Intapp IPO: Die Industry Cloud, die Anwaltskanzleien und Hedgefonds endlich modernisiert

Intapp ist ein cloud-nativer SaaS-Anbieter aus Palo Alto, der professionelle Dienstleistungsfirmen wie Anwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfer und Private-Equity-Fonds mit einer einheitlichen KI-Plattform ausstattet. Das Unternehmen bedient über 1.600 Kunden weltweit, darunter 96 der Top-100-Anwaltskanzleien und 7 der 8 größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, und kommt auf einen ARR von 201 Millionen US-Dollar mit 89% wiederkehrenden Einnahmen.
Overview
Anwaltskanzleien und Investmentbanken haben ein gemeinsames Problem: Sie jonglieren seit Jahrzehnten mit einem Flickenteppich aus veralteten, schlecht vernetzten Systemen. Beziehungsmanagement hier, Compliance-Prüfung dort, Abrechnung irgendwo anders. Wer schon mal in einer Großkanzlei gearbeitet hat, kennt das. Intapp will genau das ändern.
Das Unternehmen wurde 2012 als Delaware Corporation unter dem Namen LegalApp Holdings gegründet und hat seinen Sitz in Palo Alto, Kalifornien. Im Februar 2021 erfolgte die Umbenennung in Intapp, Inc. Kurz darauf, im Juni 2021, reichte das Unternehmen seinen S-1 bei der SEC ein und plant die Erstnotiz am Nasdaq Global Market unter dem Ticker-Symbol INTA.
Der Börsengang kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Cloud-Technologie in der Finanz- und Rechtsbranche endgültig akzeptiert wird. Jahrzehntelang haben diese Firmen entweder auf intern entwickelte Systeme oder schwerfällige Legacy-Software gesetzt. Intapp positioniert sich als die einzige wirklich branchenspezifische, KI-gestützte End-to-End-Plattform für genau dieses Segment und profitiert von einem Markt im Umbruch.
Management zum Zeitpunkt des IPOs
CEO John Hall führt Intapp seit mehreren Jahren und hat das Unternehmen auf seinen aktuellen Wachstumskurs gebracht. Das Führungsteam bringt nach eigenen Angaben zwei Jahrzehnte gemeinsamer Erfahrung in der Bedienung des professionellen Dienstleistungsmarkts mit. Zu den größten Investoren gehören Anderson Investments Pte. Ltd. aus Singapur, ein Investmentvehikel mit einem Portfolio von rund 230 Milliarden US-Dollar, sowie Great Hill Partners aus Boston.
Die Aktienstruktur nach dem Börsengang ist vergleichsweise fair: Es gibt nur eine Aktiengattung mit je einer Stimme pro Aktie. Das ist im Vergleich zu vielen anderen Tech-IPOs ungewöhnlich unkompliziert. Allerdings werden Anderson und Great Hill Partners nach dem Börsengang zusammen die Mehrheit der Stimmrechte halten, was neuen Aktionären wenig direkten Einfluss auf strategische Entscheidungen lässt.
Branche
Der adressierbare Markt ist gewaltig. Intapp schätzt, dass Anwaltskanzleien, Private-Capital-Firmen, Investmentbanken, Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater zusammen rund 3 Billionen US-Dollar an globalen Jahresumsätzen generieren. Der gesamte adressierbare Markt für Business-Software in diesem Segment liegt laut Intapp bei etwa 23,9 Milliarden US-Dollar. Der serviceable addressable market (SAM, also der mit den aktuellen Produkten erreichbare Teil) beläuft sich auf rund 9,6 Milliarden US-Dollar.
Die wichtigsten Treiber sind bekannt: Cloud-Adoption beschleunigt sich, regulatorischer Druck auf Compliance und Reporting steigt, und eine neue Generation von Entscheidern in diesen Firmen erwartet moderne, intuitive Software. Wettbewerber sind vor allem klassische Point-Solution-Anbieter, die einzelne Funktionen wie CRM oder Risikomanagement abdecken, aber keine durchgängige Plattform liefern. Intapp sieht sich als einzigen Anbieter, der eine echte cloud-native End-to-End-Lösung für dieses Segment bietet.
Der Markt ist stabil und wenig konjunkturanfällig. Großkanzleien und Hedgefonds ändern ihre Kernsysteme selten und wenn, dann ist der Wechsel ein mehrjähriger Prozess. Das bedeutet hohe Eintrittsbarrieren für Wettbewerber und gleichzeitig sehr lange Kundenbeziehungen für bestehende Anbieter.
Produkte
Intapp bietet zwei Kernlösungen auf einer gemeinsamen Plattform:
- •DealCloud: Deal- und Beziehungsmanagement für Finanzdienstleister. Die Lösung deckt Kundenbeziehungen, Investmentpipeline, Deal-Prozesse und Compliance ab. Kunden wie The Carlyle Group und Hamilton Lane setzen DealCloud ein, um ihre globalen Deal-Teams zu vernetzen und Investmententscheidungen datenbasiert zu treffen.
- •OnePlace: Lifecycle-Management für professionelle Dienstleister. Die Lösung verbessert Kundenstrategie, Business Development und Auftragsdurchführung. Kunden wie KPMG UK und Baker McKenzie nutzen OnePlace als einen der zentralen Pfeiler ihrer digitalen Transformation.
Beide Lösungen laufen auf der Intapp Platform, die drei Kernfähigkeiten vereint: eine low-code konfigurierbare Benutzeroberfläche mit branchenspezifischen Templates, KI-Funktionen für hochwertige Anwendungsfälle, und eine spezialisierte Datenarchitektur auf Basis eines Industry-Graph-Modells. Dazu kommen über 100 branchenspezifische Konnektoren für die Integration mit bestehenden Systemen.
Das Unternehmen bedient über 1.600 Kunden, darunter 96 der Am Law 100 Kanzleien, 7 der 8 größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und über 900 Private-Capital- und Investmentbanking-Firmen. Kein einzelner Kunde macht mehr als 3% des Umsatzes aus, was eine gesunde Diversifikation bedeutet. Mehr als 20 Kunden haben Verträge über 1 Million US-Dollar ARR.
Outlook
Die Wachstumsstrategie ist klar und klassisch: bestehende Kunden zum Kauf weiterer Module bewegen, neue Kunden gewinnen und geografisch expandieren. Intapp schätzt, dass allein wenn die 100 größten Kunden die Plattform vollständig ausrollen würden, das einer zusätzlichen ARR-Chance von über 1 Milliarde US-Dollar entsprechen würde.
Die Zahlen zeigen solides Momentum. Der ARR lag zum 31. März 2021 bei 201 Millionen US-Dollar, ein Anstieg von 22% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Cloud-ARR wuchs im gleichen Zeitraum um 52% auf 99,2 Millionen US-Dollar. 89% der Gesamteinnahmen sind wiederkehrend. Der Gesamtumsatz für die neun Monate bis März 2021 betrug 153,4 Millionen US-Dollar, was einem Anstieg von 10% gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Das Unternehmen ist noch nicht profitabel nach GAAP: Der Nettoverlust lag im Geschäftsjahr 2020 bei 45,9 Millionen US-Dollar und für die neun Monate bis März 2021 bei 30,9 Millionen US-Dollar. Auf Non-GAAP-Basis zeigt sich aber bereits ein positives operatives Ergebnis von 7,4 Millionen US-Dollar für die neun Monate bis März 2021. Der Weg zur GAAP-Profitabilität hängt maßgeblich davon ab, wie stark das Unternehmen weiter in Vertrieb und Forschung investiert. Dazu kommt: Im Zusammenhang mit dem Börsengang wird ein erheblicher Stock-based Compensation Aufwand das Ergebnis belasten.
Details zum IPO
Intapp plant die Erstnotiz am Nasdaq Global Market unter dem Ticker-Symbol INTA. Emissionspreis und genaue Aktienanzahl wurden im S-1 noch nicht festgelegt, das maximale Emissionsvolumen ist laut Deckblatt auf 100 Millionen US-Dollar angesetzt. Die Erlöse sollen für allgemeine Unternehmenszwecke eingesetzt werden, darunter die Rückzahlung von Teilen der bestehenden Kreditlinie sowie mögliche Akquisitionen.
Als Konsortialführer wurden J.P. Morgan, BofA Securities und Credit Suisse mandatiert, ergänzt durch Piper Sandler, Raymond James, Oppenheimer, Stifel und Truist Securities. Die Aktienstruktur sieht eine einfache Aktiengattung mit einer Stimme pro Aktie vor. Bestehende Investoren Anderson Investments und Great Hill Partners werden nach dem Börsengang weiterhin signifikante Stimmrechtsanteile halten. Darüber hinaus wurde am 1. Juni 2021, kurz vor dem IPO, das britische Unternehmen Repstor Limited für rund 16 Millionen Pfund erworben, inklusive möglicher Earn-out-Zahlungen von bis zu 20,5 Millionen Pfund.
Bewertungskriterien
89% wiederkehrende Einnahmen und ARR-Wachstum von 22% auf 201 Millionen US-Dollar zeigen ein stabiles, skalierbares Geschäftsmodell
Marktführende Kundenbasis mit 96 der Top-100-Anwaltskanzleien und 7 der 8 größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften schafft hohe Wechselbarrieren
Cloud-ARR wächst mit 52% deutlich schneller als das Gesamtgeschäft und signalisiert erfolgreiche Transformation zum reinen SaaS-Modell
Adressierbarer Markt von 9,6 Milliarden US-Dollar SAM ist noch stark untererschlossen, Intapp hat erst rund 2% davon erfasst
Noch keine GAAP-Profitabilität, Nettoverlust von 45,9 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2020, kein konkretes Profitabilitätsdatum kommuniziert
Bestehende Investoren Anderson und Great Hill Partners behalten nach dem IPO die Stimmrechtsmehrheit, neue Aktionäre haben faktisch kaum Einfluss
Wachstumsrate von 10% beim Gesamtumsatz in den neun Monaten bis März 2021 liegt deutlich unter dem historischen Tempo, mögliche Abschwächung
Zielmarkt konzentriert sich stark auf Großkanzleien und Hedgefonds, die bei Systemwechseln extrem zurückhaltend und langsam sind