Overview
Willy und Jabbok Schlacks wuchsen in einer sozialistischen Kommune im ländlichen Missouri auf. Schon als Teenager bauten die Brüder in den 1990er Jahren ihr erstes Unternehmen, das Schuppen fertigte und vermietete. Über die folgenden zwei Jahrzehnte gründeten sie mehrere Bauunternehmen, darunter Schlacks Construction. Dort beobachteten sie, wie ineffizient die klassische Baumaschinenbeschaffung funktioniert. Viele Geräte standen ungenutzt auf Baustellen, während andere Firmen hohe Summen für Miete oder Kauf zahlten. Auf dieser Erfahrung pitchten die Brüder 2014 beim Startup Weekend in Columbia die Idee einer Plattform, die ungenutzte Baumaschinen vermittelt. Sie gewannen den Wettbewerb und gründeten 2015 gemeinsam mit Brad Siegler, Jeffrey Lowe und Matthew McDonald EquipmentShare.
Der ursprüngliche Gedanke eines Peer-to-Peer-Marktplatzes nach dem Vorbild von Airbnb trug nicht weit genug. Stattdessen entwickelte sich EquipmentShare rasch zum vertikal integrierten Anbieter mit eigener Mietflotte und physischen Standorten. 2021 lancierte das Unternehmen die Cloud-Plattform T3, die Baugeräte, Personal und Materialien auf Baustellen digital miteinander verbindet. Finanzrunden bei Investoren wie Tiger Global, Spruce House und BDT Capital brachten insgesamt rund 700 Millionen Dollar an Eigenkapital ein und finanzierten die schnelle Expansion.
Der Hauptsitz liegt weiterhin in Columbia, Missouri. EquipmentShare betreibt rund 385 Standorte in 45 US-Bundesstaaten und beschäftigt knapp 8.000 Mitarbeiter. Seit 2020 erwirtschaftet das Unternehmen in jedem Geschäftsjahr einen Gewinn. Der Jahresumsatz ist seit der Gründung mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von rund 140 Prozent gewachsen.
Management
Jabbok Schlacks führt EquipmentShare seit der Gründung als CEO. Sein Bruder Willy Schlacks bekleidet die Rolle des President und verantwortet die Technologieentwicklung rund um T3. Beide Brüder bringen mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Baubranche mit und haben vor EquipmentShare gemeinsam Schlacks Construction aufgebaut. Jabbok Schlacks gehört dem CEO Council des Wall Street Journal an.
Als CFO fungiert seit 2020 Trevor Schauenberg. Schauenberg verbrachte zuvor 28 Jahre bei General Electric, zuletzt als Präsident und CEO von Industrial Finance bei GE Capital. Er stieg 2018 zunächst als Boardmitglied und Executive Operating Partner bei EquipmentShare ein, bevor er in die Rolle des Finanzchefs wechselte. Neben den Schlacks-Brüdern und Schauenberg zählen John Griffin als VP und General Counsel sowie Tim Green als Chief Data Scientist zum Führungskreis.
Finanzdaten
Branche
Der US-Markt für Baumaschinenvermietung ist mehrere Dutzend Milliarden Dollar groß und wächst strukturell mit vier bis fünf Prozent pro Jahr. Bauunternehmen setzen verstärkt auf Miete statt Kauf, um ihre Kapitalbindung zu reduzieren und flexibel auf wechselnde Projektanforderungen zu reagieren. Infrastrukturprogramme wie der Bipartisan Infrastructure Law sowie der Bau von Rechenzentren, Halbleiterfabriken und Energieprojekten treiben die Nachfrage zusätzlich.
Der Markt ist fragmentiert. Die fünf größten Anbieter halten zusammen nur rund ein Viertel des Umsatzes. Marktführer ist United Rentals mit einem Umsatzanteil von etwa 16 Prozent. Dahinter folgen Sunbelt Rentals als US-Tochter der britischen Ashtead Group sowie Herc Rentals. Konsolidierungsschritte prägen die Branche erheblich. Herc hat 2025 einen Übernahmeprozess für H&E Equipment Services für rund 5,3 Milliarden Dollar gewonnen, nachdem United Rentals zunächst ein konkurrierendes Angebot abgegeben hatte.
EquipmentShare positioniert sich bewusst als Tech-First-Anbieter. Die großen Wettbewerber konkurrieren vor allem über Flottengröße, Standortnetz und Preis. EquipmentShare setzt dagegen auf die Integration der eigenen Plattform T3 als Differenzierungsmerkmal. Laut Engineering News-Records Liste der 50 größten US-Generalunternehmer mieten über 90 Prozent zumindest gelegentlich Geräte bei EquipmentShare.
Produkte und Services
Rund zwei Drittel des Umsatzes entfallen auf die Vermietung von Baumaschinen und zugehörigen Dienstleistungen. Die Flotte umfasst rund 235.000 Geräte mit einem ursprünglichen Anschaffungswert von etwa 8,8 Milliarden Dollar. Das Sortiment reicht von Baggern, Bulldozern und Teleskopladern über Kompressoren und Stromaggregate bis zu Spezialanwendungen wie HVAC-Geräten und Pumpen. Kunden buchen die Maschinen entweder direkt in der T3-App oder an einem der hunderten Filialstandorte.
Die Software-Plattform T3 bildet das technologische Rückgrat des Geschäftsmodells. Jede Maschine der Flotte ist über eigene Telematik-Hardware mit der Cloud verbunden. Bauleiter sehen in Echtzeit, wo ihre Geräte stehen, wie sie ausgelastet sind, wann Wartung ansteht und welche Mitarbeiter sie bedienen. T3 bietet zusätzlich Funktionen für Zeiterfassung, digitale Arbeitsaufträge, Zugangssteuerung und Diebstahlschutz. Die Plattform ist OEM-agnostisch und kann auch Fremdgeräte anderer Hersteller einbinden.
Das verbleibende Umsatzdrittel stammt aus dem Verkauf neuer und gebrauchter Maschinen sowie aus Ersatzteilen und Wartung. EquipmentShare betreibt daneben neun offizielle Händlerstandorte und 22 Baustoffhandel-Filialen. Über das OWN Program können Investoren Baumaschinen erwerben, die EquipmentShare im Kundenauftrag einsetzt, wartet und abrechnet. Die Mieteinnahmen werden zwischen dem Eigentümer und EquipmentShare geteilt.
