Overview
Mike Cordonnier und Niall Casey gründeten Carlsmed im Juni 2018 in Carlsbad, Kalifornien. Beide kannten den Markt für Wirbelsäulenchirurgie aus früheren Stationen bei NuVasive, Ellipse Technologies und Johnson & Johnson DePuy Synthes Spine. Aus dieser Erfahrung entstand eine klare Überzeugung. Standardimplantate liefern bei Wirbelsäulenfusionen suboptimale Ergebnisse, weil Anatomie und Pathologie bei jedem Patienten einzigartig sind. Die Lösung sahen die Gründer in einer durchgängig digitalen Operationsplanung mit anschließendem 3D-Druck individuell gefertigter Implantate.
Den Start ermöglichte 2020 eine Seed-Runde über 2,5 Millionen Dollar. Bis zur Series C im März 2024 sammelte Carlsmed insgesamt rund 95 Millionen Dollar an Eigenkapital ein. Frühe Investoren waren der Cove Fund II, später stiegen B Capital und U.S. Venture Partners als Lead-Investoren ein. Parallel arbeitete Carlsmed eng mit Wirbelsäulenchirurgen zusammen und sammelte klinische Daten. Spätere Studien zeigten eine deutliche Reduktion von Revisionsoperationen gegenüber herkömmlichen Implantaten. Die hauseigene aprevo-Plattform erhielt von der FDA den Status Breakthrough Device und wurde von Medicare als Transformative New Device eingestuft.
Der Hauptsitz liegt in Carlsbad, Kalifornien, etwa 50 Kilometer nördlich von San Diego. Carlsmed beschäftigt etwas über 100 Mitarbeiter und hatte bis Ende 2025 mehr als 3.200 Patienten mit aprevo-Implantaten versorgt. Nach eigener Darstellung ist es das einzige Unternehmen weltweit, das ausschließlich auf patientenspezifische Wirbelsäulenfusion spezialisiert ist.
Management
Mike Cordonnier führt Carlsmed seit der Gründung 2018 als CEO und Chairman des Boards. Vor Carlsmed war er in operativen Rollen bei NuVasive Specialized Orthopedics, Ellipse Technologies, Zimmer Biomet und X-Spine Systems tätig. Cordonnier hat einen Bachelor in Maschinenbau von der University of Dayton. Mitgründer Niall Casey verantwortet als Chief Intellectual Property Officer das Patentportfolio rund um die aprevo-Plattform und sitzt ebenfalls im Board. Casey kommt aus dem Spine-Bereich von Johnson & Johnson DePuy Synthes Spine und hält einen J.D. der Suffolk University.
Leo Greenstein begleitete Carlsmed als Chief Financial Officer durch den Börsengang im Juli 2025. Greenstein war zuvor mehrere Jahre CFO von Tarsus Pharmaceuticals und führte das Unternehmen 2020 an die Börse. Davor sammelte er Erfahrung als Senior Vice President of Finance bei Spectrum Pharmaceuticals und in Finanzrollen bei Endologix. Sharon Schulzki agiert als Chief Operating Officer und kam von NSpine, wo sie ebenfalls eine COO-Rolle innehatte. Die Führungsmannschaft verbindet damit operative Erfahrung aus etablierten Spine-Unternehmen mit Kapitalmarkt-Know-how aus früheren IPOs.
Finanzdaten
Branche
Carlsmed operiert im Markt für Wirbelsäulenfusionsgeräte, der weltweit auf ein Volumen zwischen 7 und 9 Milliarden Dollar geschätzt wird. Marktforscher rechnen mit jährlichen Wachstumsraten von 4 bis 5 Prozent. In den USA werden laut Carlsmed jährlich rund 445.000 Lendenwirbelfusionen und etwa 370.000 Halswirbelfusionen durchgeführt. Den adressierbaren US-Markt für Lendenwirbelfusionen schätzt das Unternehmen auf rund 13 Milliarden Dollar, den Halswirbel-Bereich auf zusätzliche 6 Milliarden Dollar.
Der Markt ist stark konzentriert. Die fünf größten Anbieter halten zusammen rund 60 bis 75 Prozent des globalen Umsatzes. Marktführer ist Medtronic mit einem geschätzten Anteil von 22 bis 24 Prozent. Globus Medical kommt nach der Fusion mit NuVasive auf 16 bis 18 Prozent und liegt damit auf Platz zwei. Stryker, Zimmer Biomet und Johnson & Johnson DePuy Synthes komplettieren die Spitzengruppe. Spezialisierte Anbieter wie Alphatec, Orthofix und ATEC Spine bedienen einzelne Nischen.
Wichtige Trends sind robotergestützte Eingriffe, KI-basierte Operationsplanung und der Übergang zu ambulanten Operationen. Stryker hat sein klassisches Spine-Implantatgeschäft 2025 ausgegliedert und konzentriert sich auf seine Mako-Spine-Roboterplattform. Globus Medical und Medtronic investieren in eigene Navigations- und Software-Ökosysteme. Carlsmed positioniert sich daneben als spezialisierter Anbieter für patientenspezifische Implantate, die nach Unternehmensangaben Revisions- und Komplikationsraten reduzieren.
Produkte und Services
Das Kernprodukt von Carlsmed ist die aprevo-Plattform, eine durchgängige Lösung für personalisierte Wirbelsäulenfusionen. Sie kombiniert eine KI-gestützte Planungssoftware, patientenspezifische 3D-gedruckte Cage-Implantate und Einmal-Operationsinstrumente. Aus dem CT-Scan des Patienten erstellt die Software ein dreidimensionales Modell der Wirbelsäule. Der Chirurg legt die gewünschte Korrektur und Ausrichtung digital fest. Auf Basis dieses Plans fertigt Carlsmed das Implantat individuell an. Die myaprevo-App liefert dem OP-Team während des Eingriffs eine 3D-Visualisierung des Plans.
Das ursprüngliche aprevo-System ist von der FDA für Lendenwirbelfusionen zugelassen und bildet bislang den Großteil des Umsatzes. Im Dezember 2025 brachte Carlsmed eine Variante für Halswirbelfusionen in den US-Markt, die ebenfalls die FDA-Zulassung sowie den Status Breakthrough Device erhalten hat. Anfang 2026 ergänzte das corra Cervical Plating System das Portfolio mit einer ersten patientenspezifischen Fixierungslösung für die Halswirbelsäule.
Carlsmed verdient pro Eingriff. Jeder Patient erhält ein eigens für ihn gefertigtes Implantat, das zusammen mit den OP-Instrumenten und dem Planungssystem als Komplettpaket abgerechnet wird. Der durchschnittliche Erlös pro Eingriff blieb laut Unternehmen über mehrere Quartale weitgehend stabil. Das Umsatzwachstum stammt vor allem aus der höheren Zahl aktiver Chirurgen sowie aus mehr Eingriffen pro Chirurg. Innerhalb von zwölf Monaten baute Carlsmed seine Chirurgenbasis 2025 um rund 60 Prozent aus.
