Overview
Antonio Díaz Lombardo, ein mexikanischer Bankier und Geschäftsmann, gründete das Unternehmen 1934 in Mexiko-Stadt unter dem Namen Aeronaves de México. Der Erstflug am 14. September 1934 führte mit einem einmotorigen Stinson SR von Mexiko-Stadt nach Acapulco und sollte den damals tagelangen Landweg zwischen Hauptstadt und Pazifikküste auf weniger als zwei Flugstunden verkürzen. Pan American World Airways stieg 1941 mit einer Minderheitsbeteiligung ein und half beim Aufbau einer modernen Flotte sowie internationaler Strecken.
1959 wurde Aeronaves de México verstaatlicht, 1972 in Aeroméxico umbenannt und 1988 nach jahrelangen Verlusten kurzzeitig stillgelegt, bevor private Investoren das Unternehmen reorganisierten. Im Jahr 2000 gehörte Aeroméxico gemeinsam mit Air France, Delta Air Lines und Korean Air zu den Mitgründern der SkyTeam-Allianz. Ab 2007 trieb Grupo Financiero Banamex die Privatisierung voran, und Delta Air Lines baute ab 2012 schrittweise eine direkte Beteiligung auf. Mit dem Pandemie-Schock 2020 musste Aeroméxico in den USA Insolvenz nach Chapter 11 anmelden.
Während der 21-monatigen Restrukturierung übernahm Apollo Global Management mit einem Milliarden-Dollar-Restrukturierungskredit die Rolle des größten Geldgebers und nach dem Restart 2022 die Mehrheit am neuen Aktionärskreis. Heute hat das Unternehmen seinen Hauptsitz im Torre MAPFRE an der Paseo de la Reforma in Mexiko-Stadt, betreibt mit Aeroméxico, Aeroméxico Connect und Aeroméxico Cargo drei operative Marken und beschäftigt eine Belegschaft im niedrigen fünfstelligen Bereich.
Management
Andrés Conesa Labastida führt Grupo Aeroméxico seit 2005 als Chief Executive Officer. Vor seinem Wechsel zur Fluggesellschaft hatte der promovierte Volkswirt mehrere Posten in der mexikanischen Bundesverwaltung inne. Den Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften erwarb er am Massachusetts Institute of Technology. Zwischen 2015 und 2018 amtierte Conesa als Chairman des Verwaltungsrats der Internationalen Luftverkehrsorganisation IATA und war damit der erste Mexikaner an der Spitze des globalen Branchenverbands.
Ricardo Sánchez Baker verantwortet seit 2007 als CFO die Finanzen des Unternehmens und hat in dieser Rolle die Restrukturierung im Chapter-11-Verfahren maßgeblich begleitet. Auch er ist promovierter Volkswirt mit einem Abschluss der University of California, Los Angeles. Den Aufsichtsrat führt seit 2015 Javier Arrigunaga, der zuvor als CEO von Citigroups mexikanischer Tochter Banamex tätig war. Operativ unterstützt wird Conesa von COO Santiago Diago, der seit 2021 die operative Verantwortung trägt.
Finanzdaten
Branche
Aeroméxico operiert in einem mexikanischen Luftfahrtmarkt, der von drei Anbietern dominiert wird, die gemeinsam rund 99 Prozent der inländischen Passagiere bedienen. Neben Aeroméxico zählen die beiden Billigfluggesellschaften Volaris und Viva Aerobus zu diesem Trio. Im Inlandsverkehr halten die Billiganbieter zusammen rund 70 Prozent der Sitzplätze, während Aeroméxico etwa ein Drittel auf sich vereint. Im Dezember 2025 kündigten Volaris und Viva Aerobus eine Fusion zur Holding Grupo Más Vuelos an, die Aeroméxico im Inlandsmarkt zu einem deutlich kleineren Wettbewerber machen würde, sobald die mexikanischen Wettbewerbsbehörden zustimmen.
Im internationalen Segment ist die Position deutlich stärker. Aeroméxico ist die einzige mexikanische Fluggesellschaft mit echter Langstreckenflotte aus Boeing 787 und betreibt damit als einziger heimischer Anbieter Direktverbindungen vom mexikanischen Markt nach Asien und nach Europa. Im Wettbewerb auf den US-Mexiko-Routen treffen die Mexikaner auf American Airlines, Delta Air Lines und United Airlines, die zusammen einen Großteil der Sitzkapazitäten zwischen beiden Ländern stellen.
Strukturell wächst der Luftverkehrsmarkt in Lateinamerika langfristig schneller als in den entwickelten Industrieländern. Treiber sind eine wachsende Mittelschicht, hohe Überweisungen aus den USA an mexikanische Familien und steigende Tourismuszahlen. Bremsend wirken die Slot-Beschränkungen am Mexico City International Airport, der seit 2022 keine zusätzlichen Slots mehr vergibt, sowie politische Spannungen zwischen Mexiko und den USA, die wiederholt zu Eingriffen in den grenzüberschreitenden Marktzugang geführt haben.
Produkte und Services
Das Kerngeschäft von Aeroméxico ist der Personenflugverkehr unter drei operativen Marken. Aeroméxico mainline bedient internationale Langstrecken und wichtige inländische Verbindungen mit Boeing 787 und Boeing 737 einschließlich der MAX-9-Flotte. Aeroméxico Connect operiert mit Embraer-190-Regionaljets als Zubringer zu den Drehkreuzen Mexiko-Stadt, Monterrey und Guadalajara. Über die Tochter Aeroméxico Cargo bietet das Unternehmen zudem Frachtdienstleistungen an, die einen kleineren, aber stabilen Anteil am Konzernumsatz beisteuern.
Wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells ist das Vielfliegerprogramm Club Premier, das Aeroméxico 2023 vollständig zurückerwarb und unter eigener Regie neu aufstellte. Der Anteil der Passagiere mit Club-Premier-Mitgliedschaft hat sich in den Jahren nach dem Rückkauf deutlich erhöht. Eine Ko-Branding-Kreditkarte mit American Express besteht seit Jahren, ab Juni 2026 kommt ein zusätzliches Programm mit der mexikanischen Bank Invex hinzu.
Beim Vertrieb stützt sich Aeroméxico stark auf den Direktverkauf über die eigene Webseite und Mobile App, ergänzt durch Reisebüros und Firmenkundenverträge. Geographisch ruht das Geschäft auf drei Säulen, die jeweils unterschiedliche Margenstrukturen mitbringen. Inlandsverbindungen innerhalb Mexikos generieren Volumen, Transborder-Routen in die USA und Kanada liefern den größten Beitrag zum Stückumsatz, und Langstreckenflüge nach Europa, Asien und Südamerika sorgen für Differenzierung gegenüber den Billigwettbewerbern. Die Verteilung des Umsatzes hat sich nach der Pandemie zugunsten der internationalen Flüge verschoben, die rund zwei Drittel der angebotenen Sitzkilometer ausmachen.
