Overview
Qingfeng Wu, in der Außenkommunikation als Allen Wu auftretend, gründete BGIN gemeinsam mit Oisin Li im März 2019 in Hongkong. Wu hatte zuvor mehr als ein Jahrzehnt Erfahrung im Hardware-Design gesammelt, unter anderem als Hochfrequenz-Ingenieur bei Comba Telecom und in leitender Funktion bei Shenzhen Chenggu Technology. Sein Studium der Elektronischen Informationstechnik und der Mikrowellentechnik absolvierte er an der Xidian-Universität. Aus dieser ingenieursgetriebenen DNA heraus baute das Unternehmen sehr früh eigene Kompetenz im Entwurf anwendungsspezifischer Schaltkreise auf, die für das Schürfen von Kryptowährungen optimiert sind.
In den ersten Jahren konzentrierte sich BGIN ausschließlich auf das Schürfen alternativer Proof-of-Work-Coins, mit besonderem Fokus auf Kaspa. Im August 2022 erreichte BGIN nach eigenen Angaben einen Anteil von 44,5 Prozent an der gesamten Kaspa-Hashrate, was die führende Stellung im Netzwerk dokumentierte. Ab April 2023 trat ein zweites Geschäftsmodell hinzu, der Verkauf der hauseigenen ICERIVER-Mining-Maschinen an externe Kunden. Im September desselben Jahres startete zusätzlich der Mining-Pool, in dem Schürfer ihre Rechenleistung bündeln und gemeinsam Erträge erzielen können.
Heute operiert BGIN als Holding mit Sitz auf den Cayman Islands, gegründet im März 2022, und betreibt operative Tochtergesellschaften in Singapur, Hongkong, Festlandchina und den USA. Eigene Mining-Standorte unterhält das Unternehmen in den US-Bundesstaaten Nebraska und Iowa, vor allem wegen der dort vergleichsweise günstigen Strompreise. Der Hauptsitz für die internationale Steuerung liegt in Singapur.
Management
Allen Wu führt BGIN Blockchain seit der Gründung 2019 als Chief Executive Officer und ist über die ihm zuzurechnende Decho Investment Limited auf den Britischen Jungferninseln Hauptaktionär des Unternehmens. Mitgründer Oisin Li übernahm zum Börsengang 2025 die Rolle des Executive Chairman und ist eines der prägenden Gesichter in der Investorenkommunikation. Zusammen halten Wu und Li über die Mehrklassen-Aktienstruktur die Stimmrechtsmehrheit. Im Januar 2026 erweiterte Li seine Position über Käufe am offenen Markt zu rund 3,70 Dollar je Aktie, was als Vertrauensbeweis nach dem schwachen Kursverlauf nach dem IPO interpretiert wurde.
Den technischen Bereich verantwortet Chief Technology Officer Qi Shao, der das international verteilte Entwicklungsteam für ASIC-Chips leitet. Im Finanzressort arbeiteten zum Börsengang Pengju Wang und Mark Xiang als Co-Chief Financial Officers. Im Dezember 2025 trennte sich BGIN nach eigener Darstellung einvernehmlich vom Chief Communications Officer und löste die Zusammenarbeit mit dem ursprünglichen Wirtschaftsprüfer ZH CPA. Seither prüft MaloneBailey die Bücher.
Finanzdaten
Branche
BGIN bewegt sich im Markt für Krypto-Mining-Hardware, der je nach Studie auf neun bis dreizehn Milliarden Dollar Volumen geschätzt wird und von ASIC-Spezialchips dominiert ist. Die mittlere jährliche Wachstumsrate liegt nach Schätzungen mehrerer Marktforschungshäuser im hohen einstelligen bis zweistelligen Prozentbereich, wobei sich Phasen mit steigenden Krypto-Preisen und Nachfragerückgänge bei fallenden Kursen abwechseln. Den Kern des Marktes bildet die Hardware für Bitcoin-Mining, in dem Bitmain, MicroBT und Canaan zusammen den Großteil der Stückzahlen kontrollieren.
Innerhalb dieses größeren Marktes hat sich BGIN auf das Nischensegment der Mining-Hardware für alternative Proof-of-Work-Coins spezialisiert, allen voran Kaspa. Hier konkurriert die hauseigene Marke ICERIVER vor allem mit Bitmains Antminer-KS-Reihe sowie mit Goldshell und kleineren Anbietern wie WindMiner. ICERIVER hat sich einen Ruf als technisch ambitionierter Anbieter mit niedrigeren Einstiegsmodellen für Heimschürfer aufgebaut. Allerdings ist der Anteil von BGIN an der Kaspa-Hashrate von einem Höchstwert nahe 45 Prozent im Jahr 2022 auf etwa 1,6 Prozent bis Mitte 2024 zurückgegangen, da Bitmain und andere Wettbewerber leistungsstärkere Geräte auf den Markt gebracht haben.
Strategisch versucht BGIN nun den Sprung in den weitaus größeren Bitcoin-Mining-Markt. Mit der Entwicklung des hauseigenen 4-Nanometer-Chips für die BT1-Serie wurde 2026 ein wichtiger technischer Meilenstein erreicht. Ob das Unternehmen damit gegen die etablierten Marktführer mit ihren deutlich größeren Forschungsbudgets bestehen kann, ist eine der zentralen offenen Fragen für die nächsten Jahre.
Produkte und Services
Das Geschäftsmodell von BGIN ruht auf drei Säulen. Den größten Umsatzbeitrag liefert traditionell der Verkauf von Mining-Maschinen unter der Marke ICERIVER, die in verschiedenen Leistungsklassen angeboten werden. Die KS-Serie richtet sich an Kaspa-Schürfer und reicht von kompakten Heimgeräten wie dem KS0 mit unter 200 Watt Leistungsaufnahme bis hin zum KS7 mit Hashraten um 30 Terahash pro Sekunde. Daneben gibt es die AE-Serie für das Schürfen von Aleo sowie Modelle für Alephium. Verkauft werden die Maschinen über die hauseigene Website, primär an Kunden in den USA, Hongkong und Südostasien.
Die zweite Säule bildet das Eigen-Mining, bei dem BGIN selbst Maschinen in eigenen Anlagen in Nebraska und Iowa betreibt und die geschürften Coins veräußert. Diese Sparte ist stark abhängig vom Marktpreis von Kaspa und sorgte 2025 für deutlich rückläufige Margen, als der KAS-Kurs scharf einbrach. Als dritte Säule kam im September 2023 der Mining-Pool dazu, in dem Drittanbieter ihre Rechenleistung bündeln. Aktuell unterstützt der Pool fünf schürfbare Kryptowährungen.
Hinzu kommen Hosting-Dienstleistungen, bei denen BGIN Mining-Maschinen für externe Kunden in eigenen Rechenzentren betreibt, sowie der Verkauf hauseigener ASIC-Chips an Dritte. Seit 2022 hat BGIN nach eigener Darstellung sieben erfolgreiche Tape-Outs von Mining-Chips abgeschlossen, also den Übergang vom Schaltungsentwurf zur physischen Fertigung im Halbleiterwerk. Der jüngste Tape-Out im Jahr 2026 betraf den 4-Nanometer-Chip BT1, mit dem BGIN erstmals den Sprung ins Bitcoin-Mining wagt.
