Overview
John Sperling gründete die University of Phoenix 1976 in Arizona, nachdem er als Professor in Kalifornien beobachtet hatte, dass berufstätige Erwachsene an klassischen Universitäten kaum Platz fanden. Sperling, geboren in armen Verhältnissen in den Missouri Ozarks, hatte sich über Reed College, die UC Berkeley und Cambridge bis zur Promotion in Wirtschaftsgeschichte gearbeitet. Mit acht Studenten startete er den Lehrbetrieb in einem angemieteten Raum einer Gewerkschaftshalle. Sein Ansatz, Kurse abends und an Wochenenden anzubieten und Berufserfahrung anzurechnen, brachte ihm Widerstand von Akkreditierungsstellen und etablierten Hochschulen ein, fand aber schnell Zulauf bei der Zielgruppe.
Über die Apollo Group, die 1994 an die Nasdaq ging, wuchs die Universität rasant. In ihrer Hochphase um 2010 hatte die Hochschule mehr als 470.000 Studenten und wurde zum Sinnbild der amerikanischen For-Profit-Hochschulindustrie. Verstärkte regulatorische Aufsicht, Untersuchungen der Federal Trade Commission und sinkende Einschreibungen führten dazu, dass Apollo Global Management und The Vistria Group das Unternehmen 2017 für 1,1 Milliarden Dollar von der Börse nahmen.
Unter den Private-Equity-Eignern wurde das Geschäft umgebaut. Die Hochschule schloss fast alle physischen Standorte und fokussierte sich auf Online-Lehre, der Lehrplan wurde stärker an Berufsanforderungen ausgerichtet. Die typische Studentin der University of Phoenix ist berufstätig, etwa 37 Jahre alt und absolviert ihr Studium berufsbegleitend. Rund 71 Prozent der Eingeschriebenen sind Frauen, seit Gründung haben etwa 1,1 Millionen Personen einen Abschluss an der Hochschule erworben.
Management
Chris Lynne führt Phoenix Education Partners seit dem Börsengang 2025 als CEO und ist gleichzeitig Präsident der University of Phoenix. Lynne kam im November 2018 als Finanzchef zur Hochschule, übernahm im Juni 2022 zunächst kommissarisch die Präsidentschaft und wurde wenige Monate später dauerhaft in dieses Amt berufen. Vor seiner Zeit in Phoenix war er CFO bei Cadence Education, einem Betreiber von Vorschulen, und davor in leitenden Funktionen bei HotChalk und Northcentral University tätig. Sein Studium absolvierte er in Accounting an der Purdue University, gefolgt von einem MBA an der Booth School of Business der University of Chicago.
Als CFO der börsennotierten Muttergesellschaft fungiert Blair Westbloom. Die Investorenkommunikation verantwortet Beth Coronelli als Vice President Investor Relations.
Finanzdaten
Branche
Phoenix Education Partners operiert im Markt für gewinnorientierte Hochschulbildung in den USA, einem Segment, das sich nach Jahren der Schrumpfung wieder stabilisiert hat. Der globale Markt für Online-Hochschulbildung wächst, getrieben durch berufsbegleitende Weiterbildung, kurze Zertifikatsprogramme und die steigende Nachfrage nach Umschulungen im Zuge des KI-Wandels. Adulte und nicht-traditionelle Lernende bilden inzwischen den größten Teil der Zielgruppe und werden von klassischen Universitäten nur unzureichend bedient.
Im direkten Wettbewerb steht das Unternehmen vor allem mit Adtalem Global Education, dem Eigentümer von Walden University und Chamberlain University, sowie mit Strategic Education, hinter dem die Marken Strayer und Capella stehen. Grand Canyon Education ist ein weiterer großer Anbieter, der über die Grand Canyon University ähnliche Studierendengruppen anspricht. Mit einer durchschnittlichen Studierendenzahl von rund 82.000 belegt die University of Phoenix nach offiziellen IPEDS-Zahlen Platz fünf unter allen US-Hochschulen über sämtliche Trägerschaften hinweg.
Politische Rückenwinde könnten die Branche zusätzlich stützen. Mit dem 2025 verabschiedeten Workforce Pell Act werden Pell-Stipendien ab Mitte 2026 auch für kürzere, berufsorientierte Programme verfügbar, was den adressierbaren Markt für Anbieter wie Phoenix Education Partners erweitert. Gleichzeitig bleibt die regulatorische Grundunsicherheit bestehen, da For-Profit-Hochschulen historisch immer wieder im Fokus von Aufsichtsbehörden und Politik standen.
Produkte und Services
Das Kerngeschäft besteht aus 72 grundständigen und weiterführenden Studiengängen, die zu Bachelor- oder Master-Abschlüssen führen. Die Schwerpunkte liegen in Wirtschaft, Gesundheitswesen, Bildungswissenschaften, Informatik und Cybersicherheit. Über die Plattform phoenix.edu werden Kurse fast ausschließlich online angeboten, viele Programme sind so strukturiert, dass Studierende einen Kurs nach dem anderen abschließen statt mehrere parallel zu belegen.
Ergänzend bietet die Hochschule 33 Zertifikatskurse an, die ohne vollständigen Studienabschluss spezifische berufliche Qualifikationen vermitteln. Diese Microcredentials sind kürzer, günstiger und richten sich an Personen, die gezielt einzelne Kompetenzen wie Datenanalyse oder Pflegemanagement aufbauen wollen. Die Studieninhalte werden nach Angaben des Unternehmens vollständig an konkreten beruflichen Anforderungen ausgerichtet.
Die Erlöse stammen fast ausschließlich aus Studiengebühren. Ein erheblicher Teil davon wird durch staatliche Studienkredite und Pell-Stipendien des US-Bundesbildungsministeriums finanziert. Daneben hat das Unternehmen Partnerschaften mit Arbeitgebern aufgebaut, die Mitarbeitern über sogenannte Tuition-Assistance-Programme einen vergünstigten oder kostenfreien Studienabschluss ermöglichen. Career Services for Life nennt die Hochschule ihre lebenslange Karriereberatung für Absolventen.
