Overview
Alfred E. Mann gründete MiniMed 1983 in Kalifornien mit der Vision, die Bauchspeicheldrüse durch Technik zu ersetzen. Der amerikanische Unternehmer und Physiker hatte zuvor Unternehmen für Solartechnik und Herzschrittmacher aufgebaut. Das erste Produkt war die MiniMed 502, die als erste praktische, programmierbare und tragbare Insulinpumpe galt. Sie automatisierte die mehrmals tägliche Insulindosierung, die Diabetiker bis dahin per Spritze selbst übernehmen mussten. Bereits 1995 ging MiniMed erstmals an die Börse, der Umsatz wuchs bis zum Jahr 2000 auf knapp 300 Millionen Dollar.
Im Jahr 2001 übernahm der irisch-amerikanische Medizintechnikkonzern Medtronic MiniMed und integrierte die Diabetessparte als eigenen Geschäftsbereich. Unter dem neuen Eigentümer entwickelte sich die Technologie weiter. Die MiniMed 670G erhielt 2016 als erstes Hybrid-Closed-Loop-System eine Zulassung der US-Behörde FDA. Sie konnte die Basal-Insulindosis automatisch anpassen, basierend auf den Werten eines kontinuierlich messenden Glukosesensors. Aus dieser Plattform entstand später die MiniMed 780G, die alle fünf Minuten automatisch nachregelt.
Im Mai 2025 kündigte Medtronic an, das Diabetesgeschäft als eigenständiges Unternehmen abzuspalten. Im Juni desselben Jahres entschied sich der Konzern, dem neuen Unternehmen den ursprünglichen Namen MiniMed zurückzugeben. Mit dem Börsengang im März 2026 ist MiniMed nach 25 Jahren wieder ein unabhängiges börsennotiertes Unternehmen. Das Unternehmen beschäftigt rund 8.000 Mitarbeiter weltweit, davon etwa 1.500 am Hauptsitz in Northridge bei Los Angeles.
Management
Que Dallara führt MiniMed seit dem Börsengang im März 2026 als CEO. Sie hatte das Diabetesgeschäft bereits seit Mai 2022 bei Medtronic verantwortet und nach mehreren Rückschlägen wieder auf Wachstumskurs gebracht. Vor ihrem Wechsel zu Medtronic war Dallara Präsidentin und CEO von Honeywell Connected Enterprise, dem Software-Geschäft des Industriekonzerns. Frühere Stationen umfassen TE Connectivity, Microsoft und die Beratung McKinsey. Sie studierte angewandte Mathematik und Finanzen an der University of New South Wales in Australien und absolvierte einen MBA an der INSEAD in Frankreich.
Als CFO fungiert seit Juli 2025 Chad Spooner. Spooner war zuvor fünf Jahre lang CFO beim französischen Konsumgüterhersteller BIC. Davor sammelte er Erfahrung als Finanzchef beim Gesundheits-Startup Slingshot Health und in einer leitenden Finanzrolle bei GE Energy. Insgesamt bringt er über 25 Jahre Erfahrung in der Finanzführung mit.
Finanzdaten
Branche
MiniMed bewegt sich im Markt für Diabetestechnologie. Dieser umfasst vor allem Insulinpumpen, kontinuierlich messende Glukosesensoren (CGM) und Steuerungs-Algorithmen für automatisierte Systeme. Der Gesamtmarkt für Diabetes-Devices wurde 2024 auf rund 20,8 Milliarden Dollar geschätzt. Der Teilmarkt für Insulinpumpen lag bei etwa 4,3 Milliarden Dollar, der CGM-Markt bei knapp 14 Milliarden Dollar. Beide Segmente wachsen mit jährlichen Raten von rund 9 bis 10 Prozent.
Im Insulinpumpen-Segment ist Tandem Diabetes Care der wichtigste Wettbewerber mit den Pumpen t:slim X2 und Mobi. Insulet hat sich mit der schlauchlosen Patch-Pumpe Omnipod 5 etabliert und wächst zweistellig. Bei den Sensoren dominieren zwei Anbieter den Markt fast vollständig. Abbott kommt mit dem FreeStyle Libre auf rund 57 Prozent Marktanteil, Dexcom mit dem G7 auf etwa 35 Prozent. Diese Konstellation ist für MiniMed eine besondere Herausforderung, weil das Unternehmen eigene Sensoren anbietet und gleichzeitig auf Integrationen mit Wettbewerbern angewiesen ist.
Der Markt verschiebt sich zunehmend von einzelnen Geräten hin zu integrierten Closed-Loop-Systemen, die Pumpe, Sensor und Algorithmus zu einer Art künstlicher Bauchspeicheldrüse kombinieren. MiniMed positioniert sich als einziger Anbieter, der alle drei Komponenten aus einer Hand entwickelt und vermarktet. Allerdings haben Tandem und Insulet vor allem in den USA in den vergangenen Jahren Pumpen-Marktanteile von MiniMed gewonnen.
Produkte und Services
Das wichtigste Produkt von MiniMed ist das MiniMed 780G, ein vollautomatisches Insulinabgabesystem. Das System kombiniert eine Insulinpumpe, den hauseigenen Simplera Sync Glukosesensor und den SmartGuard-Algorithmus, der die Insulindosis alle fünf Minuten automatisch anpasst. Anwender steuern das System über eine App auf dem Smartphone. Weltweit nutzen mehr als 640.000 Menschen eine Insulinpumpe von MiniMed.
Neben dem 780G bietet das Unternehmen mit dem InPen ein vernetztes Insulin-Pen-System für Patienten an, die keine Pumpe verwenden möchten. Der Pen erfasst Dosis und Zeitpunkt jeder Injektion und überträgt die Daten an eine App. Daraus berechnet ein Algorithmus Empfehlungen für die nächste Dosis. So bedient MiniMed auch den größeren Markt der Patienten, die Insulin per Spritze verabreichen.
Die Pipeline umfasst eine kleinere Pumpe ohne Display namens MiniMed Flex sowie die Patch-Pumpe MiniMed Fit, die ohne Schlauch direkt am Körper getragen wird. Auf der Algorithmus-Seite arbeitet das Unternehmen an Vivera, einer Weiterentwicklung von SmartGuard, die Mahlzeiten ohne manuelle Eingabe der Kohlenhydratmenge erkennen soll. Den Großteil der Erlöse erzielt MiniMed mit dem Verkauf von Geräten und vor allem mit den wiederkehrenden Umsätzen aus Sensoren, Infusionssets und anderen Verbrauchsmaterialien.
