Vita Coco IPO: Der Kokoswasser-Pionier geht an die Nasdaq

The Vita Coco Company ist der weltweite Marktfuehrer im Kokoswasser-Segment mit 46% Marktanteil in den USA und ueber 70% in Grossbritannien. Das Unternehmen aus New York vertreibt seine Produkte in 24 Laendern und erzielte im Geschaeftsjahr 2020 einen Nettoumsatz von 311 Millionen US-Dollar bei einem Nettogewinn von 33 Millionen Dollar. Mit dem Ticker COCO strebt das Unternehmen die Erstnotiz an der Nasdaq Global Select Market an.
Overview
The Vita Coco Company macht mit dem Gang an die Nasdaq das offiziell, was in der Getränkebranche schon lange bekannt ist: Kokoswasser ist kein Nischenprodukt mehr, sondern eine Mainstream-Kategorie. Und Vita Coco hat diese Kategorie in den westlichen Märkten quasi erfunden.
Das Unternehmen reichte am 27. September 2021 seinen S-1 bei der SEC ein und plant die Erstnotiz an der Nasdaq Global Select Market unter dem Ticker-Symbol COCO. Gegründet wurde Vita Coco 2004 in New York von Michael Kirban und Ira Liran, nachdem sie auf einer Brasilien-Reise Kokoswasser für sich entdeckt hatten und erkannten, dass es in den USA schlicht nicht gab. Was als Nischenprodukt in Brooklyn-Bodegas und Yoga-Studios begann, ist heute die dominante Marke in einem 658-Millionen-Dollar-Markt in den USA allein.
Der Zeitpunkt des Börsengangs ist nicht zufällig. Das Unternehmen ist bereits profitabel, wächst weiter und hat den Coconut Water Wars gegen Coca-Cola und PepsiCo gewonnen. Jetzt will Vita Coco frisches Kapital, um die Marke international auszubauen und weitere Akquisitionen in der gesunden Getränke-Kategorie zu finanzieren.
Management zum Zeitpunkt des IPOs
Das Unternehmen wird von zwei Co-CEOs geführt, was in dieser Form selten ist. Michael Kirban, Mitgründer und Chairman, steht seit dem ersten Tag an der Spitze. Er ist der klassische Unternehmer aus der Praxis: kein MBA, dafür 17 Jahre Aufbauarbeit in einem Markt, den er selbst geschaffen hat. Sein Brief im S-1 ist einer der authentischsten, die wir in einem IPO-Prospekt gelesen haben.
Martin Roper ergänzt seit 2019 als zweiter CEO. Er war fast zwei Jahrzehnte lang CEO der Boston Beer Company und hat dort aus einem regionalen Craft-Beer-Anbieter einen internationalen Konzern mit mehreren starken Marken gemacht. Diese M&A- und Wachstumserfahrung ist genau das, was Vita Coco braucht, um die Plattform-Strategie mit mehreren Marken ernsthaft umzusetzen.
Die Aktienstruktur ist nach dem Börsengang einklassig: Es gibt nur eine Aktiengattung mit je einer Stimme pro Aktie. Das ist fair. Allerdings behalten die bestehenden Grossaktionäre, angeführt vom grössten Anteilseigner, erheblichen Einfluss auf Unternehmensentscheidungen.
Branche
Der Markt für alkoholfreie Getränke in den USA erzielte zuletzt über 119 Milliarden US-Dollar in Einzelhandelsumsätzen. Das natürliche Segment darin, in dem Vita Coco spielt, kommt auf 13 Milliarden Dollar und wächst doppelt so schnell wie konventionelle Getränke. Kokoswasser ist mit 658 Millionen Dollar globalen Retail-Umsätzen laut Euromonitor eine eigenständige Kategorie, die seit ihrer Entstehung mit einer jährlichen Wachstumsrate von rund 20% zugelegt hat.
Die wichtigsten Wettbewerber sind Harmless Harvest, Zola und diverse Private-Label-Produkte. Coca-Cola und PepsiCo haben nach Akquisitionen 2009 versucht, die Kategorie zu dominieren, haben aber das Rennen gegen Vita Coco verloren. Mit 46% Marktanteil in den USA ist Vita Coco grösser als die nächsten zehn Marken zusammen, laut IRI Custom Research.
Rückenwind kommt von einem klaren gesellschaftlichen Trend: Konsumenten, vor allem jüngere und multikulturelle Käufer, suchen gezielt nach natürlichen, funktionalen Getränken ohne Zusatzstoffe. COVID-19 hat diesen Trend noch beschleunigt, da Gesundheitsbewusstsein und saubere Zutaten stärker in den Fokus gerückt sind. Gegenwind kommt aus der Preissensitivität in einem inflationären Umfeld sowie aus Lieferkettenproblemen, die 2021 die Margen gedrückt haben.
Produkte
Vita Coco ist längst keine Single-Produkt-Marke mehr, sondern eine wachsende Plattform gesunder Getränke:
- •Vita Coco Coconut Water: Das Kernprodukt in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Formaten (Pure, Pressed, Boosted, Farmers Organic, Super Sparkling). Vita Coco Pressed macht allein über 8% der gesamten Kokoswasser-Kategorie aus.
- •Vita Coco Coconut Milk: Haltbare pflanzliche Milchalternative für den Club- und Supermarktkanal.
- •Vita Coco Hydration Drink Mix: Kokoswasser-Pulver in limitiertem Online-Test.
- •Runa: Akquisition von 2018. Energie-Drink auf Basis von Guayusa-Blättern aus dem Amazonas, natürliche Koffeinquelle, weniger Zucker als klassische Energy Drinks.
- •Ever & Ever: 2019 lanciertes Wasser in Aluminium-Flaschen mit pH 7.4, nachhaltige Verpackung für Foodservice und Büroumfeld.
- •PWR LIFT: Protein-Infused Water für den Post-Workout-Bereich, 2021 exklusiv über Amazon gestartet.
Dazu kommt ein Private-Label-Geschäft, das Vita Coco bewusst als strategisches Instrument einsetzt, um Retailer-Beziehungen zu stärken und die Lieferkette effizienter auszulasten, ohne die eigene Marke zu verwässern.
Outlook
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 2020 erzielte Vita Coco einen Nettoumsatz von 311 Millionen Dollar bei einem Nettogewinn von 33 Millionen Dollar und einer Adjusted EBITDA Margin von 11%. Das ist in der Lebensmittel- und Getränkebranche bei diesem Wachstumsrhythmus keine Selbstverständlichkeit.
Das strategische Ziel ist klar: Die Marke Vita Coco soll international weiter skalieren, der Haushaltsdurchdringungs-Grad von aktuell nur 9,5% in den USA bietet dafür viel Potenzial. Gleichzeitig soll die Plattform mit weiteren Marken und Akquisitionen ausgebaut werden.
Wir sehen das Risikoprofil als überschaubar: Die grösste Gefahr ist ein Abflachen des Wachstums im Kokoswasser-Segment, wenn die Kategorie sättigt. Lieferketten-Volatilität hat 2021 bereits die Margen gedrückt und bleibt ein strukturelles Thema für ein Unternehmen, das zu zwei Dritteln aus Asien und zu einem Drittel aus Lateinamerika bezieht. Ausserdem ist Vita Coco stark abhängig von den Preisen für Kokoswasser und Verpackungsmaterialien, die sie nicht direkt kontrollieren.
Details zum IPO
Vita Coco strebt die Erstnotiz an der Nasdaq Global Select Market unter dem Ticker-Symbol COCO an. Das maximale Emissionsvolumen beläuft sich laut Registrierungsunterlagen auf 100 Millionen US-Dollar. Emissionspreis und genaue Aktienanzahl wurden im ersten S-1 noch nicht festgelegt; ein Preisband wurde für spätere Amendments angekündigt.
Als Konsortialführer wurden Goldman Sachs, BofA Securities, Credit Suisse und Evercore ISI mandatiert, ergänzt durch Wells Fargo Securities, Guggenheim Securities, Piper Sandler und William Blair. Bestehende Investoren verkaufen im Rahmen des IPOs ebenfalls Anteile. Das Unternehmen selbst plant, den Emissionserlös primär zur Rückzahlung bestehender Kreditlinien sowie für allgemeine Unternehmenszwecke zu verwenden.
Wichtig: Vita Coco ist seit April 2021 offiziell eine Public Benefit Corporation (PBC) nach Delaware-Recht. Das bedeutet, das Management ist rechtlich verpflichtet, neben Aktionärsinteressen auch die Interessen von Lieferanten, Gemeinschaften und der Umwelt zu berücksichtigen. Konkret drückt sich das im Vita Coco Project aus, das Bauerngemeinschaften in Südostasien mit Schulen, Stipendien und Agrarausbildung unterstützt.
Bewertungskriterien
Dominante Marktposition: 46% Marktanteil in den USA und über 70% in Grossbritannien, grösser als die nächsten zehn Wettbewerber zusammen
Bereits profitabel mit 33 Millionen Dollar Nettogewinn und 11% Adjusted EBITDA Margin in 2020 bei gleichzeitig starkem Wachstum
Asset-lite Lieferkette über 15 Fabriken in 10 Ländern ermöglicht Flexibilität und verhindert kapitalintensive Sachinvestitionen
Haushaltsdurchdringung von nur 9,5% in den USA trotz Marktführerschaft zeigt grosses organisches Wachstumspotenzial
Stark abhängig von der Kokoswasser-Kategorie, die zwar wächst, aber nicht unbegrenzt skalierbar ist
Lieferketten-Volatilität hat 2021 die Margen bereits gedrückt; Rohstoff- und Frachtkosten bleiben schwer planbar
Grosse Aktionäre behalten nach dem IPO erheblichen Stimmrechtseinfluss, neue Aktionäre haben wenig Mitsprache
PBC-Status kann theoretisch zu Entscheidungen führen, die kurzfristig nicht den Aktionärsinteressen entsprechen