Overview
Die Geschichte von Alliance Laundry beginnt 1908 in einem Eisenwarenladen im kleinen Ripon, Wisconsin. Joe Barlow und John Seelig gründeten dort die Barlow & Seelig Manufacturing Company und brachten zunächst handbetriebene Waschmaschinen auf den Markt, bevor sie zur eigenen Fertigung übergingen. 1928 etablierten sie die Marke Speed Queen, die bis heute den Kern des Portfolios bildet. Über mehr als ein Jahrhundert wuchs aus dem Werkstattbetrieb der nach eigenen Angaben weltgrößte Hersteller gewerblicher Wäschereitechnik.
Den Namen Alliance Laundry Systems trägt das Unternehmen seit 1998, als der Rüstungskonzern Raytheon das damalige Speed-Queen-Geschäft für 358 Millionen Dollar an private Investoren verkaufte. 2005 übernahm der Investmentarm der Ontario Teachers' Pension Plan die Mehrheit, zehn Jahre später folgte BDT Capital Partners. Unter den verschiedenen Eigentümern expandierte Alliance international und baute Produktionsstandorte in Tschechien, Thailand und China auf, ergänzend zu den Stammwerken in Ripon und Manitowoc, Wisconsin.
Der Hauptsitz liegt unverändert in Ripon. Alliance beschäftigt rund 4.000 Mitarbeiter und liefert in über 150 Länder. Den eigenen Marktanteil im nordamerikanischen Markt für gewerbliche Wäschereitechnik beziffert das Unternehmen auf etwa 40 Prozent.
Management
Mike Schoeb führt Alliance Laundry seit 2011 als CEO. Er stieß 2007 als President und Chief Operating Officer zum Unternehmen und kam zuvor von Wausau Homes, einem Hausbauer aus Wisconsin. Während seiner Amtszeit hat sich der Unternehmenswert nach eigenen Angaben vervierfacht, getragen von internationaler Expansion und gezielten Übernahmen kleinerer Distributoren.
Als CFO verantwortet Dean Nolden die Finanzstrategie und hat das Unternehmen durch den Börsengang geführt. Er bringt eine lange Karriere bei der Manitowoc Company mit, wo er von 1997 bis 2015 in verschiedenen Finanzführungspositionen tätig war, zuletzt als Executive Vice President Finance. Im Board sitzen mehrere Vertreter des Mehrheitseigners BDT & MSD Partners, was die enge Verzahnung mit dem Private-Equity-Hintergrund des Unternehmens widerspiegelt.
Finanzdaten
Branche
Alliance operiert im globalen Markt für gewerbliche Wäschereitechnik. Branchenstudien beziffern das weltweite Volumen je nach Definition zwischen rund 3 und über 7 Milliarden Dollar. Der Markt wächst über die Jahre stetig im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich, getrieben von Hotels, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Waschsalons und Mehrfamilienhäusern, die alle auf langlebige, hochfrequent genutzte Geräte angewiesen sind.
Der Wettbewerb ist konzentriert. Auf den vorderen Plätzen liegen neben Alliance der amerikanische Mischkonzern Whirlpool, der schwedische Spezialist Electrolux Professional, das deutsche Familienunternehmen Miele sowie die US-Industriewäscherei-Spezialisten Pellerin Milnor und Dexter Laundry. In Europa kommen Hersteller wie Kannegiesser aus Deutschland, Girbau aus Spanien und die belgisch-schweizerische Jensen Group dazu, in Asien LG Electronics und chinesische Hersteller wie Sea-Lion. Branchenanalysen schätzen, dass die fünf größten Anbieter zusammen den Großteil des globalen Marktes auf sich vereinen.
Alliance positioniert sich im Premium-Segment mit Fokus auf Total Cost of Ownership, also den Gesamtbetriebskosten über die Lebensdauer einer Maschine. Die Geräte sind für lange Standzeiten und intensive Beanspruchung ausgelegt, einzelne Modelle absolvieren in Tests bis zu 10.000 Waschzyklen. Geografisch teilen sich Europa, Nordamerika und Asien-Pazifik den Markt zu jeweils ungefähr ähnlichen Anteilen, mit Europa knapp vorn.
Produkte und Services
Alliance verkauft gewerbliche Waschmaschinen, Trockner und Bügelmaschinen unter fünf Markennamen. Speed Queen ist die bekannteste Marke und richtet sich sowohl an gewerbliche Kunden als auch an Privathaushalte, die kommerziell gefertigte Geräte für den Heimgebrauch suchen. Huebsch und UniMac decken den nordamerikanischen Markt für mittelgroße bis große Anwendungen ab, während IPSO und Primus stärker auf Europa und das internationale Geschäft zugeschnitten sind. Die Produktpalette umfasst Beladungskapazitäten von rund 5 bis über 180 Kilogramm und reicht damit von kompakten Geräten für kleine Pflegeeinrichtungen bis zu Großmaschinen für industrielle Wäschereien.
Das Geschäft teilt sich in drei Endmärkte. Der Vended-Bereich umfasst Waschsalons und andere Selbstbedienungsstandorte. On-Premise Laundry, kurz OPL, bezeichnet Wäschereien innerhalb von Hotels, Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Feuerwachen. Commercial-In-Home schließlich beschreibt den Verkauf kommerziell konstruierter Geräte an Endverbraucher. Etwa drei Viertel des Umsatzes entfallen auf Nordamerika, ein Viertel auf das internationale Geschäft.
Über den reinen Geräteverkauf hinaus generiert Alliance Erlöse aus Ersatzteilen, Wartung und einem hauseigenen Finanzierungsgeschäft. Über asset-besicherte Kreditlinien hat Alliance über die Jahre Equipment-Kredite und Leasingverträge im Milliardenbereich für seine Distributoren und Endkunden ausgereicht. Eine vernetzte Plattform mit über 200.000 angebundenen Maschinen und mehreren Millionen Nutzern, etwa Speed Queen Insights und Huebsch Command, bietet Datenanalyse, Fernsteuerung und Bezahlfunktionen und soll künftig stärker zu wiederkehrenden Software-Erlösen beitragen.
