SpaceX rutscht unter den Ausgabepreis von 135 Dollar

Falcon-9-Rakete beim Abheben von der Startrampe an der Küste mit weißer Abgaswolke als Bezug zum Kursrutsch der SpaceX-Aktie

SpaceX fällt zum ersten Mal unter 135 Dollar

Nordamerika🚀5 Min.16.07.2026

Space Exploration Technologies (NASDAQ: SPCX) ist am Mittwoch erstmals seit dem Börsengang unter den eigenen Ausgabepreis gefallen. Im Tief kostete die Aktie 132,15 Dollar, gegen Mittag New Yorker Zeit notierte sie um 133 Dollar. Zum Handelsschluss holten Käufer die Marke knapp zurück, mit 135,27 Dollar ging der Titel aus dem Tag. Für alle, die im Juni zu 135 Dollar gezeichnet haben, stand damit zum ersten Mal ein Buchverlust im Depot.

Der vierte Verlusttag in Folge zog eine Bilanz, die vor vier Wochen kaum jemand auf dem Zettel hatte. Vom Rekordhoch bei 225,64 Dollar am 16. Juni liegt die Aktie rund 40 Prozent entfernt. Die Marktkapitalisierung beträgt wieder etwa 1,75 Billionen Dollar und damit exakt so viel wie am Tag der Zuteilung. Zum Ende des ersten Handelstages waren es noch rund 2,1 Billionen.

Seit der Aufnahme in den Nasdaq 100 vor gut einer Woche hat das Papier zusätzlich fast 13 Prozent verloren. Die Indexaufnahme brachte zwar passive Käufer über ETFs und Indexfonds ins Boot. Sie brachte offenbar auch reichlich Verkäufer, die genau auf diesen Moment gewartet hatten.

Vom größten IPO aller Zeiten zum Buchverlust

Der Börsengang am 12. Juni war in jeder Hinsicht ein Superlativ. Zum Ausgabepreis von 135 Dollar sammelte SpaceX rund 75 Milliarden Dollar ein, mehr als jedes Unternehmen zuvor an einem einzigen Tag. Elon Musk wurde durch die Platzierung zum ersten Billionär der Welt. Schon zum Zuteilungspreis war der Raumfahrtkonzern mehr wert als Meta.

Die erste Notiz lag bei 150 Dollar, der Handelstag endete mit einem Plus von gut 19 Prozent bei rund 161 Dollar. Am dritten Handelstag stand der Kurs bei 225,64 Dollar, und SpaceX war zwischenzeitlich mehr wert als Microsoft und Amazon. Getrieben wurde die Rally vor allem von Privatanlegern, die über Broker-Apps und tokenisierte Produkte auf Solana in den Titel drängten.

Dann kippte die Stimmung. Ende Juni folgte ein Tagesminus von 16 Prozent, ein Erholungsversuch bis 172,40 Dollar hielt nicht. Die Aufnahme in den Nasdaq 100 wurde zum klassischen Sell-the-News. Danach fiel eine Unterstützung nach der anderen, zwei Kurslücken nach unten inklusive. Diese Woche erreichte der Rutsch den Ausgabepreis.

Die Zahlen hinter dem Hype

Der Börsenprospekt bei der SEC hat die Fakten von Anfang an offengelegt. Nur wollte sie im Juni kaum jemand lesen. Für 2025 weist SpaceX einen Umsatz von 18,7 Milliarden Dollar aus, ein Plus von 33 Prozent, und einen Nettoverlust von 4,9 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal 2026 kamen bei 4,7 Milliarden Dollar Umsatz weitere 4,28 Milliarden Dollar Verlust dazu.

Starlink trägt den Laden. Die Satellitensparte kam 2025 auf 11,4 Milliarden Dollar Umsatz und lieferte im ersten Quartal einen operativen Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar. Rund 10,3 Millionen Kunden in 164 Ländern und Märkten nutzen den Dienst, die Nutzerzahl hat sich zuletzt verdoppelt. In die roten Zahlen zieht den Konzern die KI-Infrastruktur samt der Bereiche rund um xAI.

Am 24. Juni platzierte SpaceX Anleihen über 25 Milliarden Dollar, die größte Unternehmensemission des Monats. Die Nachfrage lag bei knapp 90 Milliarden Dollar, S&P stufte die Papiere als Investment Grade ein. Der Erlös tilgt vor allem einen Brückenkredit über 20 Milliarden Dollar, mit dem SpaceX im März die Übernahmen von X und xAI finanziert hatte. Zum 19. Juni saß der Konzern auf rund 100,8 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln.

Inzwischen schaut der Kreditmarkt genauer hin. Die Rendite der 2056er-Anleihe näherte sich zuletzt 7,5 Prozent, der Aufschlag gegenüber US-Staatsanleihen weitete sich auf 231 Basispunkte aus. Anleihehändler preisen also mehr Risiko ein als noch vor drei Wochen.

Die Wall Street bleibt trotzdem bullisch

Bemerkenswert ist der Abstand zwischen Kurs und Analystenmeinung. 27 von 31 Analysten raten zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 240 Dollar und damit fast 80 Prozent über dem aktuellen Niveau. Morgan Stanley steht mit Overweight und 300 Dollar an der Spitze, Cantor nennt 246 Dollar, Bank of America 235 Dollar, Evercore ISI 230 Dollar, J.P. Morgan 225 Dollar und Goldman Sachs 205 Dollar.

BofA-Analyst Ron Epstein begründet seine Empfehlung mit den Startkosten. Ein Kilogramm Nutzlast ins All zu bringen kostete früher 10.000 bis 20.000 Dollar, mit der Falcon 9 sind es rund 2.000 Dollar, mit einem voll wiederverwendbaren Starship könnten es 50 bis 100 Dollar werden. Evercore ISI rechnet bis 2028 mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 106 Prozent.

Gegen diese Rechnung steht die Bewertung. Argus Research stuft auf Halten und verweist auf das 95-fache des erwarteten Jahresumsatzes. Aswath Damodaran, Bewertungsprofessor an der New York University, kritisiert den Börsenwert angesichts der Milliardenverluste. Chad Anderson von Space Capital hält dagegen und sieht im aktuellen Niveau eher eine Untergrenze, weil niemand sonst vergleichbare Infrastruktur im Orbit besitzt.

Was Zeichner jetzt abwägen müssen

Wer im Juni gezeichnet hat, hat auf Starship und Starlink gewettet, nicht auf die Gewinn- und Verlustrechnung. Vier Wochen später ist genau das der Punkt. Der Kurs hat sich von der Euphorie gelöst und sucht ein Niveau, das ein Kurs-Umsatz-Verhältnis jenseits von 90 tragen kann. Zum Vergleich, Nvidia wurde auf dem Höhepunkt seiner Rally mit dem 40-fachen Umsatz gehandelt.

Aus unserer Sicht gehören zwei Dinge sauber getrennt. Operativ läuft SpaceX besser als je zuvor. Am 13. und 14. Juli starteten binnen acht Stunden zwei Falcon-9-Missionen von beiden US-Küsten, der zweite Flug war der 600. Einsatz eines wiederverwendeten Boosters. Diese Routine ist überhaupt erst der Grund, warum jemand über Billionenbewertungen redet.

Finanziell sieht die Lage anders aus. Analysten schätzen die Ausgabenverpflichtungen bis 2030 auf rund 235 Milliarden Dollar. Dazu zählt eine geplante Halbleiterfabrik in Texas für 55 Milliarden Dollar, die künftige Rechenzentren im Orbit versorgen soll. Wer solche Summen stemmen will, braucht entweder einen hohen Aktienkurs oder billige Schulden. Beides wird gerade teurer, und beides hängt am selben Faden.

Ein Datum verdient besondere Aufmerksamkeit. Anfang August läuft die erste Lockup-Tranche aus. Dann dürfen die ersten Altaktionäre verkaufen, und der Markt erfährt, wer nach vier Wochen Achterbahn noch dabeibleiben will.

Starship Flight 13 und der erste Quartalsbericht

Am Donnerstagabend um 17.45 Uhr texanischer Zeit soll Starship zum 13. Testflug abheben, dem ersten seit dem Börsengang. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat ihre Untersuchung zum Zwischenfall bei Flug 12 am 13. Juli abgeschlossen. Ursache waren Hitzeschäden an Antriebskomponenten und falsch gesetzte Triebwerksalarme, fünf der 33 Raptor-Triebwerke fielen aus. Hardware und Software wurden überarbeitet, Booster 20 und Ship 40 fliegen zum ersten Mal.

Dieser Flug unterscheidet sich von den zwölf davor. Erstmals sollen 20 einsatzfähige Starlink-V3-Satelliten ausgesetzt werden statt Attrappen, anschließend testen sie ihre Laserverbindungen. Ein Raptor-Triebwerk soll im All neu zünden, der Booster im Golf von Mexiko wassern, die Oberstufe im Indischen Ozean. Gelingt das, bekommt die Wachstumsrechnung der Bullen eine reale Grundlage. Scheitert der Flug, trifft das eine Aktie, die ohnehin am Jahrestief klebt.

Der zweite Termin steht um den 6. August. Dann legt SpaceX den ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen vor. Veröffentlicht wird ausschließlich über die eigene Website und den Konzern-Account auf X, nicht über die klassischen Nachrichtenagenturen. Auch das ist neu für einen Konzern dieser Größe.