Fermi Aktie – Finanz-Börsengang 2025

Fermi Aktie

Marktkapitalisierung

-

KGV (P/E)

-

Gewinn/Aktie

-

Dividende

-

52W Hoch / Tief

-

IPO-Typ

IPO

Handelsstart

1.10.2025

Volumen

683 Mio. $

Emissionspreis

21,00 $

Seit Emission

-71.2%

Erstpreis

32,53 $

Seit Erstpreis

-81.4%

Kurs (EOD)

6,05 $

Schlusskurs

Overview

Fermi America entstand im Januar 2025 als Texas LLC im Panhandle-Städtchen Amarillo. Mitgründer waren der Energie-Investor Toby Neugebauer und der frühere US-Energieminister Rick Perry. Neugebauer hatte zuvor Quantum Energy Partners mitgegründet, einen großen Private-Equity-Fonds für Energieinvestments. Perry amtierte über 14 Jahre lang als Gouverneur von Texas und diente von 2017 bis 2019 unter Donald Trump als US-Energieminister. Zum Gründerteam gehören außerdem Energiemanager Larry Kellerman und Griffin Perry, der Sohn des Mitgründers und früherer Senior Advisor bei Grey Rock Investment Partners.

Die Idee hinter dem Unternehmen war, einen privaten Energie- und Datencampus auf Land zu errichten, das vom Texas Tech University System verwaltet wird und direkt neben Pantex liegt, der wichtigsten Atomwaffen-Montageanlage der USA. Schon kurz nach der Gründung schloss Fermi einen 99-jährigen Pachtvertrag mit Texas Tech und kündigte das Projekt Matador an, einen kombinierten Strom- und Datencampus im 11-Gigawatt-Maßstab. Statt als klassischer Energieversorger trat Fermi von Beginn an als Real Estate Investment Trust auf, der die Strominfrastruktur als Immobilieninvestment behandelt.

Die Entwicklung verlief ungewöhnlich schnell. Im Juni 2025 stellte das Unternehmen die Pläne öffentlich vor, im September folgte die Roadshow, im Oktober das Doppellisting an Nasdaq und London Stock Exchange. Schon kurz nach dem Börsengang geriet Fermi in eine Krise. Der erste angedachte Hyperscaler-Kunde zog im Dezember 2025 seine Absichtserklärung zurück. Im April 2026 traten Mitgründer und CEO Toby Neugebauer sowie CFO Miles Everson zurück, das Unternehmen rief eine Phase namens Fermi 2.0 aus und verlegte den Hauptsitz von Amarillo nach Dallas.

Management

Mitgründer Toby Neugebauer leitete Fermi America seit der Gründung im Januar 2025 als CEO und Vorsitzender des Verwaltungsrats. Im April 2026 trat er von beiden Posten zurück, blieb aber Boardmitglied und größter Einzelaktionär. Neugebauer studierte Finanzwesen an der New York University und begann seine Karriere als Investmentbanker bei Kidder Peabody. Sein Vater ist der frühere republikanische Kongressabgeordnete Randy Neugebauer aus Texas. Wenige Tage nach Neugebauers Rückzug verließ auch CFO Miles Everson seinen operativen Posten, blieb dem Board aber ebenfalls erhalten.

Die operative Führung übernahm im April 2026 ein neu geschaffenes Office of the CEO. Es wird gemeinsam von Jacobo Ortiz Blanes, dem bisherigen Chief Operating Officer, und Anna Bofa geführt, die zuvor als Beraterin im Verwaltungsrat saß und über Erfahrung bei Google und Meta verfügt. Die Personalberatung Heidrick & Struggles wurde mit der Suche nach einem dauerhaften CEO beauftragt. Den Vorsitz des Verwaltungsrats übernahm der unabhängige Direktor Marius Haas, der zuvor bei Dell Technologies in einer Spitzenposition tätig war. Mitgründer Rick Perry bleibt dem Board ebenso erhalten wie Larry Kellerman, der als Chief Power Supply Officer für die Strombeschaffung verantwortlich ist.

Finanzdaten

Branche

Fermi America operiert an der Schnittstelle zweier Wachstumsmärkte. Der Markt für KI-Rechenzentren wird laut Marktforschern wie Globe Newswire und Fortune Business Insights von rund 470 Milliarden Dollar im Jahr 2026 auf etwa zwei Billionen Dollar bis 2032 wachsen, mit jährlichen Steigerungsraten im hohen Zwanziger-Prozent-Bereich. Treiber sind generative KI, große Sprachmodelle und der explodierende Bedarf an spezialisierter Recheninfrastruktur. Der Stromhunger der Hyperscaler hat parallel dazu zu einem Engpass an verlässlicher Grundlastleistung geführt, der das US-Stromnetz an seine Grenzen bringt.

Die Konkurrenz im Bereich Strom für KI-Rechenzentren ist breit aufgestellt. Klassische Versorger wie Constellation Energy, Vistra und Talen Energy verkaufen Strom aus bestehenden Atomkraftwerken an Microsoft, Meta und Amazon. Spezialisten für Small Modular Reactors wie Oklo, TerraPower und X-Energy haben ebenfalls Großverträge mit den Hyperscalern abgeschlossen. Hinzu kommen Datacenter-REITs wie Equinix und Digital Realty, die seit Jahren auf das Geschäft mit kolokalisierten Rechenzentren spezialisiert sind. Fermi unterscheidet sich von diesen Anbietern durch seinen Bottom-up-Ansatz, also den parallelen Aufbau von Stromproduktion und Rechenzentrumsfläche auf einer einzigen Liegenschaft.

Der wesentliche Branchentrend ist die Verlagerung der Stromversorgung von Hyperscalern weg vom öffentlichen Netz hin zu sogenannten Behind-the-meter-Lösungen, also Stromproduktion direkt am Standort des Verbrauchers. Damit wollen die Tech-Konzerne die langen Wartezeiten an überlasteten Netzanschlusspunkten umgehen. Gleichzeitig schwankt die Bereitschaft der Hyperscaler, sich für 15 bis 20 Jahre an Stromlieferverträge zu binden, weil die in Rechenzentren eingesetzten KI-Chips schon nach drei bis fünf Jahren überholt sind. Diese Diskrepanz zwischen langlebiger Strominfrastruktur und kurzlebiger Hardware bremst den Vertragsabschluss bei Greenfield-Projekten wie Project Matador.

Produkte und Services

Das Kernprodukt von Fermi America ist der Project Matador Campus, ein rund 2.350 Hektar großes Areal im texanischen Panhandle nahe Amarillo. Auf dem Gelände sollen bis zu 18 Millionen Quadratfuß Rechenzentrumsfläche entstehen, die nach Vollausbau eine IT-Leistung von 11 Gigawatt aufnehmen können. Die Stromversorgung erfolgt über einen privaten, redundanten Verbund aus mehreren Energieträgern. Vier Westinghouse AP1000 Atomreaktoren bilden das langfristige Rückgrat, ergänzt durch eines der größten kombinierten Erdgas-Kraftwerke der USA, Solaranlagen und Batteriespeicher. Diese integrierte Infrastruktur vermarktet Fermi unter dem Markennamen HyperGrid.

Das Geschäftsmodell sieht vor, dass Fermi den Campus nicht selbst betreibt, sondern einzelne Datacenter-Flächen samt zugehöriger Stromkapazität an Hyperscaler, Chiphersteller oder andere Großabnehmer untervermietet. Die Erlöse sollen sich aus Mieteinnahmen, Strompreisen und langfristigen Kapazitätsverträgen zusammensetzen. Bis zur Fertigstellung der Atomreaktoren, die nicht vor 2032 erwartet wird, plant Fermi eine Übergangsphase mit überwiegend gasbasierter Stromerzeugung. Das erste Gigawatt soll nach Unternehmensangaben Ende 2026 ans Netz gehen.

Für die Realisierung hat Fermi eine Reihe internationaler Partnerschaften aufgebaut. Doosan Enerbility aus Südkorea liefert Komponenten mit langen Vorlaufzeiten wie Reaktor-Druckbehälter und Dampferzeuger. Korea Hydro & Nuclear Power und Samsung C&T sind in die Engineering-, Procurement- und Construction-Planung der nuklearen Anlagen eingebunden. Mit dem Isotopen-Spezialisten ASP Isotopes besteht eine Vereinbarung über die Versorgung mit High-Assay Low-Enriched Uranium, einem speziellen Kernbrennstoff für moderne Reaktoren. Im Februar 2025 erteilte die texanische Umweltbehörde TCEQ eine Genehmigung für rund 6 Gigawatt saubere Erdgaskapazität, eine zweite Genehmigung über weitere 5 Gigawatt wurde unmittelbar im Anschluss beantragt.

Technische Analyse

Details zum IPO

Fermi America bepreiste seinen Börsengang am 30. September 2025 mit 21 Dollar pro Aktie und damit oberhalb der Mitte der angepeilten Spanne von 18 bis 22 Dollar. Verkauft wurden 32,5 Millionen Aktien, dazu kamen 4,875 Millionen Aktien aus der vollständig ausgeübten Mehrzuteilungsoption. Insgesamt sammelte das Unternehmen damit rund 785 Millionen Dollar an Bruttoerlösen ein, das Basisvolumen vor Greenshoe lag bei 682,5 Millionen Dollar. Die Bewertung beim Listing belief sich auf rund 12,5 Milliarden Dollar. Konsortialführer waren UBS Investment Bank, Evercore ISI, Cantor Fitzgerald und Mizuho.

Eine Besonderheit des IPOs war das gleichzeitige Doppellisting an der Nasdaq und der London Stock Exchange unter dem Ticker FRMI. Der Handel an der Nasdaq begann am 1. Oktober 2025, an der LSE folgte er einen Tag später. Laut der beratenden Kanzlei Haynes Boone war es das erste simultane Doppellisting an Nasdaq und LSE in diesem Jahrhundert und einer der größten Börsengänge in der Geschichte der LSE. Am ersten Handelstag eröffnete die Aktie bei 25 Dollar, ein Plus von rund 19 Prozent gegenüber dem Emissionspreis. In den darauffolgenden Tagen kletterte die Marktkapitalisierung zeitweise auf rund 19 Milliarden Dollar.

Die Begeisterung hielt nicht lange. Im Dezember 2025 zog der erste größere Mietinteressent eine Vorab-Vereinbarung über 150 Millionen Dollar zurück, der Kurs fiel an einem einzigen Tag um rund ein Drittel. Bis April 2026 hatte sich der Börsenwert von Fermi gegenüber dem Hochpunkt deutlich reduziert. Den Druck verstärkten der Rücktritt des CEOs, der ausstehende Anchor-Tenant und die Skepsis institutioneller Investoren gegenüber pre-revenue Energieprojekten in dieser Größenordnung.

Outlook

Die strategische Hauptaufgabe für Fermi liegt darin, einen oder mehrere Anchor-Tenants für Project Matador zu gewinnen, ohne die das gesamte Vorhaben weder finanzierbar noch wirtschaftlich tragfähig ist. Die Phase Fermi 2.0 unter dem Office of the CEO setzt darauf, die Beziehungen zu akademischen und kommunalen Partnern zu vertiefen, neue Investoren ins Boot zu holen und gleichzeitig auf der Tenant-Seite Großverträge mit Hyperscalern oder Chipherstellern abzuschließen. Parallel dazu hat Fermi mit Mitsubishi UFJ Financial Group, Keystone National Group, CSG Investments und Yorkville Advisors einen Finanzierungsrahmen von mehr als einer Milliarde Dollar gesichert, der den Bau der ersten Phase abdecken soll.

Die wichtigsten Wachstumstreiber liegen im strukturellen Strombedarf der KI-Industrie und in der politischen Unterstützung für Atomkraft als Grundlast für Rechenzentren. Die größten Risiken sind die langen Bauzeiten der Westinghouse AP1000 Reaktoren mit Inbetriebnahme nicht vor 2032, der hohe Kapitalbedarf vor dem ersten Cashflow und die Frage, ob Hyperscaler bereit sind, sich auf 15 oder 20 Jahre an einen Standort im texanischen Panhandle zu binden. Mitgründer und Großaktionär Toby Neugebauer hat im Mai 2026 ein Sondertreffen der Aktionäre einberufen, das auch eine mögliche strategische Veräußerung oder Partnerschaft auf die Tagesordnung setzt.

Bewertungskriterien

+

99-jähriger Pachtvertrag mit dem Texas Tech University System sichert die Standortrechte langfristig

+

Politische Rückendeckung durch Mitgründer Rick Perry und enge Verbindung zur Trump-Administration

+

Erste Genehmigung für rund 6 Gigawatt saubere Erdgaskapazität von der TCEQ erteilt

+

Strukturell wachsender Markt für KI-Strominfrastruktur mit hohen prognostizierten Wachstumsraten

Pre-Revenue ohne unterzeichneten Anchor-Tenant nach mehreren gescheiterten Verhandlungen

Erster Hyperscaler-Interessent zog im Dezember 2025 die Vorab-Vereinbarung über 150 Millionen Dollar zurück

Rücktritt des CEOs Toby Neugebauer und des CFOs Miles Everson im April 2026 schaffen operative Unsicherheit

Erste Atomreaktoren frühestens 2032 betriebsbereit, hoher Kapitalbedarf bis dahin