Oatly IPO: Der Hafermilch-Pionier geht an die Nasdaq

Oatly ist der weltweit größte Hafermilch-Hersteller mit über 25 Jahren Erfahrung in pflanzlichen Milchalternativen. Das schwedische Unternehmen aus Malmö verkauft seine Produkte in mehr als 20 Märkten, darunter rund 60.000 Einzelhandelsstandorte und 32.200 Cafés weltweit. Mit einem Umsatz von 421 Millionen US-Dollar in 2020 und einem Wachstum von über 106% gegenüber dem Vorjahr ist Oatly einer der am schnellsten wachsenden Lebensmittelproduzenten der Welt.
Overview
Hafermilch ist längst kein Nischenprodukt mehr. Oatly hat daran maßgeblichen Anteil. Das Unternehmen aus Malmö hat die Kategorie nicht nur miterfunden, sondern über zwei Jahrzehnte dominiert. Der Börsengang im April 2021 an der Nasdaq unter dem Ticker OTLY ist der nächste logische Schritt für ein Unternehmen, das gerade dabei ist, einen 600-Milliarden-Dollar-Markt aufzumischen.
Was Oatly von anderen Lebensmittelunternehmen unterscheidet, ist die Kombination aus wissenschaftlicher Tiefe und konsequenter Markenarbeit. Die Ursprünge liegen in den 1990ern, als Forscher an der Universität Lund eine Lösung für Laktoseintoleranz suchten und dabei die enzymatische Verarbeitung von Hafer patentierten. Heute basiert der Großteil aller Oatly-Produkte auf dieser Kerntechnologie. Was damals als akademisches Forschungsprojekt begann, ist heute ein globales Konsumgüterunternehmen mit Partnern wie Starbucks, Target und Alibabas Tmall.
Der Zeitpunkt des IPOs kommt nicht von ungefähr. Das Umsatzwachstum von 72,9% in 2019 hat sich in 2020 auf 106,5% beschleunigt. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach pflanzlichen Milchalternativen in allen Kernmärkten zweistellig gewachsen. Oatly nutzt das Zeitfenster, um Kapital für den weiteren Ausbau der Produktionskapazitäten zu sichern, die bisher das größte Wachstumshemmnis waren.
Management zum Zeitpunkt des IPOs
An der Spitze von Oatly steht CEO Toni Petersson, der das Unternehmen seit 2012 führt. Petersson brachte den entscheidenden Wandel: Weg vom reinen Produkthersteller, hin zur Purpose-Marke mit klarer Haltung zu Nachhaltigkeit und Gesundheit. Unter seiner Führung hat Oatly den Umsatz zwischen 2017 und 2020 auf 421 Millionen US-Dollar nahezu versechsfacht und erfolgreich in den USA, Europa und Asien skaliert.
Petersson steht für einen unkonventionellen Führungsstil, der sich auch in der Unternehmenskommunikation widerspiegelt: Oatly schreibt auf seine Verpackungen Dinge, die andere Lebensmittelkonzerne niemals tun würden. Die Kampagnen sind bewusst provokant und haben dem Unternehmen eine loyale Fangemeinde aufgebaut, die weit über typische Konsumgütermarken hinausgeht.
Die Aktienstruktur vor dem Börsengang umfasste Class-B-Aktien und Class-G-Aktien, die im Rahmen des IPO in reguläre Stammaktien umgewandelt werden. Als Depositary fungiert JPMorgan Chase Bank, N.A. Die Papiere werden als American Depositary Shares (ADS, also US-handelbare Zertifikate auf ausländische Aktien) ausgegeben, wobei jedes ADS eine bestimmte Anzahl an Stammaktien repräsentiert.
Branche
Der globale Milchmarkt ist mit rund 592 Milliarden US-Dollar Einzelhandelsumsatz in 2020 einer der größten Lebensmittelmärkte der Welt und soll laut Euromonitor bis 2025 auf 789 Milliarden Dollar wachsen. Oatly spielt in einem kleinen, aber explosiv wachsenden Teilmarkt: pflanzliche Milchalternativen machten 2020 erst rund 3% des globalen Milchmarkts aus, also gut 18 Milliarden Dollar.
Der Tailwind ist real. Laut Oatlys eigener Verbrauchererhebung haben 35 bis 40% der erwachsenen Bevölkerung in den USA, UK, Deutschland, China und Schweden in den letzten drei Monaten pflanzliche Milch gekauft. 60 bis 70% dieser Konsumenten sind erst in den letzten zwei Jahren eingestiegen. Das ist keine Trendwelle mehr, das ist Mainstream. In den USA sind die Hafermilch-Verkäufe von 2019 auf 2020 um 203% gewachsen, in Deutschland um 199% und in Großbritannien um 99%.
Wettbewerber gibt es, aber der direkte Vergleich fällt Oatly leicht: Andere Anbieter wie Alpro oder Califia Farms sind entweder breiter aufgestellt und weniger auf Hafer fokussiert, oder spielen in anderen Preissegmenten. Oatly ist der einzige globale Player, der seit über 25 Jahren ausschließlich auf Hafertechnologie setzt und dabei eigene Patente entwickelt hat, die Wettbewerber kaum replizieren können.
Produkte
Oatly hat sich von einem einzigen Haferdrink zu einem vollständigen pflanzlichen Milchportfolio entwickelt:
- •Hafermilch (Kernsortiment): Verschiedene Varianten für Haushalt, Barista und Gastronomie. Der Barista-Haferdrink ist das meistverkaufte Produkt und Grundlage der Foodservice-Strategie in Cafés weltweit.
- •Oatgurt: Pflanzlicher Joghurtersatz auf Haferbasis, Erweiterung des Portfolios in die gekühlte Kategorie.
- •Hafersahne und Kochcremes: Für Küche und Gastronomie als direkter Milchersatz.
- •Gefrorene Desserts: Hafereis und Frozen Desserts als Antwort auf die Eiskategorie.
- •Spreads: Pflanzliche Aufstriche auf Haferbasis.
- •On-the-Go Drinks: Portionsfertige Haferdrinks für unterwegs.
Oatly ist in mehr als 20 Märkten präsent, mit rund 60.000 Einzelhandelsstandorten und 32.200 Cafés weltweit per Ende 2020. Der Markteintritt funktioniert dabei immer nach demselben Muster: zuerst Spezialitätencafés und Baristas, dann breiterer Einzelhandel. In China etwa hat Oatly eine exklusive Partnerschaft mit Starbucks an über 4.700 Standorten, in den USA ist das Produkt bei Walmart, Target und Whole Foods erhältlich.
Outlook
Oatly ist profitabel? Noch nicht. Der Nettoverlust lag 2020 bei 60,4 Millionen US-Dollar, nach 35,6 Millionen in 2019. Das Adjusted EBITDA war ebenfalls negativ: minus 33 Millionen Dollar in 2020. Der Weg in die Gewinnzone hängt maßgeblich davon ab, ob es gelingt, die Produktionskapazitäten schnell genug aufzubauen.
Das ist auch das zentrale strategische Ziel des IPOs: Kapital für den Ausbau der Fabriken. Zum Zeitpunkt des Börsengangs betreibt Oatly vier eigene Werke und plant drei weitere in Singapore, Maanshan (China) und Peterborough (UK). Das Unternehmen ist der Überzeugung, dass eigene Produktionsanlagen langfristig bessere Margen bringen als die aktuell genutzten Co-Packer-Kapazitäten.
Die größten Risiken sind klar: Oatly verbrennt noch Geld, die Produktionsabhängigkeit von eigenen Fabriken macht das Unternehmen anfällig für Störungen, und der Wettbewerb in der Plant-Based-Kategorie wird intensiver. Dazu kommen operative Risiken, darunter identifizierte Material Weaknesses (also Schwächen im internen Kontrollsystem für die Finanzberichterstattung), die das Unternehmen noch beheben muss.
Details zum IPO
Oatly hat seinen F-1-Antrag (das Pendant zum S-1 für ausländische Unternehmen) am 19. April 2021 bei der SEC eingereicht. Das genaue Emissionsvolumen und der Preis je ADS wurden im ursprünglichen F-1 noch nicht festgelegt. Die Aktien werden als American Depositary Shares an der Nasdaq unter dem Symbol OTLY gehandelt.
Als Konsortialführer wurden Morgan Stanley, JPMorgan und Credit Suisse mandatiert, ergänzt durch Barclays, Jefferies und BNP Paribas. Bestehende Investoren verkaufen im Rahmen des Börsengangs ebenfalls Anteile, wobei Oatly von diesen Verkäufen keine Erlöse erhält. Zu den prominentesten Altinvestoren zählen Blackstone, Oprah Winfrey und Natalie Portman.
Die Erlöse aus dem Börsengang sollen primär für den weiteren Ausbau der weltweiten Produktionskapazitäten sowie für allgemeine Betriebszwecke eingesetzt werden. Eine Dividende ist auf absehbare Zeit nicht geplant.
Bewertungskriterien
Marktführer in einer Kategorie, die gerade erst Mainstream wird: Oatmilk ist der am schnellsten wachsende Bereich in pflanzlichen Milchalternativen in allen Kernmärkten
Patentierte Kerntechnologie aus über 25 Jahren Hafermilchforschung schafft einen echten technologischen Burggraben
Bewährte Markteintrittsstrategie über Baristas und Spezialitätencafés, die in UK, Deutschland, USA und China funktioniert hat
Strategische Partnerschaften mit globalen Ankerpartnern wie Starbucks (4.700 Standorte in China exklusiv) und Alibaba Tmall verankern die Marke in wichtigen Wachstumsmärkten
Noch tief in der Verlustzone: 60 Millionen Dollar Nettoverlust in 2020, kein konkreter Zeitplan zur Profitabilität
Produktionskapazität war bisher das größte Wachstumshemmnis, neue Fabriken sind kapitalintensiv und bauverzögerungsanfällig
Identifizierte Material Weaknesses im internen Kontrollsystem für Finanzberichterstattung müssen noch behoben werden
Stark abhängig von der Kategoriestärke: Wenn Plant-Based-Hype nachlässt oder Wettbewerber schnell skalieren, steht Oatly unter Druck