Once Upon a Farm IPO: Bio-Babynahrung mit Jennifer Garner strebt an die Börse

Once Upon a Farm ist eine der am schnellsten wachsenden Marken in der US-amerikanischen Kindernahrung und plant den Börsengang an der NYSE unter dem Ticker OFRM. Das Unternehmen aus Berkeley verkauft Bio-Pouches, gefrorene Mahlzeiten und Snacks für Babys und Kinder in über 20.000 Läden. Mit Co-Gründerin Jennifer Garner, einer Jahres-Umsatzbasis von 202 Millionen Dollar und einer Haushalts-Penetration von nur 4,4% sieht das Management noch viel Wachstumspotenzial.
Overview
Once Upon a Farm reicht seine S-1-Unterlagen bei der SEC ein und plant den Börsengang an der New York Stock Exchange unter dem Ticker OFRM. Das Unternehmen aus Berkeley, Kalifornien, stellt Bio-Nahrung für Babys und Kinder her. Die Kernprodukte sind kalt gepresste Pouches mit Obst und Gemüse, die 2015 als erstes Produkt dieser Art auf den Markt kamen und seitdem die Kategorie mitdefiniert haben.
Die Geschichte beginnt 2015 in einer Küche: Cassandra Curtis kochte für ihre eigenen Kinder, weil ihr kein Produkt im Supermarkt gut genug war. Zusammen mit Ari Raz gründete sie die Marke. 2017 kamen CPG-Veteran John Foraker und Schauspielerin Jennifer Garner dazu, um aus einer kleinen Marke ein nationales Unternehmen zu machen. Heute stehen die Produkte in über 20.000 Läden, darunter Target, Whole Foods, Kroger, Walmart, Publix und Wegmans.
Der IPO kommt in einer Phase, in der das Unternehmen kräftig gewachsen ist, aber noch nicht profitabel. Die annualisierten Umsätze für die zwölf Monate bis Juni 2025 liegen bei 201,6 Millionen Dollar, das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 64,6% seit 2018. Parallel wurde in Produktinnovation, Einzelhandels-Coolers und Supply Chain investiert. Jetzt soll frisches Kapital an die Börse den nächsten Wachstumsschub finanzieren.
Management zum Zeitpunkt des IPOs
An der Spitze steht CEO und Co-Founder John Foraker. Er ist im Natural-Food-Sektor ein bekannter Name. Über 30 Jahre Erfahrung, ab 1998 als Investor bei Annie's, ab 2003 als CEO dort, führte die Marke 2012 an die Börse und verkaufte sie 2014 an General Mills. Bei Once Upon a Farm ist er seit 2017 dabei.
Lawrence Waldman ist President und CFO. Er arbeitet seit November 2017 im Unternehmen und hat ebenfalls eine Annie's-Vergangenheit, wo er die Supply Chain aufgebaut hat. Das erklärt auch die vergleichsweise hohen Bruttomargen, die für ein junges CPG-Unternehmen ungewöhnlich stark sind.
Die Co-Gründer Cassandra Curtis und Ari Raz sind weiter im Unternehmen engagiert. Eine Sonderrolle spielt Schauspielerin Jennifer Garner, die 2017 als Co-Gründerin und Aushängeschild dazukam. Das S-1 weist ausdrücklich darauf hin, dass die Marke stark an ihre Person gekoppelt ist. Ein Verlust dieser Affiliation wird explizit als Risikofaktor genannt. Das Führungsteam hat insgesamt 125 Jahre kollektive CPG-Erfahrung, und die meisten arbeiten seit über fünf Jahren zusammen.
Branche
Der Markt für Baby- und Kindernahrung in den USA ist groß, aber vom bisherigen Sortiment her oft konservativ. Once Upon a Farm bewegt sich in Kategorien mit rund 78 Milliarden Dollar jährlichem Einzelhandelsumsatz. Allein die Bar-Kategorie wird auf 7 Milliarden Dollar geschätzt.
Die wichtigsten Konkurrenten sind etablierte Marken: Gerber (Nestlé), GoGo squeeZ und Stonyfield Baby/Kid. Diese haben eine durchschnittliche Haushalts-Penetration von 13%, während Once Upon a Farm bei gerade mal 4,4% liegt. Das Management sieht das weniger als Schwäche, sondern als Wachstumsrunway. Die Marke wächst nach eigenen Angaben als Nummer 1 in ihren Kategorien, was den Umsatz pro Laden angeht.
Regulatorisch wird das Umfeld anspruchsvoller. Kalifornien hat mit Assembly Bill 899 strengere Grenzwerte für Schwermetalle in Babynahrung eingeführt. Parallel drückt das Thema Zölle: Ein großer Teil der Obst- und Gemüse-Zutaten kommt aus Mexiko und Südamerika. Neue Importzölle könnten sowohl Kosten als auch Verfügbarkeit treffen.
Produkte
Das Produktportfolio ist in den letzten Jahren deutlich breiter geworden. Die wichtigsten Linien:
- •Pouches: Das Kernprodukt und mit 127 Millionen Dollar Einzelhandelsumsatz der wichtigste Ertragsbringer. Es gibt Fruit & Veggie Blends, Smoothies und funktionale Varianten wie Immunity Blends mit Probiotika oder Smart Blends mit Omega-3 und Cholin.
- •Refrigerated Oat Bars: 2023 gelauncht, laut Unternehmen die ersten ihrer Art im gekühlten Regal.
- •Dry Baby Snacks: 2024 auf den Markt gebracht, darunter Fruit & Veggie Puffs, Melts und Tractor Wheel Bars. Mittlerweile Nummer 3 in der Kategorie.
- •Soft-Baked Bars: Ebenfalls 2024 gelauncht, aktuell die am schnellsten wachsende Marke in der Natural-/Organic-Breakfast-Bar-Kategorie.
- •Frozen Meals: Gefrorene Bio-Mahlzeiten, die den Übergang vom Pouch zur festen Nahrung begleiten.
Die über 2.800 gebrandeten Kühlschränke in US-Läden sind strategisch entscheidend. Diese Coolers stehen oft in der Baby-Abteilung, wo traditionell nur haltbare Produkte verkauft werden. Das Management sieht Potenzial für einen Ausbau auf 15.000 Coolers. Die Einzelhandels-Distribution liegt aktuell bei über 430.000 Points of Distribution in rund 20.000 Läden. 35% der US-Einzelhandelsumsätze werden online abgewickelt.
Outlook
Die Wachstumsstory hat vier Säulen: mehr Markenbekanntheit und höhere Haushalts-Penetration, tiefere Durchdringung bestehender Retail-Partner, kontinuierliche Produktinnovation und der Weg zur Profitabilität. Die Benchmark, die das Unternehmen selbst zieht, ist Gerber mit rund 2 Milliarden Dollar Jahresumsatz zum Zeitpunkt der Nestlé-Übernahme 2007. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, aber die Richtung stimmt.
Finanziell ist die Lage zweischneidig. Der Umsatz ist zwischen 2022 und LTM Juni 2025 von 66,3 auf 201,6 Millionen Dollar gewachsen. Die Bruttomarge liegt bei 43,6% im Gesamtjahr 2024 und bei 39,4% in den ersten sechs Monaten 2025. Das ist einer der besten Werte unter vergleichbaren Public-Peers. Gleichzeitig stieg der Nettoverlust, unter anderem durch Sondereffekte aus der Bewertung von Derivate- und Wandelanleihe-Positionen. Bereinigt um diese Sondereffekte zeigt das Adjusted EBITDA eine Verbesserung von minus 14 Millionen Dollar (2022) auf minus 7,2 Millionen Dollar (LTM Juni 2025). Ein konkreter Zeitpunkt für die Profitabilität wird im S-1 nicht genannt.
Zu den Risiken gehören neben der Zoll-Exponierung auch Produktsicherheits-Themen. Im Juni 2024 gab es einen freiwilligen Rückruf eines Produkts wegen möglicher Listerien-Kontamination, wobei keine Erkrankungen gemeldet wurden. Für eine Marke, die sich über Vertrauen definiert, bleibt das Thema Lebensmittelsicherheit dauerhaft kritisch.
Details zum IPO
Emissionspreis und Volumen stehen im S-1 noch nicht fest. Die Aktien sollen an der NYSE unter dem Ticker OFRM gehandelt werden. Als Konsortialführer sind Goldman Sachs, J.P. Morgan, BofA Securities und William Blair gelistet, ergänzt durch Barclays, Evercore ISI, Deutsche Bank Securities, Oppenheimer, TD Cowen, Drexel Hamilton und Siebert Williams Shank.
Neu am Markt ist das Unternehmen aber schon etwas Besonderes: Once Upon a Farm ist eine Public Benefit Corporation nach Delaware-Recht. Das heißt, das Unternehmen ist per Satzung verpflichtet, die Interessen der Aktionäre mit denen von Kindern, Familien, Farmern und der Umwelt in Balance zu halten. Das kann in Einzelfällen bedeuten, dass Entscheidungen nicht den maximalen Aktionärsnutzen verfolgen. Dazu kommt der Status als Emerging Growth Company mit reduzierten Berichtspflichten.
Zu den bisherigen Investoren, die teilweise Aktien im Rahmen des IPOs verkaufen, gehören unter anderem CAVU Venture Partners und S2G Ventures. Der IPO-Erlös soll laut S-1 für die Rückzahlung der Revolving Credit Facility, neue Produktionsausrüstung und allgemeine Unternehmenszwecke verwendet werden.
Bewertungskriterien
Starkes Umsatzwachstum mit 64,6% CAGR von 2018 bis LTM Juni 2025 auf 201,6 Millionen Dollar
Bruttomarge von 43,6% in 2024 gehört zu den besten im CPG-Peer-Segment
Haushalts-Penetration von nur 4,4% ggü. 13% bei den Top-3-Konkurrenten lässt viel Luft nach oben
Tiefe Retail-Partnerschaften mit Target, Walmart, Kroger und Whole Foods plus 2.800 eigene Kühlschränke im Baby-Regal
Noch nicht profitabel: 48,1 Millionen Dollar Nettoverlust LTM Juni 2025, konkreter Profitabilitäts-Zeitpunkt fehlt
Marken-Affiliation mit Jennifer Garner als explizit im S-1 genannter Risikofaktor
Lieferketten-Abhängigkeit von Mexiko und Südamerika macht das Unternehmen sensibel für neue Importzölle
Status als Public Benefit Corporation kann in Einzelfällen zu Entscheidungen führen, die nicht den maximalen Aktionärsnutzen verfolgen