E-Auto-Boom: Nachfrage klettert im März um 66 Prozent

Der März liefert einen Rekord
Der deutsche Markt für Elektroautos hat im März 2026 ein neues Niveau erreicht. Das Kraftfahrt-Bundesamt meldet 70.663 Neuzulassungen reiner Batteriefahrzeuge. Das ist ein Plus von 66,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und der höchste Monatswert seit 2022. Der Marktanteil lag bei 24 Prozent, fast jedes vierte neu zugelassene Auto fuhr damit rein elektrisch.
Auch europaweit zeigt der Trend nach oben. Der Herstellerverband ACEA zählte im ersten Quartal 546.937 neue Elektroautos in der EU, ein Zuwachs von rund 33 Prozent. Der BEV-Marktanteil stieg von 15,2 Prozent im Vorjahr auf nun 19,4 Prozent. Benzin- und Dieselautos verlieren parallel weiter an Boden, im ersten Quartal fiel ihr gemeinsamer Anteil auf 30,3 Prozent.

Förderung, Preiskampf, teurer Sprit
Hinter dem Nachfrageschub stehen mehrere Kräfte, die gleichzeitig wirken. Zum einen hat der Bundestag die neue Kaufprämie beschlossen, die rückwirkend zum 1. Januar 2026 gilt. Privatpersonen erhalten zwischen 1.500 und 6.000 Euro, abhängig von Einkommen, Kinderzahl und Antriebsart. Die Basisförderung liegt bei 3.000 Euro für reine Stromer. Insgesamt stellt die Bundesregierung drei Milliarden Euro bereit, genug für rund 800.000 Fahrzeuge bis 2029. Anträge sind voraussichtlich ab Mai möglich.
Zum anderen schlagen die hohen Spritpreise durch. Seit Ausbruch des Iran-Krieges und der Störungen in der Straße von Hormus schwanken die Ölpreise stark. Laut einer Umfrage von mobile.de erklärten 43 Prozent der Befragten, beim aktuellen Preisniveau auf Elektro umsteigen zu wollen. Das Autoportal meldete im März teilweise eine Verdreifachung der Suchanfragen nach E-Autos. Der Verband der Automobilindustrie mahnt zwar, dass zwischen Bestellung und Zulassung Monate liegen und der Ölpreis-Effekt erst später sichtbar werde. Die grundsätzliche Richtung bestätigen die Zulassungszahlen trotzdem.
Dazu kommt der Druck durch die verschärften CO2-Flottengrenzwerte. Hersteller müssen bei zu hohen Emissionen Strafen an die EU zahlen. Das Ergebnis sind aggressivere Rabatte und neue, günstigere Modelle. Der BYD Dolphin Surf startet in Deutschland nach Förderung bei unter 13.000 Euro. Der VW ID. Polo soll 2026 für rund 25.000 Euro auf den Markt kommen. Damit rückt Elektromobilität erstmals in ein Preissegment, das wirklich breite Käuferschichten anspricht.
Tesla dreht bei, BYD macht Druck
Im März 2026 hat Tesla in Europa 52.600 Fahrzeuge verkauft, ein Plus von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Das Model Y eroberte in Deutschland mit 6.841 Neuzulassungen Platz eins im E-Auto-Ranking. Damit ist Elon Musks Konzern nach einem schwachen 2025 zurück in der Spur. Im Gesamtjahr 2025 hatten die Tesla-Zulassungen in der EU noch 37,9 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen.
Der chinesische Konkurrent BYD legte im März EU-weit sogar um etwa 150 Prozent auf 37.580 Fahrzeuge zu. Im Februar hatte BYD Tesla mit 17.954 gegen 17.664 Neuzulassungen zum ersten Mal in einem Monat überholt. Das Wachstum des Konzerns aus Shenzhen beruht auf einem breiten Portfolio, das neben reinen E-Autos auch Plug-in-Hybride umfasst. Die Preise liegen oft deutlich unter denen europäischer Marken. Gleichzeitig baut BYD Werke in Ungarn, Brasilien und Indonesien auf, um europäische Zölle zu umgehen und Lieferketten zu verkürzen.
Im Heimatmarkt China läuft es für BYD schlechter. Dort haben die Februar-Verkäufe um 65 Prozent nachgegeben, weil die bisherige Steuerbefreiung für E-Autos ausgelaufen ist und durch eine Kaufsteuer von fünf Prozent ersetzt wurde. Das Management reagiert mit einer Exportoffensive. Das Ziel für 2026 wurde von 1,3 auf 1,5 Millionen Fahrzeuge außerhalb Chinas angehoben. Bis 2030 soll die Hälfte des Gesamtabsatzes aus dem Ausland kommen.
Volkswagen zurück im Spiel
Für die deutsche Autoindustrie sind die Zahlen ein Lichtblick nach zwei harten Jahren. Volkswagen konnte seinen BEV-Absatz in Europa bis September 2025 um 78,2 Prozent auf 522.600 Einheiten steigern. Der Konzern verkaufte damit rund dreimal so viele Elektroautos wie Tesla. In den aktuellen deutschen Top-30 belegen Škoda Elroq, Škoda Enyaq, VW ID.3, VW ID.7 sowie die Kombination aus ID.4 und ID.5 die Plätze zwei bis sechs hinter dem Tesla Model Y.
Das Bild ist aber nicht makellos. Volkswagen musste Anfang April einen Rückruf für 94.031 Elektrofahrzeuge in die Werkstätten schicken, betroffen sind ID.3, ID.4, ID.5 und beide ID.Buzz-Varianten. Analysten werten das als Warnsignal für die Qualitätskontrolle der MEB-Plattform. Auch der ID.7 verliert im Jahresvergleich 33 Prozent, der ID.4 samt ID.5 minus 15 Prozent. Die Modellpalette wirkt in Teilen alt, während die Überarbeitung und der neue Kleinwagen ID. Polo erst noch anlaufen.
BMW hat nach eigenen Angaben bereits 50.000 Bestellungen für den neuen iX3. Mercedes-Benz fährt die Produktion des elektrischen GLC hoch. Analyst Matthias Schmidt rechnet bei beiden Modellen mit jeweils rund 50.000 Auslieferungen im laufenden Jahr. Zusammen mit dem Volvo EX60 könnten diese drei Premium-Stromer 2026 allein 150.000 zusätzliche Elektroautos nach Europa bringen.
Was die Zahlen für Anleger bedeuten
Für Aktionäre ergibt sich ein gemischtes Bild. Tesla notiert weiter mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 400. Die Bewertung preist Robotaxi-Fantasie und das Energiespeichergeschäft ein, nicht nur das Autogeschäft. Der März-Schub in Europa ist positiv, aber die Konkurrenz zieht nach und Musks politisches Engagement verschreckt Teile der europäischen Kundschaft. Wer Tesla kauft, setzt weniger auf den Autobauer und mehr auf die Technologiewette. Analysten-Kursziele reichen von 120 bis 440 US-Dollar. Die Bandbreite zeigt, wie unklar die Lage ist.
BYD wird aktuell mit einem erwarteten KGV von etwa 21 bis 23 gehandelt. Die Bewertung ist deutlich niedriger als bei Tesla, das Wachstum bleibt zweistellig, das Exportgeschäft trägt. Auf der Risikoseite stehen die Schwäche im Heimatmarkt, mögliche EU-Ausgleichszölle und der ruinöse Preiskampf in China. Für Anleger aus Deutschland kommen zusätzlich Wechselkursrisiken hinzu, die Aktie notiert in Hongkong-Dollar.
Volkswagen handelt mit einer der niedrigsten Bewertungen unter den großen Autokonzernen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt im einstelligen Bereich, die Dividendenrendite ist vergleichsweise hoch. Das spiegelt die Skepsis vieler Investoren gegenüber dem schwerfälligen Konzernumbau und dem China-Geschäft wider. Gleichzeitig ist VW in Europa der mit Abstand größte Elektroauto-Anbieter. Wenn die neue Förderung den Markt wie erwartet antreibt und die MEB-Probleme behoben werden, könnte die Aktie unterbewertet erscheinen.
Wer das gesamte Feld abdecken will, findet in ETFs auf den europäischen Automobilsektor oder auf Elektromobilität eine Alternative. Solche Produkte bündeln Hersteller, Zulieferer und Batteriefirmen, reduzieren das Klumpenrisiko und vermeiden die Wette auf einen einzelnen Namen. Auch die großen Zulieferer wie Continental, Valeo und ZF profitieren indirekt vom Hochlauf, wenngleich dort die Margen dünn sind.
Unsere Einschätzung: Der E-Auto-Boom im ersten Quartal 2026 ist mehr als ein statistischer Ausreißer. Förderung, Spritpreise und günstigere Modelle treffen zeitgleich aufeinander. Für Anleger lohnt sich der Blick in die zweite Reihe. Tesla und BYD sind längst bekannt, aber Volkswagen, BMW und spezialisierte Zulieferer könnten die stilleren Profiteure sein.
Der Mai wird zum Stresstest
Mit dem Start der Online-Anträge für die Kaufprämie im Mai dürfte die Nachfrage erneut einen Schub bekommen. Viele Käufer haben ihre Bestellung seit Jahresbeginn zurückgehalten, um von der Förderung zu profitieren. Entsprechend groß ist der Auftragsstau bei den Händlern. Ob die Zulieferkette mithält, ist offen. Bei einigen Modellen liegen die Lieferzeiten bereits bei zwölf Monaten und mehr.
Der europäische Herstellerverband ACEA rechnet für 2026 mit rund 700.000 zusätzlichen E-Autos allein in Deutschland, das entspräche einem Marktanteil von knapp 25 Prozent. Großbritannien kommt mit strengeren Quoten und eigener Prämie auf weitere 110.000 Einheiten. Die entscheidende Frage ist, ob das Tempo auch im zweiten Halbjahr hält, wenn die Basiseffekte auslaufen. Der Mai liefert den ersten ehrlichen Test.