Rank One Computing Aktie

Marktkapitalisierung

-

KGV (P/E)

-

Gewinn/Aktie

-

Dividende

-

52W Hoch / Tief

-

IPO-Typ

IPO

Handelsstart

20.02.2026

Volumen

24 Mio. $

Emissionspreis

6,00 $

Seit Emission

-19.8%

Erstpreis

6,00 $

Seit Erstpreis

-19.8%

Kurs (EOD)

4,81 $

Schlusskurs

Overview

Rank One Computing entstand 2015 in Denver aus einer ungewöhnlichen Konstellation. Mitgründer Brendan Klare hatte zuvor als Infanterist im 75. Ranger Regiment der US-Armee gedient und war dreimal in Afghanistan eingesetzt. Nach seiner Militärzeit promovierte er an der Michigan State University in Computer Vision und Biometrie. Sein Doktorvater war Anil K. Jain, einer der meistzitierten Forscher im Bereich Mustererkennung. Mitgründer Joshua Klontz arbeitete in derselben Forschungsgruppe und später bei Noblis, einem Beratungsunternehmen für US-Bundesbehörden. Beide unterstützten 2013 das FBI bei der technischen Auswertung der Videos zum Anschlag auf den Boston-Marathon.

Aus dieser Erfahrung entstand die Idee für ein eigenes Unternehmen. Klare und Klontz gründeten 2015 zusammen mit Scott Klum Rank One Computing in Denver. Das Ziel war eine biometrische Software, die vollständig in den USA entwickelt wird. Sie sollte mit den führenden Anbietern aus China, Russland und Frankreich konkurrieren können. Klare führte das Unternehmen anfangs selbst als CEO. 2020 holte er den ehemaligen FBI-Beamten und Idemia-Manager Scott Swann an die Spitze, um den Vertrieb zu professionalisieren. Im März 2024 wechselte das Unternehmen zum kürzeren Markenauftritt ROC, ohne den vollständigen Firmennamen aufzugeben.

Vor dem Börsengang war ROC ein Mitarbeiter-eigenes Unternehmen, in dem Gründer und Belegschaft die Anteile hielten. Die Algorithmen werden komplett im eigenen Haus entwickelt. Hauptsitz ist Denver, dazu kommen weitere Standorte in Morgantown (West Virginia) und Grand Rapids (Michigan). Das Unternehmen beschäftigt rund 75 Mitarbeiter, die Software ist bei Behörden, beim Militär und bei Finanzdienstleistern in über 50 Ländern im Einsatz.

Management

B. Scott Swann führt ROC seit Januar 2020 als CEO. Er arbeitete davor 18 Jahre beim FBI, zuletzt als Special Assistant im Direktorium für Wissenschaft und Technologie. Anschließend wechselte er in die Wirtschaft, zunächst zu MorphoTrak und dann zum französischen Biometrie-Konzern Idemia. Von 2017 bis 2020 leitete er als Präsident und CEO die auf US-Sicherheitsaufträge spezialisierte Tochter Idemia National Security Solutions.

Mitgründer Brendan Klare ist Chief Scientist, Präsident und Vorsitzender des Verwaltungsrats. Er prägt die wissenschaftliche Ausrichtung der Algorithmen weiterhin maßgeblich. Mitgründer Joshua Klontz fungiert als CTO und verantwortet die technische Architektur. Im Verwaltungsrat sitzen mehrere Persönlichkeiten aus Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden. Dazu zählen der frühere Boston Police Commissioner Edward Davis und Steven Martinez, ehemals Executive Assistant Director der FBI Science & Technology Branch. Vier der sieben Direktoren sind unabhängig.

Finanzdaten

Branche

ROC bewegt sich im Markt für biometrische Software und Computer Vision. Dieser umfasst neben Gesichtserkennung auch Fingerabdruck- und Iris-Erkennung, Liveness-Detection sowie weitere Anwendungen wie Waffen- oder Kennzeichenerkennung. Treiber der Branche sind digitale Identitätsprüfungen im Banken- und Fintech-Sektor, biometrische Grenzkontrollen, Strafverfolgung und sicherheitsrelevante Behördenanwendungen. Die globale Marktgröße für biometrische Systeme liegt nach unterschiedlichen Schätzungen im hohen zweistelligen Milliardenbereich.

Die Konkurrenz wird stark von ausländischen Anbietern dominiert. Idemia (Frankreich), Thales und NEC (Japan) sind etablierte globale Anbieter mit langjährigen Behördenkunden. Die führenden Algorithmen kommen oft aus China, Russland oder Südkorea, was in Washington zunehmend für sicherheitspolitische Bedenken sorgt. Im US-Markt selbst konkurriert ROC mit Spezialisten wie Clearview AI, Paravision und einer Reihe kleinerer Anbieter. Clearview ist wegen seiner Methode, öffentlich zugängliche Web-Bilder zu sammeln, besonders umstritten.

ROC positioniert sich konsequent als rein amerikanischer Anbieter. Genau in dieser Nische sieht das Unternehmen seinen wichtigsten Wettbewerbsvorteil. US-Behörden und ihre Verbündeten suchen verstärkt nach Alternativen zu Algorithmen aus geopolitisch sensiblen Ländern. In den NIST-Benchmarks belegt ROC bei Gesichts-, Fingerabdruck- und Iris-Erkennung als einziger US-Anbieter regelmäßig vordere Plätze. Auf einigen Datensätzen erreicht das Unternehmen sogar globale Bestwerte.

Produkte und Services

Das Kernprodukt ist das ROC SDK, eine Software-Bibliothek, die andere Hersteller in ihre eigenen Systeme einbinden. Damit lassen sich vierzehn biometrische Modalitäten verarbeiten, von Gesichts- über Fingerabdruck- und Iris-Erkennung bis zu spezialisierten Funktionen wie Waffen- und Kennzeichenerkennung. Die Bibliothek ist mit 38 Megabyte vergleichsweise klein und läuft auf Servern, Edge-Geräten und mobilen Endgeräten. ROC betont, dass die Algorithmen nach NIST-Tests die kleinsten Templates der Branche erzeugen. Das senkt Speicherkosten in großen Datenbanken.

Daneben bietet ROC die Echtzeit-Videoanalyse-Plattform ROC Watch, die rund 37 Prozent des Umsatzes ausmacht. Sie analysiert Videostreams aus Überwachungskameras live und erkennt Personen, Waffen oder verdächtige Bewegungen. Die Lösung ROC ABIS deckt das klassische Fingerabdruck-Geschäft für Polizei und Behörden ab. Hinzu kommt mit dem ROC Access Face1 ein eigener biometrischer Zutritts-Reader für gesicherte Räume. Das Gerät wurde Anfang 2026 mit dem Branchenpreis "Best in Biometrics" ausgezeichnet.

Die Kunden verteilen sich auf fünf Segmente. Im Fintech-Bereich liefert ROC die Identitätsprüfung für Banken, Kreditkartenanbieter und digitale Onboarding-Plattformen. Nach eigenen Angaben wickelt die Software jährlich rund 200 Millionen Identitätsprüfungen ab. Im Bereich Strafverfolgung arbeiten das FBI, US Marshals und mindestens zwölf weitere US-Behörden mit der Software. Hinzu kommen Verteidigungs- und Geheimdienstkunden im US-Militär sowie Grenzschutzbehörden in über 50 Ländern. Auch Anwendungen im Gesundheitswesen und in der Gebäudesicherheit gehören dazu.

Technische Analyse

Details zum IPO

ROC ging am 20. Februar 2026 an der Nasdaq Capital Market unter dem Tickersymbol ROC an die Börse. Das Unternehmen platzierte 4 Millionen Aktien zu einem Emissionspreis von 6 Dollar je Aktie. Damit landete der Preis am oberen Ende der ursprünglich indizierten Spanne von 5 bis 6 Dollar. Insgesamt nahm ROC 24 Millionen Dollar brutto ein, der Nettoerlös lag bei rund 21,5 Millionen Dollar. Die Underwriter erhielten zusätzlich eine 30-tägige Mehrzuteilungsoption über bis zu 600.000 weitere Aktien. Alleiniger Bookrunner des Börsengangs war die Investmentbank Benchmark Company.

Die Bewertung beim IPO lag bei rund 114 Millionen Dollar und damit deutlich unter den großen 2026er Krypto- oder Medtech-IPOs. Der Börsengang fällt in die Kategorie der Small-Cap-IPOs. Er richtet sich entsprechend eher an spezialisierte Investoren als an breite Publikumskäufer. Am ersten Handelstag eröffnete die Aktie über dem Emissionspreis und schloss leicht im Plus.

Den Erlös will ROC vor allem in zusätzliches Personal und in den Ausbau der Rechen-Infrastruktur für Modelltraining investieren. Ein Teil fließt zudem in das laufende Geschäft. Im Vorfeld des Börsengangs hatte das Unternehmen seinen Verwaltungsrat gezielt verstärkt. Mit dem ehemaligen Boston Police Commissioner Edward Davis und FBI-Veteran Steven Martinez kamen prominente Sicherheits-Profis hinzu. Damit will ROC seine Glaubwürdigkeit gegenüber öffentlichen Auftraggebern weiter ausbauen.

Outlook

ROC will die mit dem Börsengang gewonnenen Mittel nutzen, um zwei Hebel parallel zu bedienen. Im Vertrieb soll das Team für US-Bundes- und Verbündeten-Behörden ausgebaut werden, wo gerade ein politischer Rückenwind für amerikanische Algorithmen entsteht. Auf der technischen Seite soll die Rechenkapazität für Modelltraining wachsen, damit ROC seine vorderen NIST-Plätze verteidigen kann.

Wachstumstreiber sind die zunehmende Digitalisierung von Identitätsprüfungen im Banken- und Fintech-Sektor und die stärkere Nutzung biometrischer Verfahren an Grenzkontrollen. Hinzu kommt die politische Nachfrage nach amerikanischer Technologie in sicherheitsrelevanten Behörden. Zu den größten Risiken zählen die schmale Umsatzbasis im niedrigen zweistelligen Millionenbereich und die Abhängigkeit von wenigen Großkunden im US-Behördenumfeld. Hinzu kommt der politische Gegenwind, dem Gesichtserkennung in einigen US-Bundesstaaten und Städten ausgesetzt ist.

Bewertungskriterien

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Einziger US-Anbieter mit Spitzenplatzierungen in den NIST-Benchmarks für Gesichts-, Fingerabdruck- und Iris-Erkennung

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Klare Positionierung als "Made in USA"-Alternative zu Algorithmen aus China, Russland und Frankreich

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Etablierte Kundenbasis bei FBI, US Marshals, US-Militär und mindestens zwölf weiteren US-Behörden

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Hohe Skalierbarkeit der Software durch kompakte Algorithmen, die auch auf Edge-Geräten lauffähig sind

Sehr kleine Umsatzbasis im niedrigen zweistelligen Millionenbereich, dadurch begrenzte Größenvorteile gegenüber Wettbewerbern

Verlustgeschäft, Profitabilität nach IPO weiterhin nicht erreicht

Hohe Abhängigkeit von wenigen Großkunden im US-Behördenumfeld

Politischer Gegenwind und Datenschutz-Debatten rund um Gesichtserkennung in mehreren US-Bundesstaaten