Kraken vor IPO: Vom SEC-Streit zum Börsengang

Kraken meldet sich beim Börsengang zurück
Die Krypto-Börse Kraken hat ihre Pläne für einen US-Börsengang am 14. April 2026 öffentlich bestätigt. Co-CEO Arjun Sethi sprach beim Semafor World Economy Summit in Washington. Das Unternehmen hatte bereits im November 2025 vertraulich einen Antrag bei der SEC eingereicht. Im März wurde der Plan dann auf Eis gelegt, weil der Krypto-Markt einbrach.
Am selben Tag stieg die Deutsche Börse mit 200 Millionen Dollar, rund 184 Millionen Euro, bei Kraken ein. Das entspricht 1,5 Prozent der Anteile. Daraus ergibt sich eine Bewertung von 13,3 Milliarden Dollar oder 12,2 Milliarden Euro. Das sind 6,7 Milliarden Dollar weniger als noch im November, als Kraken bei einer Bewertung von 20 Milliarden Dollar 800 Millionen Dollar einsammelte.

Lange Jahre Streit mit der US-Aufsicht
Hinter dem geplanten Börsengang liegt eine ungewöhnliche Vorgeschichte. Im November 2023 verklagte die US-Börsenaufsicht SEC unter dem damaligen Chef Gary Gensler die Krypto-Börse. Der Vorwurf lautete, Kraken betreibe eine unregistrierte Wertpapierbörse. Bereits Anfang 2023 hatte das Unternehmen 30 Millionen Dollar Strafe gezahlt, um eine ähnliche Klage rund um sein Staking-Programm beizulegen.
Kraken wehrte sich öffentlich. Die SEC werfe der Branche keine Klarheit hin, sondern reguliere durch Klagen. Im August 2024 wies ein Richter den Antrag von Kraken auf Klageabweisung zurück. Der Fall ging weiter. Dann kam der politische Wechsel. Donald Trump zog im Januar 2025 ins Weiße Haus ein, Gensler trat zurück. Mark Uyeda übernahm kommissarisch die SEC-Spitze.
Am 3. März 2025 stimmte die SEC zu, die Klage gegen Kraken fallen zu lassen. Mit Prejudice, also endgültig. Ohne Schuldeingeständnis, ohne Strafzahlung, ohne Geschäftsänderungen. Im selben Zeitraum legte die Behörde auch Verfahren gegen Coinbase, Consensys, Crypto.com, Robinhood, Uniswap und OpenSea bei. Mit dem GENIUS Act zur Stablecoin-Regulierung und dem CLARITY Act vom 29. Januar 2026 entstand zusätzlich ein gesetzlicher Rahmen, an dem die Branche jahrelang gearbeitet hatte.
Bewertung schmilzt um ein Drittel
Der Weg zum Börsengang verlief alles andere als geradlinig. Im November 2025 sammelte Kraken 800 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 20 Milliarden Dollar ein. Mit dabei waren Citadel Securities von Ken Griffin und der Hochfrequenzhändler Jane Street. Beide Häuser tauchen normalerweise nicht in Krypto-Finanzierungen auf. Das galt damals als starkes Signal an die Wall Street.
Wenige Wochen später drehte die Stimmung. Bitcoin verlor zwischen Dezember und März rund 40 Prozent seines Wertes. Krypto-Aktien gerieten unter Druck. Coinbase fiel von Hochs bei über 440 Dollar bis Februar 2026 auf 139 Dollar. Circle, dessen Börsendebüt im Juni 2025 noch ein Hit war, sackte vom Höchststand bei 298 Dollar auf rund 90 Dollar ab. Auch Bullish, ebenfalls 2025 an die Börse gegangen, verlor deutlich. Die Krypto-Börse Gemini büßte fast die Hälfte ihres Aktienwerts ein. Im März legte Kraken den IPO daher auf Eis.
Mit dem Einstieg der Deutschen Börse zementierte sich nun eine neue, niedrigere Bewertungsbasis. Ein Abschlag von 33 Prozent innerhalb von fünf Monaten ist im Private-Markets-Geschäft eine deutliche Korrektur. Operativ war diese Abwertung kaum zu rechtfertigen, denn die Geschäftszahlen liefen davon weg.
Mehr Infrastruktur, weniger reine Krypto-Börse
Kraken arbeitet seit Monaten daran, die eigene Story breiter aufzustellen. Das Unternehmen kaufte den Brokerage-Anbieter NinjaTrader und die Small Exchange für den Derivatehandel. Mit Nasdaq vereinbarte Kraken eine Partnerschaft für tokenisierte Aktien und ETFs. Im März 2026 gelang ein historischer Schritt. Über die Federal Reserve Filiale in Kansas City erhielt das Unternehmen einen Master Account. Damit hat Kraken Direktzugang zum Fedwire-Zahlungssystem, ohne Umweg über eine Geschäftsbank. Es ist die erste Krypto-Firma mit diesem Status.
Operativ legte Kraken im dritten Quartal 2025 die stärksten Zahlen seiner Geschichte vor. Der Umsatz lag bei 648 Millionen Dollar, also rund 596 Millionen Euro, ein Plus von 114 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA stieg auf 178,6 Millionen Dollar nach einem leichten Verlust im Vorjahresquartal. Das Handelsvolumen erreichte 576,8 Milliarden Dollar. Die Plattform zählte 5,2 Millionen finanzierte Konten und verwaltete Vermögen von 59,3 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr 2025 meldete das Mutterhaus Payward einen Umsatz von rund 2,2 Milliarden Dollar.
Höhere Multiples als Coinbase
Für Privatanleger ist Kraken vor dem IPO praktisch unzugänglich. Erst ein Börsengang würde direkten Zugang über Nasdaq oder NYSE schaffen. Interessant wird die Bewertung im Vergleich zur Konkurrenz. Bei 13,3 Milliarden Dollar handelt Kraken mit dem rund Zehnfachen des prognostizierten 2025-Umsatzes und dem 25- bis 35-fachen des EBITDA. Coinbase liegt bei rund dem Achtfachen Umsatz und 15- bis 20-fachem EBITDA. Pro Nutzer wird Kraken mit etwa 1.000 Dollar bewertet, mehr als doppelt so viel wie Coinbase.
Diese Multiples lassen sich mit dem stärkeren Wachstum begründen. Kraken kommt aus einer kleineren Basis und expandiert international schneller. Coinbase ist dafür breiter aufgestellt. Der Konzern ist seit Mai 2025 im S&P 500, hat mit Deribit den weltgrößten Krypto-Optionsbroker übernommen und erzielt mehr als 40 Prozent seines Umsatzes aus Abos und Services. Wer breiter in Krypto-Aktien investieren will, hat heute schon Coinbase, Circle und Strategy zur Auswahl. Alle drei sind 2026 deutlich gefallen, was zeigt, wie stark die Branche weiterhin am Bitcoin-Preis hängt.
Unsere Einschätzung: Ein Kraken-IPO bei 13 Milliarden Dollar wäre eine Wette auf Wachstum gegen einen schwächeren Krypto-Markt. Der Federal-Reserve-Zugang ist ein echtes Differenzierungsmerkmal. Die Konkurrenz holt aber bei Infrastruktur ebenfalls auf.
Das Fenster muss weit genug aufgehen
Wann genau Kraken an die Börse geht, ist offen. Die Firma wartet auf günstigere Marktbedingungen. Bitcoin notierte zuletzt wieder über 76.000 Dollar, getrieben von ETF-Zuflüssen und einer Entspannung im Nahost-Konflikt. Sollte sich die Erholung halten, ist ein Listing im zweiten Halbjahr 2026 möglich.
Andernfalls könnte sich der Börsengang ins Jahr 2027 verschieben. Mit dem Geld der Deutschen Börse und den 800 Millionen aus dem Vorjahr sitzt Kraken auf einem komfortablen Cash-Polster. Druck zum schnellen Listing besteht damit nicht. Was Anleger im Auge behalten sollten, sind drei Faktoren. Die Entwicklung des Bitcoin-Preises, die Aktienkurse von Coinbase und Circle als Stimmungsbarometer der Branche und die Frage, ob die SEC unter dem designierten Chef Paul Atkins die neue krypto-freundliche Linie konsequent durchhält.