Overview
Kam Ghaffarian gründete X-Energy 2009 mit dem Ziel, eine sauberere und sicherere Form der Kernkraft zu kommerzialisieren. Der iranisch-amerikanische Unternehmer hatte zuvor Stinger Ghaffarian Technologies aufgebaut, einen NASA-Dienstleister, der 2018 für 355 Millionen Dollar an KBR verkauft wurde. Daneben ist Ghaffarian Mitgründer der Raumfahrtfirmen Intuitive Machines und Axiom Space. Bei X-Energy fungiert er als Executive Chairman und ist mit eigenem Kapital einer der größten privaten Geldgeber des Unternehmens.
In den ersten Jahren konzentrierte sich X-Energy auf Forschung und konzeptionelle Entwicklung von Hochtemperatur-Gasreaktoren. 2016 erhielt das Unternehmen einen ersten größeren Förderzuschuss vom US-Energieministerium über bis zu 40 Millionen Dollar. Den Durchbruch brachte 2020 die Aufnahme in das Advanced Reactor Demonstration Program des DOE. X-Energy wurde damit zusammen mit dem TerraPower-Projekt zu einem von zwei priorisierten US-Reaktorentwicklungen. Amazon stieg 2024 als strategischer Investor ein. Eine Series-D-Finanzierung Ende 2025 hob die private Bewertung auf einen einstelligen Milliardenbetrag.
Der Hauptsitz liegt in Rockville, Maryland. X-Energy beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter und betreibt seit 2025 in Oak Ridge, Tennessee, den Bau einer Brennstofffabrik für die proprietäre TRISO-X-Technologie.
Management
J. Clay Sell führt X-Energy seit Januar 2019 als Chief Executive Officer. Sell war von 2005 bis 2008 stellvertretender US-Energieminister unter George W. Bush. Im Anschluss leitete er als Präsident die Energietochter Hunt Energy Horizons des Konglomerats Hunt Consolidated. Seine politischen Kontakte und sein regulatorisches Verständnis haben das Unternehmen durch die komplexen Genehmigungsverfahren der Nuclear Regulatory Commission gebracht.
Seit Februar 2026 fungiert Daniel Gross als Chief Financial Officer. Gross wechselte von Amazon, wo er den Climate Pledge Fund mitverantwortete. Bereits zuvor kannte er X-Energy aus seiner Zeit als Board-Mitglied. Gründer Kam Ghaffarian sitzt als Executive Chairman im Verwaltungsrat und prägt weiterhin die strategische Ausrichtung. Eben Mulder als Chief Scientist und David Bannister als Chief Nuclear Officer ergänzen die Führungsmannschaft. Beide bringen tiefe operative Expertise im Reaktorbau mit.
Finanzdaten
Branche
X-Energy operiert im Markt für sogenannte Small Modular Reactors, kleine modulare Kernreaktoren mit einer elektrischen Leistung unter 300 Megawatt. Marktanalysten rechnen damit, dass das SMR-Segment bis 2050 mehrere hundert Milliarden Dollar erreichen kann. Treiber sind die Dekarbonisierung der Stromerzeugung und der rasant wachsende Energiebedarf von KI-Rechenzentren. Hyperscaler wie Amazon, Microsoft und Google haben in den vergangenen Jahren milliardenschwere Verträge mit Anbietern fortschrittlicher Nukleartechnologie unterzeichnet. Damit wollen sie die enormen Stromanforderungen ihrer Cloud-Infrastruktur abdecken.
Im SMR-Segment konkurriert X-Energy vor allem mit Oklo, NuScale Power und TerraPower. Oklo und NuScale gingen beide bereits über SPAC-Fusionen an die Börse. TerraPower wird vom Microsoft-Mitgründer Bill Gates finanziert und entwickelt mit dem Natrium-Reaktor eine konkurrierende Generation-IV-Technologie. X-Energy unterscheidet sich durch den Hochtemperatur-Gasreaktor-Ansatz mit Kugelhaufen-Brennelementen, der inhärent passive Sicherheitsmerkmale ermöglicht und Prozesswärme für industrielle Anwendungen liefert.
Der gesamte Sektor steht vor enormen regulatorischen, technischen und finanziellen Hürden. Kein westlicher SMR-Anbieter hat bislang einen kommerziellen Reaktor in Betrieb genommen. Welche Technologie sich durchsetzt und ob die Hersteller die langen Bauzeiten und hohen Kosten in den Griff bekommen, bleibt für die gesamte Branche offen.
Produkte und Services
Im Zentrum des Geschäfts steht der Xe-100, ein Hochtemperatur-Gasreaktor mit einer Bruttoleistung von 80 Megawatt elektrisch. Bis zu zwölf Module lassen sich an einem Standort zu einem Kraftwerk mit 960 Megawatt bündeln. Die Skalierbarkeit reicht damit von industriellen Einzelanwendungen bis zu großen Versorgungseinrichtungen. Im Unterschied zu klassischen Druckwasserreaktoren nutzt der Xe-100 Helium als Kühlmittel. Tennisball-große Brennstoffkugeln sollen einen physikalisch unmöglichen Kernschmelze-Zustand garantieren. Mit der XENITH-Linie entwickelt X-Energy zudem einen Mikroreaktor mit drei bis zehn Megawatt für militärische Einsätze und kritische Infrastruktur.
Den zweiten Geschäftsbereich bildet das Brennstoffgeschäft unter der Marke TRISO-X. Die Brennstoffpartikel sind in mehreren keramischen Schichten eingekapselt und halten extremen Temperaturen stand, ein zentrales Sicherheitsmerkmal des Reaktors. In Oak Ridge, Tennessee, baut X-Energy seit 2025 die erste kommerzielle TRISO-Brennstofffabrik Nordamerikas. Sie soll nicht nur den eigenen Bedarf decken, sondern auch andere fortschrittliche Reaktorentwickler beliefern.
Geld verdient X-Energy bislang vor allem über Entwicklungsverträge mit Industriekunden und staatliche Förderprogramme. Der Umsatz inklusive Zuschüssen lag im Geschäftsjahr 2025 bei rund 109 Millionen Dollar, dem standen Verluste von rund 390 Millionen Dollar gegenüber. Das geplante Geschäftsmodell ist kapital-effizienter angelegt. X-Energy will Reaktoren nicht selbst bauen und betreiben, sondern die Technologie an Kraftwerksbetreiber lizenzieren und über das Brennstoffgeschäft wiederkehrende Erlöse generieren.
