SpaceX kauft Cursor für 60 Milliarden Dollar
SpaceX (Kürzel SPCX, Nasdaq) übernimmt Anysphere, den Entwickler des KI-Coding-Tools Cursor. Der Kaufpreis liegt bei 60 Milliarden Dollar. Bezahlt wird komplett in Aktien. Elon Musks Raketen- und KI-Konzern gab den Deal am Dienstag bekannt, nur vier Tage nach seinem Börsengang.
Für SpaceX ist es der erste große Zukauf als börsennotiertes Unternehmen. Laut Reuters handelt es sich um die teuerste Übernahme eines venture-finanzierten Startups überhaupt. Cursor ist ein KI-gestützter Code-Editor. Das Tool hilft Programmierern, Software zu schreiben, zu prüfen und umzubauen. Unter professionellen Entwicklern gehört es zu den meistgenutzten seiner Art.
Der Abschluss wird für das dritte Quartal 2026 erwartet. Vorher müssen die Aufsichtsbehörden zustimmen. Für den Kauf nutzt SpaceX keine Erlöse aus dem IPO, sondern ausschließlich eigene Aktien.
Wer hinter Cursor und SpaceX steckt
Cursor stammt von vier MIT-Absolventen. Michael Truell, Aman Sanger, Sualeh Asif und Arvid Lunnemark gründeten Anysphere 2022. Zwei Jahre später durchliefen sie das Startup-Programm von OpenAI. Danach wuchs ihr Produkt in einem Tempo, das selbst die Branche überraschte. Im November 2025 knackte Cursor nach eigenen Angaben die Marke von einer Milliarde Dollar Jahresumsatz. Bis Anfang Juni 2026 kletterte der hochgerechnete Jahresumsatz auf rund vier Milliarden Dollar, berichtet Forbes.
So schnell erreichte das vorher kein anderes B2B-Softwareunternehmen. Kein Wunder, dass Investoren Schlange standen. Andreessen Horowitz, Nvidia und Thrive Capital wollten Cursor gerade mit über 50 Milliarden Dollar bewerten. Mitten in dieser Finanzierungsrunde grätschte SpaceX dazwischen und bot mehr.
SpaceX kennen die meisten als Raketenbauer und Betreiber des Satelliten-Internets Starlink. Seit Februar 2026 gehört auch Musks KI-Firma xAI dazu. Mit ihr kamen der Chatbot Grok, große Rechenzentren und das soziale Netzwerk X ins Haus. Aus dem reinen Weltraumkonzern ist ein breit aufgestellter Technologiekonzern geworden.
Warum Musk ausgerechnet ein Coding-Tool kauft
Hinter dem Kauf steckt ein klarer Plan. SpaceX will im Geschäft mit KI für Unternehmen mitspielen. Coding-Tools sind dort einer der ersten Bereiche, in denen sich mit KI echtes Geld verdienen lässt. Genau diese zahlende Kundschaft bringt Cursor mit.
Die hauseigene KI-Sparte tat sich damit bisher schwer. SpaceXAI entstand, als der Konzern xAI schluckte. Ein konkurrenzfähiges Coding-Produkt brachte die Sparte aber nicht zustande. Cursor liefert nun, was intern fehlte. Ein Werkzeug, das Entwickler wirklich täglich nutzen.
Schon seit Monaten arbeiten beide Seiten an einem gemeinsamen KI-Modell. Es soll sowohl in Cursor als auch in Grok Build laufen, dem Coding-Agenten von xAI. Cursor-Chef Michael Truell sprach davon, das hauseigene Modell Composer hochskalieren zu wollen. Dazu kommt der Datenschatz. Jede Coding-Anfrage und jede Designentscheidung der Nutzer kann helfen, Modelle wie Grok zu verbessern. Diesen Punkt hatte SpaceX bereits im IPO-Prospekt offen angesprochen.
Im Coding-Markt wird es eng für Cursor
Der Zeitpunkt des Deals ist heikel. Cursor galt lange als Liebling unter den KI-Coding-Tools. Doch die Konkurrenz holt auf, und teils zieht sie vorbei. Daten des Ausgabenanalysten Ramp zeigen einen klaren Rückgang. Im Juni 2025 hielt Cursor noch 41 Prozent des Marktes, im Mai 2026 nur noch rund 26 Prozent.
Den größten Sprung machte Anthropic mit seinem Tool Claude Code. Laut Menlo Ventures kommt Claude Code inzwischen auf 54 Prozent im Markt für Unternehmens-KI im Coding. Vor einem Jahr existierte das Produkt praktisch noch nicht. So schnell kletterte noch kein Entwickler-Werkzeug nach oben.
GitHub Copilot von Microsoft bleibt nach Nutzerzahl der Platzhirsch. Trotzdem bröckelt die alte Dominanz. In der großen Stack-Overflow-Umfrage fiel der Anteil von 67 auf 51 Prozent. OpenAI mischt mit seinem Tool Codex ebenfalls kräftig mit und führt einzelne Benchmarks sogar an. In diesen umkämpften Markt steigt SpaceX nun mit voller Wucht ein. Pikant am Rande. Microsoft prüfte selbst einen Kauf von Cursor, gab aber kein Gebot ab. OpenAI machte gleich zwei Anläufe und wurde beide Male abgewiesen.
Was der Deal für die SpaceX-Aktie bedeutet
Die SPCX-Aktie reagierte freundlich. Am Tag der Ankündigung legte sie rund 16 Prozent zu. Damit zog SpaceX kurzzeitig an Amazon und Microsoft vorbei und wurde zum viertwertvollsten US-Konzern. Am selben Tag markierte die Aktie mit 225,64 Dollar ihr bisheriges Hoch. Aktuell notiert sie bei etwa 192 Dollar. Beim IPO am 12. Juni lag der Ausgabepreis erst bei 135 Dollar.
Dass der Kauf komplett in Aktien läuft, ist kein Zufall. Die hohe Bewertung wirkt wie eine Währung. Bei einem Börsenwert von über zwei Billionen Dollar bedeuten 60 Milliarden Dollar nur etwa 3,4 Prozent Verwässerung für die Altaktionäre. Investor Bill Ackman brachte es auf den Punkt. Je wertvoller SpaceX sei, desto günstiger falle so ein Zukauf in eigenen Anteilen aus.
Unsere Einschätzung dazu bleibt nüchtern. Cursor bringt Umsatz, Kunden und Tempo mit. Gleichzeitig zahlt SpaceX einen stolzen Preis für eine Firma, deren Marktanteil zuletzt gesunken ist. Ob sich die 60 Milliarden auszahlen, hängt davon ab, wie gut sich Cursor und xAI verzahnen lassen. Wer die Aktie hält, kauft ein Bündel aus Raketen, Satelliten, Chatbot und Coding-Tool. Diese Mischung macht SPCX für Anleger schwer zu bewerten.
Die nächsten Schritte bis zum Closing
Bis der Deal durch ist, dauert es noch. SpaceX peilt den Abschluss im dritten Quartal 2026 an. Vorher schauen die Kartellbehörden genau hin. Wegen der Größe von 60 Milliarden Dollar dürften Prüfer in den USA, in der EU und in weiteren Regionen den Fall streng untersuchen. Platzt die Übernahme, wird es teuer. Cursor stünden dann laut den Unterlagen 1,5 Milliarden Dollar in bar sowie Rechenleistung im Wert von 8,5 Milliarden Dollar zu.
Für Anleger lohnt ein Blick auf zwei Termine. Anfang September legt SpaceX die ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen vor. Kurz darauf laufen Sperrfristen für einen Teil der Aktien aus, was das Angebot am Markt erhöhen könnte. Spannend wird zudem der Start des gemeinsamen KI-Modells von Cursor und xAI. Gelingt der, hätte SpaceX seinen späten Einstieg ins Coding-Geschäft erstaunlich schnell zu Geld gemacht.

