Steigende NFT-Preise verdecken einen schrumpfenden Markt

Drei leuchtende NFT-Schriftzüge in Türkis, Grün und Violett auf schwarzen Sockeln vor dem Hintergrund des schrumpfenden NFT-Marktes

Steigende NFT-Preise verdecken einen schrumpfenden Markt

Krypto4 Min.17.08.2026

Im Juni 2026 fiel die Marktkapitalisierung aller Non-Fungible Token auf ein Rekordtief. Das tägliche Handelsvolumen über fast 1.800 erfasste Kollektionen lag nach Daten von CoinGecko unter 3 Millionen Dollar. Bei CryptoPunks wurde zeitweise praktisch gar nichts gehandelt.

Die Bodenpreise der bekanntesten Sammlungen lagen damals bei 32,5 Ether für einen CryptoPunk, umgerechnet rund 53.250 Dollar. Ein Bored Ape kostete 9,05 Ether oder etwa 14.830 Dollar, ein Pudgy Penguin 4,48 Ether und damit rund 7.335 Dollar.

Zwei Monate zuvor las sich dieselbe Datenlage völlig anders. Zwischen dem 10. April und dem 10. Mai stieg der Bodenpreis der Bored Apes um 75,87 Prozent. Beide Beobachtungen stimmen, und genau das macht diesen Markt für Anleger so schwer lesbar.

Der Bodenpreis misst nur das billigste Stück

Die meistzitierte Kennzahl im NFT-Markt heißt Floor Price, auf Deutsch Bodenpreis. Sie beschreibt schlicht das günstigste aktuell angebotene Stück einer Sammlung. Mehr nicht.

Daraus folgt eine erhebliche Schwäche. Zieht ein einzelner Verkäufer sein billiges Angebot zurück, steigt der Bodenpreis, ohne dass jemand etwas gekauft hätte. Bei dünnen Märkten reichen wenige Adressen, um die Zahl zu bewegen.

Hinzu kommt ein bekanntes Problem der Branche. Ein Großteil des ausgewiesenen Handelsvolumens geht auf sogenanntes Wash Trading zurück, bei dem dieselbe Person an sich selbst verkauft. Aus Sicht der Blockchain sieht das aus wie echter Handel, wirtschaftlich passiert nichts.

Bei klassischen Anlagen gibt es dieses Problem so nicht. Eine Aktie hat einen fortlaufenden Kurs aus tausenden Abschlüssen pro Tag. Eine NFT-Sammlung hat an manchen Tagen null Abschlüsse und trotzdem eine Zahl auf der Startseite des Marktplatzes.

Wer diesen Markt einschätzen will, sollte deshalb drei Zahlen nebeneinanderlegen. Bodenpreis, Anzahl der Verkäufe und Zahl der aktiven Käufer. Erst zusammen ergeben sie ein Bild.

Die Frühjahrsrallye traf auf halbiertes Volumen

Genau dieses Zusammenlegen liefert die eigentliche Geschichte des Jahres. Während der Bodenpreis der Bored Apes von 14.300 auf 25.150 Dollar sprang und CryptoPunks von 62.500 auf 73.200 Dollar zulegten, brach der Handel ein.

Nach Daten von cryptoslam.io lag das Volumen im selben Zeitraum bei rund 238,54 Millionen Dollar und damit 54,89 Prozent unter dem vorangegangenen Monat. CoinDesk fasste die Lage im April zusammen. Verkäufe, Transaktionen und aktive Nutzer haben sich seit Februar nahezu halbiert, während die Durchschnittspreise sich mehr als verdoppelt haben.

Übersetzt heißt das, dass immer weniger Menschen immer teurere Stücke handeln. Die Aktivität konzentriert sich auf eine Handvoll Kollektionen, der lange Rest des Marktes liegt still. Wenige Wochen später war die Rallye ohnehin vorbei.

Zwei Erklärungen bieten sich an. Entweder kaufen einige wenige Adressen gezielt die günstigsten Stücke auf, was den Bodenpreis mechanisch anhebt. Oder ein Teil der Bewegung spiegelt schlicht die allgemeine Erholung von Ether und Bitcoin in jener Phase wider. Beides spricht nicht für eine Rückkehr breiter Nachfrage.

Die Denominierung verzerrt jede Statistik

Ein technisches Detail führt regelmäßig zu Fehlschlüssen. NFT-Preise werden in Ether notiert, berichtet wird meist in Dollar. Bewegt sich der Ether-Kurs, verändern sich damit alle Dollarpreise, ohne dass am NFT-Markt selbst etwas passiert wäre.

Im Juni lieferte das ein Lehrstück. Ether hatte in 30 Tagen rund 28 Prozent verloren und lag bei etwa 1.640 Dollar. Die Bodenpreise in Ether gerechnet fielen deutlich weniger stark als in Dollar. Wer nur die Dollarzahlen sah, hielt den Einbruch für schlimmer, als er im NFT-Markt tatsächlich war.

Für Anleger im Euroraum kommt eine dritte Ebene dazu, weil auch der Wechselkurs zwischen Euro und Dollar mitschwankt. Ein NFT ist damit eine Wette auf drei Dinge gleichzeitig, nämlich auf die Sammlung, auf Ether und auf die Währung.

Der historische Vergleich ordnet die Größenordnung ein. In der Boomphase 2021 und 2022 erreichte das monatliche Handelsvolumen zeitweise 2 Milliarden Dollar. CryptoPunks kosteten in der Spitze über 70 Ether und zwischenzeitlich 214.000 Dollar.

Was von der Anlageklasse übrig bleibt

Die Illiquidität ist das zentrale Problem. Wenn eine Sammlung mit sechsstelligen Einzelpreisen an manchen Tagen gar keinen Umsatz macht, existiert kein verlässlicher Marktpreis. Verkaufen kann nur, wer einen Käufer findet, und der bestimmt den Preis.

Die Nebenkosten fallen ebenfalls ins Gewicht. Marktplätze berechnen Gebühren, viele Sammlungen sehen zusätzlich eine Beteiligung für die Urheber vor, und jede Transaktion auf Ethereum kostet Netzwerkgebühren. Bei kleinen Beträgen fressen diese Posten die Rendite auf.

Dazu kommen die Risiken der Verwahrung. Wer eine Wallet verliert oder auf eine Phishing-Seite hereinfällt, verliert das Objekt endgültig. Eine Rückabwicklung wie bei einer Banküberweisung existiert nicht.

Selbst die Infrastruktur bröckelt. NFT Price Floor, einer der führenden Datenanbieter der Szene mit über 1.799 erfassten Kollektionen, stellte den Betrieb zum 30. Juni 2026 ein. Der Grund war nicht mangelnde Qualität, sondern fehlende Finanzierung.

Ein Punkt betrifft die Rechte am Objekt. Was genau man beim Kauf erwirbt, unterscheidet sich von Sammlung zu Sammlung erheblich. Manche Projekte räumen kommerzielle Nutzungsrechte am Bild ein, andere nur den Eintrag in einer Datenbank. Das eigentliche Bild liegt zudem häufig nicht auf der Blockchain, sondern auf einem Server, dessen Betrieb jemand bezahlen muss.

Steuerlich behandelt die deutsche Finanzverwaltung NFTs als sonstige Wirtschaftsgüter. Damit greift Paragraf 23 Einkommensteuergesetz mit der einjährigen Haltefrist, solange der Handel privat bleibt. Wer häufig kauft und verkauft, riskiert die Einstufung als gewerblich.

Aus unserer Sicht taugt der Sektor derzeit nicht als Depotbaustein. Ein breit gestreuter Aktien-ETF ist täglich handelbar und zahlt Dividenden. Ein Bored Ape ist ein Sammlerstück in einem Markt, dessen Datenanbieter gerade schließen.

Sinnvolle Anwendungen jenseits der Spekulation existieren weiterhin. Digitale Eintrittskarten, Lizenznachweise und Gegenstände in Spielen nutzen dieselbe Technik. Mit einer Anlageklasse hat das allerdings wenig zu tun.

Ohne Datenanbieter wird die Bewertung schwerer

Der Rückzug von Anbietern wie NFT Price Floor trifft vor allem Einsteiger. Wer künftig Preise recherchieren will, ist stärker auf die Marktplätze selbst angewiesen, die ein eigenes Interesse an hohen Zahlen haben.

Beobachten lohnt deshalb weniger der Bodenpreis als die Zahl der aktiven Käufer. Zieht sie wieder an, kehrt Substanz in den Markt zurück. Bleibt sie flach, sind steigende Preise vor allem ein Zeichen dünner Orderbücher.

Für Einsteiger ist die Reihenfolge damit klar. Erst verstehen, wie dünn dieser Markt tatsächlich ist, und danach entscheiden, ob man mitmachen möchte. Wer es aus Interesse an einer Sammlung tut, hat andere Maßstäbe als jemand, der eine Rendite sucht.

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Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.