Overview
Fermi America entstand im Januar 2025 als Texas LLC im Panhandle-Städtchen Amarillo. Mitgründer waren der Energie-Investor Toby Neugebauer und der frühere US-Energieminister Rick Perry. Neugebauer hatte zuvor Quantum Energy Partners mitgegründet, einen großen Private-Equity-Fonds für Energieinvestments. Perry amtierte über 14 Jahre lang als Gouverneur von Texas und diente von 2017 bis 2019 unter Donald Trump als US-Energieminister. Zum Gründerteam gehören außerdem Energiemanager Larry Kellerman und Griffin Perry, der Sohn des Mitgründers und früherer Senior Advisor bei Grey Rock Investment Partners.
Die Idee hinter dem Unternehmen war, einen privaten Energie- und Datencampus auf Land zu errichten, das vom Texas Tech University System verwaltet wird und direkt neben Pantex liegt, der wichtigsten Atomwaffen-Montageanlage der USA. Schon kurz nach der Gründung schloss Fermi einen 99-jährigen Pachtvertrag mit Texas Tech und kündigte das Projekt Matador an, einen kombinierten Strom- und Datencampus im 11-Gigawatt-Maßstab. Statt als klassischer Energieversorger trat Fermi von Beginn an als Real Estate Investment Trust auf, der die Strominfrastruktur als Immobilieninvestment behandelt.
Die Entwicklung verlief ungewöhnlich schnell. Im Juni 2025 stellte das Unternehmen die Pläne öffentlich vor, im September folgte die Roadshow, im Oktober das Doppellisting an Nasdaq und London Stock Exchange. Schon kurz nach dem Börsengang geriet Fermi in eine Krise. Der erste angedachte Hyperscaler-Kunde zog im Dezember 2025 seine Absichtserklärung zurück. Im April 2026 traten Mitgründer und CEO Toby Neugebauer sowie CFO Miles Everson zurück, das Unternehmen rief eine Phase namens Fermi 2.0 aus und verlegte den Hauptsitz von Amarillo nach Dallas.
Management
Mitgründer Toby Neugebauer leitete Fermi America seit der Gründung im Januar 2025 als CEO und Vorsitzender des Verwaltungsrats. Im April 2026 trat er von beiden Posten zurück, blieb aber Boardmitglied und größter Einzelaktionär. Neugebauer studierte Finanzwesen an der New York University und begann seine Karriere als Investmentbanker bei Kidder Peabody. Sein Vater ist der frühere republikanische Kongressabgeordnete Randy Neugebauer aus Texas. Wenige Tage nach Neugebauers Rückzug verließ auch CFO Miles Everson seinen operativen Posten, blieb dem Board aber ebenfalls erhalten.
Die operative Führung übernahm im April 2026 ein neu geschaffenes Office of the CEO. Es wird gemeinsam von Jacobo Ortiz Blanes, dem bisherigen Chief Operating Officer, und Anna Bofa geführt, die zuvor als Beraterin im Verwaltungsrat saß und über Erfahrung bei Google und Meta verfügt. Die Personalberatung Heidrick & Struggles wurde mit der Suche nach einem dauerhaften CEO beauftragt. Den Vorsitz des Verwaltungsrats übernahm der unabhängige Direktor Marius Haas, der zuvor bei Dell Technologies in einer Spitzenposition tätig war. Mitgründer Rick Perry bleibt dem Board ebenso erhalten wie Larry Kellerman, der als Chief Power Supply Officer für die Strombeschaffung verantwortlich ist.
Finanzdaten
Branche
Fermi America operiert an der Schnittstelle zweier Wachstumsmärkte. Der Markt für KI-Rechenzentren wird laut Marktforschern wie Globe Newswire und Fortune Business Insights von rund 470 Milliarden Dollar im Jahr 2026 auf etwa zwei Billionen Dollar bis 2032 wachsen, mit jährlichen Steigerungsraten im hohen Zwanziger-Prozent-Bereich. Treiber sind generative KI, große Sprachmodelle und der explodierende Bedarf an spezialisierter Recheninfrastruktur. Der Stromhunger der Hyperscaler hat parallel dazu zu einem Engpass an verlässlicher Grundlastleistung geführt, der das US-Stromnetz an seine Grenzen bringt.
Die Konkurrenz im Bereich Strom für KI-Rechenzentren ist breit aufgestellt. Klassische Versorger wie Constellation Energy, Vistra und Talen Energy verkaufen Strom aus bestehenden Atomkraftwerken an Microsoft, Meta und Amazon. Spezialisten für Small Modular Reactors wie Oklo, TerraPower und X-Energy haben ebenfalls Großverträge mit den Hyperscalern abgeschlossen. Hinzu kommen Datacenter-REITs wie Equinix und Digital Realty, die seit Jahren auf das Geschäft mit kolokalisierten Rechenzentren spezialisiert sind. Fermi unterscheidet sich von diesen Anbietern durch seinen Bottom-up-Ansatz, also den parallelen Aufbau von Stromproduktion und Rechenzentrumsfläche auf einer einzigen Liegenschaft.
Der wesentliche Branchentrend ist die Verlagerung der Stromversorgung von Hyperscalern weg vom öffentlichen Netz hin zu sogenannten Behind-the-meter-Lösungen, also Stromproduktion direkt am Standort des Verbrauchers. Damit wollen die Tech-Konzerne die langen Wartezeiten an überlasteten Netzanschlusspunkten umgehen. Gleichzeitig schwankt die Bereitschaft der Hyperscaler, sich für 15 bis 20 Jahre an Stromlieferverträge zu binden, weil die in Rechenzentren eingesetzten KI-Chips schon nach drei bis fünf Jahren überholt sind. Diese Diskrepanz zwischen langlebiger Strominfrastruktur und kurzlebiger Hardware bremst den Vertragsabschluss bei Greenfield-Projekten wie Project Matador.
Produkte und Services
Das Kernprodukt von Fermi America ist der Project Matador Campus, ein rund 2.350 Hektar großes Areal im texanischen Panhandle nahe Amarillo. Auf dem Gelände sollen bis zu 18 Millionen Quadratfuß Rechenzentrumsfläche entstehen, die nach Vollausbau eine IT-Leistung von 11 Gigawatt aufnehmen können. Die Stromversorgung erfolgt über einen privaten, redundanten Verbund aus mehreren Energieträgern. Vier Westinghouse AP1000 Atomreaktoren bilden das langfristige Rückgrat, ergänzt durch eines der größten kombinierten Erdgas-Kraftwerke der USA, Solaranlagen und Batteriespeicher. Diese integrierte Infrastruktur vermarktet Fermi unter dem Markennamen HyperGrid.
Das Geschäftsmodell sieht vor, dass Fermi den Campus nicht selbst betreibt, sondern einzelne Datacenter-Flächen samt zugehöriger Stromkapazität an Hyperscaler, Chiphersteller oder andere Großabnehmer untervermietet. Die Erlöse sollen sich aus Mieteinnahmen, Strompreisen und langfristigen Kapazitätsverträgen zusammensetzen. Bis zur Fertigstellung der Atomreaktoren, die nicht vor 2032 erwartet wird, plant Fermi eine Übergangsphase mit überwiegend gasbasierter Stromerzeugung. Das erste Gigawatt soll nach Unternehmensangaben Ende 2026 ans Netz gehen.
Für die Realisierung hat Fermi eine Reihe internationaler Partnerschaften aufgebaut. Doosan Enerbility aus Südkorea liefert Komponenten mit langen Vorlaufzeiten wie Reaktor-Druckbehälter und Dampferzeuger. Korea Hydro & Nuclear Power und Samsung C&T sind in die Engineering-, Procurement- und Construction-Planung der nuklearen Anlagen eingebunden. Mit dem Isotopen-Spezialisten ASP Isotopes besteht eine Vereinbarung über die Versorgung mit High-Assay Low-Enriched Uranium, einem speziellen Kernbrennstoff für moderne Reaktoren. Im Februar 2025 erteilte die texanische Umweltbehörde TCEQ eine Genehmigung für rund 6 Gigawatt saubere Erdgaskapazität, eine zweite Genehmigung über weitere 5 Gigawatt wurde unmittelbar im Anschluss beantragt.
