Krispy Kreme IPO 2021: Donut-Ikone strebt an die Nasdaq

Krispy Kreme vor dem Börsengang an der Nasdaq (DNUT): 1,3 Mrd. verkaufte Donuts, 8.275 Standorte in 30 Ländern und Insomnia Cookies im Portfolio.

Overview

Krispy Kreme ist zurück auf dem Weg an die Börse. Das 1937 in Winston-Salem gegründete Donut-Unternehmen hat seine S-1-Unterlagen bei der SEC eingereicht und plant die Erstnotiz an der Nasdaq unter dem Ticker DNUT. Federführend begleiten J.P. Morgan, Morgan Stanley, BofA Securities und Citigroup den Börsengang.

Für viele Anleger ist das ein Comeback. Krispy Kreme war schon einmal an der Börse, wurde aber 2016 von der Beteiligungsgesellschaft JAB Holding für rund 1,35 Milliarden US-Dollar übernommen und von der Börse genommen. In den fünf Jahren danach hat JAB das Unternehmen umgebaut: weg vom klassischen Wholesale-Geschäft, hin zu einem Omnichannel-Modell mit eigenen Theater Shops, Liefercontainern in Supermärkten, E-Commerce und einer neuen verpackten Produktlinie. Dazu kam 2018 der Mehrheitskauf von Insomnia Cookies, einer digital-first Cookie-Marke.

Der Zeitpunkt fühlt sich konsequent an. Krispy Kreme hat 2020 trotz Pandemie den höchsten Umsatz der Firmengeschichte erzielt, der Net Revenue lag bei 1,12 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig drückt das Unternehmen eine Schuldenlast von rund 1,2 Milliarden US-Dollar. Ein Großteil der IPO-Erlöse soll genau in den Abbau dieser Schulden fließen.

Management zum Zeitpunkt des IPOs

An der Spitze von Krispy Kreme steht CEO Michael Tattersfield. Er führt das Unternehmen durch den Turnaround unter JAB und verantwortet die Verlagerung zum Omnichannel-Modell, den Aufbau der Branded Sweet Treat Line und die Integration von Insomnia Cookies.

Die Eigentümerstruktur bleibt nach dem IPO klar von JAB Holding dominiert. JAB wird über eine Tochtergesellschaft auch nach dem Börsengang die Stimmrechtsmehrheit halten. Krispy Kreme wird damit als sogenannte Controlled Company nach den Nasdaq-Regeln geführt, das heißt der Mehrheitseigner kann zentrale Unternehmensentscheidungen weitgehend allein treffen. Anders als bei vielen jüngeren Tech-IPOs gibt es allerdings keine Dual-Class-Struktur (zwei Aktienklassen mit unterschiedlichen Stimmrechten). Krispy Kreme plant nur eine einzige Aktienklasse mit einem Stimmrecht pro Aktie. Die Kontrolle liegt schlicht über die Anteilshöhe bei JAB.

Branche

Krispy Kreme spielt im sogenannten Indulgence-Markt, also dem globalen Markt für Süßwaren und kleine Genussmomente. Das Unternehmen schätzt das adressierbare Volumen auf rund 650 Milliarden US-Dollar weltweit. Interessant für Anleger: Die Kategorie hat sich historisch als rezessionsresistent erwiesen. Während der Finanzkrise wuchs der Markt zwischen 2007 und 2009 mit rund 4,0% pro Jahr, in der Pandemiephase zwischen 2019 und 2020 mit 4,3%. Laut Krispy Kreme genießen 97% aller Konsumenten zumindest gelegentlich eine süße Belohnung.

Der Wettbewerb ist trotzdem hart. Im stationären Geschäft konkurriert Krispy Kreme mit anderen Donut- und Backwarenketten, Coffee-Shops wie Starbucks und Dunkin', Quick-Service-Restaurants sowie Convenience- und Lebensmittelmärkten. Die neue Branded Sweet Treat Line, also die verpackten Krispy Kreme Snacks für den Lebensmitteleinzelhandel, tritt direkt gegen Eigenmarken der Supermärkte und etablierte Snack-Marken an. Dort sind die Margen typischerweise dünner als im eigenen Shop-Geschäft.

Als Gegenwind nennt Krispy Kreme im S-1 vor allem den Trend zu gesünderer Ernährung. Sollten Konsumenten dauerhaft weniger zuckerhaltige Produkte kaufen, würde das direkt auf die Umsätze drücken. Auch regulatorische Eingriffe wie verpflichtende Nährwertkennzeichnungen oder Zuckersteuern in einzelnen Märkten sind ein Risiko, das das Unternehmen offen anspricht.

Produkte

Krispy Kreme verkauft seine Produkte über mehrere parallel laufende Vertriebskanäle. Das Modell heißt intern Hub & Spoke: Wenige Produktionsstandorte beliefern viele kleinere Verkaufsstellen.

  • Hot Light Theater Shops: Die ikonischen Erlebnis-Shops mit der Glasur-Wasserfall-Produktion und dem berühmten "Hot Now"-Schild. 87% der US-Standorte haben einen Drive-Thru. Diese Shops sind gleichzeitig Produktionsstätte und Markenbotschafter.
  • Fresh Shops: Kleinere Verkaufsstellen ohne eigene Produktion, die täglich frisch beliefert werden.
  • Delivered Fresh Daily (DFD): Krispy Kreme Donut-Vitrinen in Lebensmittel- und Convenience-Märkten. Über 4.700 Türen in den USA und Kanada, weitere 2.100 international. Das ehemalige Wholesale-Geschäft wurde gezielt umgebaut.
  • E-Commerce und Lieferung: 18% des US-Umsatzes liefen 2020 digital, sowohl über die eigene Plattform als auch über Drittanbieter-Lieferdienste.
  • Branded Sweet Treat Line: Neue Produktlinie aus neun verpackten, haltbaren Snacks für den Einzelhandel. Aktuell nur in den USA, internationale Expansion ist geplant.
  • Insomnia Cookies: Eigene Cookie-Marke mit 191 Standorten zum Stichtag 4. April 2021. Über 65 Millionen Cookies verkauft im Geschäftsjahr 2020, 54% des Umsatzes über E-Commerce. Krispy Kreme hat 2018 eine Mehrheit von 74,7% übernommen.

Insgesamt erreicht Krispy Kreme so 8.275 globale Verkaufsstellen zum Bilanzstichtag des Geschäftsjahres 2020 und 9.077 zum Stichtag 4. April 2021. Das Unternehmen ist in 30 Ländern vertreten, ein Drittel der Umsätze kommt von außerhalb der USA und Kanada.

Outlook

Krispy Kreme verfolgt vier strategische Wachstumshebel: mehr Konsumanlässe pro Kunde, Ausbau des Omnichannel-Netzwerks, Wachstum von Insomnia Cookies und Effizienzgewinne im Hub & Spoke Modell. Im Schnitt besucht ein Krispy-Kreme-Kunde die Marke laut S-1 weniger als drei Mal pro Jahr. Da sieht das Unternehmen viel Luft nach oben.

Geografisch will Krispy Kreme in den USA wichtige Märkte wie New York, Chicago, Boston und Minneapolis stärker bespielen, wo die Markenbekanntheit hoch ist, die Präsenz aber noch dünn. International stehen China, Brasilien und Teile Westeuropas auf der Liste. Parallel soll die Branded Sweet Treat Line den Einstieg in das Snack-Regal des Lebensmitteleinzelhandels vorantreiben und Insomnia Cookies in weitere Metropolen expandieren.

Beim Blick auf die Profitabilität wird es spannend. Der GAAP-Nettoverlust lag im Geschäftsjahr 2020 bei 60,9 Millionen US-Dollar, das Adjusted EBITDA aber bei 152,9 Millionen US-Dollar und der Adjusted Net Income bei 47,9 Millionen US-Dollar. Der GAAP-Verlust wird stark von Zinsaufwendungen, Abschreibungen und Sonderkosten geprägt. Operativ flossen 2020 trotzdem 28,7 Millionen US-Dollar Cash zu, im ersten Quartal 2021 bereits 40,6 Millionen. Wir finden: Der Weg zur GAAP-Profitabilität hängt entscheidend an der Schuldentilgung nach dem IPO. Solange die Zinsbelastung so hoch bleibt, wird das Nettoergebnis gedrückt.

Risiken bleiben. Die hohe Verschuldung, die Abhängigkeit von einer einzigen Mix-Konzentratproduktion in Winston-Salem, der Konzentrationsrisiken im DFD-Großkundengeschäft und die langfristige Frage, wie sich Konsumtrends Richtung Gesundheit auf eine Donut-Marke auswirken. All das steht im Risikoteil des S-1 und sollte vor einem Investment ehrlich abgewogen werden.

Details zum IPO

Krispy Kreme plant die Erstnotiz an der Nasdaq unter dem Ticker DNUT. Emissionspreis und Volumen sind im S-1 noch nicht festgelegt. Das Unternehmen hat zur Berechnung der Registrierungsgebühr ein vorläufiges Maximum-Offering-Volumen von 100 Millionen US-Dollar genannt. Das ist ein Platzhalter, das tatsächliche Emissionsvolumen wird üblicherweise erst kurz vor der Preisfestsetzung im finalen Prospekt veröffentlicht.

Als Konsortialführer (Lead Book-Running Managers) wurden J.P. Morgan, Morgan Stanley, BofA Securities und Citigroup mandatiert. Daneben begleiten unter anderem BNP Paribas, Deutsche Bank Securities, Evercore ISI, Goldman Sachs, HSBC, Truist Securities und Wells Fargo Securities den Börsengang als Joint Book-Running Managers.

Die Eigentümerstruktur ist klar. JAB Holding bleibt über eine Tochter Mehrheitseigner und Krispy Kreme wird als Controlled Company unter den Nasdaq-Regeln geführt. Es wird nur eine einzige Aktienklasse geben, jede Aktie hat ein Stimmrecht. Die Erlöse aus dem IPO sollen vor allem in die Tilgung von Schulden fließen, konkret in den revolvierenden Teil der 2019er Kreditfazilität sowie in die sogenannten Related Party Notes in Höhe von rund 350,1 Millionen US-Dollar. Was übrig bleibt, geht in allgemeine Unternehmenszwecke.

Erwähnenswert: Krispy Kreme plant nach dem Börsengang vierteljährliche Bardividenden. Höhe und Stichtag der ersten Dividende werden im finalen Prospekt veröffentlicht.

Bewertungskriterien

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Etablierte globale Marke mit 94% gestützter Markenbekanntheit in den getrackten Märkten und 1,3 Milliarden verkauften Donuts im Geschäftsjahr 2020

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Net-Revenue-CAGR von 19,1% zwischen Geschäftsjahr 2016 und 2020, Wachstum auch durch die Pandemie hindurch

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Diversifiziertes Omnichannel-Modell aus 8.275 Verkaufsstellen, E-Commerce, neuer Branded Sweet Treat Line und der digitalen Marke Insomnia Cookies

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Historisch rezessionsresistente Indulgence-Kategorie mit positivem Wachstum sowohl in der Finanzkrise als auch in der Pandemie

Hohe Verschuldung von rund 1,2 Milliarden US-Dollar, IPO-Erlöse fließen primär in die Schuldentilgung statt in Wachstum

GAAP-Nettoverlust von 60,9 Millionen US-Dollar in 2020, positive Profitabilität nur über Non-GAAP-Kennzahlen wie Adjusted EBITDA und Adjusted Net Income

Controlled Company unter JAB Holding, Streubesitz hat faktisch keinen Einfluss auf zentrale Unternehmensentscheidungen

Strukturelle Konsumtrends Richtung gesündere Ernährung sowie regulatorische Risiken wie Zuckersteuern und Nährwertkennzeichnung als langfristiger Gegenwind