Overview
Cheng Wei gründete Didi 2012 in Peking, nachdem er acht Jahre bei Alibaba und dessen Zahlungsarm Alipay gearbeitet hatte. Die erste App hieß Didi Dache und vermittelte schlicht Taxis per Smartphone. Den Durchbruch brachte 2015 die Fusion mit dem größten Konkurrenten Kuaidi Dache, hinter dem Alibaba stand, während Tencent Didi unterstützte. Durch den Zusammenschluss kontrollierte das neue Unternehmen mehr als 90 Prozent des chinesischen Taxi-Vermittlungsmarkts.
2016 übernahm Didi die China-Sparte von Uber in einem Aktientausch, der Uber eine Beteiligung am kombinierten Unternehmen einbrachte. Damit war der chinesische Markt konsolidiert. Seit 2018 expandierte Didi systematisch ins Ausland, zunächst nach Lateinamerika, dann nach Australien, Japan und weitere Märkte. Jean Liu, Tochter von Lenovo-Gründer Liu Chuanzhi und ehemalige Managerin bei Goldman Sachs Asia, trat 2014 als Präsidentin ein und trieb die internationale Expansion sowie die wichtigsten Finanzierungsrunden voran.
Heute zählt Didi zu den umsatzstärksten privaten Technologieunternehmen Chinas. Das Kerngeschäft liegt in der Fahrtvermittlung in China, ergänzt durch ein wachsendes internationales Segment und neue Geschäftsbereiche rund um Elektromobilität, Ladeinfrastruktur und autonomes Fahren.
Management
Cheng Wei führt Didi seit der Gründung 2012 als Chairman und CEO. Er studierte Betriebswirtschaft an der Pekinger Universität für Chemische Technologie und arbeitete vor der Gründung als Regionalmanager bei Alipay. Seine operative Vertrautheit mit dem chinesischen Tech-Markt gilt als zentrale Stärke im Umgang mit Investoren und Behörden. Im Zuge der Regulierungsaffäre 2021 wurde er von der chinesischen Internetaufsicht gemeinsam mit anderen Führungskräften mit einer Geldstrafe belegt.
Jean Liu, die das Unternehmen als Mitgründerin und langjährige Präsidentin geprägt hatte, wechselte 2024 aus der operativen Führungsrolle in die Position einer dauerhaften Partnerin mit Fokus auf Personal- und Nachhaltigkeitsthemen. Die Präsidentenposition wurde danach nicht neu besetzt. Das Management steht damit seit 2024 stärker unter der alleinigen Führung von Cheng Wei, der Strategie und operative Verantwortung in seiner Rolle als CEO konzentriert.
Finanzdaten
Branche
Didi operiert im globalen Markt für Fahrtvermittlung und Mobilitätsdienstleistungen, einem Segment, das strukturell von der Urbanisierung, steigenden Fahrzeughaltekosten und der Verbreitung von Smartphones angetrieben wird. In China ist der Markt besonders ausgeprägt: Fahrzeugbesitz ist teuer, Städte sind dicht besiedelt, und Pendler in Metropolen greifen regelmäßig auf Fahrtvermittlung zurück. Didi hält in diesem Heimatmarkt einen Anteil von schätzungsweise 75 bis 80 Prozent.
International konkurriert Didi mit Uber in Lateinamerika, wo Uber ebenfalls stark vertreten ist, sowie mit regionalen Plattformen wie Grab in Südostasien und Ola in Indien. In China selbst treten Meituan und neue Anbieter als Herausforderer auf, die ihre Plattformen zunehmend um Fahrtvermittlung erweitern. Im Bereich autonomes Fahren, den Didi als langfristigen Wachstumstreiber betrachtet, stehen Baidu Apollo, Pony.ai und WeRide als direkte Wettbewerber um Lizenzen und Skalierung.
Die strukturellen Trends sprechen für eine weitere Nachfrage nach geteilter Mobilität. Gleichzeitig erhöht die Verbreitung von Elektrofahrzeugen den Investitionsdruck auf die gesamte Branche, da Plattformen zunehmend eigene Fahrzeugflotten und Ladeinfrastruktur aufbauen oder finanzieren.
Produkte und Services
Das Kernprodukt von Didi ist die Fahrtvermittlungs-App für den chinesischen Markt, über die Nutzer Taxis, private Fahrer, Chauffeure und Mitfahrgelegenheiten buchen können. Das China-Segment macht den weitaus größten Teil des Gesamtumsatzes aus. Daneben betreibt Didi ein Fahrradverleihsystem sowie Buslinien in ausgewählten Städten.
International ist Didi in mehr als 15 Ländern aktiv, darunter Brasilien, Mexiko, Australien, Chile und Japan. In mehreren lateinamerikanischen Märkten bietet das Unternehmen zusätzlich Motorradtaxis und Essenslieferungen an. Über das Segment Other Initiatives bündelt Didi weitere Aktivitäten, darunter Finanzdienstleistungen, Kreditvergabe und Versicherungsprodukte für Fahrer.
Eine strategisch wichtige Sparte ist Didi Autonomous Driving. Die Tochtergesellschaft entwickelt selbstfahrende Fahrzeugtechnologie und hat Testflotten in Peking, Guangzhou und Shanghai im Einsatz. 2023 verkaufte Didi die Fahrzeugentwicklungs-Sparte an den chinesischen Elektroautohersteller Xpeng, erhielt dafür Xpeng-Aktien und kooperiert seither bei der Entwicklung neuer Modelle für den Flottenmarkt.
