Bloom Energy wird zum Stromlieferanten des KI-Booms

Blühendes Rapsfeld mit Windrädern am Horizont als Bezug zur Rolle von Bloom Energy als Stromlieferant des KI-Booms

Vom Nischenwert zum Liebling des KI-Handels

Nordamerika🌿4 Min.14.07.2026

Kaum eine Aktie hat so klar vom KI-Boom profitiert wie Bloom Energy (NYSE: BE). Auf Sicht von zwölf Monaten steht bei dem kalifornischen Brennstoffzellen-Hersteller ein Plus von rund 842 Prozent, wie das Portal StockTitan ausweist. Vom Jahrestief bei gut 24 Dollar hat sich der Kurs damit fast verzehnfacht. Der Grund liegt nicht in einer neuen Technologie, sondern in einem simplen Engpass. Rechenzentren für künstliche Intelligenz brauchen enorm viel Strom, und zwar sofort.

Ganz reibungslos verläuft die Fahrt aber nicht. Vom Rekord bei 351 Dollar Ende Juni ist die Aktie bis Mitte Juli auf rund 232 Dollar gefallen, ein Minus von etwa einem Drittel. Auslöser war unter anderem der Angriff eines Leerverkäufers, der Zweifel an den Zahlen des Unternehmens säte. Der Börsenwert liegt trotz des Rücksetzers noch bei rund 66 Milliarden Dollar.

Damit steht Bloom Energy zwischen zwei Kräften. Auf der einen Seite ein realer Auftragsboom, auf der anderen eine Bewertung, die kaum Fehler verzeiht.

Was Bloom Energy überhaupt baut

Bloom wurde 2001 in Kalifornien gegründet und stellt sogenannte Festoxid-Brennstoffzellen her. Diese Geräte, vermarktet als Bloom Energy Server, erzeugen Strom direkt vor Ort. Anders als ein Kraftwerk verbrennen sie keinen Brennstoff, sondern wandeln Erdgas, Biogas oder Wasserstoff über einen chemischen Prozess in Elektrizität um. Der Vorteil liegt darin, dass die Anlagen dort stehen, wo der Strom gebraucht wird, ohne Anschluss an ein überlastetes Netz.

Lange war das kein aufregendes Geschäft. Nach dem Börsengang 2018 zu 15 Dollar dümpelte die Aktie jahrelang nahe diesem Ausgabepreis, und das Unternehmen schrieb meist Verluste. Zu den frühen Kunden zählten Namen wie Google und Walmart, doch der große Durchbruch blieb aus.

Das änderte sich mit dem KI-Boom. Der Bau eines Rechenzentrums ist das eine, die Stromversorgung das andere. Das Netz ist vielerorts alt und langsam, ein neuer Anschluss dauert oft Jahre. Für Betreiber, die im Wettlauf um Rechenleistung stehen, wurde die Wartezeit auf Strom zum größten Hindernis. Genau in diese Lücke stößt Bloom. Die Brennstoffzellen lassen sich schneller liefern und aufstellen, als ein Versorger eine neue Leitung bauen kann. Der Fachbegriff dafür lautet eigene Stromversorgung, im Englischen bring your own power.

Die Verträge, die den Kurs entzündet haben

Der Aufstieg beruht auf handfesten Aufträgen. Der Software-Konzern Oracle machte Bloom zum alleinigen Stromlieferanten für ein KI-Zentrum in New Mexico, das bis zu 2,45 Gigawatt aus Brennstoffzellen ziehen soll, statt aus geplanten Gasturbinen und Dieselgeneratoren. Der Vermögensverwalter Brookfield weitete seine gemeinsame Finanzierung für solche Projekte von 5 auf 25 Milliarden Dollar aus. Dazu kommen ein Rahmenvertrag mit Nebius über bis zu 2,6 Milliarden Dollar und ein Abkommen mit dem Versorger AEP über 2,65 Milliarden Dollar.

Diese Abschlüsse summieren sich zu einem Auftragsbestand von rund 20 Milliarden Dollar. Davon entfallen etwa 6 Milliarden auf die Geräte selbst und rund 14 Milliarden auf langfristige Serviceverträge, die über Jahre stabile Einnahmen liefern. Um die Nachfrage zu bedienen, baut Bloom seine Produktion aus. Von rund einem Gigawatt Jahreskapazität soll es bis Dezember 2026 auf zwei Gigawatt gehen, langfristig peilt die Firma fünf Gigawatt an. Ein eigener Bericht des Unternehmens untermauert die Erzählung. Demnach würde eine Mehrheit der Rechenzentrumsbetreiber eigenen Strom erzeugen, falls das Netz sie im Stich lässt.

Die Zahlen wachsen und werden endlich profitabel

Anders als viele spekulative Werte liefert Bloom echte Umsätze, die kräftig steigen. Im Gesamtjahr 2025 kletterte der Erlös um 37 Prozent auf 2,02 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal 2026 verdoppelte sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahr auf rund 751 Millionen Dollar, wie die Firmenzahlen zeigen. Die operative Marge lag dabei bei 17,3 Prozent, ein deutliches Zeichen für Größenvorteile.

Noch wichtiger ist die Wende bei den Gewinnen. Für das Gesamtjahr 2026 hob das Management seine Prognose kräftig an und erwartet nun einen Gewinn je Aktie von 1,85 bis 2,25 Dollar. Analysten hatten im Schnitt nur mit 1,34 Dollar gerechnet. Zugleich betonte die Führung, dass sie trotz der starken Nachfrage keine neuen Aktien ausgeben müsse. Für Anleger ist das eine gute Nachricht, weil eine Verwässerung ausbleibt. Bloom ist damit kein reines Versprechen mehr, sondern ein wachsendes und langsam profitables Unternehmen.

Die Bewertung, die Short-Attacke und die Risiken

So stark die Geschichte klingt, der Preis ist hoch. Gemessen an den erwarteten Gewinnen wird Bloom mit rund dem 125-Fachen gehandelt, eine der teuersten Bewertungen im gesamten Energiesektor. Anfang Juli kam Gegenwind von einer unerwarteten Seite. Der Leerverkäufer Hunterbrook veröffentlichte einen Bericht, der die Angaben des Unternehmens zur Lieferkette und zum Umsatz infrage stellte. Die Aktie brach daraufhin an einem Tag um rund 12 Prozent ein. Bloom wies die Vorwürfe zurück und kündigte an, die Darstellung richtigzustellen.

Weitere Risiken bleiben bestehen. Die Brennstoffzellen laufen meist mit Erdgas, sind also nur dann wirklich klimaneutral, wenn sie mit Wasserstoff betrieben werden. Ein Betreiber pausierte zuletzt ein großes Projekt in Wyoming, das Bloom Aufträge über rund 2,65 Milliarden Dollar bringen sollte, auch wenn andere Verträge einen Teil davon absichern. Hinzu kommt Widerstand vor Ort, wo Bundesstaaten und Kommunen den Bau neuer Rechenzentren bremsen. Auch verkauften Insider zuletzt Aktien im Wert von fast 60 Millionen Dollar. Die Analysten sind gespalten, ihre Kursziele reichen grob von 246 bis 322 Dollar.

Unsere Einschätzung: Bloom Energy ist der glaubwürdigste Gewinner des KI-Strom-Themas, mit echtem Umsatz, dickem Auftragsbuch und einer Wende zum Gewinn. Die Aktie selbst preist allerdings viele Jahre fehlerfreier Ausführung ein. Der Kurssturz um ein Drittel seit dem Hoch und die Short-Attacke zeigen, wie schnell die Stimmung bei einem so teuren Papier kippen kann.

Die Quartalszahlen am 28. Juli als Bewährungsprobe

Der nächste große Termin steht bereits fest. Am 28. Juli legt Bloom nach Börsenschluss seine Zahlen zum zweiten Quartal vor. Anleger werden vor allem darauf achten, ob Umsatz und Marge weiter zulegen und ob das Unternehmen die Vorwürfe des Leerverkäufers entkräften kann. Ein überzeugender Bericht könnte den Rücksetzer schnell beenden.

Entscheidend bleibt zudem, ob der Ausbau der Produktion und die großen Verträge im geplanten Tempo Wirklichkeit werden. Bloom hängt eng am Fortgang des KI-Ausbaus, und dieser Hebel wirkt in beide Richtungen. Hält die Investitionswelle in Rechenzentren an, stützt das milliardenschwere Auftragsbuch das Wachstum. Kühlt sie ab, steht die hohe Bewertung schnell auf dem Prüfstand.