Peter Beck wuchs im neuseeländischen Invercargill auf und bastelte schon als Teenager Turbolader in alte Autos und Raketen aus Wasserantrieb. Eine Universität besuchte er nie. Stattdessen begann er eine Ausbildung zum Werkzeugmacher bei Fisher & Paykel und nutzte die Werkstatt nach Feierabend, um Raketenantriebe zu testen. 2006 gründete er Rocket Lab in Neuseeland mit dem Ziel, kleine Satelliten günstig und zuverlässig in den Orbit zu bringen. Drei Jahre später schickte Rocket Lab mit der Ātea-1 als erstes privates Unternehmen der Südhalbkugel eine Rakete ins All.
Die Anfangsjahre waren geprägt von Geldnot. In Silicon Valley hielt Beck Investoren für verrückt, die nicht einmal fünf Millionen Dollar in ein Raketen-Startup aus Neuseeland stecken wollten. 2013 sicherte sich das Unternehmen schließlich Wagniskapital von Khosla Ventures und Bessemer Venture Partners, verlegte den Firmensitz in die USA und begann mit der Entwicklung der Electron-Rakete. Der erste erfolgreiche Orbitalflug gelang im Januar 2018. Seitdem hat sich Electron zur nach der Falcon 9 am häufigsten gestarteten US-Orbitalrakete entwickelt.
Seit etwa 2020 verfolgt Rocket Lab eine konsequente Diversifizierungsstrategie. Durch eine Serie von Übernahmen, darunter der Satellitenkomponenten-Hersteller Sinclair Interplanetary (2020), der Separationssystem-Anbieter Planetary Systems Corporation (2021), der Flugsoftware-Entwickler Advanced Solutions (2021) und der Solarzellen-Produzent SolAero (2022), hat sich das Unternehmen vom reinen Raketenstarter zum vertikal integrierten Raumfahrtanbieter gewandelt. Der Hauptsitz liegt in Long Beach, Kalifornien, mit weiteren Standorten in Neuseeland, Colorado, New Mexico und Kanada.
Sir Peter Beck führt Rocket Lab seit der Gründung 2006 als CEO und übernahm 2021 zusätzlich den Vorsitz des Board of Directors. Beck wurde 2024 von der neuseeländischen Regierung zum Knight Companion des New Zealand Order of Merit ernannt. Sein Führungsstil ist stark technisch geprägt. Er ist weiterhin in die Entwicklung neuer Systeme involviert und verbringt nach eigener Aussage einen Großteil seiner Zeit in den Fabriken und Testanlagen.
Adam Spice fungiert seit Mai 2018 als CFO. Spice bringt Erfahrung aus der Halbleiterindustrie mit. Er war zuvor CFO beim Chipdesigner MaxLinear und hielt Führungspositionen bei Broadcom und Intel. Bei Rocket Lab verantwortet er neben den Finanzen auch die M&A-Strategie, die das Unternehmen seit dem Börsengang mit mehreren Übernahmen vorangetrieben hat. Arjun Kampani dient als General Counsel und Secretary. Die Führungsebene ist seit dem Börsengang 2021 weitgehend stabil geblieben.
Rocket Lab bewegt sich in zwei Märkten gleichzeitig: dem Raketenstartmarkt und dem breiteren Markt für Weltraumsysteme. Der globale Markt für Raketenstarts wächst durch den Boom bei Satellitenkonstellationen für Kommunikation, Erdbeobachtung und nationale Sicherheit. Branchenprognosen beziffern den gesamten adressierbaren Raumfahrtmarkt bis 2030 auf über eine Billion Dollar. Besonders die Nachfrage nach kleinen und mittelgroßen Trägern nimmt zu, weil Betreiber von Satellitenkonstellationen dedizierte Starts zu spezifischen Orbits brauchen, statt sich einen Platz auf einer großen Rakete zu teilen.
Im Bereich Kleinraketen hat Rocket Lab mit der Electron eine Monopolstellung unter den westlichen Anbietern aufgebaut. Kein anderes kommerzielles Unternehmen außer SpaceX startet regelmäßiger in den Orbit. Wettbewerber wie das europäische Isar Aerospace oder Relativity Space in den USA befinden sich noch in der Entwicklungsphase oder haben bisher keine vergleichbare Startfrequenz erreicht. Mit der in Entwicklung befindlichen Neutron-Rakete zielt Rocket Lab auf den Markt für mittelgroße Nutzlasten, wo SpaceX mit der Falcon 9, Blue Origin mit der New Glenn und United Launch Alliance mit der Vulcan Centaur bereits vertreten sind.
Im Bereich Weltraumsysteme konkurriert Rocket Lab mit etablierten Rüstungs- und Raumfahrtkonzernen wie Northrop Grumman, L3Harris und Lockheed Martin. Rocket Labs Vorteil liegt in der vertikalen Integration: Das Unternehmen kann Rakete, Satellitenbus, Solarzellen, Reaktionsräder, Sternsensoren und Flugsoftware aus einer Hand liefern. Für größere Auftraggeber wie die US Space Development Agency (SDA) wird diese Fähigkeit zunehmend attraktiv.
Rocket Labs Geschäft gliedert sich in zwei Segmente: Launch Services und Space Systems. Die Electron-Rakete bildet das Rückgrat des Startsegments. Die 18 Meter hohe, kohlefaserbasierte Trägerrakete kann bis zu 300 Kilogramm in einen niedrigen Erdorbit befördern. Angetrieben wird sie von neun Rutherford-Triebwerken, die per 3D-Druck gefertigt werden und als erste Raketentriebwerke der Welt über einen elektrischen Turbopumpenantrieb verfügen. Rocket Lab startete 2024 insgesamt 16 Electron-Missionen von zwei Startplätzen: dem privaten Launch Complex 1 auf der Māhia-Halbinsel in Neuseeland und dem Launch Complex 2 auf Wallops Island in Virginia.
Das Space-Systems-Segment umfasst Satellitenherstellung, Satellitenkomponenten und zugehörige Dienstleistungen. Durch die Übernahmen von Sinclair Interplanetary, SolAero, Planetary Systems Corporation und Advanced Solutions produziert Rocket Lab heute Reaktionsräder, Sternsensoren, Solarzellen, Separationssysteme und Flugsoftware. Auf Basis des eigenen Photon-Satellitenbus baut das Unternehmen komplette Raumfahrzeuge, etwa für NASA-Missionen zum Mond und Mars. 2025 übernahm Rocket Lab zusätzlich den Sensor-Spezialisten Geost für 275 Millionen Dollar und steht kurz vor der Übernahme des Münchener Laserkommunikations-Herstellers Mynaric. Beide Übernahmen stärken die Position als Auftragnehmer für US-Militärsatelliten.
In Entwicklung befindet sich die Neutron-Rakete, ein teilweise wiederverwendbarer Mittelklasse-Träger mit bis zu 13.000 Kilogramm Nutzlastkapazität. Neutron soll speziell für den Aufbau großer Satellitenkonstellationen, Missionen im Regierungsauftrag und perspektivisch auch bemannte Raumfahrt ausgelegt sein. Der Erststart wird frühestens für das vierte Quartal 2026 erwartet.