BitGo IPO: Krypto-Custody-Gigant strebt an die NYSE

BitGo IPO: Krypto-Custody-Gigant strebt an die NYSE

Overview

BitGo Holdings ist einer der weltweit größten institutionellen Krypto-Verwahrer und plant jetzt den Sprung an die Börse. Das Unternehmen aus Palo Alto hat seine S-1-Unterlagen am 19. September 2025 bei der SEC eingereicht und strebt die Erstnotiz an der New York Stock Exchange unter dem Ticker-Symbol BTGO an.

Gegründet wurde BitGo 2013 von Mike Belshe und Ben Davenport. Das Unternehmen war einer der ersten Anbieter, die Multi-Signatur-Wallets für Bitcoin entwickelt haben und damit das Sicherheitsproblem für institutionelle Anleger lösten. Heute ist daraus eine komplette Krypto-Infrastruktur-Plattform geworden, die Banken, Hedgefonds, Krypto-Börsen, Stablecoin-Emittenten und sogar Regierungen bedient. Mit 90,3 Milliarden US-Dollar an verwalteten Assets (Assets on Platform), über 4.600 Kunden und 1,1 Millionen Nutzern in mehr als 100 Ländern gehört BitGo zu den größten Spielern im Markt.

Der Zeitpunkt für den IPO ist kein Zufall. Nach Jahren regulatorischer Unsicherheit hat sich das Umfeld in den USA 2025 deutlich aufgehellt. Stablecoins werden zunehmend von Banken und Tech-Konzernen ausgegeben, ETFs auf Bitcoin und Ethereum sind etabliert, und die Nachfrage nach professioneller Verwahrung steigt. BitGo will dieses Momentum nutzen, um sich frisches Kapital zu sichern und die Position als zentrale Infrastruktur für die digitale Finanzwelt auszubauen.

Management zum Zeitpunkt des IPOs

An der Spitze von BitGo steht Mitgründer Mike Belshe, der gleichzeitig CEO, CTO und President ist. Belshe war vor BitGo bei Google an der Entwicklung von Chrome und dem SPDY-Protokoll beteiligt, einem der Vorgänger von HTTP/2. Diese tiefen technischen Wurzeln spiegeln sich in BitGos Selbstverständnis als Infrastrukturunternehmen wider, nicht als Trading-Plattform.

Die Stimmrechtsstruktur ist für Anleger besonders wichtig. BitGo führt eine Dual-Class-Aktienstruktur ein. Class-A-Aktien geben jedem Aktionär eine Stimme, Class-B-Aktien geben 15 Stimmen pro Aktie. Mike Belshe wird nach dem IPO über die Class-B-Aktien die Mehrheit der Stimmrechte halten. BitGo wird damit als sogenannte "Controlled Company" nach NYSE-Regeln eingestuft und ist von einigen Corporate-Governance-Pflichten befreit.

Operativ beschäftigt BitGo zum Stichtag 30. Juni 2025 rund 565 Mitarbeiter weltweit. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben in über 50 US-Bundesstaaten und ausländischen Jurisdiktionen reguliert und betreibt mit den BitGo Trust Companies eigene Trust-Gesellschaften in den USA, New York und der MENA-Region.

Branche

Der Markt für institutionelle Krypto-Verwahrung wächst mit dem Eintritt traditioneller Finanzinstitute in die Krypto-Welt. Banken, Vermögensverwalter und Pensionsfonds dürfen oder wollen Kryptowährungen nicht selbst verwahren und brauchen dafür regulierte Custodians. Genau hier setzt BitGo an.

Die wichtigsten Wettbewerber heißen Coinbase Custody, Anchorage Digital, Fireblocks und Fidelity Digital Assets. Coinbase ist über die börsennotierte Coinbase Global der bekannteste Name und hat den Vorteil eines etablierten Retail-Geschäfts. Fireblocks ist privat und konzentriert sich auf MPC-Technologie für Wallets. Anchorage hat als erste Krypto-Bank eine US-Bundeslizenz erhalten. Fidelity bringt die Glaubwürdigkeit eines klassischen Vermögensverwalters mit. Die Differenzierung von BitGo liegt nach eigener Aussage in der Breite der Plattform: Selbstverwahrung, qualifizierte Verwahrung, Liquiditätslösungen und Infrastruktur-Services aus einer Hand.

Das regulatorische Umfeld hat sich 2025 deutlich verbessert. In den USA gibt der GENIUS Act Stablecoins einen klaren Rahmen, die SEC arbeitet an verständlicheren Regeln für Krypto-Verwahrer, und in Europa ist MiCA seit 2024 in Kraft. BitGo profitiert von dieser Klarheit, weil sie institutionellen Kunden die Investition in Krypto erleichtert. Gleichzeitig bleibt das Geschäft volatil, weil die Erlöse stark mit den Krypto-Preisen und dem Handelsvolumen schwanken.

Produkte

BitGos Plattform ist in vier Schichten aufgebaut, die jeweils unterschiedliche Bedürfnisse abdecken:

  • Self-Custody Wallet: Die Grundlage. BitGos Multi-Signatur- und MPC-Wallet-Technologie (Multi-Party Computation) erlaubt Kunden die volle Kontrolle über ihre digitalen Assets bei gleichzeitig hoher Sicherheit. Die Wallet wurde 2013 erfunden und ist heute Industriestandard.
  • Qualified Custody: Regulierte Verwahrung über die BitGo Trust Companies. Alle Assets liegen zu 100 Prozent in Cold Storage, also offline. Die Strukturen sind insolvenzfest, und es gibt eine Versicherungsdeckung von bis zu 250 Millionen US-Dollar.
  • Liquidity & Prime: Staking, Lending, Trading, Collateral Management und Token Management. Diese Schicht erlaubt institutionellen Kunden, mit ihren verwahrten Assets zu arbeiten, ohne sie auf andere Plattformen transferieren zu müssen.
  • Infrastructure-as-a-Service: Stablecoin-as-a-Service und Crypto-as-a-Service. BitGo stellt die technische Infrastruktur, Compliance-Tools und operativen Support für Unternehmen bereit, die eigene Stablecoins oder Token herausgeben wollen.

Die Plattform unterstützt mehr als 1.400 verschiedene digitale Assets, was nach BitGos Angaben zu den umfangreichsten Angeboten am Markt gehört. Für Stablecoin-Emittenten bietet BitGo nicht nur die technische Infrastruktur, sondern hält auch die Reserven in segregierten Konten. Zum Stichtag 30. Juni 2025 hielt BitGo bereits 2,2 Milliarden US-Dollar an Cash für Stablecoin-Inhaber.

Outlook

Die Wachstumsstrategie von BitGo ruht auf fünf Säulen. Erstens: Vertiefung der Beziehungen zu bestehenden Kunden, die typischerweise mit Verwahrung starten und dann weitere Services dazukaufen. Zweitens: Aufbau der größten institutionellen Kundenbasis und Stärkung der Netzwerkeffekte. Drittens: Internationale Expansion mit weiteren Lizenzen in Schlüsselregionen. Viertens: Unterstützung neuer Coins, Tokens und Protokolle. Fünftens: Aufbau zur führenden Stablecoin-Plattform.

Besonders interessant ist die fünfte Strategie. Stablecoins sind 2025 zu einem der heißesten Themen im Krypto-Bereich geworden, mit klaren regulatorischen Rahmenbedingungen und massiver Nachfrage von Banken, Tech-Konzernen und Zahlungsdienstleistern. BitGo will hier die Standardplattform für die Emission und das Management werden, ähnlich wie das Unternehmen es bereits bei Token-Ökosystemen geschafft hat.

Die Finanzentwicklung ist auf den ersten Blick beeindruckend, aber wichtig zu verstehen: 2024 erzielte BitGo einen Umsatz von 3,1 Milliarden US-Dollar und einen Nettogewinn von 157 Millionen US-Dollar. Im ersten Halbjahr 2025 lag der Umsatz bereits bei 4,2 Milliarden US-Dollar. Allerdings sind diese Zahlen stark vom Krypto-Handelsvolumen geprägt, weil ein großer Teil der Erlöse aus dem Verkauf digitaler Assets stammt. Das operative Geschäft ist deutlich kleiner. Im ersten Halbjahr 2025 lag der operative Verlust bei nur 1,3 Millionen US-Dollar, was zeigt, dass BitGo nahe an der nachhaltigen Profitabilität operiert.

Details zum IPO

BitGo plant die Erstnotiz an der New York Stock Exchange unter dem Ticker-Symbol BTGO. Emissionspreis und Volumen wurden im S-1 noch nicht festgelegt. Es handelt sich um eine kombinierte Platzierung mit primären Aktien (von BitGo selbst) und sekundären Aktien (von bestehenden Aktionären, die teilweise verkaufen). Die Erlöse aus den primären Aktien sollen für Working Capital, allgemeine Unternehmenszwecke und steuerliche Verpflichtungen aus RSU-Settlements verwendet werden.

Als Konsortialführer wurden Goldman Sachs, Citigroup, Deutsche Bank Securities und Mizuho mandatiert. Das gesamte Bankenkonsortium ist mit über zehn Häusern ungewöhnlich breit aufgestellt und umfasst auch Wells Fargo, Keefe Bruyette & Woods, Canaccord Genuity, Cantor, Clear Street, Compass Point, Craig-Hallum, Wedbush, Rosenblatt und SoFi.

Die bereits erwähnte Dual-Class-Struktur sorgt dafür, dass Mike Belshe nach dem IPO die Stimmrechtsmehrheit behält. Class-B-Aktien können in Class-A-Aktien umgewandelt werden, verlieren aber dabei das 15-fache Stimmrecht. Bestehende Investoren wie Goldman Sachs, DRW Holdings und Valor Equity Partners gehörten zu den größeren Geldgebern in den vergangenen Finanzierungsrunden. Welche davon im Rahmen des IPOs verkaufen werden, geht aus dem Prospekt noch nicht im Detail hervor.

Bewertungskriterien

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Über 90 Milliarden US-Dollar an verwalteten Assets und mehr als 4.600 institutionelle Kunden in über 100 Ländern

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Reguliert in über 50 US-Bundesstaaten und Jurisdiktionen mit eigener Trust-Company-Struktur und 250 Millionen US-Dollar Versicherungsschutz

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Vollständig integrierte Plattform mit Custody, Liquidität, Staking und Stablecoin-Infrastruktur aus einer Hand

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Massives Wachstum mit 4,2 Milliarden US-Dollar Umsatz allein im ersten Halbjahr 2025

Geschäft stark abhängig von Krypto-Marktzyklen, Handelsvolumen und Asset-Preisen

Mike Belshe behält über Class-B-Aktien die Stimmrechtsmehrheit und damit die volle Kontrolle

Operatives Ergebnis seit Jahren nahe der Nulllinie trotz hoher Umsätze

Intensiver Wettbewerb durch Coinbase Custody, Anchorage, Fireblocks und Fidelity Digital Assets