Scott Smith, Marketingforscher und Professor an der Brigham Young University, entwickelte Anfang der 2000er-Jahre ein Programm, das Umfragen digital erfassen und in Echtzeit auswerten konnte. Als bei ihm Krebs diagnostiziert wurde, kam sein Sohn Ryan von der Universität zurück, um Zeit mit seinem Vater zu verbringen. Gemeinsam arbeiteten die beiden an der Software weiter. 2002 gründeten Scott Smith, seine Söhne Ryan und Jared sowie deren Studienfreund Stuart Orgill offiziell Qualtrics. Die ersten fünf Jahre betrieben sie das Unternehmen aus dem Keller des Familienhauses in Provo. Ryan verkaufte die Software, Jared schrieb den Code, und Scott testete das Produkt im eigenen Universitätskurs.
Die erste Zielgruppe waren Akademiker, die für ihre Forschung Umfragedaten erheben mussten. Von dort expandierte Qualtrics schrittweise in den Unternehmensmarkt. Ein Jahrzehnt lang wuchs das Unternehmen ohne externes Kapital und erzielte von Anfang an einen positiven Cashflow. Erst 2012 nahm Qualtrics 70 Millionen Dollar von Accel Partners und Sequoia Capital auf, um international zu expandieren und das Produktportfolio auszubauen. Was als einfaches Umfragetool begonnen hatte, entwickelte sich zur umfassenden Plattform für das Management von Kunden-, Mitarbeiter-, Produkt- und Markenerlebnissen.
Im November 2018 übernahm SAP Qualtrics für 8 Milliarden Dollar, wenige Tage bevor das Unternehmen eigentlich seinen ersten Börsengang vollziehen wollte. SAP sah in der Kombination aus operativen Geschäftsdaten und Erfahrungsdaten eine strategische Chance. Unter dem SAP-Dach verdoppelte Qualtrics seinen Umsatz und wuchs seinen Kundenstamm von rund 9.000 auf über 13.000 Organisationen. Der Hauptsitz liegt weiterhin in Provo, ein zweiter Standort befindet sich in Seattle.
Seit Februar 2026 führt Jason Maynard Qualtrics als CEO. Maynard kam von Oracle, wo er als Executive Vice President of Revenue Operations tätig war. Zuvor war er über die Übernahme von NetSuite 2016 zu Oracle gelangt und half dort, den Kundenstamm von 11.000 auf über 43.000 zu skalieren. Vor seinen operativen Rollen arbeitete Maynard 15 Jahre lang als Technologieanalyst bei Merrill Lynch, Credit Suisse und Wells Fargo.
Maynard folgt auf Zig Serafin, der das Unternehmen von 2020 bis Oktober 2025 als CEO geführt hatte. Serafin, ein ehemaliger Microsoft-Manager mit 17 Jahren Erfahrung im Konzern, hatte Qualtrics 2016 als COO angeschlossen und das Unternehmen durch die SAP-Übernahme, den Börsengang 2021 und die Privatisierung 2023 gesteuert. Er wechselte im Oktober 2025 in die Rolle des Vice Chairman. Mitgründer Ryan Smith bleibt als Executive Chairman strategisch eingebunden. Jim Whitehurst, ehemaliger CEO von Red Hat und President von IBM, führt den Vorsitz im Board of Directors.
Qualtrics operiert im Markt für Experience-Management-Software (XM), einer Kategorie, die das Unternehmen selbst maßgeblich geprägt hat. Dieser Markt umfasst Lösungen für Kundenzufriedenheit, Mitarbeiterengagement, Marktforschung und Markenwahrnehmung. Analysten schätzen das Volumen des verwandten Customer-Experience-Management-Markts auf über 15 Milliarden Dollar mit jährlichen Wachstumsraten von rund 15 Prozent.
Die Nachfrage wird durch mehrere Faktoren getrieben. Unternehmen aller Branchen investieren verstärkt in digitale Kundenerlebnisse, weil Kundenzufriedenheit direkt mit Umsatz und Kundenbindung korreliert. Gleichzeitig hat der Einsatz von KI die Möglichkeiten der Datenauswertung erheblich erweitert. Textanalyse, Sentiment-Erkennung und prädiktive Modelle verwandeln Rohdaten aus Umfragen und Feedback-Kanälen in handlungsfähige Erkenntnisse. Mit der Verbreitung von KI-gestützten Kundeninteraktionen wie Chatbots und automatisierten Serviceprozessen wächst zudem der Bedarf, die Qualität dieser Interaktionen systematisch zu messen.
Die Wettbewerbslandschaft ist breit aufgestellt. Medallia, 2019 an die Börse gegangen und 2021 von Thoma Bravo privatisiert, ist im Enterprise-Segment der direkteste Konkurrent. SurveyMonkey (Momentive) bedient eher den Mittelstand mit einem einfacheren Produkt. Große Plattformanbieter wie Salesforce, Adobe, SAP und Oracle bieten eigene CX-Module an, die in ihre umfassenden Cloud-Ökosysteme eingebettet sind. Spezialisierte Anbieter wie InMoment, Forsta und Alchemer besetzen Nischen. Qualtrics unterscheidet sich durch den Plattformansatz, der alle vier Erlebnisdimensionen (Kunden, Mitarbeiter, Produkt, Marke) in einem System vereint.
Die Qualtrics XM Platform bildet das Kernprodukt und funktioniert als zentrales System für sogenannte Experience Data (X-Data). Unternehmen sammeln darüber Feedback und Stimmungsdaten aus Umfragen, E-Mails, Chats, Bewertungsportalen und anderen Kontaktpunkten. Die Plattform wertet diese Daten automatisiert aus und übersetzt sie in konkrete Handlungsempfehlungen.
Das Angebot gliedert sich in drei Hauptbereiche. CustomerXM hilft Unternehmen, die Zufriedenheit ihrer Kunden an jedem Berührungspunkt zu messen und zu verbessern. EmployeeXM erfasst Mitarbeiterfeedback und analysiert Engagement, Onboarding-Erfahrung und Unternehmenskultur. ResearchCore richtet sich an Marktforscher und ermöglicht die Erstellung und Auswertung komplexer Studien mit über 100 Fragetypen und statistischen Analysemethoden wie Conjoint-Analyse oder MaxDiff.
Seit der Privatisierung 2023 hat Qualtrics seine KI-Funktionen deutlich ausgebaut. Unter dem Namen Experience Agents bietet das Unternehmen KI-gestützte Module an, die proaktiv auf Kundenfeedback reagieren und automatisiert Maßnahmen einleiten können. Über 19.000 Organisationen weltweit nutzen die Plattform, darunter Großkonzerne aus Branchen wie Einzelhandel, Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen und Technologie. Das Erlösmodell basiert auf Abonnements, wobei Subscription-Umsätze rund 85 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen.