SpaceX-Aktie fällt zum ersten Mal seit dem IPO
Die Party an der Börse hat eine erste Pause eingelegt. Die Aktie von SpaceX (Kürzel SPCX, Nasdaq) verlor am Mittwoch rund 5 Prozent. Zum ersten Mal seit dem Börsengang von Elon Musks Raketen- und KI-Konzern ging es damit nach unten.
So endete eine Siegesserie von drei Handelstagen. In dieser kurzen Zeit war die Aktie vom Ausgabepreis von 135 Dollar bis auf 225,64 Dollar geklettert. Das Rekordhoch stammt vom Dienstag. Auf dem Höhepunkt lag der Kurs rund 58 Prozent über dem IPO-Preis, berichtet Yahoo Finance. Nach dem Rückschlag pendelte das Papier wieder um die 190 bis 200 Dollar.
Für ein frisch notiertes Unternehmen sind solche Schwankungen kein Drama. Trotzdem liefert der Tag einen ersten Stimmungstest. Die entscheidende Frage lautet, ob die Euphorie der Privatanleger trägt.
Drei starke Tage, dann der Dämpfer
Der Start war fulminant. Am vergangenen Freitag debütierte SpaceX mit dem größten Börsengang der Geschichte. Rund 555 Millionen Aktien gingen zum Preis von 135 Dollar an den Markt. Schon am ersten Handelstag sprang der Kurs um 19 Prozent auf 160,95 Dollar. Am Montag und Dienstag ging es weiter steil bergauf.
Auf dem Höhepunkt war SpaceX mehr wert als Amazon. Kurzzeitig zog der Konzern sogar an Microsoft vorbei. Damit rückte das Unternehmen unter die fünf wertvollsten der Welt. Der Börsenwert überschritt die Marke von zwei Billionen Dollar. Die Nachfrage kam vor allem von Kleinanlegern, die bei der Zuteilung leer ausgingen und nun am freien Markt kauften.
Mitten in diese Rekordstimmung platzte am Dienstag die Nachricht vom Cursor-Kauf. Für 60 Milliarden Dollar in eigenen Aktien übernimmt SpaceX den KI-Coding-Spezialisten Anysphere. Der Deal befeuerte die Fantasie zusätzlich. Einen Tag später folgte die Ernüchterung.
Warum die Aktie plötzlich abrutschte
Den Auslöser liefert ein technischer Grund. Seit Dienstag werden auf SpaceX erstmals Optionen gehandelt. Damit bekamen Pessimisten zum ersten Mal ein Werkzeug, um auf fallende Kurse zu setzen. Vorher war das kaum möglich.
Wer eine Aktie leerverkaufen will, muss sie sich zunächst leihen. Bei SpaceX standen dafür praktisch keine Stücke zur Verfügung. Die IPO-Aktien lagen unter Sperrfristen, und Verkaufsoptionen fehlten ganz. Bis Dienstag konnten Skeptiker also nur zuschauen, wie der Kurs immer weiter stieg. Mit dem Start des Optionshandels kippte dieses Ungleichgewicht. Schon am ersten Tag wechselten fast eine Million Call-Kontrakte den Besitzer. Bis zum Handelsschluss machten Puts, also Wetten auf fallende Kurse, bereits 44 Prozent des Geschehens aus.
Gary Black vom Future Fund wurde deutlich. Die Aktie habe sich bisher eher wie ein Meme-Stock verhalten als wie ein Wert mit soliden Zahlen. Genau diese Phase könnte nun zu Ende gehen, schrieb er auf X. Ein Meme-Stock ist ein Papier, dessen Kurs mehr von Hype und sozialen Medien lebt als von Geschäftszahlen.
Wie der Mini-Streubesitz die Kurse treibt
Ein Detail erklärt die heftigen Ausschläge. SpaceX hat beim IPO nur etwa 4 bis 5 Prozent seiner Aktien an die Börse gebracht. Der große Rest liegt fest in den Händen von Insidern. Bei Apple, Microsoft oder Nvidia ist dagegen fast der gesamte Bestand frei handelbar.
Ein so kleiner Streubesitz wirkt wie ein Verstärker. Wenige Käufe treiben den Kurs nach oben, wenige Verkäufe drücken ihn nach unten. Befeuert wurde die Rally vor allem von Privatanlegern. Laut Vanda Research kauften sie an jedem einzelnen Tag seit dem IPO mehr SpaceX-Aktien als jeden anderen Wert. In nur drei Sitzungen steckten sie 369,8 Millionen Dollar in das Papier. Das war rund viermal so viel wie in den Nasdaq-ETF QQQ und in Nvidia zusammen.
Robert Greifeld, früher Chef der Nasdaq, ordnete das nüchtern ein. Die Aktie handle auf Basis von Hoffnung, nicht von Fundamentaldaten. Daran erinnern auch die roten Zahlen. Laut den IPO-Unterlagen verbuchte SpaceX 2025 einen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar. Der Konzern verbrennt also Milliarden, während der Kurs Höhen erklimmt.
Was der Rücksetzer für Anleger bedeutet
Wer am Dienstag auf dem Hoch eingestiegen ist, sitzt jetzt auf einem schnellen Verlust. Trotzdem liegt die Aktie weiterhin klar über dem Ausgabepreis. Seit dem Handelsstart steht noch immer ein Plus von rund 20 Prozent zu Buche. Der Einbruch wirkt also größer, als er gemessen am IPO-Niveau wirklich ist.
Unsere Einschätzung dazu fällt vorsichtig aus. SpaceX lässt sich derzeit kaum über klassische Kennzahlen greifen. Der Konzern bündelt Raketen, das Satelliten-Internet Starlink, den Chatbot Grok und neuerdings ein Coding-Tool. Gewinne schreibt er keine. Der Kurs lebt von Erwartungen und von einem winzigen Angebot an Aktien. Diese Mischung sorgt für starke Schwankungen in beide Richtungen. Anleger sollten sich auf Tagesbewegungen von mehr als zehn Prozent einstellen. Ruhig schlafen lässt sich mit so einem Papier kaum.
Diese Termine entscheiden über den weiteren Kurs
Spannend wird es im Spätsommer. Am 2. September legt SpaceX die ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen vor. Dann erhalten Investoren erstmals harte Daten statt reiner Fantasie. Rund um diesen Termin laufen außerdem erste Sperrfristen aus. Dadurch könnten deutlich mehr Aktien auf den Markt gelangen, was den Kurs belasten kann. Die große Freigabe folgt voraussichtlich im Dezember 2026.
Bis dahin bleibt der Wert ein Spielball aus Stimmung und knappem Angebot. Auch der Fortschritt beim Cursor-Deal und beim gemeinsamen KI-Modell mit xAI dürfte für Bewegung sorgen. Langweilig wird es bei SpaceX so schnell nicht.

