Größter Börsengang aller Zeiten? SpaceX startet Milliarden-IPO nächste Woche

Raketenstart von SpaceX vor einem Firmengebäude des Raumfahrtunternehmens. SpaceX bereitet den Börsengang vor, der mit einer Bewertung von bis zu 1,8 Billionen US-Dollar als größter IPO der Geschichte gelten könnte.

Nächste Woche beginnt Musk's größtes Kapitel

Am 12. Juni 2026 soll Space Exploration Technologies Corp. unter dem Ticker SPCX auf dem Nasdaq zu handeln beginnen. Das Unternehmen will dabei rund 75 Milliarden Dollar (etwa 69 Milliarden Euro) einsammeln — bei einer angestrebten Bewertung von 1,75 Billionen Dollar. Damit würde SpaceX Saudi Aramcos Börsengang aus dem Jahr 2019 als größten IPO der Geschichte ablösen. Der Abstand wäre beträchtlich: Aramco brachte damals 35 Milliarden Dollar ein.

Die Roadshow startete am 4. Juni. Preisfestsetzung ist für den 11. Juni geplant, Handelsstart am folgenden Tag. Goldman Sachs führt ein Konsortium aus 21 Banken an, darunter Morgan Stanley, Bank of America, Citigroup und JPMorgan.

Was genau an die Börse geht, ist komplizierter als es auf den ersten Blick erscheint.

Drei Unternehmen in einem — was SPCX wirklich ist

SpaceX hat im Februar 2026 zwei Unternehmen übernommen: xAI, Musks KI-Startup, und X Holdings, die frühere Twitter-Plattform. Beide sind als All-Stock-Deal in die SpaceX-Struktur eingeflossen. Das Ergebnis: Wer SPCX kauft, kauft nicht einfach Raketen und Satelliten. Er kauft drei sehr unterschiedliche Geschäftsfelder in einem Paket.

Das Raketengeschäft ist das älteste und bekannteste Standbein. SpaceX transportiert Satelliten, ISS-Astronauten und militärische Nutzlasten. Starlink ist das Satelliten-Internet-Netzwerk mit derzeit 10,3 Millionen Abonnenten und 10.000 Satelliten im niedrigen Erdorbit. Das neue KI- und Social-Media-Segment umfasst xAI mit dem Chatbot Grok sowie X, die Plattform mit über 550 Millionen monatlich aktiven Nutzern.

Nur eines dieser drei Geschäftsfelder verdient Geld.

Starlink trägt das Unternehmen — der Rest verbrennt Kapital

Starlinks Zahlen aus dem S-1 sind eindrucksvoll. Das Segment erwirtschaftete 2025 rund 11,4 Milliarden Dollar Umsatz, mit einem operativen Gewinn von 4,4 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal 2026 kamen allein 3,26 Milliarden Dollar hinzu, was 69 Prozent des Gesamtumsatzes entspricht. Dieses Geschäft funktioniert und wächst.

Das KI-Segment sieht komplett anders aus. xAI generierte 2025 zwar Umsätze von 3,2 Milliarden Dollar, schrieb aber gleichzeitig einen operativen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar — befeuert durch 12,7 Milliarden Dollar Kapitalausgaben allein für KI-Infrastruktur im selben Jahr. Im ersten Quartal 2026 verbrannte das KI-Segment weitere 7,7 Milliarden Dollar an Investitionen. Zum Vergleich: In diesem Zeitraum floss mehr Kapital in KI als in das Raketen- und Satellitengeschäft zusammen.

Das Ergebnis in der Bilanz ist ungeschminkt. SpaceX war 2024 noch profitabel mit 791 Millionen Dollar Nettogewinn. Nach der xAI-Übernahme drehte die Zahl ins Negative: 4,94 Milliarden Dollar Nettoverlust für das Gesamtjahr 2025. Im ersten Quartal 2026 allein folgte ein weiterer Verlust von 4,28 Milliarden Dollar. Das kumulierte Defizit liegt bei 41,3 Milliarden Dollar.

Der Starlink-Umsatz finanziert das KI-Abenteuer. Das ist eine strategische Entscheidung, kein Unfall. Wer SPCX kauft, muss das verstehen.

Musks Vergütungspaket — das spektakulärste der Börsengeschichte

Der S-1 enthält eines der ungewöhnlichsten Gehaltskonzepte, das je in einem Börsengangsprospekt offengelegt wurde. Musk erhält kein klassisches Gehalt. Stattdessen hat das SpaceX-Board ihm im Januar 2026 ein Vergütungspaket aus Aktien genehmigt, das in seiner Dimension kaum greifbar ist.

Paket eins umfasst eine Milliarde gesperrte Class-B-Aktien, aufgeteilt in 15 Tranchen. Sie können nur freigeschaltet werden, wenn SpaceX gleichzeitig eine Marktkapitalisierung von 7,5 Billionen Dollar erreicht und eine dauerhafte menschliche Siedlung auf dem Mars mit mindestens einer Million Einwohnern errichtet hat. Bei der angestrebten Börsenbewertung von 1,75 Billionen Dollar wären diese Aktien theoretisch über 600 Milliarden Dollar wert, Bloomberg hat das durchgerechnet. SpaceX selbst schreibt im S-1, beide Meilensteine seien "improbable" — unwahrscheinlich. Entsprechend wurden bislang keine Vergütungsaufwendungen dafür bilanziert.

Paket zwei gewährt Musk 60,4 Millionen weitere Class-B-Aktien, die an separate Bewertungsziele und den Aufbau weltraumgestützter Rechenzentren mit mindestens 100 Terawatt Rechenleistung geknüpft sind. Zusammen könnten beide Pakete bei Erfüllung aller Bedingungen rund 760 Milliarden Dollar wert sein — was Musk nach Bloomberg-Berechnungen zum ersten Billionär der Geschichte machen würde. Sein aktuelles Nettovermögen liegt bei etwa 722 Milliarden Dollar, wobei diese Aktienpakete noch nicht eingerechnet sind.

Musks bestehende Beteiligung liegt bei rund 40 Prozent der Aktien. Über die Class-B-Aktien, die zehnfaches Stimmrecht tragen, hält er 85,1 Prozent der Stimmrechte. Das bedeutet: Musk kann nur durch einen Beschluss der Class-B-Aktionäre abgesetzt werden — was in der Praxis einer Selbstabstimmung entspricht. SpaceX reinkorporierte sich zudem unter dem neuen Texas Business Organizations Code, was Hauptversammlungsanträge und Übernahmeofferten erheblich erschwert.

Für Anleger ist das kein verstecktes Detail. Es ist die Grundstruktur des Unternehmens.

Was Privatanleger konkret wissen müssen

SpaceX macht in einem Punkt etwas Ungewöhnliches: 30 Prozent der IPO-Aktien sollen an Privatanleger gehen — dreimal so viel wie bei einem typischen US-Börsengang. CFO Bret Johnsen formulierte es direkt: Retail-Investoren seien ein zentraler Teil dieser Transaktion. Über Plattformen wie Robinhood, Fidelity, Schwab, SoFi und E*Trade können Privatanleger in der Roadshow-Woche ab dem 8. Juni eine Zeichnungsorder einreichen.

Dabei gilt das gleiche, was bei jedem Börsengang zutrifft: Eine Zeichnungsorder ist keine Garantie. Zuteilungen werden bei Überzeichnung reduziert, und wer nichts bekommt, kauft später zu Marktpreisen. Die Eröffnungspreise am ersten Handelstag liegen oft deutlich über dem Ausgabepreis. Ob das Kurs-Aufschlag oder Preis-Risiko bedeutet, hängt davon ab, welche Seite des Deals man betrachtet.

Ein weiteres Datum verdient schon jetzt Aufmerksamkeit: der Lock-up-Ablauf. Frühinvestoren, Mitarbeiter und das Banken-Konsortium dürfen typischerweise 90 bis 180 Tage nach dem IPO keine Aktien verkaufen. SpaceX-Insider halten riesige Pakete. Wenn diese Sperre fällt — vermutlich im Dezember 2026 — könnte das zu einem der größten koordinierten Insider-Verkaufstage in der Börsengeschichte werden.

Bewertung: Was 1,75 Billionen Dollar rechtfertigen müsste

Bei einer Bewertung von 1,75 Billionen Dollar und einem Gesamtumsatz von 18,67 Milliarden Dollar in 2025 ergibt sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 94. Nvidia, das profitabelste KI-Unternehmen der Welt, wird an der Börse mit etwa dem 21-Fachen seines Jahresumsatzes gehandelt — und schreibt schwarze Zahlen.

Die Stiere sehen das anders. Starlink allein könnte bei weiterem Wachstum Hunderte Milliarden Bewertung rechtfertigen. Die KI-Infrastrukturstrategie könnte aufgehen, wenn das Training und Deployment von Modellen im Orbit wirtschaftlich wird. Und SpaceX selbst schätzt den adressierbaren Gesamtmarkt für seine KI-Infrastruktur auf 28,5 Billionen Dollar — eine Zahl aus dem eigenen Haus, nicht von unabhängigen Analysten.

Die Bank of America beschreibt den gesamten IPO-Zyklus 2026 prägnant: Es handle sich im Kern um einen groß angelegten Transfer von akkumuliertem Risiko von frühen Investoren auf den öffentlichen Markt. Das klingt hart, ist aber analytisch präzise.

Unsere Einschätzung: SpaceX ist das einzige der drei großen 2026-IPOs mit einer vollständig öffentlichen S-1-Akte und einem konkreten Handelsdatum. Das Starlink-Geschäft funktioniert und liefert echte Gewinne. Das Problem ist das Drumherum. Die xAI-Integration hat ein profitables Raumfahrtunternehmen in ein verlustreiches KI-Konglomerat verwandelt. Musks Vergütungsstruktur und die 85-Prozent-Stimmrechtskontrolle bedeuten, dass öffentliche Aktionäre wirtschaftliche Beteiligung kaufen, aber kaum Mitsprache. Für wen das kein Ausschlusskriterium ist: Die 30-Prozent-Retailquote ist historisch einmalig. Den Handelsstart am 12. Juni sollte man im Blick haben.

Der 12. Juni als Stimmungstest für den gesamten IPO-Herbst

Die SpaceX-Premiere hat Signalwirkung weit über das Unternehmen hinaus. Anthropic und OpenAI warten mit ihren eigenen Börsenvorhaben im Hintergrund. Beide haben vertrauliche S-1-Anträge eingereicht, aber noch keine Handelstermine. Wie SPCX am ersten Tag performt, wie die institutionelle Nachfrage aussieht und ob der Kurs nach dem Öffnungsrausch standhält, wird direkt beeinflussen, ob und wann die beiden KI-Konkurrenten ihren eigenen IPO-Kalender freigeben. Ein schwacher SPCX-Start könnte den gesamten Herbstplan nach hinten verschieben. Ein starker Start könnte den KI-IPO-Superzyklus endgültig zünden.