Overview
Die MPM Capital-Partner Brian Goodman, Patrick Baeuerle und Todd Foley gründeten das Unternehmen im August 2020 zunächst unter dem Namen HotKnot Therapeutics. Ihre Idee war, die Erfolge der Radiopharmaka, also Wirkstoffe die radioaktive Isotope gezielt an Tumore heranbringen, auf deutlich mehr Tumorarten auszuweiten. Matthew Roden übernahm bereits im September 2020 den CEO-Posten. Im April 2021 wurde das Unternehmen in Aktis Oncology umbenannt und trat mit einer 72 Millionen Dollar Series A aus dem Stealth-Modus an die Öffentlichkeit.
Die Finanzierungsrunden zogen schnell namhafte Pharmakonzerne an. Novartis und Bristol Myers Squibb beteiligten sich bereits an der Series A, 2022 kam Merck über seinen Fonds MRL Ventures dazu und stockte die Runde auf insgesamt 161 Millionen Dollar auf. Im Mai 2024 schloss Aktis eine strategische Forschungspartnerschaft mit Eli Lilly über 60 Millionen Dollar Vorauszahlung und bis zu 1,2 Milliarden Dollar an möglichen Meilensteinzahlungen. Im September 2024 folgte eine oversubscribed Series B über 175 Millionen Dollar unter Führung von RA Capital.
Der Hauptsitz liegt am 17 Drydock Avenue in Boston, Massachusetts. Aktis beschäftigt rund 75 Mitarbeiter und betreibt zusätzlich Laborkapazitäten im Research Triangle Park in North Carolina. Das Unternehmen ist klinisch-orientiert und hat noch keine zugelassenen Produkte auf dem Markt.
Management
Matthew Roden führt Aktis seit September 2020 als President und CEO. Er bringt eine ungewöhnliche Kombination aus Wissenschaft, Finanzen und Industrie mit. Roden promovierte am Albert Einstein College of Medicine und arbeitete zunächst als Biotech-Aktienanalyst bei J.P. Morgan, bevor er bei UBS den Bereich Biotech-Aktienresearch leitete. Zuletzt war er bei Bristol Myers Squibb Senior Vice President und Head of Enterprise Strategy, wo er nach der Celgene-Übernahme den strategischen Plan des Konzerns verantwortete. Seit August 2020 ist er zudem Executive Partner bei MPM BioImpact.
Seit November 2025 verantwortet Kyle Kuvalanka als CFO die Finanzen. Er hat nach eigenen Angaben in seiner Karriere über 700 Millionen Dollar an Kapital eingeworben und war zuvor in C-Level-Positionen bei ROME Therapeutics, Goldfinch Bio, Syros Pharmaceuticals und Blueprint Medicines tätig. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Chief Scientific Officer Paul L. Feldman, der vorher bei GlaxoSmithKline und Intarcia Therapeutics gearbeitet hat. Mitgründer Todd Foley, Managing Director bei MPM BioImpact, fungiert als Chairman of the Board.
Finanzdaten
Branche
Aktis operiert im Markt für zielgerichtete Radiopharmaka, der nach Schätzungen von MarketsandMarkets im Jahr 2025 ein Volumen von rund 3,15 Milliarden Dollar erreichte und bis 2035 auf über 10 Milliarden Dollar wachsen soll. Die Branche boomt seit dem Erfolg von Novartis mit Pluvicto, einer Radioligand-Therapie gegen metastasierten Prostatakrebs. Pluvicto erreichte im ersten vollen Verkaufsjahr rund eine Milliarde Dollar Umsatz und wird zusammen mit Lutathera von Novartis auf über zwei Milliarden Dollar Jahresumsatz geschätzt.
Die Konkurrenz ist breit aufgestellt und wird zunehmend von großen Pharmakonzernen dominiert. Neben Novartis ist Bayer mit dem Alpha-Strahler Xofigo im Prostatakrebs-Markt aktiv. AstraZeneca übernahm 2024 Fusion Pharmaceuticals für bis zu 2,4 Milliarden Dollar, Eli Lilly kaufte bereits 2023 Point Biopharma. Spezialisierte Biotechs wie Telix Pharmaceuticals, Lantheus, Convergent Therapeutics, ITM und Curium adressieren ebenfalls den Markt. Im speziellen Kampf um das Nectin-4-Target konkurriert Aktis indirekt mit dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Padcev von Pfizer und Astellas, das einen Jahresumsatz im Bereich von fast zwei Milliarden Dollar erreicht.
Aktis positioniert sich mit einem eigenen technologischen Ansatz. Statt auf klassische Peptide oder Antikörper setzt das Unternehmen auf sogenannte Miniproteine, also kleine gefaltete Aminosäureketten, die zwischen den beiden Formaten liegen. Diese Moleküle sollen tief in Tumore eindringen, dort lange verweilen und gleichzeitig schnell aus gesundem Gewebe verschwinden. Damit will Aktis Radiopharmaka auf Tumorarten ausweiten, die bislang kaum mit dieser Therapieform erreicht werden können.
Produkte und Services
Das wichtigste Aktiv von Aktis ist die hauseigene Miniprotein-Radioconjugate-Plattform. Sie ist nach Angaben des Unternehmens isotop-agnostisch und kann mit verschiedenen radioaktiven Nutzlasten wie Actinium-225 oder Bildgebungs-Isotopen kombiniert werden. Das erlaubt Ärzten, vor der eigentlichen Therapie per Bildgebung zu überprüfen, ob der Wirkstoff den Tumor wirklich erreicht. Dieser sogenannte theranostische Ansatz wird in der Branche als entscheidender Vorteil gesehen.
Der Leitkandidat AKY-1189 richtet das Alpha-Strahler-Isotop Actinium-225 gegen Nectin-4 exprimierende Tumore. In der laufenden Phase-1b-Studie NECTINIUM-2 wird die Substanz bei Patienten mit urothelialem Karzinom, Brustkrebs, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs, Darmkrebs und weiteren soliden Tumoren getestet. Im Februar 2026 erhielt AKY-1189 von der US-Behörde FDA den Fast-Track-Status für Blasenkrebs. Der zweite Kandidat AKY-2519 zielt auf das Target B7-H3 und soll 2026 in die klinische Entwicklung überführt werden.
Umsätze erwirtschaftet Aktis bislang fast ausschließlich über die Forschungskooperation mit Eli Lilly, die das Unternehmen im Mai 2024 abschloss. Lilly zahlte 60 Millionen Dollar Upfront und stellte bis zu 1,2 Milliarden Dollar an möglichen Meilensteinen in Aussicht. Für den eigenen Bedarf baut Aktis parallel eine interne Produktionsstätte nach cGMP-Standard auf, die im zweiten Halbjahr 2026 in Betrieb gehen soll. Die Versorgung mit Actinium-225 ist über Partnerschaften mit NorthStar Medical Technologies, TerraPower Isotopes und Niowave abgesichert.
