Overview
Jeremy Allaire und Sean Neville gründeten Circle im Oktober 2013 in Boston mit einer großen Vision. Sie wollten Bitcoin und die Blockchain für den Massenmarkt zugänglich machen und Geldtransfers so einfach gestalten wie das Versenden einer E-Mail. Allaire kannte den Aufbau von Internetunternehmen aus erster Hand. Er hatte zuvor die Online-Video-Plattform Brightcove gegründet, war CTO von Macromedia und hatte mit der Allaire Corporation bereits einen Internet-Pionier mit Börsengang aufgebaut.
Das ursprüngliche Geschäftsmodell mit der Wallet-App Circle Pay setzte sich im Wettbewerb mit etablierten Bezahldiensten nicht durch. 2018 wechselte das Unternehmen den Fokus radikal und brachte gemeinsam mit Coinbase über das Centre Consortium den Stablecoin USDC auf den Markt. USDC ist eine digitale Variante des US-Dollars, vollständig durch Bargeld und kurzlaufende US-Staatsanleihen gedeckt und jederzeit 1:1 in Dollar einlösbar. Das Modell traf auf wachsende Nachfrage bei Krypto-Börsen, im Bereich der dezentralen Finanzen (DeFi) und bei Zahlungsdienstleistern, die einen verlässlichen digitalen Dollar suchten.
Ein erster Anlauf an die Börse 2021 über eine SPAC-Fusion mit Concord Acquisition zu einer Bewertung von 9 Milliarden Dollar scheiterte Ende 2022 an verschärfter Regulierung und dem Schock nach der FTX-Pleite. Circle nutzte die folgenden Jahre, um die Lizenzlandschaft in den USA, Europa und Asien aufzubauen, das Centre Consortium 2023 vollständig zu übernehmen und die globale USDC-Adoption voranzutreiben. Der Hauptsitz wurde von Boston nach New York verlegt. Bis zum Börsengang 2025 wuchs USDC zum zweitgrößten Stablecoin der Welt nach Marktkapitalisierung.
Management
Jeremy Allaire führt Circle seit der Gründung 2013 als CEO und ist seit dem Ausscheiden von Mitgründer Sean Neville aus der operativen Rolle 2019 alleiniger Vorstandschef. Allaire ist ein Serien-Internetunternehmer mit über drei Jahrzehnten Erfahrung. Er studierte Politikwissenschaft und Philosophie am Macalester College und sagte mehrfach vor dem US-Senat zu Themen rund um digitale Vermögenswerte und Geldpolitik aus. Mitgründer Sean Neville sitzt weiterhin im Verwaltungsrat.
Seit Mai 2021 verantwortet Jeremy Fox-Geen als CFO die Finanzen. Er war zuvor CFO bei iStar und Safehold sowie CFO von McKinsey & Company in Nordamerika und bringt Stationen bei PwC und Citigroup mit. Heath Tarbert übernahm 2025 die Rolle des Präsidenten und verantwortet Recht, Compliance, Risiko und internationale Expansion. Tarbert war zuvor Chairman der CFTC, der US-Aufsichtsbehörde für Derivate, sowie Assistant Secretary im US-Finanzministerium. Mit Tarbert holte sich Circle bewusst regulatorische Schwergewichte an Bord.
Finanzdaten
Branche
Circle operiert im Markt für Stablecoins, einer speziellen Form von Kryptowährung mit fester Bindung an eine Fiatwährung wie den US-Dollar. Der globale Stablecoin-Markt wuchs bis Ende 2025 auf eine Marktkapitalisierung von rund 300 Milliarden Dollar und entwickelte sich zu einer der am schnellsten wachsenden Nischen im Krypto-Sektor. Stablecoins werden längst nicht mehr nur für den Krypto-Handel verwendet. Sie dienen als Zahlungsmittel für grenzüberschreitende Überweisungen, als Dollar-Zugang in Schwellenländern mit Inflationsproblemen und als Settlement-Schicht für die Tokenisierung traditioneller Vermögenswerte.
Der Markt wird von zwei Anbietern dominiert. Der größte Konkurrent Tether mit dem Stablecoin USDT hält rund 55 bis 60 Prozent Marktanteil. Circles USDC liegt mit etwa 25 Prozent auf Platz zwei. Gemeinsam vereinen beide rund 80 bis 90 Prozent der Marktkapitalisierung auf sich. Wachsende Konkurrenz kommt von PayPal mit PYUSD, von Paxos mit dem Robinhood-gestützten USDG und von Banken, die nach der GENIUS-Act-Verabschiedung eigene Stablecoins planen.
Der entscheidende Wendepunkt für die Branche war das im Juli 2025 von Präsident Trump unterzeichnete Stablecoin-Gesetz GENIUS Act. Es schafft erstmals einen US-Bundesrahmen für Stablecoins, schreibt eine 100-prozentige Deckung mit liquiden Mitteln wie kurzlaufenden Staatsanleihen vor und verbietet den Emittenten, Inhabern direkt Zinsen zu zahlen. Für Circle als am stärksten regulierten Anbieter ist das Gesetz strategisch günstig. Gleichzeitig droht es das mit Coinbase geteilte Erlösmodell juristisch unter Druck zu setzen.
Produkte und Services
Das Geschäftsmodell von Circle ist im Kern eine Wette auf die Größe der USDC-Reserven. Für jeden Dollar im Umlauf hält Circle einen Dollar in Bargeld und kurzlaufenden US-Staatsanleihen, verwaltet im sogenannten Circle Reserve Fund unter Mandat von BlackRock. Die Zinserträge auf diese Reserven bilden den weitaus größten Anteil der Einnahmen. 2024 entfielen auf die Reserveerträge rund 1,7 Milliarden Dollar Gesamtumsatz, 2025 wuchs der Wert auf rund 2,7 Milliarden Dollar.
Diesen Erträgen stehen erhebliche Distributionskosten gegenüber. Mit Coinbase teilt Circle die Reserveerträge nach einer komplexen Vereinbarung. Auf USDC, der direkt auf der Coinbase-Plattform liegt, gehen 100 Prozent der Erträge an die Krypto-Börse, auf USDC außerhalb der Plattform werden die Erträge zu je 50 Prozent geteilt. Ähnliche Vereinbarungen bestehen mit Binance und Bybit. Im Ergebnis fließt mehr als die Hälfte der Bruttoreserveerträge an Distributionspartner.
Über das Stablecoin-Geschäft hinaus baut Circle eine breitere Plattform für programmierbare Finanzinfrastruktur auf. Dazu gehören das Circle Payments Network für Banken und Zahlungsdienstleister, der Euro-Stablecoin EURC, der tokenisierte Geldmarktfonds USYC sowie Entwickler-Schnittstellen für Unternehmen, die Stablecoin-Funktionen in eigene Produkte integrieren wollen. Mit der Arc-Blockchain plant Circle zudem ein eigenes Layer-1-Netzwerk speziell für Stablecoin-Anwendungen.
