Rohstoffe stabilisieren ein Depot, treiben es aber selten

Rohstoffe stabilisieren ein Depot, treiben es aber selten
Die vergangenen beiden Jahre waren für Rohstoffanleger außergewöhnlich. Gold legte 2025 um 64,37 Prozent zu, den stärksten Jahressprung seit 1979. Silber schaffte 147,31 Prozent, Kupfer nach einer Auswertung von Sprott 43,93 Prozent und damit die beste Jahresperformance seit 2009.
Solche Zahlen ziehen Aufmerksamkeit an. Sie sind aber kein Normalzustand. Zwischen 2010 und 2020 traten breite Rohstoffindizes über weite Strecken auf der Stelle, während Aktien kräftig zulegten. Wer nur die letzten 24 Monate betrachtet, zieht daraus schnell die falschen Schlüsse.
Die interessante Frage lautet deshalb nicht, ob Rohstoffe gerade laufen. Sie lautet, welche Aufgabe diese Anlageklasse in einem Depot überhaupt übernehmen soll.

Die Korrelation ist das eigentliche Argument
Der stärkste Grund für eine Beimischung hat nichts mit Rendite zu tun. Rohstoffe bewegen sich häufig anders als Aktien und Anleihen. Sie hängen an Ernten, Minenkapazitäten, Wetter und Geopolitik, nicht an Quartalszahlen und Zinserwartungen.
Untersuchungen über lange Zeiträume zeigen eine negative Korrelation von Rohstoffrenditen zu Anleihen und eine nur leicht positive zu Aktien. Der Fachbegriff Korrelation beschreibt dabei, wie stark sich zwei Anlagen im Gleichschritt bewegen. Ein Wert nahe null bedeutet, dass die eine kaum etwas über die andere aussagt.
Genau darin liegt der praktische Nutzen. Fällt der Aktienteil, hält der Rohstoffteil das Gesamtdepot ruhiger. Beim jährlichen Umschichten verkauft man dann Anteile des Gewinners und kauft beim Verlierer nach.
Ein zweiter Effekt entsteht beim Umschichten. Wer eine feste Quote hält, verkauft nach einer Rally automatisch Anteile und kauft nach einem Einbruch nach. Über viele Jahre glättet diese Mechanik den Verlauf, ganz ohne Marktprognosen. Der Nutzen entsteht also aus der Disziplin, nicht aus der Rohstoffauswahl.
Dazu kommt der Inflationsbezug. Von allen großen Anlageklassen korrelieren Rohstoffe am stärksten mit der Teuerungsrate. Die Jahre 2021 und 2022 lieferten dafür ein Anschauungsbeispiel, als Energie und Metalle stiegen, während Anleihen kräftig verloren.
Was Rohstoffe nicht können
Hier beginnt die andere Seite der Rechnung. Ein Fass Öl produziert nichts, ein Barren Silber zahlt keine Zinsen, ein Sack Weizen schüttet keine Dividende aus. Der gesamte Ertrag entsteht ausschließlich dann, wenn jemand später mehr bezahlt.
Ein Unternehmen dagegen arbeitet. Es erwirtschaftet Gewinne, investiert und wächst. Genau deshalb liegt die langfristige Renditeerwartung von Aktien über der von Rohstoffen. Wer 15 Jahre Zeit hat, sollte das im Kopf behalten.
Ein Zahlenbeispiel macht den Unterschied greifbar. Ein breiter Aktienindex hat über sehr lange Zeiträume real grob fünf Prozent im Jahr geliefert, getragen von Gewinnwachstum und Dividenden. Rohstoffe schaffen über dieselben Zeiträume ungefähr den Inflationsausgleich, mal etwas mehr, mal weniger. Diese Lücke wächst über Jahrzehnte zu einer erheblichen Summe an.
Bei futuresbasierten Produkten kommt die Mechanik hinzu. Beim Wechsel von einem auslaufenden in den nächsten Terminkontrakt entstehen häufig Kosten, die je nach Rohstoff ein bis drei Prozentpunkte im Jahr fressen können. Wer den Preisverlauf eines Rohstoffs mit dem eigenen Depotauszug vergleicht, findet diese Lücke wieder.
Und die Korrelation ist keine Naturkonstante. Sie schwankt und steigt gerade in Panikphasen oft an, wenn alle Anlagen gleichzeitig verkauft werden. Der Schutz wirkt also ausgerechnet dann am schwächsten, wenn man ihn am dringendsten bräuchte.
Wie viel Prozent üblich sind
In der Praxis nennen viele Finanzplaner eine Rohstoffquote von 5 bis 15 Prozent des Gesamtdepots. Für Gold allein liegt die gängige Spanne bei 5 bis 10 Prozent. Diese Werte sind Erfahrungsgrößen, keine wissenschaftlich hergeleiteten Optima.
Ein Teil der Fachwelt hält dagegen. Wer die Rollkosten breiter Futures-Produkte hoch ansetzt, kommt zu dem Schluss, dass der Diversifikationsvorteil über Jahre aufgezehrt wird. Diese Stimmen empfehlen dann ausschließlich physisch hinterlegtes Gold oder gar keine Rohstoffe. Beide Positionen sind gut begründet, und wir halten es für ehrlicher, das offen nebeneinanderzustellen.
Bei der Umsetzung entscheidet die Steuer mit. Physisch hinterlegte Gold-Papiere mit Lieferanspruch sind nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Für alle anderen Rohstoffprodukte fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag an, ohne Teilfreistellung. Bei Silber, Platin und Palladium kommen beim physischen Kauf zusätzlich 19 Prozent Mehrwertsteuer dazu, bei Gold nicht.
Ein Detail zur Sparplanfähigkeit lohnt ebenfalls den Blick. Breite Rohstofffonds lassen sich bei den gängigen Onlinebrokern besparen, Einzelrohstoff-Produkte oft nur eingeschränkt. Wer monatlich anlegt, prüft das besser vorab. Auch die Handelsspanne fällt bei Nischenprodukten höher aus als bei einem Weltindex-ETF, besonders außerhalb der Haupthandelszeiten.
Auch die Form der Umsetzung ist eine Entscheidung. Ein breiter Rohstoffindex streut über sechs Sektoren, ein Minen-ETF setzt auf Unternehmen mit eigenem Geschäftsrisiko, ein Einzelrohstoff-Produkt ist eine gezielte Wette. Die drei Varianten haben wenig miteinander zu tun, auch wenn sie oft in einem Atemzug genannt werden.
Was für ein junges Depot zählt
Wer mit 25 anfängt und 30 Jahre Zeit hat, braucht vor allem Wachstum. Ein breit gestreuter Aktien-ETF liefert das über Gewinne und Dividenden, Rohstoffe nicht. Das spricht dafür, den Kern des Depots dort zu belassen und Rohstoffe als Ergänzung zu betrachten.
Drei Fehler tauchen dabei immer wieder auf. Der erste ist der Einstieg nach einer Rally, weil die Schlagzeilen gerade gut aussehen. Der zweite ist die Wette auf einen einzelnen Rohstoff, ohne dessen Marktmechanik zu kennen. Der dritte sind Hebelprodukte, deren tägliche Neuberechnung das Ergebnis über Monate vom Kursverlauf abkoppelt.
Sinnvoller ist die umgekehrte Reihenfolge. Zuerst die Frage, welche Aufgabe der Baustein erfüllen soll. Dann die Auswahl des passenden Produkts. Und erst danach der Blick auf den aktuellen Kurs.
Ein Vergleich mit Tagesgeld hilft bei der Einordnung. Tagesgeld liefert einen kleinen, aber verlässlichen Zins und schwankt nicht. Rohstoffe liefern keinen Zins und können in einem Jahr zweistellig fallen. Beide erfüllen völlig unterschiedliche Aufgaben. Wer einen Notgroschen sucht, findet ihn beim Tagesgeld, nicht im Rohstoffregal.
Ein letzter Punkt betrifft die Erwartungshaltung. Rohstoffe können jahrelang seitwärts laufen, wie das Jahrzehnt vor 2021 gezeigt hat. Wer diese Durststrecken nicht aushält, verkauft im ungünstigsten Moment und hat vom Diversifikationseffekt nichts gehabt.
Der Test kommt in der nächsten Krise
Ob eine Rohstoffquote ihr Geld wert ist, zeigt sich nicht in guten Jahren. Sie zeigt sich, wenn Aktien zweistellig fallen und das Depot trotzdem ruhiger bleibt als der Markt.
Bis dahin gilt eine einfache Regel für die Praxis. Wer eine Quote festlegt, sollte sie einmal jährlich überprüfen und wieder herstellen. Diese Disziplin ist am Ende wichtiger als die Frage, ob der Anteil nun 5 oder 12 Prozent beträgt.
Beobachten lassen sich außerdem die Terminkurven. Kupfer notierte 2026 zeitweise so, dass das Rollen sogar Gewinne einbrachte, bei Energie war es meist umgekehrt. Diese Struktur ändert sich laufend und entscheidet über einen guten Teil der Rendite.
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Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.
