Snowflake IPO - Die Cloud-Datenplattform erobert die Börse

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Overview
Snowflake hat seine S-1 Unterlagen bei der SEC eingereicht und plant die Erstnotiz an der New York Stock Exchange unter dem Ticker SNOW. Damit steht einer der meisterwarteten Tech-Börsengänge des Jahres 2020 vor der Tür.
Gegründet 2012 in Delaware unter dem Namen Snowflake Computing, hat das Unternehmen aus San Mateo eine Cloud Data Platform gebaut, die ein jahrzehntealtes Problem löst: Datensilos. Unternehmen speichern ihre Daten oft in verschiedenen Systemen, die nicht miteinander reden. Snowflake bringt diese Daten zusammen, macht sie analysierbar und teilbar. Das Besondere: Die Plattform läuft auf allen drei großen Public Clouds (AWS, Azure, Google Cloud) gleichzeitig und rechnet nach Verbrauch ab. Kunden zahlen nur, was sie tatsächlich nutzen.
Die Zahlen sprechen für sich. Snowflake hat den Umsatz im Geschäftsjahr 2020 (endet Januar 2020) auf 264,7 Millionen US-Dollar gesteigert, ein Plus von 174% gegenüber dem Vorjahr. In den sechs Monaten bis Juli 2020 lag der Umsatz bereits bei 242 Millionen. Die Kundenbasis hat sich innerhalb eines Jahres von 1.547 auf 3.117 verdoppelt, und die Net Revenue Retention Rate liegt bei 158%. Das bedeutet: Bestehende Kunden geben im Schnitt 58% mehr aus als im Vorjahr.
Management zum Zeitpunkt des IPOs
An der Spitze von Snowflake steht CEO Frank Slootman, der im April 2019 an Bord kam. Slootman ist kein Unbekannter in der Tech-Welt. Er hat bereits zwei Unternehmen erfolgreich an die Börse gebracht: Data Domain (2007, später von EMC übernommen) und ServiceNow (2012). Er gilt als einer der erfahrensten operativen CEOs im Enterprise-Software-Bereich und hat Snowflake in kurzer Zeit auf Wachstumskurs gebracht.
CFO Michael P. Scarpelli kam im August 2019 dazu und vervollständigt das Führungsteam. Beide sind also vergleichsweise neu im Unternehmen, was ein gewisses Risiko darstellt, aber auch zeigt, dass Snowflake gezielt erfahrene Public-Company-Manager geholt hat, um den Börsengang vorzubereiten.
Die Aktienstruktur sieht eine Dual-Class-Struktur vor: Class-A-Aktien (1 Stimme) werden im IPO angeboten, Class-B-Aktien (10 Stimmen) bleiben bei den bestehenden Aktionären. Die bisherigen Investoren, Direktoren und Führungskräfte behalten damit die Stimmrechtsmehrheit nach dem Börsengang.
Branche
Der Markt für Cloud-Datenplattformen wächst rasant. Snowflake schätzt das adressierbare Marktvolumen auf rund 81 Milliarden US-Dollar. Laut IDC werden die Märkte für Analytics Data Management und Business Intelligence Tools bis Ende 2023 auf ein kombiniertes Volumen von 84 Milliarden Dollar wachsen.
Die Konkurrenz ist allerdings nicht ohne. Snowflake tritt gegen die drei großen Public-Cloud-Anbieter an: Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und Google Cloud Platform (GCP). Alle drei bieten eigene Datenbank- und Analyselösungen an und haben deutlich mehr Ressourcen. Dazu kommen etablierte Anbieter von Legacy-Datenbanken und Big-Data-Lösungen sowie jüngere Cloud-Startups.
Der Clou bei Snowflake: Die Plattform läuft auf allen drei großen Clouds, während die Lösungen der Cloud-Anbieter in der Regel nur auf der eigenen Infrastruktur funktionieren. Das gibt Snowflake einen strategischen Vorteil, birgt aber auch ein Risiko. AWS, Azure und GCP sind gleichzeitig Infrastrukturpartner und Wettbewerber. Sie könnten ihre eigenen Produkte bevorzugen oder Snowflake bei Preisen und Konditionen benachteiligen.
Produkte
Snowflakes Cloud Data Platform deckt ein breites Spektrum an Anwendungsfällen ab:
- •Data Warehousing: Klassische Datenanalyse mit einer modernen, cloud-nativen Architektur. Kunden können Petabytes an Daten speichern und in Echtzeit abfragen.
- •Data Lake: Strukturierte und semi-strukturierte Daten (z.B. JSON, Avro, Parquet) werden gemeinsam gespeichert und analysierbar gemacht, ohne vorherige Transformation.
- •Data Engineering: Aufbau und Verwaltung von Datenpipelines, die Rohdaten in analysefertige Datensätze umwandeln.
- •Data Science: Datentransformation für Machine-Learning-Modelle, direkt auf der Plattform.
- •Data Sharing: Kunden können Daten sicher mit internen Teams, Partnern oder externen Organisationen teilen, ohne die Daten zu kopieren oder zu verschieben. Snowflake nennt das die "Data Cloud".
- •Data Applications: Unternehmen können datengetriebene Applikationen direkt auf der Plattform bauen.
Die Plattform verarbeitet durchschnittlich 507 Millionen Abfragen pro Tag (Stand Juli 2020), doppelt so viele wie im Vorjahresmonat. Zu den Kunden zählen 7 der Fortune 10 und 146 der Fortune 500. Die Zahl der Kunden mit über 1 Million Dollar Jahresumsatz stieg von 22 auf 56 innerhalb eines Jahres.
Outlook
Snowflake steht an einem spannenden Punkt. Das Unternehmen wächst extrem schnell, hat mit der "Data Cloud" eine klare Vision und profitiert vom globalen Trend zur Cloud-Migration. Die Net Revenue Retention Rate von 158% zeigt, dass Kunden nach dem Einstieg massiv mehr ausgeben. Das verbrauchsbasierte Geschäftsmodell ist dabei ein zweischneidiges Schwert: Es senkt die Einstiegshürde, macht die Umsatzplanung aber weniger vorhersehbar als bei klassischen Abo-Modellen.
Profitabel ist Snowflake noch lange nicht. Der Nettoverlust lag im Geschäftsjahr 2020 bei 348,5 Millionen US-Dollar, nach 178 Millionen im Vorjahr. Die Vertriebskosten allein betrugen 293,6 Millionen. Das Unternehmen investiert massiv in Wachstum und plant, die Vertriebs- und Marketingteams weiter auszubauen, insbesondere im Enterprise-Segment und international. Die Bruttomarge verbessert sich zwar (von 46% auf 56% im Geschäftsjahr 2020), aber die Abhängigkeit von den Cloud-Infrastrukturkosten bei AWS, Azure und GCP bleibt ein strukturelles Thema.
Besonders interessant ist der Netzwerkeffekt der Data Cloud: Je mehr Kunden Snowflake nutzen, desto wertvoller wird die Plattform für alle Nutzer, weil mehr Daten geteilt und kombiniert werden können. Ob sich dieser Effekt in der Praxis so stark entfaltet wie erhofft, bleibt abzuwarten.
Details zum IPO
Snowflake plant die Erstnotiz an der NYSE unter dem Ticker SNOW. Der genaue Emissionspreis und das Volumen wurden im S-1 noch nicht festgelegt. Als Konsortialführer wurden Goldman Sachs, Morgan Stanley und J.P. Morgan mandatiert, ergänzt durch Allen & Company, Citigroup, Credit Suisse, Barclays und Deutsche Bank Securities.
Die Dual-Class-Aktienstruktur gibt den bestehenden Aktionären über Class-B-Aktien mit 10-facher Stimmkraft die Kontrolle über das Unternehmen nach dem Börsengang. Zum 31. Juli 2020 hatte Snowflake 244,5 Millionen Class-B-Aktien im Umlauf. Das Unternehmen verfügte zu diesem Zeitpunkt über 886,8 Millionen US-Dollar an liquiden Mitteln und Investments.
Bewertungskriterien
Umsatzwachstum von 174% im Geschäftsjahr 2020 und Net Revenue Retention Rate von 158%
3.117 Kunden inklusive 146 Fortune-500-Unternehmen, mit stark wachsender Enterprise-Basis
Multi-Cloud-Strategie als Differenzierung gegenüber AWS, Azure und GCP
Erfahrenes Management mit CEO Frank Slootman, der bereits zwei erfolgreiche IPOs geleitet hat
Nettoverlust von 348,5 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2020, kein klarer Pfad zur Profitabilität
Verbrauchsbasiertes Modell erschwert die Umsatzprognose und birgt Risiko bei Konjunkturabschwung
Direkte Abhängigkeit von AWS, Azure und GCP als Infrastruktur, die gleichzeitig Wettbewerber sind
Dual-Class-Struktur begrenzt den Einfluss neuer Aktionäre auf Unternehmensentscheidungen