BGIN Blockchain IPO: ICERIVER-Macher plant Nasdaq-Börsengang

BGIN Blockchain entwickelt und verkauft ASIC-Mining-Maschinen unter der Marke ICERIVER, mit Fokus auf alternative Kryptowährungen wie KAS, ALPH und RXD. Die Mining-Operationen laufen in eigenen Farmen in Nebraska, dazu betreibt das Unternehmen einen eigenen Mining-Pool. Mit 257 Millionen US-Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2023 ist BGIN einer der größten Anbieter für Mining-Hardware außerhalb des Bitcoin-Universums.
Overview
Beim IPO von BGIN Blockchain treffen mehrere ungewöhnliche Aspekte aufeinander. Das Unternehmen mit operativem Hauptsitz in Singapur und Mining-Farmen in Nebraska hat seine F-1-Unterlagen bei der SEC eingereicht und plant die Erstnotiz an der Nasdaq unter dem Ticker BGIN. Konsortialführer sind Chardan und The Benchmark Company.
Hinter BGIN steht eine Gruppenstruktur, die Anleger genau verstehen sollten. Die formale Holding ist eine Gesellschaft auf den Cayman Islands, die operativen Töchter sitzen in Singapur, Hongkong und den USA. Das hat Konsequenzen: Investoren kaufen Anteile an der Cayman-Holding, nicht direkt an den operativen Einheiten. Dazu kommt der Foreign-Private-Issuer-Status mit reduzierten Berichtspflichten gegenüber einem typischen US-Listing.
Die Ursprünge gehen auf das Jahr 2019 zurück, als Qingfeng Wu und Qiuhua Li in Hongkong die operative Tochter Bgin HK gründeten. Ende 2021, nachdem China Krypto-Mining offiziell verboten hatte, verlagerte BGIN seine Mining-Operationen in die USA. Die Cayman-Holding wurde 2022 in Vorbereitung auf den IPO eingerichtet. Der Schritt an die Nasdaq passt zu dem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen den Wandel vom reinen Krypto-Mining zum Mining-Hardware-Verkauf vollzogen hat. Dieser Wandel hat den Umsatz 2023 explodieren lassen.
Management zum Zeitpunkt des IPOs
An der Spitze von BGIN steht Mitgründer und CEO Qingfeng Wu. Er kontrolliert das Unternehmen über Decho Investment Limited, eine Gesellschaft auf den British Virgin Islands. Wu hält damit nicht nur einen Anteil an den Class-A-Aktien, sondern auch 100 Prozent der Class-B-Aktien. Diese geben pro Stück fünf Stimmen, womit die Stimmrechtsmehrheit fest in seiner Hand liegt. BGIN gilt nach den Nasdaq-Regeln als "controlled company" und könnte auf einige Corporate-Governance-Anforderungen verzichten, will diese Option laut F-1 aber vorerst nicht nutzen.
Qiuhua Li, ebenfalls Mitgründer von Bgin HK, ist Chairman des Board of Directors. CTO ist Qi Shao, der zudem 70 Prozent an einer chinesischen Gesellschaft (Shenzhen Bgin) hält, die bis September 2024 Forschungs- und Entwicklungsleistungen an BGIN-Töchter erbracht hat. Diese Konstellation kann zu Interessenkonflikten führen und ist im Filing als Risikofaktor benannt. Co-CFO Pengju Wang sowie weitere Direktoren sind chinesische Staatsbürger oder Einwohner Chinas, was das Geltendmachen von Ansprüchen für US-Investoren erschwert.
Die Wirtschaftsprüfung übernimmt ZH CPA, LLC mit Sitz in Denver, Colorado. Die Kanzlei ist PCAOB-registriert und unterliegt regulären Inspektionen, was im Vergleich zu vielen China-bezogenen Listings ein Pluspunkt ist.
Branche
Der Markt für ASIC-Mining-Hardware ist eng verzahnt mit den Preisbewegungen der zugrundeliegenden Kryptowährungen. BGIN beruft sich auf einen Industrie-Report von Frost & Sullivan zum globalen Blockchain- und Kryptowährungsmarkt und positioniert sich bewusst abseits der dominanten Player wie Bitmain, MicroBT oder Canaan, die hauptsächlich auf Bitcoin-Mining setzen. Der Fokus von BGIN liegt auf "alternativen Kryptowährungen", also Coins jenseits von Bitcoin und Ethereum.
Damit verbunden ist ein wesentliches Risiko. Solche Coins gelten als wachstumsstärker, aber auch als deutlich riskanter. Konkret dominiert ein einziger Coin die Geschäftsentwicklung: KAS (Kaspa). Sowohl die Mining-Erträge als auch der Verkauf der eigenen Maschinen hängen stark von der Stabilität und Beliebtheit dieses Coins ab. Bricht KAS weg, hätte das massive Auswirkungen auf Umsatz und Margen.
Das regulatorische Umfeld ist zweischneidig. China hat Krypto-Mining 2021 als "eliminated industry" eingestuft, was BGIN zur Verlagerung in die USA gezwungen hat. In den USA selbst sind die Bedingungen besser, aber nicht ohne Risiken. So befinden sich aktuell 2.412 Mining-Maschinen in einem Zollverfahren der US Customs and Border Protection. Dazu kommen mögliche Einstufungen einzelner Kryptowährungen als Wertpapiere, was BGINs Geschäftsmodell direkt betreffen könnte.
Produkte
BGIN Blockchain führt mehrere Geschäftsbereiche, die sich gegenseitig stützen:
- •ICERIVER Mining-Maschinen: Die Eigenmarke nutzt von BGIN entwickelte ASIC-Chips in 8 nm und 12 nm. Verschiedene Modellreihen sind für unterschiedliche alternative Kryptowährungen optimiert, vor allem für KAS, ALPH und RXD. Insgesamt hat BGIN bisher 23 Modelle entwickelt, 19 davon sind im Einsatz. Verkauft werden die Geräte ausschließlich über die eigene Plattform iceriver.io. Im Geschäftsjahr 2023 gingen 67.998 Maschinen an Kunden weltweit, im ersten Halbjahr 2024 weitere 47.252 Stück. Die Hauptmärkte sind Hongkong, die USA und Südostasien.
- •Eigenes Krypto-Mining (Self-Mining): BGIN betreibt 48.277 eigene Mining-Maschinen. Davon minen 33.862 aktiv, 12.003 sind eingelagert und 2.412 werden vom US-Zoll festgehalten. Die aktiven Anlagen stehen in eigenen Farmen in Omaha und York (Nebraska) sowie in Hosting-Einrichtungen in Iowa, Texas, West Virginia und Ohio.
- •Hosting-Service für Kunden: Wer keine Lust hat, seine ICERIVER-Maschine selbst zu betreiben, kann sie BGIN überlassen. Aktuell hostet das Unternehmen 4.020 Kunden-Maschinen, davon 3.330 in Betrieb. Dafür fließt eine Servicegebühr.
- •Mining-Pool: Seit September 2023 betreibt BGIN einen eigenen Mining-Pool für aktuell fünf Kryptowährungen. Hier verdient das Unternehmen über die anteilige Pool-Gebühr auf alle Mining-Erträge der Teilnehmer.
- •After-Sales über Bgin EU (Irland): Im November 2024 hat BGIN eine Tochter in Irland eingerichtet, um Garantie- und Service-Leistungen für ICERIVER-Kunden in Europa abzuwickeln.
Die Verschiebung der Umsatzzusammensetzung ist deutlich. 2023 stammten 85,4 Prozent des Umsatzes aus dem Verkauf von Mining-Maschinen, im ersten Halbjahr 2024 noch 65,7 Prozent. Den Rest steuern Self-Mining, Hosting und der Mining-Pool bei.
Outlook
BGIN steht an einem interessanten Punkt. Der Übergang vom reinen Mining zum Hardware-Verkauf hat dem Unternehmen 2023 einen Umsatzsprung von 15,1 auf 257,3 Millionen US-Dollar gebracht. Das ist ein Plus von 1.609 Prozent. Aus dem kleinen Verlust von 0,2 Millionen US-Dollar 2022 wurde ein Nettogewinn von 139,8 Millionen US-Dollar. Im ersten Halbjahr 2024 setzte sich die Entwicklung fort, mit 144,5 Millionen US-Dollar Umsatz und 63,6 Millionen US-Dollar Nettogewinn. Auch die vorläufigen Schätzungen für das Gesamtjahr 2024 zeigen weiteres Wachstum, wenn auch in moderaterem Tempo: zwischen 271 und 301 Millionen US-Dollar Umsatz.
Die Strategie ist klar formuliert. BGIN will die eigene Wertschöpfungskette weiter integrieren, also Chip-Design, Maschinen-Produktion, eigene Mining-Operationen, Hosting für Kunden und Mining-Pool unter einem Dach. Die Erlöse aus dem Börsengang sollen entsprechend verwendet werden, unter anderem für den Bau weiterer Mining-Farmen und die Forschung an neuen ASIC-Chip-Generationen.
Risikoseitig sollten Anleger drei Punkte im Auge behalten. Erstens die starke Abhängigkeit vom KAS-Coin, dessen Wertentwicklung das gesamte Geschäftsmodell beeinflusst. Zweitens die operative Komplexität durch die Hongkong- und Singapur-Strukturen mit den damit verbundenen regulatorischen Unsicherheiten. Drittens die Krypto-Custody, denn BGIN hält erhebliche Beträge in USDT (115,8 Millionen US-Dollar Ende 2023) und auf Krypto-Börsen wie Binance.com. Bei der FTX-Pleite 2022 verlor BGIN bereits Bitcoins im Wert von 1,08 Millionen US-Dollar.
Details zum IPO
BGIN Blockchain plant die Erstnotiz an der Nasdaq unter dem Ticker BGIN. Emissionspreis und Volumen wurden im F-1 noch nicht festgelegt. Als Konsortialführer wurden Chardan und The Benchmark Company mandatiert.
Die Aktienstruktur ist dual. Class-A-Aktien mit einer Stimme pro Aktie gehen an öffentliche Investoren, während die Class-B-Aktien mit jeweils fünf Stimmen komplett bei Gründer Qingfeng Wu über Decho Investment liegen. Damit behält Wu auch nach dem IPO die Stimmrechtsmehrheit. BGIN wird als "controlled company" eingestuft, hat aber laut F-1 zugesagt, die regulären Corporate-Governance-Anforderungen einzuhalten.
Die Mittel aus dem IPO sind laut Filing für drei Zwecke vorgesehen: Kauf und Bau weiterer Mining-Farmen, Forschung an neuen ASIC-Chip-Generationen sowie allgemeine Unternehmenszwecke. Im Januar 2024 hatte das Unternehmen bereits eine Dividende in Höhe von 5 Millionen US-Dollar an seine Altaktionäre ausgeschüttet, ausgezahlt in USDT-Coins. Der Vorgang ist nicht unproblematisch und könnte regulatorische Folgen haben, falls USDT als Wertpapier eingestuft wird.
Bewertungskriterien
Umsatzsprung von 15 auf 257 Millionen US-Dollar im Jahr 2023, bereits profitabel mit 140 Millionen US-Dollar Nettogewinn
Eigene ASIC-Chip-Entwicklung in 8 nm und 12 nm, vertikal integriert vom Chip-Design über Mining-Hardware bis zum eigenen Mining-Pool
Klare Marktposition bei alternativen Kryptowährungen abseits des Bitcoin-Wettbewerbs mit Bitmain und MicroBT
Mining-Operationen vollständig in die USA verlagert, mit eigenen Farmen in Nebraska
Hohe Abhängigkeit vom KAS-Coin, dessen Stabilität und Beliebtheit das gesamte Geschäftsmodell bestimmen
Komplexe Konzernstruktur mit Cayman-Holding und operativen Töchtern in Hongkong, Singapur und den USA, dazu Foreign-Private-Issuer-Status mit reduzierten Berichtspflichten
Material Weakness in der internen Finanzkontrolle laut F-1, da nur vier Personen Zugriff auf Cold-Wallets haben und gleichzeitig Auszahlungen freigeben
Stimmrechtsmehrheit beim Gründer durch Class-B-Aktien (fünffaches Stimmrecht), keine Mitsprache der Streubesitz-Aktionäre bei strategischen Entscheidungen
