Iran-Krieg treibt Benzinpreise auf über 2 Euro: Das steckt dahinter

Iran-Krieg treibt Benzinpreise auf über 2 Euro: Das steckt dahinter

Über 2 Euro, und der Krieg hat gerade erst begonnen

Wer dieser Tage an der Zapfsäule steht, erlebt eine böse Überraschung. Ein Liter Super E10 kostet aktuell im bundesweiten Schnitt 2,074 Euro, Diesel sogar 2,288 Euro. Laut ADAC hat sich Diesel in nur wenigen Wochen um mehr als 50 Cent pro Liter verteuert. Zum Vergleich: Am 27. Februar 2026, dem Tag vor Beginn des Iran-Kriegs, lagen die Preise noch bei rund 1,79 Euro für Benzin und 1,75 Euro für Diesel.

Schuld daran ist ein Krieg, der weit weg klingt, aber direkt an deutschen Zapfsäulen ankommt. Seit Ende Februar 2026 kämpfen die USA und Israel gegen den Iran. Was das Ganze so teuer macht: Der Iran hat die Straße von Hormus blockiert, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Und der Ölpreis hat seitdem ein Niveau erreicht, das zuletzt 2022 zu sehen war.

Eine Meerenge, die den Weltmarkt regiert

Die Straße von Hormus ist ein rund 160 Kilometer langer Korridor zwischen dem Iran und der Halbinsel Oman. Durch diesen Engpass flossen bis Kriegsbeginn täglich rund 13 Millionen Barrel Rohöl, was etwa einem Fünftel des gesamten weltweiten Öltransports entspricht. Wer diese Route kontrolliert, hat eine Hand am Hebel der globalen Energieversorgung.

Genau das nutzt der Iran gerade aus. Seit die USA und Israel militärische Operationen gegen den Iran gestartet haben, blockiert Teheran die Meerenge für Öltanker. Der direkte Effekt: Versorgungsangst. Der Ölpreis der Nordseesorte Brent lag kurz nach Kriegsbeginn noch bei rund 72 US-Dollar pro Barrel. Anfang März erreichte er kurzzeitig 120 Dollar, ein Anstieg von knapp 67 Prozent in wenigen Tagen. Aktuell pendelt er laut ADAC um die 117 Dollar.

Wichtig dabei: Deutschland hat kein echtes Versorgungsproblem. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski hat das bereits Anfang März klargemacht. Die Tanklager sind gefüllt, die Lieferverträge laufen. Was die Preise treibt, sind Risikoaufschläge und Spekulation. Händler zahlen heute schon höhere Preise für Öl, das sie erst in Wochen oder Monaten geliefert bekommen, weil niemand weiß, wie lange der Konflikt dauert.

Was wirklich im Spritpreis drinsteckt

Um zu verstehen, warum der Ölpreis so direkt an der Zapfsäule ankommt, lohnt ein kurzer Blick auf die Zusammensetzung des deutschen Kraftstoffpreises. Der Staat greift kräftig zu: Die Energiesteuer macht pauschal 65,4 Cent pro Liter Benzin aus, beim Diesel sind es 47,0 Cent. Dazu kommt die CO2-Abgabe, die in diesem Jahr weiter gestiegen ist und je nach Kraftstoff zwischen 18 und 21 Cent ausmacht. Auf den Gesamtpreis kommen dann noch 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Das bedeutet: Ein erheblicher Teil des Preises ist fix. Wenn der Rohölpreis steigt, trifft das den verbleibenden, variablen Anteil umso härter. Und weil auch auf dem höheren Rohölpreis noch Mehrwertsteuer fällig wird, profitiert der Staat von jedem Preisanstieg automatisch mit.

Was den Effekt zusätzlich verstärkt: Die deutschen Mineralölkonzerne geben höhere Einkaufspreise oft sofort weiter, noch bevor das teurere Öl überhaupt in Deutschland angekommen ist. Der ADAC hat das scharf kritisiert. Die Tanklager seien noch mit Kraftstoff befüllt, der zu günstigeren Preisen eingekauft wurde. Der Preisanstieg passiert also nicht wegen höherer Kosten in der Gegenwart, sondern wegen Erwartungen über die Zukunft.

Die Rakete-und-Feder-Falle

Besonders ärgerlich für Verbraucher ist ein Mechanismus, den ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann als "Rakete und Feder" beschreibt. Wenn der Ölpreis steigt, schießen die Spritpreise wie eine Rakete nach oben. Wenn er fällt, sinken sie nur langsam, wie eine Feder, die zu Boden schwebt.

Das war 2022 nach dem Ukraine-Krieg zu beobachten, und es läuft gerade wieder genauso ab. Ende März hat der Ölpreis kurz nachgegeben, nachdem Trump behauptete, der Iran habe zehn Öltanker als Geste der Entspannung durch die Straße von Hormus gelassen. Benzin und Diesel an deutschen Tankstellen haben davon kaum etwas gespürt. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat bereits eine kartellrechtliche Prüfung der Preissprünge angekündigt. Ob das irgendetwas ändert, ist offen.

Für die nächsten Wochen gilt: Selbst wenn sich der Konflikt rasch beruhigt, wird die Entspannung an der Zapfsäule lange auf sich warten lassen.

Was das für Anleger bedeutet

Für den Aktienmarkt ist die Lage gespalten. Der DAX hat seit Kriegsbeginn stark geschwankt und zwischenzeitlich unter 23.000 Punkte gerutscht. Gleichzeitig gibt es klare Gewinner.

Energieaktien profitieren direkt. RWE und E.ON haben zuletzt relative Stärke gezeigt. Internationale Ölkonzerne wie Shell und BP verdienen bei hohen Rohölpreisen deutlich mehr. Mehrere Analysten erwarten, dass die Gewinnrevisionen für Energieunternehmen in den kommenden Wochen nach oben gehen, weil die aktuell hohen Preise noch nicht vollständig in den Prognosen eingepreist sind.

Auf der Verliererseite stehen Airlines und Chemiekonzerne. Lufthansa leidet unter gestiegenen Kerosinkosten. BASF kämpft mit teurerem Rohöl als Ausgangsstoff für Chemikalien. Und Autoaktien stehen unter Druck, weil höhere Kraftstoffkosten die Kauflaune der Verbraucher dämpfen.

Hinzu kommt die Inflationsgefahr. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) hat berechnet, dass ein anhaltend hoher Ölpreis über 100 Dollar das deutsche BIP 2026 um 0,3 Prozent drücken würde, ein Schaden von rund 40 Milliarden Euro. Die EZB befindet sich damit in einer unangenehmen Lage: Eigentlich wollte sie die Zinsen weiter senken. Höhere Energiepreise heizen die Inflation erneut an und könnten diese Pläne durchkreuzen.

Die Schweizer Großbank UBS empfiehlt in einer aktuellen Analyse, Portfolios nicht vorschnell umzuschichten. Historisch gesehen hätten geopolitische Schocks auf die globalen Finanzmärkte nur begrenzte langfristige Auswirkungen gehabt, sofern keine kritische Energieinfrastruktur dauerhaft zerstört werde.

Drei Szenarien, ein entscheidender Faktor

Wie es weitergeht, hängt an einem einzigen Punkt: der Straße von Hormus. Morgan Stanley hat drei Szenarien durchgespielt. Wenn der normale Schiffsverkehr innerhalb eines Monats wiederhergestellt wird, könnte sich Brent bis Ende 2026 auf 75 bis 80 Dollar einpendeln. Das würde spürbare Entlastung an der Zapfsäule bringen. Sollte die Blockade 60 Tage oder länger andauern, rechnet die Bank mit Preisen zwischen 100 und 110 Dollar im Jahresverlauf. Im schlimmsten Fall, einer monatelangen Sperrung mit Schäden an Infrastruktur, sehen UBS-Analysten Brent zwischen 150 und 180 Dollar.

Aktuell ist Szenario zwei das wahrscheinlichste. Trump hat die Möglichkeit einer Einnahme der iranischen Ölinsel Charg ins Spiel gebracht, auf der sich das wichtigste Ölterminal des Landes befindet. Der Iran hat Gegenschläge gegen arabische Golfstaaten angedroht. Die G7-Finanzminister und Zentralbankchefs sind heute zu einer vierten Dringlichkeitssitzung zusammengekommen.

Bloomberg Economics hält im Falle einer schnellen Deeskalation einen Rückfall des Ölpreises auf rund 70 Dollar bis Jahresende für möglich. Aber eben nur dann. Für Autofahrer heißt das vor allem eins: Die Zeit der 1,60-Euro-Tankfüllungen ist erst einmal vorbei.