Overview
Sebastian Siemiatkowski, Niklas Adalberth und Victor Jacobsson lernten sich an der Stockholm School of Economics kennen. 2005 gründeten sie gemeinsam das Unternehmen Kreditor, das später unter dem Namen Klarna bekannt werden sollte. Siemiatkowski hatte zuvor bei einem Factoring-Anbieter Kunden akquiriert und dabei beobachtet, wie umständlich der Online-Handel mit Bezahlvorgängen umging. Ihre Lösung war einfach. Ein Vermittler sollte den Händler sofort bezahlen und das Geld später vom Kunden eintreiben, der die Ware erst nach Erhalt begleichen muss. Bei einem Pitch-Wettbewerb der Hochschule belegte das Trio den letzten Platz, weil die Jury das Konzept für aussichtslos hielt. Die Gründer machten trotzdem weiter und wickelten im April 2005 ihre erste Transaktion mit einem Stockholmer Buchhändler ab.
2009 wurde Kreditor in Klarna umbenannt, ein Wortspiel auf das schwedische "klar". Mit der Übernahme des deutschen Anbieters SOFORT für rund 150 Millionen Dollar im Jahr 2014 öffnete sich die Tür zum DACH-Markt. 2017 erhielt das Unternehmen eine schwedische Banklizenz und entwickelte sich vom reinen Zahlungsanbieter zu einer breiter aufgestellten Finanzplattform. Während der Pandemie kletterte die Bewertung 2021 auf 45,6 Milliarden Dollar, brach im Sommer 2022 jedoch um 85 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar ein. Anschließend setzte Klarna konsequent auf Kosteneffizienz, Personalabbau und den frühen Einsatz generativer KI.
Klarna beschäftigt rund 3.400 Mitarbeiter, hauptsächlich am Hauptsitz in Stockholm. Der börsennotierte Konzern Klarna Group plc ist seit 2024 das Mutterunternehmen der Gruppe und über die schwedische Tochter Klarna Bank AB als Bank lizenziert. Über die Plattform laufen jährlich mehr als 100 Milliarden Dollar an Handelsvolumen, womit Klarna nach Volumen der größte BNPL-Anbieter weltweit ist, deutlich vor dem US-Konkurrenten Affirm.
Management
Sebastian Siemiatkowski führt Klarna seit der Gründung 2005 als CEO. Der Sohn polnischer Einwanderer wuchs in Uppsala auf und studierte an der Stockholm School of Economics. Während eines Sabbaticals beim Factoring-Unternehmen entwickelte er die Idee, die später zu Klarna wurde. Auch nach dem Börsengang ist Siemiatkowski der bestimmende Kopf des Unternehmens und hält weiterhin einen signifikanten Anteil. Die beiden Mitgründer Niklas Adalberth und Victor Jacobsson zogen sich 2015 beziehungsweise 2012 aus dem operativen Geschäft zurück.
Seit März 2021 verantwortet Niclas Neglén als CFO die Finanzen. Vor Klarna war er fünf Jahre lang COO und CFO EMEA bei HSBC Private Bank, davor CFO bei GE Capital UK. Yaron Shaer leitet als CTO die Technologie, David Sandström verantwortet das Marketing und David Sykes das kommerzielle Geschäft. Klarna setzt seit 2017 auf eine flache Organisation mit kleinen autonomen Teams nach dem Vorbild von Amazon, was die Innovationsgeschwindigkeit erhöht, gelegentlich aber zu Kommunikationsbrüchen geführt hat.
Finanzdaten
Branche
Klarna agiert im Markt für "Buy Now, Pay Later" (BNPL), also Ratenzahlung beim Online-Einkauf. Das globale BNPL-Handelsvolumen lag 2025 bei rund 560 Milliarden Dollar. Nach Schätzungen von Research and Markets wächst der Markt jährlich um etwa 13 Prozent. In den USA, dem für Klarna wichtigsten Wachstumsmarkt, lag das Marktvolumen 2025 bei rund 107 Milliarden Dollar. Treiber sind höhere Lebenshaltungskosten, hohe Kreditkartenzinsen und der anhaltende E-Commerce-Boom.
Wichtigster Wettbewerber im US-Markt ist Affirm. Das Unternehmen hielt lange Zeit Verträge mit Walmart, Amazon und Shopify und ist seit 2021 selbst börsennotiert. Auch Afterpay spielt eine wichtige Rolle und wurde 2021 von Block für 29 Milliarden Dollar übernommen. PayPal bietet mit "Pay in 4" und "Pay Monthly" eigene Ratenprodukte an, regional konkurrieren Anbieter wie Tabby im Nahen Osten oder Zip in Australien. Apple Pay hat ebenfalls Ratenzahlung integriert, teils in Kooperation mit Klarna selbst. Klassische Banken und Kreditkartenanbieter drängen mit eigenen Lösungen ebenfalls in den Markt.
Klarna ist nach Handelsvolumen der größte BNPL-Anbieter weltweit. Mit einem GMV von 105 Milliarden Dollar im Jahr 2024 lag das Unternehmen über dem Dreifachen von Affirm mit rund 31 Milliarden Dollar. Strukturell steht die Branche jedoch unter Druck. Steigende regulatorische Anforderungen in der EU, den USA und Großbritannien erhöhen die Compliance-Kosten und könnten dazu führen, dass BNPL-Produkte ähnlich strikt behandelt werden wie klassische Konsumkredite.
Produkte und Services
Den größten Umsatzanteil erwirtschaftet Klarna mit Händlergebühren. Pro Transaktion zahlen Händler einen variablen Anteil von rund drei bis sechs Prozent des Kaufpreises plus eine kleine Pauschale. Im Gegenzug erhalten sie höhere Konversionsraten und größere Warenkörbe. 75 Prozent des Transaktions- und Servicegeschäfts entfielen 2024 auf diese Händlergebühren, weitere 16 Prozent auf Erinnerungsgebühren bei verspäteter Zahlung und 8 Prozent auf Werbeerlöse aus der Klarna-App.
Das wichtigste Konsumentenprodukt ist die Ratenzahlung in vier oder drei gleichen Raten ohne Zinsen. Daneben bietet Klarna "Pay in 30 Days" sowie langfristige Finanzierungen unter der Marke "Fair Financing", bei denen Zinsen anfallen. Diese verzinslichen Kredite machten 2024 rund 24 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Klarna übernimmt das Ausfallrisiko und refinanziert sich über Kundeneinlagen sowie über die Veräußerung von Forderungen an institutionelle Investoren.
Seit 2024 baut Klarna das Bankgeschäft konsequent aus. Die Klarna Card ist eine Debitkarte mit optionalen Kreditfunktionen, die in den USA bereits mehrere Millionen Anmeldungen verzeichnet hat. Hinzu kommt das Abo-Modell Klarna Plus mit verschiedenen Mitgliedschaftsstufen sowie ein wachsendes Werbegeschäft, in dem Händler Anzeigen direkt in der Klarna-App schalten können. Über einen KI-gestützten Shopping Assistant bündelt Klarna Produktvergleich, Empfehlungen und Bezahlung in einer einzigen App.
