Eine fehlerhafte Firmware kostete 90 Millionen Dollar

Grafik einer Krypto-Wallet mit Schutzschild sowie Bitcoin- und Ethereum-Münzen als Bezug zum Firmware-Fehler mit Millionenschaden

Eine fehlerhafte Firmware kostete 90 Millionen Dollar

Krypto4 Min.17.08.2026

Im August 2026 verschwanden Bitcoin im Wert von bislang knapp 90 Millionen Dollar. Betroffen waren Wallets, deren Wiederherstellungswörter auf einer fehlerhaften Firmware des Herstellers Coldcard entstanden. Betroffen waren über 1.800 Bitcoin aus mehr als 5.200 Adressen.

Der Fall ist neu in seiner Art. Geknackt wurde nicht das Gerät und auch nicht die Verschlüsselung. Fehlerhaft war die Erzeugung der Zufallszahlen, aus denen der geheime Schlüssel entsteht. Wer damals eine Wallet einrichtete, bekam einen Schlüssel, der sich nachträglich errechnen ließ.

Für Anleger ist das unangenehm, weil es die zentrale Annahme trifft. Eine Hardware Wallet gilt als sicherste Form der Verwahrung. Sie ist es auch, aber nur unter Bedingungen, die man kennen sollte.

Was eine Hardware Wallet überhaupt tut

Ein verbreitetes Missverständnis zuerst. Die Coins liegen nicht auf dem Gerät. Sie existieren ausschließlich auf der Blockchain, das Gerät verwahrt lediglich den privaten Schlüssel, der über sie verfügt.

Dieser Schlüssel verlässt das Gerät nie. Eine Transaktion wird auf dem Wallet signiert und erst danach an das Netzwerk gesendet. Selbst ein mit Schadsoftware verseuchter Computer bekommt den Schlüssel deshalb nicht zu sehen. Viele Geräte nutzen dafür einen abgeschirmten Spezialchip. Denselben Ansatz kennt man von Bankkarten und Reisepässen.

Als Sicherung dient die Seed Phrase, meist 12 oder 24 englische Wörter. Aus ihr lässt sich der komplette Zugang wiederherstellen, auch auf einem Gerät eines anderen Herstellers. Daraus folgt die wichtigste Regel dieses ganzen Themas. Wer die Wörter hat, hat die Coins.

Genau hier lag auch der Fehler im Coldcard-Fall. Die Wörter waren korrekt notiert und sicher verwahrt, taugten aber nichts, weil sie aus einem berechenbaren Zufall entstanden. Wer solche Fälle vermeiden will, aktualisiert die Firmware regelmäßig und richtet neue Geräte nicht mit veralteter Software ein.

Offen oder geschlossen, mit oder ohne Seed

Die Anbieter unterscheiden sich weniger in der Zahl unterstützter Coins als in ihrer Sicherheitsphilosophie. Trezor setzt vollständig auf Quelloffenheit. Firmware und Software liegen öffentlich einsehbar vor, die Modellreihe von 2026 nutzt einen zertifizierten Sicherheitschip. Über das sogenannte Shamir Backup lässt sich die Seed Phrase in mehrere Teile aufspalten, von denen einzeln keiner ausreicht.

Ledger hat den größten Marktanteil und die ausgereifteste Bedienung, arbeitet aber mit geschlossener Firmware. Nutzer verlassen sich damit auf interne Prüfprozesse des Herstellers. Die Bluetooth-Funktion mancher Modelle bringt Komfort und zugleich eine zusätzliche Angriffsfläche.

Der Schweizer Hersteller BitBox verfolgt einen quelloffenen Ansatz und bietet eine reine Bitcoin-Variante an, die alle anderen Coins gar nicht erst unterstützt. Wieder anders arbeitet Tangem, wo eine klassische Seed Phrase entfällt. Damit verschwindet der wichtigste Ansatzpunkt für Betrugsversuche, dafür gilt ein anderes Sicherungskonzept.

Für die Auswahl zählt weniger die Funktionsliste als die eigene Priorität. Wer unabhängige Überprüfbarkeit will, greift zu einem quelloffenen System. Wer Betrugsversuche fürchtet, profitiert von einem Konzept ohne Wiederherstellungswörter. Wer viele verschiedene Coins hält, braucht breite Unterstützung.

Preislich liegen Einsteigergeräte bei etwa 79 Euro, die größeren Modelle um 149 Euro. Gemessen an den Beträgen, die viele Nutzer verwahren, ist das der günstigste Teil der Übung.

Die Angriffe zielen auf den Menschen

Betrachtet man die tatsächlichen Vorfälle der vergangenen Jahre, richteten sich die wenigsten gegen die Hardware selbst. Beim Ledger-Vorfall von 2023 kaperten Angreifer das Entwicklerkonto eines ehemaligen Mitarbeiters und schleusten Schadcode ein, der rund 600.000 Dollar abzog. Ledger erstattete den Betroffenen den Schaden.

Häufiger geht es um Daten. Am 5. Januar 2026 wurde ein Zahlungsabwickler gehackt, über den Ledger abwickelt. Erbeutet wurden Namen, Postadressen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern, nicht jedoch Seed-Phrasen. Genau diese Daten machen gezielte Betrugsversuche erst möglich.

Wie weit das geht, zeigte eine Kampagne im April 2025. Kunden erhielten echte Briefe per Post mit einem QR-Code und der Aufforderung, ihre 24 Wörter einzugeben. Der Hersteller bestätigte die Fälschung.

Daraus ergibt sich eine Regel ohne Ausnahme. Kein seriöser Hersteller, kein Support und keine App fragt jemals nach der Seed Phrase. Wer danach gefragt wird, wird angegriffen.

Backup, Passphrase und der Erbfall

Die Wiederherstellungswörter gehören niemals in ein Foto, eine Notiz-App oder eine Cloud. Sinnvoll ist eine Sicherung auf Papier, besser auf einer Metallplatte, die Feuer und Wasser übersteht. Zwei Kopien an getrennten Orten verhindern, dass ein einzelnes Ereignis alles vernichtet. Ein Bankschließfach kommt dafür ebenso infrage wie ein Safe bei einer Vertrauensperson. Wichtig ist nur, dass beide Orte nicht von derselben Überschwemmung oder demselben Einbruch betroffen wären.

Eine zusätzliche Passphrase, im Handel auch als 25. Wort bezeichnet, erhöht die Sicherheit erheblich. Sie erhöht aber im selben Maß das Verlustrisiko, denn ohne sie ist der Zugang trotz korrekter Seed Phrase weg.

Der am häufigsten übersehene Punkt betrifft den Todesfall. Ohne Zugang zu den Wörtern ist das Vermögen für Erben endgültig verloren, unabhängig von jedem Testament. Sinnvoll ist eine dokumentierte Nachlassregelung. Möglich sind versiegelte Umschläge bei einem Notar oder eine Aufteilung auf mehrere Vertrauenspersonen. Steuerlich fällt Krypto ganz normal in den Nachlass und unterliegt der Erbschaftsteuer.

Bevor größere Beträge auf ein neues Gerät wandern, lohnt eine Übung. Einen kleinen Betrag senden, das Gerät zurücksetzen und die Wiederherstellung mit den Wörtern einmal komplett durchspielen. Wer das nicht geübt hat, weiß im Ernstfall nicht, ob sein Backup funktioniert.

Wer mehrere Personen einbeziehen möchte, kann die Wörter aufteilen. Beim erwähnten Shamir-Verfahren entstehen etwa fünf Teile, von denen drei zur Wiederherstellung genügen. Ein verlorener Teil ist damit kein Problem, ein gefundener allein aber auch kein Zugang.

Selbstverwahrung verlagert das Risiko nur

Am Ende steht ein Tausch. Wer selbst verwahrt, gibt das Risiko einer Handelsplattform ab und übernimmt dafür das eigene Bedienungsrisiko. Verlorene Wörter, ein vergessenes Passwort oder ein Fehler beim Backup sind endgültig, ohne Hotline und ohne Rückbuchung.

Eine Zwischenlösung ist die Aufteilung. Ein kleiner Betrag bleibt auf einer regulierten Plattform für den laufenden Handel, der Rest wandert auf ein Gerät. Wer zusätzlich streuen will, nutzt zwei Wallets mit getrennten Backups.

Für kleine Beträge kann eine regulierte Plattform deshalb die sinnvollere Wahl sein. Die eigentliche Frage lautet nicht Gerät oder Börse, sondern welchen Fehler man selbst eher machen würde. Wer sie ehrlich beantwortet, trifft auch die richtige Entscheidung.

Ein Blick auf die Statistik stützt das. Der weit überwiegende Teil der gestohlenen Kryptowerte stammt weiterhin von Plattformen und Protokollen, nicht aus privaten Geräten. Der Coldcard-Fall bleibt trotz seiner Größe die Ausnahme, die man kennen sollte, ohne daraus die Regel zu machen.

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Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.