Overview
Malik Y. Kahook und Glenn Sussman gründeten SpyGlass Pharma 2019 in Aliso Viejo, Kalifornien. Kahook ist praktizierender Augenchirurg und Professor am Sue Anschutz-Rodgers Eye Center der University of Colorado. Er hat mehrere Produkte in der Glaukomchirurgie zur Marktreife geführt, die heute weltweit eingesetzt werden, darunter die nach ihm benannte Kahook Dual Blade. Sussman ist Ingenieur für Medizinprodukte und arbeitet seit über 15 Jahren mit Kahook an ophthalmologischen Innovationen. Die Technologie hinter SpyGlass entstand zunächst in Kahooks Labor an der University of Colorado und wurde nach der Series-A-Finanzierung durch New Enterprise Associates aus der Universität ausgegliedert.
2021 stieg Patrick Mooney als CEO ein, ein Branchenveteran mit 16 Jahren Alcon-Erfahrung und einer führenden Rolle im Ophthalmologiegeschäft von Novartis. Seine Aufgabe bestand darin, SpyGlass aus der frühen Entwicklungsphase in die klinische Reife und Kommerzialisierung zu führen. Das Unternehmen firmierte bis April 2021 unter dem Namen SpyGlass Ophthalmics und zog im Zuge dieser Neuausrichtung nach Aliso Viejo im kalifornischen Orange County um. Kahook behielt die Rolle des Executive Chair und verantwortet zudem die medizinische Strategie als Chief Medical Officer.
Die privaten Finanzierungsrunden zogen renommierte Healthcare-Investoren an. Auf die von NEA angeführte Series A folgte eine Series C über 90 Millionen Dollar im November 2023 unter Führung von RA Capital Management und eine Series D über 75 Millionen Dollar im Juni 2025 unter Führung von Sands Capital. Insgesamt sammelte SpyGlass vor dem Börsengang rund 200 Millionen Dollar an Wagniskapital ein. Zu den wichtigsten Geldgebern zählen NEA, RA Capital, Vensana Capital, Samsara BioCapital, Vertex Ventures HC, Sands Capital und Gilde Healthcare.
Management
Patrick Mooney führt SpyGlass Pharma seit Juli 2021 als CEO. Davor war er Vice President und Head of Ophthalmology Franchise bei Novartis, wo er die Strategie für die US-Augenheilkunde verantwortete. Den Grundstein seiner Karriere legte er in 16 Jahren bei Alcon, dem weltgrößten Anbieter ophthalmologischer Produkte, in verschiedenen Führungsrollen in Vertrieb und Marketing. Bei SpyGlass hat Mooney die Organisation vom Start-up-Stadium auf die heutige Belegschaft ausgebaut und den Börsengang vorbereitet.
Co-Gründer Malik Y. Kahook verantwortet als Executive Chair und Chief Medical Officer die medizinische und wissenschaftliche Strategie. Er ist weiterhin als Ophthalmologe und Professor an der University of Colorado tätig. Mitgründer Glenn Sussman fungiert als Chief Technology Officer und leitet die technische Produktentwicklung. Im Januar 2026, kurz vor dem IPO, trat Jean-Frédéric Viret als CFO ein. Der promovierte Finanzexperte hat über zwei Jahrzehnte Erfahrung in klinisch-späten Life-Sciences-Unternehmen. Mit dem Börsengang kam Habib Dable als unabhängiger Direktor ins Board. Er ist langjähriger Ophthalmologie-Manager und als Berater bei RA Capital aktiv.
Finanzdaten
Branche
SpyGlass operiert im Markt für Glaukomtherapien, einem der größten Segmente innerhalb der Augenheilkunde. Der weltweite Markt für Glaukom-Medikamente wird für das Jahr 2025 auf rund 8 Milliarden Dollar geschätzt. Treiber sind eine alternde Bevölkerung, frühere Diagnosen und steigende Therapieadhärenz durch neue Darreichungsformen. Rund 80 Millionen Menschen weltweit sind vom Glaukom betroffen, das die häufigste Ursache für irreversible Erblindung darstellt.
Der etablierte Behandlungsstandard sind tägliche Augentropfen mit Wirkstoffen wie Bimatoprost, Latanoprost oder Timolol. Das Problem dabei ist bekannt. Bis zur Hälfte der Patienten setzt die Tropfentherapie binnen sechs Monaten eigenmächtig ab, was zu einem fortschreitenden Sehverlust führen kann. Das Wettrennen um länger wirkende Alternativen ist entsprechend intensiv. AbbVie bietet seit 2020 mit Durysta, einem bimatoprost-basierten intrakameralen Implantat, die erste Sustained-Release-Therapie an. Sie wirkt jedoch nur rund drei Monate pro Anwendung. Glaukos hat 2023 mit iDose TR ein Travoprost-Implantat auf den Markt gebracht, das länger wirkt, aber chirurgisch in das Trabekelmaschenwerk eingesetzt werden muss. Dazu kommen Entwicklungsprojekte wie wirkstoffabgebende Kontaktlinsen und Punctum-Plugs von kleineren Spezialisten.
SpyGlass positioniert sich mit einem davon abweichenden Ansatz. Statt ein separates Implantat zu platzieren, integriert das Unternehmen die Wirkstoffabgabe direkt in die Intraokularlinse, die bei einer Kataraktoperation ohnehin implantiert wird. Der Vorteil liegt in der einfachen Handhabung für jeden Kataraktchirurgen und in einer potenziellen Wirkdauer von bis zu drei Jahren aus einer einzigen Anwendung.
Produkte und Services
Kern der SpyGlass-Plattform ist eine nicht-bioerodierbare Wirkstoffabgabetechnologie, die mit zugelassenen Wirkstoffen kombiniert werden kann. Dadurch muss das Unternehmen keine neuen Moleküle entwickeln, sondern nutzt bekannte und gut charakterisierte Substanzen in einer neuen Darreichungsform. Die Plattform soll sowohl Erkrankungen des vorderen als auch des hinteren Augenabschnitts adressieren können.
Das Lead-Programm ist das BIM-IOL-System, eine Intraokularlinse mit angebrachten Wirkstoff-Pads, die über bis zu drei Jahre Bimatoprost freisetzt. Bimatoprost ist ein etabliertes Prostaglandin-Analogon zur Senkung des Augeninnendrucks. In der Phase-1/2-Studie konnten nach 12 Monaten rund 97 Prozent der Teilnehmer vollständig auf tropfenbasierte Therapien verzichten, bei einem Sicherheitsprofil vergleichbar mit einer normalen Kataraktoperation. Auf dieser Basis hat SpyGlass im Januar 2026 zwei zulassungsrelevante Phase-3-Studien gestartet (SGP-005 und SGP-006). Beide vergleichen das BIM-IOL-System gegen eine Standardlinse mit zusätzlicher zweimal täglicher Timolol-Tropftherapie.
Hinter dem BIM-IOL-System steht mit dem Bimatoprost-Drug-Ring-System (BIM-DRS) ein zweites Programm. Der Wirkstoff-Ring wird ohne Intraokularlinse implantiert und soll damit auch Patienten erreichen, die keine Kataraktoperation benötigen. Die First-in-Human-Studie ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant. Der adressierbare Markt ist beträchtlich. Allein in den USA unterziehen sich nach Unternehmensangaben jährlich rund eine Million Glaukom-Patienten einer Kataraktoperation, sodass sich die neue Therapie potenziell in einen bereits etablierten chirurgischen Ablauf einfügen lässt.
