Fermi IPO: AI-Datacenter mit eigenem Kraftwerk strebt an die Börse

Fermi Inc. baut mit Project Matador eine vertikal integrierte Energie- und AI-Datacenter-Plattform in Amarillo, Texas. Das Unternehmen plant auf 5.263 Acres bis zu 11 GW Stromerzeugung aus Erdgas, Kernkraft und Solar sowie bis zu 15 Millionen Quadratfuß AI-Compute-Fläche und will als REIT besteuert werden. Mitgegründet von Ex-US-Energieminister Rick Perry und Quantum-Veteran Toby Neugebauer plant Fermi ein Doppel-Listing an Nasdaq und der London Stock Exchange.
Overview
Fermi Inc. ist eines der ungewöhnlichsten IPO-Vehikel des Jahres 2025. Das Unternehmen aus Amarillo, Texas, hat seine S-11-Unterlagen bei der SEC eingereicht und plant ein Doppel-Listing an der Nasdaq Global Select Market und der London Stock Exchange unter dem Ticker-Symbol FRMI. S-11 ist die spezielle SEC-Form für Real Estate Investment Trusts, und Fermi will sich genau so besteuern lassen.
Die Story dahinter ist die Engpassthese der AI-Branche: Hyperscaler wie Microsoft, Google und Meta brauchen für AI-Training und -Inference massiv mehr Strom, als die US-Stromnetze derzeit liefern können. Statt sich in mehrjährige Anschlusswarteschlangen zu stellen, will Fermi den Stromproblem direkt vor Ort lösen. Das Unternehmen baut auf 5.263 Acres mit Project Matador eine vollintegrierte Plattform, die bis 2038 bis zu 11 GW Strom aus Erdgas, Kernkraft und Solar liefern und gleichzeitig bis zu 15 Millionen Quadratfuß Datacenter-Fläche bereitstellen soll. Behind-the-Meter, also direkt am Verbrauchsort, ohne Abhängigkeit vom öffentlichen Netz.
Fermi LLC wurde am 10. Januar 2025 gegründet und wird unmittelbar vor dem Börsengang in Fermi Inc. umgewandelt. Das Unternehmen ist also nicht einmal ein Jahr alt und hat noch keinen einzigen US-Dollar Umsatz erzielt. Was es hat, sind ein 99-jähriger Pachtvertrag mit dem Texas Tech University System, gesicherte Turbinen-Bestellungen, ein eingereichter Antrag bei der US-Atomaufsichtsbehörde NRC und ein Co-Founder-Team mit politischer Schlagkraft.
Management zum Zeitpunkt des IPOs
An der Spitze von Fermi steht Co-Founder und CEO Toby Neugebauer. Er war Mitgründer und Co-Managing Partner von Quantum Energy Partners, einer der größten US-Private-Equity-Firmen für Energieinvestments mit rund 28 Milliarden US-Dollar verwaltetem Kapital in Upstream, Midstream, LNG und Stromerzeugung. Vor Quantum gründete er Windrock Capital, das später von Macquarie übernommen wurde. Neugebauer hält einen B.B.A. in Finance der NYU.
Co-Founder und Director ist Rick Perry, von 2017 bis 2019 US-Energieminister unter Donald Trump und davor 15 Jahre lang Gouverneur von Texas. Als Energieminister verantwortete er ein Jahresbudget von 30 Milliarden US-Dollar und trieb die Modernisierung des US-Atomsektors voran. Seine politische Vernetzung dürfte für die regulatorischen Hürden des Projekts wertvoll werden, insbesondere bei NRC-Genehmigungen und der Trump-Administration. Auch sein Sohn Griffin Perry ist Co-Founder. Er führt Grey Rock Energy Partners und hat dort über eine Milliarde US-Dollar investiert sowie den 1,3-Milliarden-Dollar-Merger zu Granite Ridge Resources (NYSE: GRNT) geleitet.
Zwei operative Schlüsselfiguren ergänzen das Team. Larry Kellerman ist Chief Power Officer mit fast 40 Jahren Erfahrung im Energiegeschäft, davon Stationen als Senior Management Partner bei El Paso Corporation, Partner und Managing Director bei Goldman Sachs sowie CEO von Quantum Utility Generation. Mesut Uzman ist Chief Nuclear Construction Officer und brachte das 5,6-GW-Atomkraftwerk Barakah in den Vereinigten Arabischen Emiraten zur Inbetriebnahme. Davor war er Director of Engineering bei Westinghouse, dem Lieferanten der für Project Matador geplanten AP1000-Reaktoren.
Anders als bei vielen Tech-IPOs gibt es bei Fermi keine Dual-Class-Aktienstruktur. Jede Aktie hat eine Stimme. Allerdings gilt aufgrund des REIT-Status eine Eigentumsbeschränkung: Eine Person oder Einheit darf direkt oder indirekt nicht mehr als 2,5 Prozent der ausstehenden Aktien halten.
Branche
Der Markt, den Fermi adressiert, ist der wahrscheinlich am stärksten wachsende Infrastrukturmarkt der Welt. Laut Bloomberg Intelligence soll der globale Markt für Generative AI von 64 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf 457 Milliarden US-Dollar im Jahr 2027 wachsen. McKinsey schätzt den AI-Strombedarf von 55 GW im Jahr 2023 auf 219 GW im Jahr 2030. Insgesamt sollen rund 5,2 Billionen US-Dollar in zugehörige Infrastruktur fließen.
Die Engpassthese basiert auf einer einfachen Beobachtung: In den USA wachsen Stromnetz-Anschlusswarteschlangen über mehrere Jahre, in Texas (ERCOT) soll die Spitzenlast die Erzeugung bis 2030 um rund 17 Prozent übersteigen. Im traditionellen Tier-1-Datacenter-Markt Northern Virginia haben Versorger Moratorien verhängt, weil schlicht kein Strom mehr da ist. Hyperscaler suchen deshalb gezielt nach Standorten, an denen sie eigene Stromerzeugung mitbringen können, sogenannte Behind-the-Meter-Lösungen.
Direkte Wettbewerber gibt es wenige. Klassische Datacenter-REITs wie Equinix oder Digital Realty bauen Rechenzentren, kümmern sich aber nicht um die Stromerzeugung. Andere Powered-Land-Anbieter setzen meist auf einzelne Energiequellen, oft Erdgas mit Batterie-Backup, und bleiben kleiner. Fermi will mit dem geplanten Mix aus Erdgas, Kernkraft, Solar und Speicher eine größere und robustere Plattform bieten.
Regulatorisch helfen aktuelle US-Initiativen. Die Trump-Administration hat im Juli 2025 mit dem Executive Order zu "American AI Dominance" die Beschleunigung von AI-Infrastruktur und Atomkraft zur strategischen Priorität gemacht. Die NRC hat den COL-Antrag von Fermi für vier AP1000-Reaktoren bereits zur Bearbeitung angenommen, was als positives Signal gilt.
Produkte
Project Matador ist kein Produkt im klassischen Sinn, sondern ein gestaffelter Bauplan über fünf Phasen bis 2038. Das Herzstück ist der 99-jährige Pachtvertrag mit dem Texas Tech University System für ein 5.263 Acres großes Areal in Carson County, Texas. Der Energiemix bei Vollausbau soll so aussehen:
- •Erdgas (4,5 GW): Sechs Siemens-SGT-800-Gasturbinen plus eine Dampfturbine sind bereits gekauft und liefern rund 400 MW. Drei gebrauchte GE-6B-Turbinen plus eine GE-Dampfturbine kommen auf weitere 180 MW. Die Anlagen liegen am Panhandle-Hugoton-Gasfeld, einem der größten Erdgasfelder der USA, mit direkten Anschlüssen an die Pipelines von Energy Transfer und ONEOK.
- •Kernkraft (bis zu 6 GW): Geplant sind vier Westinghouse AP1000-Reaktoren mit jeweils 1 GW (insgesamt 4 GW) sowie zwei zusätzliche GW aus Small Modular Reactors. Die Combined License Application bei der NRC läuft seit Juni 2025. Bauzeit pro Reaktor: rund fünf Jahre nach Genehmigung.
- •Solar (1,75 GW): Auf angrenzenden Flächen geplant, hauptsächlich zur Reduktion des Erdgasverbrauchs in Spitzenzeiten.
- •Batteriespeicher: 1 MW x 4 Stunden Battery Energy Storage System für Spannungsstabilität und Lastmanagement.
Daneben hat Fermi 220 MW mobile GE-TM2500-Aggregate von Mobile Power Solutions geleast, um Phase 1 zu überbrücken, sowie eine vorläufige Vereinbarung mit der lokalen Versorgungsgesellschaft Southwestern Public Service über bis zu 200 MW Netzstrom. Memorandums of Understanding bestehen mit Hyundai E&C, Doosan und Samsung/KHNP für die Atomkraft-Komponente sowie mit Westinghouse direkt für die COL-Bearbeitung.
Konkrete Mietverträge mit Hyperscalern werden im S-11 nicht genannt. Phase 1 soll bis Ende 2026 etwa 1 GW Strom und eine Million Quadratfuß Datacenter-Fläche für bis zu zwei Anker-Mieter bereitstellen.
Outlook
Fermi steht und fällt mit der Frage, ob das Unternehmen liefern kann, was es verspricht. Der Plan ist sportlich: 1 GW Strom und eine Million Quadratfuß Datacenter-Fläche bis Ende 2026, was rund 2 Milliarden US-Dollar an Capex erfordert. Dafür hat Fermi im August 2025 rund 101,9 Millionen US-Dollar an Preferred Units ausgegeben (geführt von Macquarie) und einen 100-Millionen-US-Dollar Term Loan bei Macquarie Equipment Capital aufgenommen, der auf bis zu 250 Millionen US-Dollar erweitert werden kann. Der Großteil der Finanzierung soll aus dem IPO und nachfolgenden projektbezogenen Schuldfinanzierungen kommen.
Strategisch will Fermi sein Modell replizieren. Project Matador ist als Blaupause gedacht: Behind-the-Meter-Stromerzeugung, REIT-Struktur, langjährige Hyperscaler-Mieter. Sollte Phase 1 erfolgreich starten, sind weitere Standorte in den USA und international denkbar.
Die Risiken sind allerdings erheblich. Westinghouse-Reaktoren in den USA hatten in der Vergangenheit massive Kostenüberschreitungen. Die letzten beiden AP1000-Einheiten in Vogtle, Georgia, kamen rund sieben Jahre zu spät und mehr als doppelt so teuer wie geplant. Fermi argumentiert, dass das Bifurcated-Construction-Modell und der Owner-Directed-EPC-Ansatz das verhindern sollen, aber der Beweis steht aus. Bis zur Inbetriebnahme der ersten Reaktoreinheit dürften mindestens fünf Jahre nach NRC-Genehmigung vergehen, womit der erste Atomstrom frühestens Q3 2031 fließt.
Auch bei Phase 1 ist nicht alles in trockenen Tüchern. Die SPS-Vereinbarung über 200 MW Netzstrom ist noch nicht final unterzeichnet. Mietverträge mit Hyperscalern sind im S-11 nicht bestätigt, und der Macquarie Term Loan enthält eine Klausel, die einen 25-Prozent-Tilgungsanspruch auslöst, falls Fermi nicht innerhalb von neun Monaten nach Kreditabschluss einen kreditwürdigen 100-MW-Mietvertrag unterzeichnet.
Details zum IPO
Fermi plant ein Doppel-Listing an der Nasdaq Global Select Market und der London Stock Exchange unter dem Ticker FRMI. Das ist für einen US-IPO ungewöhnlich und soll vor allem internationale, insbesondere britische und europäische, Energieinvestoren einbinden. Emissionspreis und Volumen sind im S-11 noch nicht festgelegt.
Als Book-Running Manager wurden UBS Investment Bank, Cantor Fitzgerald und Mizuho mandatiert. Als Passive Bookrunners ergänzen Macquarie Capital, Stifel und Truist Securities das Konsortium. Den Underwriters wurde wie üblich eine Greenshoe-Option über 30 Tage eingeräumt.
Steuerlich will Fermi als REIT eingestuft werden, beginnend mit dem kurzen Steuerjahr zum 31. Dezember 2025. Damit muss das Unternehmen mindestens 90 Prozent seines steuerpflichtigen Einkommens als Dividende ausschütten und unterliegt diversen Strukturanforderungen. Die Eigentumsbeschränkung von 2,5 Prozent pro Investor ist eine direkte Folge der REIT-Anforderungen. Anders als bei klassischen REITs gibt es bei Fermi allerdings noch keine operativen Cashflows, sodass auf absehbare Zeit keine substantiellen Dividenden zu erwarten sind. Die REIT-Struktur ist hier eher ein zukünftiges Versprechen als eine aktuelle Ausschüttungsmaschine.
Bestehende Investoren der Preferred Units werden im Rahmen des IPO in Common Stock konvertiert. Anders als oft bei Tech-IPOs gibt es keine Dual-Class-Stimmrechtsstruktur. Fermi qualifiziert als Emerging Growth Company und kann reduzierte Berichtspflichten in Anspruch nehmen.
Bewertungskriterien
Strategische Lage am Panhandle-Hugoton-Gasfeld mit direkten Pipeline-Anschlüssen, plus 99-Jahre-Pachtvertrag mit Texas Tech University System
Politisch und operativ gut vernetztes Co-Founder-Team mit Rick Perry (Ex-US-Energieminister), Toby Neugebauer (Ex-Quantum, 28 Mrd. US-Dollar Track Record) und Mesut Uzman (Barakah, Westinghouse)
Long-Lead-Items bereits gesichert: 580 MW Gasturbinen-Kapazität gekauft, COL-Antrag für 4 GW Atomkraft bei NRC angenommen
Tax-effiziente REIT-Struktur und Doppel-Listing für breite Investorenbasis
Pre-Revenue Greenfield-Projekt: null Umsatz, Inception erst am 10. Januar 2025, sämtliche Einnahmen liegen Jahre in der Zukunft
Capex-Risiko enorm: rund 2 Mrd. US-Dollar allein für Phase 0+1, AP1000-Reaktoren historisch mit massiven Kostenüberschreitungen
Atomstrom frühestens Q3 2031, abhängig von NRC-Genehmigung mit ungewissem Ausgang
Tenant-Risiko ungeklärt: keine bestätigten Hyperscaler-Mietverträge im S-11, Macquarie-Loan koppelt Tilgung an Mietvertragsabschluss innerhalb von neun Monaten
