Edelsteinförderung zwischen Rekordauktionen und Minenkrise

Violetter Amethyst im Tropfenschliff auf verwittertem Holz als Bezug zu Rekordauktionen und der Krise in der Edelsteinförderung

Edelsteinförderung zwischen Rekordauktionen und Minenkrise

Rohstoffe6 Min.17.08.2026

Wer Edelsteine aus dem Boden holt, verdient 2026 sehr unterschiedlich. Gemfields, der größte börsennotierte Produzent von Smaragden und Rubinen, setzte im ersten Halbjahr 102,9 Millionen Dollar auf seinen Auktionen um. Das entspricht rund 88,9 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es 60 Millionen Dollar, ein Plus von 72 Prozent laut dem operativen Update des Konzerns.

Bei den Diamanten läuft es umgekehrt. Anglo American schrieb den Buchwert seiner Tochter De Beers im Februar 2026 auf 2,3 Milliarden Dollar ab. Ende Juli berichtete Bloomberg von einem angepeilten Verkaufspreis um eine Milliarde Dollar, umgerechnet etwa 864 Millionen Euro. Der frühere Monopolist wechselt also für einen Bruchteil dessen den Besitzer, was er einmal wert war.

Zwei Zahlen, zwei Welten. Farbedelsteine finden wieder Käufer, während der Diamantenmarkt seine Preismacht einbüßt. Wer über Edelsteine als Anlage nachdenkt, schaut deshalb besser zuerst auf die Förderseite. Dort entsteht der Preis, lange bevor ein Stein im Schaufenster liegt.

Mosambik und Sambia bestimmen den Farbsteinmarkt

Der Handel mit Rubinen und Smaragden wirkt von außen wie ein Basar. Tatsächlich hängt er an einer Handvoll industrieller Minen. Gemfields hält 75 Prozent an Montepuez Ruby Mining in der mosambikanischen Provinz Cabo Delgado und 75 Prozent an der Smaragdmine Kagem in Sambia. Die übrigen Anteile liegen bei einem lokalen Partner und bei der staatlichen Industrial Development Corporation.

Kagem steht nach Unternehmensangaben allein für rund ein Viertel der weltweiten Smaragdproduktion. Kolumbien fördert weniger Karat, erzielt pro Karat aber deutlich höhere Preise. Die dortige Bergbaubehörde weist eine Rohförderung von etwa einer Million Karat im Jahr aus. Australische Opale und Saphire aus Sri Lanka kommen dagegen überwiegend aus kleinteiligem Abbau, ohne einen industriellen Großbetrieb im Hintergrund.

Verkauft wird nicht am Ladentisch, sondern über verdeckte Gebotsauktionen. Käufer besichtigen die Lose vorab in Bangkok oder Jaipur und geben danach online ihr Angebot ab. Im Februar 2026 brachte eine Rubinauktion 53 Millionen Dollar, im Schnitt 279 Dollar je Karat. Ende Juni folgte ein neues Format namens Trade Select mit 23,1 Millionen Dollar Erlös und einem Durchschnitt von 66,30 Dollar je Karat.

Bei den Smaragden zeigt sich derselbe vorsichtige Ton. Die Auktion im Mai 2026 brachte 26,8 Millionen Dollar bei 146,08 Dollar je Karat. Im September 2025 waren es noch 160,78 Dollar, und die Zahl der bietenden Firmen sank von 65 auf 57. Gemfields verwies dabei auf die schwache indische Rupie, die seither rund 10 Prozent gegenüber dem Dollar verlor.

Diese Durchschnittspreise sagen wenig über Einzelsteine aus. Eine Auktion mit einfacher Handelsware brachte im Winter 2025 nur 7,46 Dollar je Karat. Qualität entscheidet in diesem Markt über Faktoren, nicht über Prozente.

Die absolute Spitze läuft an diesen Rohsteinauktionen ohnehin vorbei. Sie landet bei Sotheby's und Christie's. Der mosambikanische Rubin Estrela de Fura wiegt 55,22 Karat. Im Juni 2023 erzielte er in New York 34,8 Millionen Dollar, damals rund 32,5 Millionen Euro. Pro Karat waren das 630.288 Dollar. Den Rekord je Karat hält weiter der burmesische Sunrise Ruby, der 2015 in Genf gut 30 Millionen Dollar brachte. Umgerechnet zahlte der Käufer knapp 1,19 Millionen Dollar für jedes einzelne Karat.

Zwischen 279 Dollar auf einer Rohsteinauktion und 630.288 Dollar bei Sotheby's liegen mehrere Größenordnungen. Darin steckt das Kernproblem für Privatanleger. Ein Durchschnittspreis hilft bei der Bewertung eines konkreten Steins praktisch nicht weiter.

Wie wenig aus einer Tonne Gestein herauskommt

Die wichtigste Zahl der Branche steht selten in der Zeitung. Bei Montepuez lag die Ausbeute an Premium-Rubinen im ersten Halbjahr 2026 bei 0,025 Karat je Tonne Gestein. Für ein einziges Karat, also 0,2 Gramm, muss die Mine rechnerisch 40 Tonnen Material bewegen.

Gleichzeitig hängt fast der gesamte Umsatz an genau diesen Steinen. Premium-Rubine machen nach Angaben von Gemfields über 70 Prozent der Erlöse aus, aber weniger als 5 Prozent des geförderten Gewichts. Fällt die Ausbeute, bricht die Marge ein, obwohl die Mine weiterhin rund um die Uhr läuft.

Zum Vergleich lohnt der Blick auf Gold. Große Goldminen fördern ein bis fünf Gramm je Tonne Gestein, und der Preis steht jede Sekunde an der Börse. Bei Rubinen hängt der Wert einer Tonne davon ab, ob zufällig ein Spitzenstein darin steckt. Planbar ist dieses Geschäft kaum, weder für die Mine noch für den Käufer.

Genau das ist passiert. Der Konzern musste seinen Auktionskalender für Rubine im Jahresverlauf 2026 anpassen und nahm eine zweite Aufbereitungsanlage in Betrieb. Bei Kagem stiegen derweil die Betriebskosten, weil Treibstoff teurer wurde und Wechselkurse gegen die Mine liefen. Im Gesamtjahr 2025 lagen die Auktionserlöse bei rund 135,1 Millionen Dollar und damit etwa 32 Prozent unter dem Vorjahr.

Der Diamantriese verliert seine Preismacht

Bei De Beers kommen mehrere Probleme zusammen. Die Produktion sank 2025 um 12 Prozent auf 21,7 Millionen Karat, im vierten Quartal sogar um 35 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 gaben die Umsätze noch einmal um 20 Prozent nach. Die Venetia-Mine in Südafrika pausiert für zwei Jahre.

Der Hauptgrund liegt im Labor. Synthetische Diamanten sind chemisch und optisch identisch, kosten aber einen Bruchteil. Die Hochzeitsplattform The Knot berichtet, dass 2025 bereits 61 Prozent der Paare bei Verlobungsringen zum Labordiamanten griffen. De Beers schloss daraufhin seine eigene Labormarke Lightbox und verkleinerte den Kreis seiner ausgewählten Großkunden von rund 70 auf 45 bis 50.

Insgesamt hat Anglo American den Wert von De Beers über drei Jahre um rund 6,8 Milliarden Dollar nach unten korrigiert. Das Unternehmen kontrollierte einst über 80 Prozent des weltweiten Rohdiamantenangebots. Von dieser Marktmacht ist wenig geblieben.

Nicht alles fällt gleich stark. Der Branchendienst Rapaport berichtete, dass De Beers die Preise für Rohdiamanten ab fünf Karat anhob, während kleinere Standardware weiter unter Druck stand. Seltenheit wird bezahlt, Massenware nicht. Dieselbe Logik gilt bei Rubinen und Smaragden, nur ohne den Vergleichsdruck aus dem Reaktor.

Was die Förderseite für Anleger bedeutet

Einen börsengehandelten Edelsteinfonds sucht man vergeblich. Wer auf diese Anlageklasse setzen möchte, hat im Wesentlichen drei Wege. Aktien von Produzenten wie Gemfields, notiert in London und Johannesburg, oder von breiteren Bergbaukonzernen wie Anglo American. Physische Steine beim Fachhändler. Oder Schmuckstücke über Auktionshäuser.

Alle drei Wege haben Haken. Auf physische Edelsteine fallen in Deutschland 19 Prozent Mehrwertsteuer an, anders als bei Anlagegold. Dazu kommen Handelsaufschläge, die je nach Händler und Stein zweistellig ausfallen. Ein Laborzertifikat von SSEF, Gübelin, GRS oder GIA kostet extra. Verzichten kann man darauf trotzdem nicht. Herkunft und Behandlung bestimmen den Preis stärker als das reine Gewicht.

Hinzu kommt die Behandlung der Steine. Rund 90 bis 95 Prozent aller gehandelten Rubine werden erhitzt, um Farbe und Reinheit zu verbessern. Smaragde werden fast immer geölt, weil das Mineral feine Risse enthält. Beides ist zulässig und branchenüblich, drückt den Wert gegenüber unbehandelten Steinen aber deutlich. Ein Laborbericht ohne Behandlungsvermerk kann den Preis vervielfachen.

Die Spannweite im Handel fällt entsprechend groß aus. Für Smaragde in einfacher Qualität rufen Händler je nach Anbieter 100 bis 800 Euro pro Karat auf. Feine Steine kosten mehrere tausend Euro, Spitzenqualitäten aus Kolumbien oder Sambia ein Vielfaches davon. Wer die Unterschiede nicht selbst beurteilen kann, bezahlt am Ende vor allem das Vertrauen in seinen Händler.

Der Rückweg zu Bargeld bleibt der eigentliche Engpass. Für einen Rubin existiert kein Kurszettel wie für Gold, das am 17. August 2026 bei 4.401 Dollar je Feinunze notierte, also rund 3.795 Euro. Wer verkaufen will, ist auf Händler oder Auktionen angewiesen und zahlt dort Aufgelder. Der Knight Frank Luxury Investment Index, der zehn Sammelanlagen bündelt, gab 2025 um 0,4 Prozent nach.

Politische Risiken kommen obendrauf. Rubine aus Myanmar dürfen wegen der Sanktionen seit 2021 nicht in die EU, nach Großbritannien oder in die USA eingeführt werden. Sambia erhob zeitweise einen Exportzoll von 15 Prozent auf Smaragde. Cabo Delgado gilt seit Jahren als unsichere Region. Immerhin greift steuerlich die einjährige Haltefrist nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz, danach sind Gewinne aus dem Privatverkauf steuerfrei.

Als Beimischung taugen Edelsteine deshalb eher für Sammler mit langem Atem und Freude an der Sache. Ein breit gestreuter Aktien-ETF lässt sich an jedem Handelstag zum Marktpreis verkaufen, ein Fünf-Karäter nicht.

Im Oktober steht die nächste Rubinauktion an

Gemfields hat für Oktober 2026 die nächste Mixed-Quality-Auktion für Rubine angesetzt. Sie wird zeigen, ob die zweite Aufbereitungsanlage genug Premium-Ware liefert oder ob das Ausbeuteproblem bleibt. Die vollständigen Halbjahreszahlen des Konzerns folgen am 25. September.

Im Diamantengeschäft läuft parallel die Uhr. Der Verkauf von De Beers an das Global Diamond Consortium soll im vierten Quartal 2026 stehen. Die behördlichen Freigaben dauern danach etwa ein Jahr. Wer den neuen Eigentümer kennt, weiß mehr darüber, ob der Markt seine alte Preisdisziplin zurückbekommt.

Am Grundproblem für Privatanleger ändert das alles wenig. Der Markt bleibt intransparent, schwer handelbar und von wenigen Akteuren geprägt. Wer trotzdem einsteigen möchte, klärt Zertifikat, Herkunft und eine mögliche Rückkaufzusage besser schriftlich, bevor Geld fließt.

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Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.