Marqeta IPO: Die Infrastruktur hinter DoorDash, Klarna und Square

Marqeta ist die führende Plattform für modernes Card Issuing und stellt die Zahlungsinfrastruktur für Unternehmen wie DoorDash, Instacart, Klarna und Square bereit. Das Unternehmen aus Oakland hat 2020 einen Umsatz von 290 Millionen US-Dollar erzielt und dabei rund 60 Milliarden Dollar Zahlungsvolumen verarbeitet. Mit über 320 Millionen ausgegebenen Karten und einer Dollar-basierten Net Revenue Retention von über 200% gehört Marqeta zu den stickigsten B2B-Infrastruktur-Unternehmen im Fintech-Bereich.
Overview
Wenn du bei DoorDash eine Pizza bestellst und der Fahrer genau den richtigen Betrag an der Kasse zahlt, läuft im Hintergrund Marqeta. Wenn Klarna eine Ratenzahlung an einen Händler abwickelt oder Cash App das Geld deines Freundes auf deine Debitkarte bringt, ist Marqeta die unsichtbare Infrastruktur dahinter. Das Unternehmen aus Oakland hat 2010 eine Kategorie erfunden, die es vorher so nicht gab: modernes Card Issuing über offene APIs.
Der Börsengang im Mai 2021 kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Marqeta bereits der unangefochtene Marktführer in dieser Nische ist. Die Plattform verarbeitet Zahlungen in 36 Ländern, hat seit Gründung über 320 Millionen Karten ausgegeben und wuchs 2020 um 103% auf 290 Millionen Dollar Umsatz. Das ist kein Wachstum auf dem Papier, das sind echte Transaktionen echter Unternehmen. Die Erstnotiz erfolgt an der Nasdaq Global Select Market unter dem Ticker-Symbol MQ.
Was Marqeta von einem klassischen Zahlungsdienstleister unterscheidet: Das Unternehmen hat keine eigene Bank und keine eigene Kartenausgabe. Stattdessen baut Marqeta die Infrastruktur, mit der andere Unternehmen ihre eigenen Kartenprogramme starten und verwalten können. Das Modell ist usage-based: Je mehr Transaktionsvolumen über die Plattform läuft, desto mehr verdient Marqeta.
Management zum Zeitpunkt des IPOs
An der Spitze steht Gründer und CEO Jason Gardner, der Marqeta 2010 gegründet hat und seitdem führt. Gardner hat mit Marqeta etwas aufgebaut, das die gesamte Fintech-Branche geprägt hat. Viele der bekanntesten Fintech-Unternehmen der letzten zehn Jahre laufen auf seiner Infrastruktur.
Die Aktienstruktur nach dem Börsengang ist zweigeteilt: Class A mit einer Stimme pro Aktie für neue Investoren, Class B mit zehn Stimmen für die Pre-IPO-Halter. Die Class-B-Halter behalten nach dem Börsengang die Stimmrechtsmehrheit. Neue Aktionäre kaufen damit operative Beteiligung, aber keinen wesentlichen Einfluss auf Unternehmensentscheidungen.
Branche
Der Markt für globale Kartenzahlungen ist riesig. Laut The Nilson Report wurden 2019 weltweit über 440 Milliarden Kauftransaktionen über Netzwerkkarten abgewickelt, mit rund 30 Billionen Dollar Jahresvolumen. Davon hat Marqeta 2020 rund 60 Milliarden Dollar verarbeitet, also weniger als 1% des adressierbaren Markts in den USA allein.
Auf der Händlerseite (Acquiring) hat die Zahlungsbranche in den letzten Jahren massiv innoviert. Auf der Ausgeberseite (Issuing) hat sich dagegen kaum etwas getan: Es gibt weltweit nur rund 200 Issuer Processors, die größtenteils auf veralteten, schwer anpassbaren Systemen sitzen. Genau hier hat Marqeta angesetzt. Für Unternehmen wie DoorDash oder Klarna waren die alten Systeme schlicht nicht flexibel genug, um ihre Zahlungsmodelle abzubilden.
Der adressierbare Markt für neue Verticals wie On-Demand-Delivery, Alternative Lending und digitale Banken hat 2019 laut einer von Marqeta beauftragten Edgar-Dunn-Studie bereits über 2 Billionen Dollar Kartenvolumen umfasst und soll bis 2023 auf 4,8 Billionen Dollar wachsen. Direkte Wettbewerber im modernen Card Issuing gibt es kaum: Marqeta sieht sich selbst als First Mover und de-facto-Standard in dieser Kategorie.
Produkte
Die Marqeta-Plattform besteht aus drei Kernbereichen, die über offene APIs zugänglich sind:
- •Marqeta Issuing: Unternehmen können physische, virtuelle und tokenisierte Karten ausgeben. Über 320 Millionen Karten wurden seit Gründung über die Plattform ausgegeben. Integriert mit Visa, Mastercard und dem Discover Global Network.
- •Marqeta Processing: Transaktionsverarbeitung mit Echtzeit-Autorisierung. Das Herzstück ist JIT Funding (Just-in-Time Funding), das Transaktionen erst dann freigibt, wenn sie tatsächlich stattfinden. Das ermöglicht präzise Kontrolle für Anwendungsfälle wie Gig-Economy-Zahlungen.
- •Marqeta Applications: Tools für das gesamte Kartenprogramm-Lifecycle-Management, darunter Entwickler-Tools, Programm-Administration und Fraud-Management.
- •Tokenization as a Service: Marqeta war einer der ersten Anbieter, der Tokenization über eine offene API zugänglich gemacht hat. Das ist entscheidend für digitale Wallets wie Apple Pay und Google Pay.
Wichtigste Kunden sind DoorDash, Instacart, Square (Cash App), Klarna, Affirm, Uber, Brex und N26. Square ist der mit Abstand größte Einzelkunde und macht laut S-1 einen bedeutenden Anteil des Umsatzes aus. Das Unternehmen selbst nennt die Abhängigkeit von Square explizit als Risikofaktor.
Outlook
Die Wachstumszahlen sind beeindruckend: 103% Umsatzwachstum 2020, 167% Wachstum beim Transaktionsvolumen im ersten Quartal 2021. Die Dollar-basierte Net Revenue Retention lag 2019 und 2020 jeweils bei über 200%. Das bedeutet: Bestehende Kunden haben im Schnitt mehr als doppelt so viel über die Plattform abgewickelt wie im Vorjahr. In Q1 2021 war der Adjusted EBITDA zum ersten Mal positiv, bei 1,6 Millionen Dollar.
Marqetas Wachstumsstrategie ist klar: Bestehende Kunden wachsen lassen, neue Kunden onboarden, global expandieren und neue Produktkategorien erschließen. Besonders spannend ist die Expansion in den Bereich Finanzinstitutionen: Große Banken kommen zu Marqeta, weil sie mit Fintech-Konkurrenten mithalten müssen und ihre eigenen Systeme zu langsam und unflexibel sind.
Das größte Risiko ist die Konzentration auf wenige große Kunden, vor allem Square. Verliert oder verkleinert Square seinen Anteil, spürt Marqeta das unmittelbar. Dazu kommt, dass Marqeta trotz beeindruckender Wachstumsraten noch verlustbringend ist: 47,7 Millionen Dollar Nettoverlust in 2020, wenn auch deutlich besser als die 58,2 Millionen in 2019.
Details zum IPO
Marqeta strebt die Erstnotiz an der Nasdaq Global Select Market unter dem Ticker MQ an. Der genaue Emissionspreis und die finale Aktienanzahl wurden im ursprünglichen S-1 noch nicht festgelegt. Das angestrebte Volumen liegt laut Registrierung bei bis zu 100 Millionen Dollar, dieser Wert gilt aber nur als Schätzgröße für die Registrierungsgebühr und wird im endgültigen Angebot deutlich höher liegen.
Als Konsortialführer wurden Goldman Sachs und J.P. Morgan mandatiert, ergänzt durch Citigroup und Barclays. Die Dual-Class-Aktienstruktur (Class A mit einer Stimme, Class B mit zehn Stimmen) sorgt dafür, dass die Pre-IPO-Halter die Stimmkontrolle behalten. Neue Investoren kaufen Class A-Aktien.
Bewertungskriterien
Über 200% Dollar-basierte Net Revenue Retention zeigt, wie tief Marqeta in die Kernprozesse seiner Kunden integriert ist
First-Mover-Vorteil mit offenem API-Ökosystem und Kunden wie DoorDash, Klarna, Square, Affirm und Uber, die schwer zu ersetzen sind
Transaktionsvolumen von 60 Milliarden Dollar in 2020 bei weniger als 1% Marktanteil in den USA, enormes Wachstumspotenzial bleibt
Q1 2021 erstmals positives Adjusted EBITDA bei gleichzeitig 123% Umsatzwachstum
Starke Abhängigkeit von Square als größtem Einzelkunden, die im S-1 explizit als Hauptrisiko genannt wird
Dual-Class-Struktur gibt neuen Aktionären faktisch keinen Einfluss auf Unternehmensentscheidungen
Noch verlustbringend: 47,7 Millionen Dollar Nettoverlust in 2020, kein klares Datum zur Profitabilität genannt
Identifizierte Material Weakness in der internen Finanzkontrolle, die im S-1 als Risikofaktor aufgeführt wird