Overview
Mike Belshe gründete BitGo 2013 in Palo Alto zusammen mit Ben Davenport und Will O'Brien. Belshe hatte zuvor bei Hewlett-Packard, Netscape, Microsoft und Google gearbeitet, wo er an der Entwicklung des Chrome-Browsers beteiligt war. Er ist außerdem Mitautor der HTTP/2-Spezifikation. Bitcoin lernte er erst ein Jahr vor der Gründung von BitGo kennen. Seinen Bestand bewahrte er damals auf einem vom Netzwerk getrennten Laptop unter dem Sofa auf. Die Backup-Schlüssel lagen auf Papier in der Waschküche.
Im August 2013 brachte BitGo die erste kommerziell verfügbare Multi-Signatur-Wallet für Bitcoin auf den Markt. Bei dieser Technologie sind für jede Transaktion Unterschriften mehrerer Schlüsselinhaber notwendig, was Diebstahl und Insider-Manipulation deutlich erschwert. Damit wurde BitGo zur ersten Anlaufstelle für Krypto-Börsen, die ihre eigenen Kundenbestände absichern wollten. Über die Jahre folgte mit Threshold Signature Schemes (TSS) eine technologische Weiterentwicklung. 2016 begann der Wandel vom reinen Wallet-Anbieter zum vollwertigen Verwahrer. Auslöser war ein Auftrag der CME Group rund um eine Tokenisierung von Gold.
2021 kündigte Galaxy Digital eine Übernahme von BitGo für 1,2 Milliarden Dollar an. Der Deal scheiterte 2022 nach einem Streit über fehlende Finanzunterlagen. BitGo blieb eigenständig und sammelte 2023 in einer Serie-C-Runde 100 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 1,75 Milliarden Dollar ein. Im Dezember 2025 erhielt das Unternehmen vom US-Bankenaufseher OCC die bedingte Zulassung zur bundesweit regulierten National Trust Bank. Mit dem Börsengang im Januar 2026 wurde BitGo das erste börsennotierte und gleichzeitig bundesweit lizenzierte Infrastrukturunternehmen für digitale Vermögenswerte.
Management
Mike Belshe führt BitGo seit der Gründung 2013 als CEO und ist gleichzeitig Chief Technology Officer und President. Sein technischer Hintergrund prägt das Unternehmen bis heute. Vor BitGo entwickelte Belshe bei Google den Chrome-Browser mit und war Mit-Erfinder des SPDY-Protokolls, einer Vorstufe von HTTP/2. Über eine Sonderaktienklasse mit fünfzehnfachem Stimmrecht je Aktie behält er auch nach dem Börsengang die Kontrolle über das Unternehmen.
Als CFO fungiert seit 2025 Edward Reginelli, der das Unternehmen durch den Börsengang geführt hat. Im Verwaltungsrat sitzt unter anderem Brian Brooks, ehemaliger Comptroller of the Currency und einer der einflussreichsten Stimmen in der US-amerikanischen Krypto-Regulierung. Brooks brachte sein Wissen aus der OCC-Zeit ein, das beim Erhalt der bundesweiten Banklizenz hilfreich war.
Finanzdaten
Branche
BitGo bewegt sich im Markt für institutionelle Krypto-Verwahrung und digitale Asset-Infrastruktur. Dieser Markt ist relativ jung und entwickelt sich stark mit den Krypto-Marktzyklen. Schätzungen zufolge lag das globale Volumen für Krypto-Custody-Dienste 2024 bei rund drei Milliarden Dollar Umsatz. Wichtige Wachstumstreiber sind die Bitcoin- und Ether-Spot-ETFs in den USA. Hinzu kommen das Wachstum von Stablecoins und die zunehmende Tokenisierung realer Vermögenswerte wie Anleihen oder Fonds.
Die Konkurrenz lässt sich in mehrere Lager teilen. Coinbase Custody profitiert vom Erfolg des Mutterkonzerns und betreut viele der großen US-ETF-Emittenten. Anchorage Digital erhielt 2021 als erste Krypto-Bank eine US-Bundeslizenz und betreut unter anderem BlackRock. Fireblocks setzt mit Multi-Party-Computation auf eine technische Alternative zur Multi-Signatur und zählt über 2.400 institutionelle Kunden. Hinzu kommen traditionelle Anbieter wie Fidelity Digital Assets oder BNY Mellon, die ihre Custody-Infrastruktur zunehmend auf digitale Assets ausweiten.
BitGo positioniert sich als regulierter Vollanbieter, der Custody, Wallet-Infrastruktur, Staking, Handel, Stablecoin-Services und Settlement aus einer Hand bündelt. Mit der OCC-Lizenz schließt das Unternehmen den regulatorischen Abstand zu Anchorage. Custody-Dienste lassen sich nun bundesweit anbieten, ohne in jedem US-Bundesstaat eine eigene Lizenz zu beantragen. Der Wettbewerb ist intensiv und konzentriert sich vor allem auf regulatorischen Status und Versicherungsschutz für die verwahrten Bestände.
Produkte und Services
Das Kerngeschäft von BitGo ist die Verwahrung digitaler Vermögenswerte für institutionelle Kunden, sogenannte Qualified Custody. Die Bestände lagern weitestgehend in Cold Storage, also auf Speichermedien ohne Verbindung zum Internet. Der Zugriff erfolgt über mehrere unabhängige Schlüssel, die untereinander aufgeteilt sind. Eine Police bei Lloyd's of London deckt Verluste durch Diebstahl oder operative Fehler bis zu 250 Millionen Dollar ab. Das Unternehmen unterstützt mehr als 1.500 verschiedene Tokens auf über 60 Blockchains.
Neben der reinen Verwahrung bietet BitGo Wallet-Technologie, OTC-Handel, Prime Brokerage, Staking-Dienste und Finanzierungslösungen für institutionelle Kunden. Auch Stablecoin-Infrastruktur gehört dazu, etwa als Verwahrer für USD1, einen Dollar-gedeckten Stablecoin der Trump-nahen World Liberty Financial. Außerdem ist BitGo der einzige Verwahrer für Wrapped Bitcoin, eine tokenisierte Form von Bitcoin auf der Ethereum-Blockchain. Über das Geschäft mit Stablecoin-as-a-Service können externe Anbieter eigene digitale Dollar auf BitGos Infrastruktur ausgeben.
Die Erlöse stammen aus mehreren Quellen. Custody-Gebühren werden in Basispunkten auf das verwahrte Vermögen berechnet. Hinzu kommen Erträge aus Staking, Handelsdiensten und Lizenzgebühren für Wallet-Software, die Krypto-Börsen und Fintechs in ihre eigenen Produkte einbauen. Ein wachsender Anteil entfällt auf den Verkauf digitaler Assets im Eigenhandel. Dieses Segment machte 2024 mit rund 2,5 Milliarden Dollar den Großteil des ausgewiesenen Bruttoumsatzes aus.
