Overview
Christopher Kroeger gründete MapLight Therapeutics 2018 zusammen mit den Stanford-Wissenschaftlern Karl Deisseroth, Robert Malenka und Karoly Nikolich. Das Unternehmen firmierte zunächst unter dem Namen Alvarado Therapeutics und benannte sich im August 2019 in MapLight Therapeutics um. Die Gründer wollten Medikamente für Erkrankungen des zentralen Nervensystems entwickeln, die gezielter wirken als die seit den 1950er Jahren dominierenden Antipsychotika. Klassische Wirkstoffe blockieren Dopaminrezeptoren und verursachen oft starke Nebenwirkungen wie Bewegungsstörungen oder Gewichtszunahme.
Die wissenschaftliche Basis kommt aus jahrzehntelanger Forschung zu neuronalen Schaltkreisen. Karl Deisseroth gilt als Pionier der Optogenetik, einer Technik mit der sich Nervenzellen mithilfe von Licht aktivieren lassen. Robert Malenka leitet das Nancy Pritzker Laboratory in Stanford und forscht zur Neurobiologie psychischer Erkrankungen. Karoly Nikolich war Vice President of Research bei Lynx Therapeutics und Mitgründer mehrerer Biotech-Unternehmen. MapLight verfolgt einen Ansatz, der gezielt einzelne Hirnschaltkreise moduliert statt breit auf Botenstoffsysteme zu wirken.
Der Hauptsitz liegt in Redwood City in Kalifornien, mit weiteren Standorten in San Francisco und Boston. MapLight beschäftigt rund 110 Mitarbeiter und sammelte vor dem Börsengang in mehreren Finanzierungsrunden insgesamt fast 700 Millionen Dollar von Investoren wie Novo Holdings, Forbion, 5AM Ventures, Cowen Healthcare und Goldman Sachs Life Sciences ein. Sämtliche Wirkstoffkandidaten befinden sich in der klinischen oder präklinischen Entwicklung. Produktumsätze erzielt MapLight bislang nicht.
Management
Christopher Kroeger führt MapLight seit der Gründung 2018 als CEO und sitzt im Board of Directors. Der Mediziner und MBA-Absolvent der Harvard Business School war zuvor CEO von Cardioxyl Pharmaceuticals, das 2015 für bis zu 2,1 Milliarden Dollar an Bristol Myers Squibb verkauft wurde. Davor leitete er die börsennotierte Fertilitätsfirma OvaScience und war Partner bei der Risikokapitalfirma Aurora Funds. Frühere Stationen umfassten zudem Genzyme und das Marktforschungshaus Decision Resources.
Seit März 2024 verantwortet Vishwas Setia als CFO die Finanzen. Setia kam von der Bank of America Securities, wo er als Managing Director im Healthcare Investment Banking Transaktionen im Volumen von über 100 Milliarden Dollar begleitete. Sein Vorgänger Jonathan Gillis blieb als Chief Administrative and Accounting Officer im Unternehmen. Die wissenschaftlichen Mitgründer Deisseroth, Malenka und Nikolich begleiten MapLight weiterhin als Berater und behalten ihre akademischen Positionen an Stanford.
Finanzdaten
Branche
MapLight operiert im Markt für Therapien gegen Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Allein der globale Schizophrenie-Markt wurde 2024 auf rund 8 Milliarden Dollar geschätzt. Bis Anfang der 2030er Jahre soll er auf über 12 Milliarden Dollar wachsen. Der breitere Markt für Antipsychotika erreicht etwa 20 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Weltweit leiden rund 24 Millionen Menschen an Schizophrenie, davon etwa 2,8 Millionen in den USA. Für Alzheimer-Psychose, eine zweite Zielindikation, existiert in den USA bislang keine zugelassene Therapie. Etwa 40 Prozent der Alzheimer-Patienten in den USA entwickeln Psychose-Symptome.
Der Wettbewerb hat sich seit der Zulassung von Cobenfy durch Bristol Myers Squibb im September 2024 deutlich verändert. Cobenfy ist der erste muskarinische Wirkstoff für Schizophrenie. Das Medikament stammt aus der 14 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Karuna Therapeutics durch Bristol Myers Squibb. Analysten erwarten Spitzenumsätze im hohen einstelligen Milliardenbereich. AbbVie kaufte 2024 Cerevel Therapeutics für 8,7 Milliarden Dollar, deren muskarinischer Wirkstoff Emraclidine in Phase-2-Studien Ende 2024 jedoch nicht überzeugte. Weitere Wettbewerber sind Neurocrine Biosciences, Neumora Therapeutics, Eli Lilly und Janssen, die ebenfalls an muskarinischen Substanzen arbeiten.
MapLight unterscheidet sich von den meisten Wettbewerbern durch die fixe Kombination des muskarinischen Agonisten ML-007 mit einem peripher wirkenden Anticholinergikum. Diese Kombination soll die zentrale Wirkung im Gehirn entfalten und gleichzeitig Nebenwirkungen außerhalb des Gehirns reduzieren. Branchenbeobachter sehen spezialisierte muskarinische Biotechs nach den Übernahmen von Karuna und Cerevel als mögliche Übernahmeziele für Big Pharma. Das Interesse großer Pharmakonzerne an Neurowissenschafts-Wirkstoffen ist nach Jahren der Zurückhaltung wieder gestiegen.
Produkte und Services
ML-007C-MA ist der Hauptkandidat und wird parallel in zwei Phase-2-Studien untersucht. Der Wirkstoff ist eine fixe Kombination aus ML-007 und einem peripher wirkenden Anticholinergikum. ML-007 ist ein M1/M4-muskarinischer Agonist mit verzögerter Wirkstofffreisetzung. Die Studie ZEPHYR untersucht den Wirkstoff bei rund 300 Patienten mit Schizophrenie. Erste Studienergebnisse werden für die zweite Hälfte 2026 erwartet. Die Studie VISTA testet denselben Wirkstoff bei Alzheimer-Psychose mit erwarteten Ergebnissen 2027. Die FDA hat ML-007C-MA für die Indikation Alzheimer-Psychose den Fast-Track-Status verliehen.
Daneben befindet sich ML-004 in einer Phase-2-Studie. Der 5HT-1b-Agonist wird bei sozialen Kommunikationsdefiziten und Reizbarkeit im Rahmen von Autismus-Spektrum-Störungen untersucht. Erste Ergebnisse der IRIS-Studie werden in der zweiten Hälfte 2026 erwartet. In der präklinischen Entwicklung befinden sich weitere Kandidaten. ML-009 wird gegen Hyperaktivität und Impulsivität entwickelt, ML-016 gegen Parkinson und Depression. ML-021 zielt auf motorische Defizite bei Parkinson, ML-055 auf neuropsychiatrische Erkrankungen.
Da MapLight noch keine zugelassenen Medikamente besitzt, generiert das Unternehmen keine Umsätze und arbeitet defizitär. Im Geschäftsjahr bis Juni 2025 lag der Nettoverlust bei rund 92,5 Millionen Dollar. Finanziert wird die Forschung durch Eigenkapital aus Risikofinanzierungen und nun aus dem IPO-Erlös. Langfristig plant MapLight, die kommerziellen Rechte für seine wichtigsten Wirkstoffe in Nordamerika selbst zu behalten. International soll die Vermarktung über Partnerschaften erfolgen, sofern Zulassungen gelingen.
