Andrew Hopkins gründete Exscientia 2012 als Spin-off der University of Dundee. Hopkins, zuvor zehn Jahre bei Pfizer und danach Professor für Medizinische Informatik in Dundee, hatte erkannt, dass die riesigen Datenmengen aus Patenten, Studien und internen Screenings nicht annähernd systematisch genutzt wurden. Sein Ziel war eine Plattform, die dieses Wissen bündelt und daraus eigenständig neue Wirkstoffkandidaten entwirft. Der Name Exscientia leitet sich vom lateinischen Begriff für "aus Wissen" ab und beschreibt den Kerngedanken: Aus vorhandenen Daten bessere Medikamente erzeugen.
In den ersten Jahren arbeitete Exscientia vor allem über Kooperationen mit Pharmakonzernen. Das Unternehmen lieferte KI-entwickelte Moleküle gegen eine Kombination aus Upfront-Zahlungen und Meilensteinboni. 2020 gelang ein wichtiger Nachweis: Exscientia brachte mit einem Partner die ersten beiden KI-entworfenen Moleküle weltweit in klinische Phase-1-Studien, eines gegen Zwangsstörungen (OCD) in Zusammenarbeit mit Sumitomo Pharma und eines im Bereich Onkologie. Parallel dazu baute das Unternehmen eine eigene interne Pipeline auf, schwerpunktmäßig im Bereich Onkologie. Bis zum Börsengang 2021 hatte Exscientia mehr als 25 Projekte in verschiedenen Entwicklungsstadien sowie Kooperationen mit einigen der größten Pharmakonzerne der Welt.
Der Hauptsitz liegt in Oxford, wo Exscientia einen großen Teil seiner Forschungsinfrastruktur aufgebaut hat. Weitere Standorte bestanden in Dundee, Wien und Boston.
Andrew Hopkins leitete Exscientia von der Gründung 2012 bis Februar 2024 als CEO. Der Chemiker und Biophysiker hatte zuvor ein Jahrzehnt bei Pfizer verbracht und gehörte zu den meistzitierten Autoren der modernen Wirkstoffforschung. 2023 wurde Hopkins sowohl Fellow der Royal Society als auch Fellow der Academy of Medical Sciences. Im Februar 2024 beendete das Board of Directors die Zusammenarbeit mit Hopkins aus persönlichen Gründen ohne Bezug zur operativen oder finanziellen Entwicklung des Unternehmens.
Nach Hopkins übernahm ab Februar 2024 David Hallett als Interims-CEO die Führung. Hallett war seit Januar 2020 bei Exscientia tätig, zunächst als Chief Operating Officer, ab Februar 2023 als Chief Scientific Officer. Er brachte mehr als 20 Jahre Industrieerfahrung mit, unter anderem aus leitenden Positionen bei Evotec und Merck & Co. Nach der Übernahme durch Recursion Pharmaceuticals im November 2024 wechselte Hallett in die Rolle des Chief Scientific Officer der kombinierten Gesellschaft.
Exscientia operierte im Markt für KI-gestützte Wirkstoffforschung und -entwicklung, der zu Beginn der 2020er Jahre noch in einem frühen Wachstumsstadium war. Der klassische Prozess der Medikamentenentwicklung gilt als langsam und kapitalintensiv: Von der ersten Identifikation eines vielversprechenden Moleküls bis zur Marktzulassung vergehen im Schnitt mehr als zehn Jahre, und die Mehrzahl der Kandidaten scheitert in klinischen Studien. KI-Plattformen versprechen, diesen Prozess durch schnellere und präzisere Kandidatenauswahl zu verbessern.
Die Konkurrenz in diesem Bereich ist breit aufgestellt. Direkte Mitbewerber wie Recursion Pharmaceuticals, Schrödinger und Relay Therapeutics verfolgen ähnliche Ansätze, unterscheiden sich aber in der Gewichtung von computergestütztem Design und eigener Laborinfrastruktur. Traditionelle Pharmakonzerne wie Roche, AstraZeneca und Pfizer bauen ebenfalls eigene KI-Kapazitäten auf und konkurrieren indirekt. Exscientia differenzierte sich durch einen End-to-End-Ansatz, der KI-Design mit automatisierter Laborarbeit und Patientendaten verknüpfte.
Langfristig hängt der Erfolg von KI-Pharmaunternehmen davon ab, ob die höhere Trefferquote bei Wirkstoffkandidaten auch zu besseren klinischen Ergebnissen führt. Diese Frage war zum Zeitpunkt des Börsengangs noch weitgehend offen, da die Mehrzahl der Kandidaten noch in frühen Studienphasen steckte.
Exscientia bot zwei Arten von Leistungen an. Im Partnerschaftsgeschäft stellte das Unternehmen seine KI-Plattform Pharmakonzernen zur Verfügung, die damit neue Wirkstoffkandidaten für eigene therapeutische Zielstrukturen entwickeln wollten. Das Unternehmen übernahm dabei die Aufgabe der Moleküloptimierung und lieferte fertige Kandidaten an den Partner, der dann die weitere Entwicklung und Zulassung übernahm. Diese Partnerschaften brachten Upfront-Zahlungen sowie gestaffelte Meilensteinboni.
Parallel dazu baute Exscientia eine interne Pipeline aus vollständig eigenen Projekten auf, schwerpunktmäßig im Bereich Onkologie. Hier trug das Unternehmen alle Entwicklungskosten selbst, behielt aber auch alle potenziellen Erlöse. Kernbestandteil der Plattform war die Verbindung von KI-generiertem Moleküldesign mit automatisierten Laborabläufen, die eine schnelle Rückkopplung zwischen Entwurf und experimentellen Ergebnissen ermöglichte. Hinzu kam eine Funktionalität für Präzisionsmedizin: Durch die Analyse von Patientengewebedaten sollte die Plattform voraussagen können, welche Patienten auf einen bestimmten Wirkstoff ansprechen.
Die Einnahmen setzten sich entsprechend aus Forschungsgebühren und Meilensteinzahlungen aus Kooperationen zusammen. Eigenentwicklungen trugen bis zum Börsengang noch kaum zu Erlösen bei, galten aber als der wertvollere langfristige Geschäftsbereich.