foundation zu spenden, eine gemeinnützige Organisation, die im Rahmen der Equal Impact Initiative gegründet wird und Nonprofit-Organisationen mit Technologie unterstützt.
Die Gründer halten nach dem Börsengang keine klassische Dual-Class-Aktienstruktur. Roy Mann hält lediglich eine einzige Founder Share mit begrenzten Vetorechten, aber ohne wirtschaftliche Beteiligung.
Bewertungskriterien
85% Umsatzwachstum im Jahresvergleich und eine Net Dollar Retention Rate von 121% zeigen ein außergewöhnlich starkes Wachstumsmodell
127.974 Kunden in über 190 Ländern mit breiter Branchendiversifikation und kein einzelner Kunde über 1% des Umsatzes
Enterprise-Segment wächst explosiv: Kunden mit mehr als 50.000 Dollar ARR wuchsen von 76 auf 335 innerhalb von 15 Monaten
Plattformansatz mit Apps Marketplace und Low-Code-Erweiterbarkeit schafft langfristiges Wachstumspotenzial jenseits des Kernprodukts
Noch nicht profitabel: 152 Millionen Dollar Nettoverlust in 2020, kein Profitabilitätsdatum absehbar
Alle Einnahmen kommen aus einem einzigen Produkt, was die Abhängigkeit von der Plattform-Akzeptanz erhöhrt
Intensiver Wettbewerb durch Asana, Notion, Microsoft und andere, die alle auf ähnliche Zielgruppen abzielen
Gründungssitz Israel und Status als Foreign Private Issuer reduzieren Reporting-Pflichten, was die Transparenz für neue Investoren einschränkt
