Vernon Rudolph eröffnete am 13. Juli 1937 den ersten Krispy-Kreme-Laden in der historischen Altstadt von Winston-Salem, North Carolina. Er hatte das Rezept für einen hefebasierten Donut von einem französischen Koch aus New Orleans erworben und begann, seine Ware zunächst an lokale Lebensmittelläden zu verkaufen. Als der Geruch der frisch gebackenen Donuts Passanten auf die Straße lockte, schnitt Rudolph kurzerhand ein Loch in die Außenwand seines Gebäudes und verkaufte direkt an die Laufkundschaft. Aus einem Großhandelslieferanten wurde damit fast zufällig eine Erlebnismarke.
In den folgenden Jahrzehnten expandierte Krispy Kreme durch das Südostende der USA. Das Unternehmen entwickelte eigene Produktionsmaschinen und ein zentrales Mischwerk, das alle Filialen mit identischem Teigpulver belieferte, um Qualität und Konsistenz zu sichern. Im Jahr 2000 ging Krispy Kreme erstmals an die Börse. Die Expansion verlief in der Folge zu aggressiv, die Bilanz geriet unter Druck, und 2016 übernahm die luxemburgische Beteiligungsgesellschaft JAB Holding das Unternehmen für rund 1,35 Milliarden Dollar und nahm es vom Markt.
Unter JAB wurde das Geschäftsmodell grundlegend umgebaut. Weg von großflächigem Retail-Wachstum, hin zu einem kapitaleffizienten Hub-and-Spoke-Modell: Große Produktionsbäckereien beliefern täglich Supermarktregale, Convenience-Stores, Kioske und Lieferpartner mit frischen Donuts. Dieses sogenannte Delivered-Fresh-Daily-Konzept (DFD) wurde zum strategischen Kern des Unternehmens, bevor Krispy Kreme 2021 erneut den Weg an die Börse antrat.
Josh Charlesworth übernahm zum 1. Januar 2024 den Posten des President und CEO von Krispy Kreme. Er kam 2017 als CFO zu dem Unternehmen und durchlief seitdem mehrere Führungsrollen, darunter COO und Global President. Charlesworth bringt jahrzehntelange Erfahrung im Management von Konsumgütermarken mit. Sein Vorgänger Michael Tattersfield, der Krispy Kreme seit 2017 geführt und das Hub-and-Spoke-Modell maßgeblich aufgebaut hatte, blieb dem Unternehmen als Board-Mitglied und Markenbotschafter erhalten. Unter Tattersfields Führung wuchs der Jahresumsatz von rund 550 Millionen Dollar im Jahr 2016 auf über 1,5 Milliarden Dollar.
Boardvorsitzender ist Olivier Goudet, der als CEO von JAB Holding eine zentrale Rolle in der strategischen Steuerung des Unternehmens spielt und bereits beim Börsengang 2021 persönlich Anteile erwarb. Als CFO fungiert seit 2024 Jeremiah Ashukian, der zuvor verschiedene Finanzfunktionen innerhalb des Unternehmens bekleidet hatte.
Krispy Kreme bewegt sich im globalen Donut- und Backwarenmarkt, der allein in den USA auf rund 9 bis 10 Milliarden Dollar Jahresumsatz geschätzt wird. Weltweit übersteigt das Segment die Zwölf-Milliarden-Dollar-Marke. Wachstumstreiber sind der anhaltende Trend zur Snackification (das Ersetzen klassischer Mahlzeiten durch kleinere Genussmomente), steigende Nachfrage nach emotionalen Impulskäufen und die zunehmende Bedeutung von Lieferdiensten und digitalen Bestellkanälen.
Der stärkste direkte Konkurrent ist Dunkin', mit über 13.000 Standorten weltweit und einem klaren Fokus auf Kaffee und schnellen Frühstückssnacks. Tim Hortons, die kanadische Kette unter dem Dach von Restaurant Brands International, ist ebenfalls ein relevanter Wettbewerber, vor allem in Nordamerika. Im breiteren Snackumfeld konkurriert Krispy Kreme mit Supermarkt-Eigenmarken, Bäckereiketten und Impulskaufartikeln in der Kassenzone großer Handelsketten.
Krispy Kreme unterscheidet sich durch seinen Fokus auf Frische und das Hot-Light-Erlebnis, das Kunden in eigenen Läden signalisiert, wenn frisch glasierte Donuts vom Band kommen. Die Strategie, Donuts täglich frisch in Supermarktregale zu liefern statt auf lange Haltbarkeit zu setzen, positioniert die Marke als Premium-Alternative zu verpackten Backwaren. Das schafft Differenzierung, bindet aber auch kapital in Logistik und Produktion.
Das Kernprodukt von Krispy Kreme ist der Original Glazed Doughnut, ein hefebasierter Donut mit einer dünnen Zuckerglasur, der nach demselben Rezept hergestellt wird wie 1937. Daneben bietet das Unternehmen mehr als 20 weitere Varianten an, darunter gefüllte, schokoladenüberzogene und saisonale Sondereditions-Donuts, die regelmäßig in Zusammenarbeit mit Marken wie M&Ms oder im Rahmen von Themenkampagnen lanciert werden. Diese limitierten Kollektionen sind ein wesentlicher Treiber für Frequenz und digitalen Umsatz.
Das Geschäftsmodell basiert auf dem Hub-and-Spoke-Prinzip. Größere Produktionsbäckereien, die sogenannten Hubs, stellen täglich frische Donuts her und beliefern damit eigene Läden, Kioske in Supermärkten, Convenience-Stores und Schnellrestaurants. Diesen Vertriebsweg bezeichnet Krispy Kreme als Delivered Fresh Daily. Das Modell ist kapitaleffizienter als das Betreiben einzelner kleiner Filialen, weil bestehende Produktionskapazitäten genutzt werden, um mehr Verkaufspunkte zu bedienen, ohne proportional mehr Investitionen zu tätigen.
Neben dem klassischen Filialgeschäft und DFD wächst der digitale Kanal. E-Commerce und Lieferbestellungen machen in den USA einen zweistelligen Anteil am Umsatz aus. Das Unternehmen hielt bis 2024 zudem eine Mehrheitsbeteiligung an Insomnia Cookies, einer auf Late-Night-Lieferung spezialisierten Kekskette, die es 2018 erworben hatte. Den Großteil dieser Beteiligung veräußerte Krispy Kreme 2024, um sich vollständig auf das Kerngeschäft mit Donuts zu konzentrieren.