IPO – The Vita Coco Company Aktie

The Vita Coco Company Aktie

Marktkapitalisierung

2.77 Mrd. $

KGV (P/E)

40.6

Gewinn/Aktie

$1.20

Dividende

-

52W Hoch / Tief

61,39 $ / 29,74 $

IPO-Typ

IPO

Handelsstart

21.10.2021

Volumen

173 Mio. $

Emissionspreis

15,00 $

Seit Emission

+223.5%

Erstpreis

15,37 $

Seit Erstpreis

+215.7%

Aktueller Kurs

48,53 $

Overview

Michael Kirban und Ira Liran lernten sich als Jugendliche kennen und gründeten Vita Coco 2004 in New York, nach einer eher zufälligen Begegnung: In einer Bar in Manhattan erzählten ihnen zwei Frauen aus Brasilien, dass sie vor allem das Kokoswasser aus ihrer Heimat vermissten. Liran reiste nach Brasilien, heiratete eine der beiden Frauen und blieb dort. Als Kirban ihn besuchte, fiel ihm auf, wie allgegenwärtig Kokoswasser dort war. Beide entschlossen sich, das Getränk in die USA zu bringen. Mit 165.000 Dollar von Familie und Freunden kauften sie eine erste Lieferung aus Brasilien, die zunächst an der US-Grenze steckenblieb, weil sie vergessen hatten, das Produkt bei der FDA zu registrieren. Kirban verkaufte die Ware kurzerhand auf den Bahamas, besorgte die nötige Zulassung und startete noch einmal von vorn.

Der Aufbau des US-Markts war zäh. Kirban rollte auf Rollschuhen durch Brooklyn und Manhattan und verkaufte Vita Coco direkt an Delis und Supermärkte. Als Coca-Cola 2009 einen Anteil am damaligen Hauptkonkurrenten Zico erwarb, entschied sich Kirban, unabhängig zu bleiben. Statt eines Deals mit einem Getränkegiganten gewann er Prominente wie Madonna als Investoren, sicherte sich 2010 einen Vertriebsdeal mit Keurig Dr Pepper und baute Vita Coco zur unangefochtenen Nummer eins in der Kategorie aus. Zico wurde später von Coca-Cola aufgegeben und 2021 vom Gründer zurückgekauft.

Bis zum Börsengang 2021 hatte Vita Coco eine Plattform aus mehreren Getränkemarken aufgebaut und war unter dem früheren Firmennamen All Market Inc. firmiert. Im September 2021 wurde das Unternehmen in The Vita Coco Company umbenannt, bevor es im Oktober desselben Jahres an die Nasdaq ging.

Management

Mitgründer Michael Kirban führte Vita Coco von der Gründung 2004 bis zum Börsengang zunächst als CEO. Seit Mai 2022 ist er Executive Chairman und Vorsitzender des Boards, ohne operative Tagesverantwortung. Die Unternehmensführung übernahm Martin Roper, der seit Mai 2022 als CEO fungiert. Roper war bereits seit September 2019 im Unternehmen und hatte zuvor 17 Jahre lang The Boston Beer Company (NYSE: SAM) als CEO geleitet, wo er den Jahresumsatz von rund 100 Millionen auf über 1 Milliarde Dollar steigerte. Er bringt damit tiefe Erfahrung aus dem Getränkeeinzelhandel mit.

CFO ist seit März 2023 Corey Baker, der zuvor 16 Jahre bei PepsiCo in verschiedenen globalen Finanzrollen tätig war. Mitgründer Ira Liran sitzt als Director im Board of Directors und war bis Oktober 2021 als Director of Sourcing operativ tätig. Die Führungsriege wurde mit einem erfahrenen Beverage-Manager an der Spitze professionalisiert, während die Gründer weiterhin präsent sind.

Finanzdaten
Branche

Vita Coco operiert im Markt für Functional Beverages, also Getränke mit einem konkreten gesundheitlichen Nutzen. Kokoswasser ist dabei die Kernnische: natürliches Elektrolytgetränk ohne Zusätze, positioniert als Alternative zu zuckerhaltigen Sportgetränken und Limonaden. Der globale Kokoswassermarkt wird je nach Quelle auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt und wächst seit Jahren konstant, getragen von steigender Gesundheitsorientierung bei Konsumenten, vor allem in Nordamerika und Europa. In den USA allein wuchs die Kategorie laut Circana-Daten seit 2019 um über 50 Prozent.

Die direkte Konkurrenz in der Kokoswasser-Kategorie ist begrenzt. ZICO, das Coca-Cola in den 2010er Jahren aufgekauft und schließlich aufgegeben hatte, wurde von seinem Gründer zurückgekauft und ist als Nischenanbieter neu gestartet. PepsiCos Marke O.N.E. Coconut Water verlor nach dem Verkauf der Tropicana-Sparte an Relevanz. Harmless Harvest positioniert sich im Premium-Segment mit Bio-Kokoswasser zu höheren Preisen. Insgesamt liegt Vita Coco weit vor allen Wettbewerbern: Der Marktanteil in den USA überstieg zuletzt 50 Prozent, mehr als die nächsten zehn Marken zusammen.

Der breitere Wettbewerb kommt von etablierten Getränkeherstellern und der wachsenden Anzahl an Functional-Beverage-Marken, die um dasselbe, gesundheitsbewusste Konsumentensegment kämpfen. Für Vita Coco ist die eigentliche Herausforderung weniger die direkte Konkurrenz im Kokoswasser-Regal, sondern die Frage, ob die Kategorie selbst groß genug wächst, um internationales Wachstum in dem Tempo zu ermöglichen, das Investoren erwarten.

Produkte und Services

Das Kernprodukt ist Vita Coco Coconut Water, das rund 80 Prozent des Umsatzes beisteuert. Das Getränk wird aus jungen, grünen Kokosnüssen gewonnen, enthält natürliche Elektrolyte wie Kalium und Magnesium und kommt ohne Zuckerzusatz aus. Vita Coco verkauft das Produkt in unterschiedlichen Verpackungsgrößen und Formaten, darunter Einzelportionen im Tetra Pak, größere Club-Packungen und Flaschen. Daneben gibt es Produktvarianten wie Vita Coco Pressed, das etwas dickere, opakere Kokoswasser aus reifen Kokosnüssen, sowie Vita Coco Coconut Milk als pflanzliche Milchalternative.

Das Unternehmen hat seine Plattform über die Stammmarke hinaus ausgebaut. Runa ist ein Energydrink auf Basis von Guayusa, einem koffeinhaltigen Teeblatt aus dem Amazonasgebiet. PWR LIFT ist ein mit Proteinen angereichertes Sportwasser. Ever & Ever ist ein in nachhaltig produzierten Aluminiumbehältern abgefülltes Wasser. Diese Nebenmarken tragen bislang einen kleinen Anteil zum Gesamtumsatz bei und befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien.

Neben dem Markengeschäft produziert Vita Coco Handelsmarkenprodukte für Einzelhändler. Dieses Private-Label-Geschäft, vor allem im Bereich Kokoswasser und Kokosöl, machte zwischenzeitlich einen bedeutenden Umsatzanteil aus, wird aber strategisch zurückgefahren, um den Fokus auf die eigenen Marken zu lenken. Die Distribution läuft über ein breites Netz aus Einzelhandel, Drogerie, Club-Stores, E-Commerce und Foodservice, in den USA unter anderem über Keurig Dr Pepper, das auch als Aktionär an Vita Coco beteiligt ist.

Technische Analyse
Details zum IPO

Vita Coco ging am 21. Oktober 2021 unter dem Ticker COCO an die Nasdaq Global Select Market. Der Emissionspreis wurde auf 15 Dollar je Aktie festgesetzt, unterhalb der ursprünglich anvisierten Preisspanne von 18 bis 21 Dollar. Insgesamt wurden 11,5 Millionen Aktien platziert, von denen nur 2,5 Millionen neu ausgegeben wurden und dem Unternehmen zuflossen. Die restlichen 9 Millionen Aktien kamen von bestehenden Aktionären, die Teile ihrer Beteiligung veräußerten. Vor Unterzeichnung der S-1-Einreichung hatte das Unternehmen noch als All Market Inc. firmiert und vollzog mit dem Börsengang gleichzeitig die Umbenennung in The Vita Coco Company.

Lead-Underwriter der Transaktion waren Goldman Sachs, BofA Securities, Credit Suisse und Evercore ISI, ergänzt durch Wells Fargo Securities, Guggenheim Securities, Piper Sandler und William Blair. Parallel zur Aktienplatzierung erwarb Keurig Dr Pepper über eine Tochtergesellschaft Aktien im Wert von 20 Millionen Dollar im Rahmen einer privaten Platzierung und wurde damit Aktionär. Der Erlös aus dem Börsengang floss überwiegend in die Rückzahlung bestehender Schulden und allgemeine Unternehmenszwecke. Die Bewertung beim Börsengang lag bei rund 833 Millionen Dollar, deutlich unter den ursprünglich angestrebten 1,1 Milliarden Dollar.

Die Aktie entwickelte sich in den ersten Monaten nach dem IPO verhalten, bevor sie ab 2023 deutlich anzog. Vita Coco gehört nach eigenen Angaben zu den zehn besten IPO-Performances seit 2021 und zum besten Consumer-IPO des Jahrgangs. Maßgeblich für die Erholung waren die deutliche Verbesserung der Bruttomarge nach sinkenden Frachtkosten sowie das anhaltende Wachstum im Kerngeschäft Kokoswasser.

Outlook

Die strategische Priorität liegt auf dem Ausbau der Kokoswasser-Kategorie selbst, nicht nur des eigenen Marktanteils. Vita Coco setzt darauf, dass mehr Haushalte überhaupt erst Kokoswasser konsumieren, und investiert in Verbraucherkommunikation, Produktinnovation und Distributionserweiterung. In den USA liegen rund eine von zehn Kühlschrankdoors in relevanten Handelskanälen mit Vita Coco bestückt. Das internationale Geschäft, vor allem in Europa und dem Vereinigten Königreich, wächst, bleibt aber kleiner als das Amerikageschäft und bietet strukturell mehr Potenzial. Eine tiefere Durchdringung außerhalb Nordamerikas ist einer der wichtigsten Wachstumshebel der nächsten Jahre.

Das Private-Label-Geschäft wird bewusst zurückgefahren, um die Marge zu verbessern und die Ressourcen auf die eigenen Marken zu konzentrieren. Die Abhängigkeit von globalen Lieferketten und Frachtkosten bleibt ein strukturelles Risiko, das die Profitabilität in ungünstigen Phasen erheblich unter Druck setzen kann. Langfristig entscheidet sich, ob Vita Coco über Kokoswasser hinaus weitere Getränkekategorien erfolgreich aufbauen kann oder ob das Unternehmen strukturell von der Entwicklung einer einzigen, wenn auch marktführenden, Nischenkategorie abhängig bleibt.

Bewertungskriterien
+

Marktführerschaft mit über 50 Prozent US-Marktanteil im Kokoswasser-Segment und deutlichem Abstand zu allen Wettbewerbern

+

Starke Kundenbindung durch breite Distribution in Supermärkten, Club-Stores und E-Commerce, gestützt durch den Vertriebspartner Keurig Dr Pepper

+

Deutliche Margensteigerung seit 2022 durch gesunkene Transportkosten und strategischen Rückzug aus dem margenschwachen Private-Label-Geschäft

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Internationales Wachstum in Europa bietet strukturelles Potenzial, da Kokoswasser dort noch weniger etabliert ist als in Nordamerika

Hohe Konzentration auf eine einzige Produktkategorie: Kokoswasser macht den Großteil des Umsatzes aus, Nebenmarken bislang ohne nennenswerten Beitrag

Abhängigkeit von globalen Lieferketten und Frachtkosten, die die Marge in volatilen Marktphasen erheblich belasten können

IPO wurde unterhalb der angestrebten Preisspanne platziert, da 78 Prozent der Aktien von bestehenden Aktionären kamen und nicht dem Unternehmen zuflossen

Internationales Wachstum wächst, bleibt aber strukturell hinter dem US-Geschäft zurück und erfordert weitere Investitionen

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