Similarweb IPO: Das israelische Daten-Tool, das jeder kennt aber kaum einer bezahlt

Similarweb IPO: Das israelische Daten-Tool, das jeder kennt aber kaum einer bezahlt
Ticker: SMWB🌐Gründung: 2009Technologie💾

Overview

Jeder, der sich mit Online-Marketing oder Wettbewerbsanalyse beschäftigt, kennt Similarweb. Das Tool ist in der Branche so etabliert, dass es in Stellenanzeigen als gefragte Fähigkeit auftaucht. Was die wenigsten wissen: Das Unternehmen dahinter ist ein israelisches SaaS-Startup, das erst 2009 in Tel Aviv gegründet wurde und jetzt an die NYSE geht.

Similarweb hat am 15. April 2021 seinen F-1 bei der SEC eingereicht und plant den Börsengang unter dem Ticker SMWB. Das Unternehmen löst ein konkretes Problem: Unternehmen wissen sehr viel über ihre eigene Website, aber fast nichts darüber, was Wettbewerber im Netz treiben. Similarweb füllt genau diese Lücke mit Daten zu Traffic, Marketingkanälen, Zielgruppen und digitalen Trends.

Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Die COVID-19-Pandemie hat die Digitalisierung beschleunigt, und Unternehmen investieren massiv in datengetriebene Entscheidungen. Wer im digitalen Wettbewerb bestehen will, braucht externe Sichtbarkeit. Genau das verkauft Similarweb.

Management zum Zeitpunkt des IPOs

Details zum CEO und dem Führungsteam sind im F-1 enthalten, aber die Kurzversion aus dem vorliegenden Dokument ist begrenzt. Was bekannt ist: Das Unternehmen wird von seinem Gründerteam geführt und hat seit der Gründung 2009 insgesamt 135,9 Millionen US-Dollar an primärem Kapital eingesammelt. Das ist für ein SaaS-Unternehmen dieser Größe vergleichsweise kapitaleffizient.

Die Aktienstruktur nach dem Börsengang ist noch nicht final im vorliegenden F-1 festgelegt. Als israelisches Unternehmen ist Similarweb ein "Foreign Private Issuer" an der NYSE, was bedeutet, dass bestimmte US-amerikanische Governance-Anforderungen nicht vollständig gelten. Das ist für neue Aktionäre relevant, weil sie dadurch etwas weniger Rechte als bei einem klassischen US-amerikanischen Börsengang haben.

Branche

Der Digital Intelligence-Markt ist groß und wächst schnell. Similarweb schätzt das eigene adressierbare Marktvolumen auf 34 Milliarden US-Dollar. Diese Zahl basiert auf der Anzahl globaler Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern, aufgeteilt in drei Segmente: Strategische Accounts ab 5.000 Mitarbeitern, Enterprises mit 1.000 bis 5.000 Mitarbeitern und KMU mit 100 bis 1.000 Mitarbeitern.

Dahinter steckt ein einfacher Trend: Digital ist das wichtigste Wachstumsfeld für Unternehmen. Laut IDC wurden 2020 täglich 1.426 digitale Interaktionen pro vernetzter Person gezählt, 2015 waren es noch 584. US-amerikanischer E-Commerce-Anteil am Handel wuchs von 11% auf 21% zwischen 2015 und 2020. Je mehr digital passiert, desto wertvoller sind Daten darüber.

Wettbewerber gibt es, aber Similarweb hat eine starke Position: Viele Tools decken nur einzelne Kanäle ab, etwa nur SEO oder nur Social Media. Similarweb liefert eine einheitliche Sicht über alle digitalen Kanäle und Plattformen. Das ist der wichtigste Differenzierungspunkt gegenüber Spezialtools wie SEMrush oder Brandwatch.

Regulatorisches Risiko besteht vor allem im Bereich Datenschutz. Similarweb sammelt Daten über das Nutzerverhalten auf Millionen von Websites und Apps. Strengere Datenschutzgesetze in der EU (DSGVO) oder den USA könnten die Datengrundlage verschlechtern. Das Unternehmen nennt dies ausdrücklich als eines der Hauptrisiken.

Produkte

Similarweb bietet eine einheitliche Plattform mit fünf Kernanwendungen:

  • Digital Research Intelligence: Benchmarking gegen Wettbewerber, Markttrend-Analyse, Zielgruppenverhalten. Für Strategy-Teams, Business Intelligence und Marktforscher.
  • Digital Marketing Intelligence: Analyse der Online-Marketing-Strategien von Wettbewerbern, inklusive SEO, PPC, Affiliate und Media Buying. Für Marketing-Teams.
  • Shopper Intelligence: Analyse des Kaufverhaltens von Konsumenten im E-Commerce. Für Kategorie-Manager und digitale Handelsverantwortliche.
  • Sales Intelligence: Kaufsignale und digitale Insights für Vertriebs-Teams, um Leads zu qualifizieren und Prospecting zu beschleunigen.
  • Investor Intelligence: Markt- und Unternehmensdaten für Portfoliomanager und Investment-Analysten, um digitale Performance von Unternehmen zu bewerten.

Zu den Kunden zählen per Ende 2020 insgesamt 2.718 zahlende Unternehmen, darunter 9 der 10 größten Technologieunternehmen, 7 der 10 größten Finanzdienstleister und 5 der 10 größten Einzelhändler aus dem Fortune 500. Das zeigt, dass Similarweb kein Nischenprodukt ist, sondern bei den wichtigsten Playern im Einsatz.

Outlook

Die Zahlen sind ordentlich, aber nicht spektakulär. Similarweb wuchs von 70,6 Millionen Dollar Umsatz in 2019 auf 93,5 Millionen Dollar in 2020, ein Plus von 32%. Das annualisierte Revenue (ARR) zum Ende 2020 lag bei 107 Millionen Dollar. Die Bruttomarge liegt bei 79%, was für SaaS-Verhältnisse stark ist.

Was besonders auffällt: die Net Dollar Retention Rate von 113%. Das bedeutet, bestehende Kunden geben im Durchschnitt 13% mehr aus als im Vorjahr. In Kombination mit einer Free-Cash-Flow-Konsumption von nur 4,9 Millionen Dollar in 2020 zeigt das, dass Similarweb sein Wachstum sehr kapitaleffizient gestaltet.

Profitabel ist das Unternehmen noch nicht. Der Nettoverlust lag 2020 bei 22 Millionen Dollar, nach 17,7 Millionen in 2019. Similarweb investiert vor allem in Vertrieb und Marketing (53,7 Millionen Dollar in 2020) und Forschung und Entwicklung (22 Millionen Dollar). Der Weg zur Profitabilität ist klar erkennbar, aber noch nicht abgeschlossen.

Die Wachstumsstrategie hat vier Säulen: Neue Kunden gewinnen, bestehende Kunden ausbauen, Innovation und Technologieführerschaft halten, und strategische Zukäufe prüfen. Das ist klassisches SaaS-Playbook, und die bisherigen Zahlen zeigen, dass es funktioniert.

Details zum IPO

Similarweb reichte am 15. April 2021 seinen F-1 bei der SEC ein. Der geplante Börsengang erfolgt an der NYSE unter dem Ticker-Symbol SMWB. Emissionspreis und genaue Aktienanzahl wurden im vorliegenden F-1 noch nicht festgelegt, das angestrebte maximale Angebotsvolumen liegt bei 100 Millionen US-Dollar.

Als Konsortialführer wurden J.P. Morgan, Citigroup, Barclays und Jefferies mandatiert. Co-Manager sind JMP Securities, Oppenheimer und William Blair. Die Underwriter erhalten wie üblich eine Option auf den Kauf weiterer Aktien innerhalb von 30 Tagen nach Börsengang.

Als "Foreign Private Issuer" aus Israel gelten für Similarweb erleichterte Reporting-Anforderungen: kein Quartalsbericht auf Form 10-Q, keine Insider-Handelspflichten und Ausnahmen von bestimmten Proxy-Anforderungen. Das ist für langfristige Aktionäre relevant, weil die Transparenz gegenüber rein US-amerikanischen Börsengängen etwas geringer ist.

Die Erlöse sollen für allgemeine Unternehmenszwecke eingesetzt werden, inklusive Vertrieb, Marketing, Technologieentwicklung und potenzielle Akquisitionen.

Bewertungskriterien

+

113% Net Dollar Retention zeigt starke Kundenbindung und organisches Wachstum aus dem Bestand heraus

+

79% Bruttomarge und Free-Cash-Flow-Konsumption von nur 4,9 Millionen Dollar trotz 32% Umsatzwachstum belegen Kapitaleffizienz

+

Marke ist bereits etabliert: Das Tool wird in Stellenanzeigen als gefragte Fähigkeit genannt und von Fortune-500-Unternehmen eingesetzt

+

34 Milliarden Dollar adressierbarer Markt bei erst 2.718 zahlenden Kunden zeigt das Wachstumspotenzial

Nettoverlust steigt: 22 Millionen Dollar in 2020 nach 17,7 Millionen in 2019, kein konkreter Pfad zur Profitabilität

Als "Foreign Private Issuer" gelten reduzierte Transparenzpflichten, was die Vergleichbarkeit mit US-Peers erschwert

Datenschutzrisiko: Das Geschäftsmodell basiert auf der Analyse von Milliarden von Nutzerinteraktionen, regulatorische Einschränkungen könnten die Datengrundlage verschlechtern

Starke Abhängigkeit vom Vertrieb: 53,7 Millionen Dollar Sales- und Marketing-Ausgaben bei 93,5 Millionen Dollar Umsatz zeigen, wie teuer jeder neue Kunde erkauft ist