monday.com IPO: Das Betriebssystem fuer die Arbeitswelt geht an die Boerse

monday.com IPO: Das Betriebssystem fuer die Arbeitswelt geht an die Boerse
Ticker: MNDY🌐Gründung: 2012Technologie💾

Overview

monday.com geht im Mai 2021 an den Nasdaq und bringt dabei ein Produkt mit, das schwer in eine Schublade passt. Es ist kein klassisches Projektmanagement-Tool. Keine CRM-Software. Kein HR-System. Es ist ein bisschen von allem, und genau das ist der Punkt.

Das Unternehmen nennt sein Produkt Work OS, ein Betriebssystem fuer die Arbeitswelt. Die Idee: Anstatt dass Unternehmen ihre Arbeitsprozesse an starre Software anpassen muessen, bauen sie sich mit monday.com ihre eigenen Tools. No-Code, flexibel, fuer jeden nutzbar. Gegründet 2012 in Tel Aviv unter dem Namen DaPulse Labs, umbenannt 2017 in monday.com, hat das Unternehmen seitdem eine der steilsten Wachstumskurven im SaaS-Bereich hingelegt.

Der Boersengang unter dem Ticker MNDY kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Remote Work und digitale Transformation nicht mehr Trend sondern Standard sind. Die COVID-Pandemie hat den Bedarf an flexibler, kollaborativer Software massiv beschleunigt. monday.com profitiert davon direkt, und will das frische Kapital aus dem IPO nutzen, um dieses Wachstum zu finanzieren.

Management zum Zeitpunkt des IPOs

An der Spitze von monday.com stehen die Co-Gruender und Co-CEOs Roy Mann und Eran Zinman. Beide leiten das Unternehmen gemeinsam und haben monday.com von einer kleinen Startup-Idee zu einer globalen SaaS-Plattform aufgebaut. Sie haben einen Gruenderbrief ins F-1 gepackt, der eher nach Startup-Philosophie klingt als nach Bankprospekt: Transparenz, Vertrauen, schnelle Entscheidungen, keine Buerokratie.

Die Stimmrechtsstruktur nach dem Boersengang ist ungewoehnlich: Es gibt keine klassische Dual-Class-Struktur mit vielfachen Stimmrechten. Stattdessen haelt Roy Mann eine einzige Founder Share, die ihm bestimmte Vetorechte bei wesentlichen Transaktionen gibt, etwa bei Fusionen oder Uebernahmen, die dazu fuehren wuerden, dass jemand mehr als 25% der Anteile haelt. Diese Founder Share hat keine wirtschaftlichen Rechte und ist nicht handelbar. Sie erloescht automatisch, wenn Mann nicht mehr CEO ist oder seinen Anteil am Unternehmen unter bestimmte Schwellen fallen laesst.

Branche

Der Markt fuer Work Management Software war laut IDC im Jahr 2020 rund 56 Milliarden US-Dollar gross und soll bis 2024 auf knapp 88 Milliarden Dollar wachsen, ein jaehrliches Wachstum von 12 Prozent. Das ist der Markt, in dem monday.com mitspielen will.

Der Wettbewerb ist real. Asana, Notion, Atlassian, Smartsheet, Airtable und Microsoft mit seinem Power Platform-Angebot sind alle in aehnlichen Bereichen aktiv. Aber monday.com positioniert sich als einziger Anbieter, der eine echte No-Code-Plattform mit unbegrenzter Flexibilitaet liefert, anstatt vorgefertigte Loesungen fuer spezifische Anwendungsfaelle. Kein starres CRM, kein starres PM-Tool, sondern eine Plattform, auf der Kunden beides und noch viel mehr selbst bauen koennen.

Rueckenwind kommt von mehreren Seiten. Die Digitalisierung von Arbeitsprozessen laeuft auf Hochtouren. Remote Work ist zur Normalitaet geworden. Und Unternehmen suchen nach Loesungen, die Abteilungs-Silos aufbrechen, anstatt neue zu bauen. Auf der anderen Seite: Der Markt ist fragmentiert, der Wettbewerb intensiv, und der Wechsel zu einer neuen Plattform kostet Unternehmen immer Zeit und Geld.

Produkte

monday.com baut sein Work OS aus modularen Bausteinen, die ohne Programmierkenntnisse kombiniert werden koennen:

  • Boards: Die Grundeinheit der Plattform. Kunden nutzen Boards, um Informationen und Prozesse zu organisieren, von einfachen Aufgabenlisten bis hin zu komplexen Projekt-Dashboards.
  • Spalten und Views: Jedes Board kann mit verschiedenen Spaltentypen (Text, Datum, Zahlen, Standort, Formeln) und Ansichten (Kalender, Timeline, Kanban, Karte) angepasst werden.
  • Automations: Wiederkehrende manuelle Aufgaben werden automatisiert. Im Zeitraum bis Maerz 2021 wurden ueber 800 Millionen manuelle Aktionen auf der Plattform automatisiert.
  • Integrations: Verbindungen zu hunderten externen Tools wie Slack, Google Drive, Salesforce oder GitHub. 84% der Enterprise-Kunden nutzen Integrationen aktiv.
  • Dashboards: Uebersichtsseiten, die Daten aus mehreren Boards zusammenfuehren, fuer Fuehrungskraefte und Teams gleichermassen.
  • Apps Marketplace: Externe Entwickler koennen eigene Apps und Bausteine fuer die Plattform bauen und veroeffentlichen.
  • Product Solutions: Vorgefertigte Loesungen fuer spezifische Branchen und Anwendungsfaelle wie Marketing, CRM oder Softwareentwicklung, die auf den Bausteinen des Work OS aufbauen.

Zu den Kunden gehoeren Universal Music Group, HubSpot, Hulu, die NHL, Peloton und Canva. Kein einzelner Kunde macht mehr als 1% des Umsatzes aus.

Outlook

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Der Umsatz ist von 11 Millionen Dollar in 2017 auf 161 Millionen Dollar in 2020 gewachsen, ein durchschnittliches Wachstum von ueber 100% pro Jahr. Im ersten Quartal 2021 lag das Wachstum bei 85% im Jahresvergleich. Die Net Dollar Retention Rate fuer Kunden mit mehr als 10 Nutzern betrug 121% in Q1 2021, das bedeutet, bestehende Kunden geben im Schnitt 21% mehr aus als im Vorjahr.

Die Enterprise-Kunden sind der wichtigste Wachstumstreiber. Die Zahl der Kunden mit mehr als 50.000 Dollar ARR stieg von 76 Ende 2019 auf 335 im Maerz 2021, ein Wachstum von fast 350% in 15 Monaten. Das zeigt, dass monday.com erfolgreich von kleinen Teams zu groesseren Unternehmensdeployments wachst.

Profitabel ist das Unternehmen allerdings noch nicht. Der Nettoverlust lag 2020 bei 152 Millionen Dollar, im ersten Quartal 2021 bei weiteren 39 Millionen Dollar. Das meiste davon geht in Sales und Marketing, klassisch fuer ein wachstumsgetriebenes SaaS-Unternehmen. Der Weg zur Profitabilitaet bleibt offen, ist aber kein unmittelbares Ziel.

Risiko gibt es trotzdem: Das Unternehmen erwirtschaftet noch immer alle Einnahmen aus einem einzigen Produkt. Eine Plattformstrategie, die auf Flexibilitaet setzt, muss gleichzeitig einfach genug bleiben, um neue Nutzer ohne Reibung zu gewinnen. Und der Wettbewerb schlaeft nicht.

Details zum IPO

monday.com hat seinen F-1 am 17. Mai 2021 bei der SEC eingereicht. Das genaue Emissionsvolumen und der Emissionspreis wurden im urspruenglichen F-1 noch nicht festgelegt. Die Konsortialfuehrer des Boersengangs sind Goldman Sachs und J.P. Morgan, unterstuetzt durch Allen & Company und Jefferies.

Die Erstnotiz soll an der Nasdaq Global Select Market unter dem Ticker-Symbol MNDY erfolgen. Das Unternehmen beabsichtigt, den Erloesaus dem IPO hauptsaechlich fuer allgemeine Unternehmenszwecke zu verwenden, einschliesslich Wachstumsinvestitionen in Marketing, Technologie und internationale Expansion. Ausserdem plant monday.com, 1% der Emissionseinnahmen an die monday Foundation zu spenden, eine gemeinnuetzige Organisation, die im Rahmen der Equal Impact Initiative gegruendet wird und Nonprofit-Organisationen mit Technologie unterstuetzt.

Die Gruender halten nach dem Boersengang keine klassische Dual-Class-Aktienstruktur. Roy Mann haelt lediglich eine einzige Founder Share mit begrenzten Vetorechten, aber ohne wirtschaftliche Beteiligung.

Bewertungskriterien

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85% Umsatzwachstum im Jahresvergleich und eine Net Dollar Retention Rate von 121% zeigen ein aussergewoehnlich starkes Wachstumsmodell

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127.974 Kunden in ueber 190 Laendern mit breiter Branchendiversifikation und kein einzelner Kunde ueber 1% des Umsatzes

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Enterprise-Segment waechst explosiv: Kunden mit mehr als 50.000 Dollar ARR wuchsen von 76 auf 335 innerhalb von 15 Monaten

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Plattformansatz mit Apps Marketplace und Low-Code-Erweiterbarkeit schafft langfristiges Wachstumspotenzial jenseits des Kernprodukts

Noch nicht profitabel: 152 Millionen Dollar Nettoverlust in 2020, kein Profitabilitaetsdatum absehbar

Alle Einnahmen kommen aus einem einzigen Produkt, was die Abhaengigkeit von der Plattform-Akzeptanz erhoehrt

Intensiver Wettbewerb durch Asana, Notion, Microsoft und andere, die alle auf aehnliche Zielgruppen abzielen

Gruendungssitz Israel und Status als Foreign Private Issuer reduzieren Reporting-Pflichten, was die Transparenz fuer neue Investoren einschraenkt